Start Profi-Sport Vorschau 12. Etappe Giro d’Italia 2026: Ausreißer versus Sprinter

Vorschau 12. Etappe Giro d’Italia 2026: Ausreißer versus Sprinter

Übersicht

12. Etappe | 21. Mai 2026 | Imperia – Novi Ligure | 175 km | 2.250 Höhenmeter

Die erste Chance für die Sprinter in der zweiten Giro-Woche bietet sich auf der 12. Etappe. Sie führt über 175 Kilometer von Imperia nach Novi Ligure. Entscheidend für die explosiven, endschnellen Männer wird auf diesem Abschnitt sein, dass sie den Ausreißern nicht allzu viel Zeit gewähren und gut über die beiden Anstiege kommen. Der Colle Giovo und der Bric Berton in der zweiten Rennhälfte sind die einzigen echten Hindernisse, die einem Sprint Royal im Piemont entgegenstehen.

Die spannende Frage wird sein, welche Sprinter-Teams in die Nachführarbeit investieren und wer zur Sicherheit einen Mann in die Fluchtgruppe schickt.

Strecke der 12. Etappe des Giro d’Italia 2026

Die Etappe startet in Imperia am Meer und macht zunächst einen kleinen Schlenker ins Hinterland bis Pieve di Teco. In diesem ersten Abschnitt liegen mehrere Tunnel und Galerien, ehe die Strecke wieder in Richtung Küste verläuft. Über Borghetto d’Arroscia, Albenga, Ceriale, Loano und Pietra Ligure geht es entlang der Via Aurelia.

Hinter Savona ändert sich die Topografie der Etappe. Hier beginnt die erste von zwei Bergwertungen an diesem Tag. Hinauf führt die Straße zum Colle Giovo, einer Bergwertung der 3. Kategorie. Ungefähr in der Mitte der 7,8 Kilometer langen Steigung wird in Stella bei Rennkilometer 100,7 die einzige klassische Sprintwertung des Tages abgenommen.

Nach der kurzen Abfahrt hinunter nach Sassello bleibt die Strecke wellig, ehe es wieder bergauf zum Bric Berton geht. Der zweite klassifizierte Anstieg ist 7,5 Kilometer lang, durchschnittlich 4,9 Prozent steil und ebenfalls eine Bergwertung der 3. Kategorie. Er wird gut 50 Kilometer vor dem Ziel erreicht und markiert den „Eintritt“ ins Piemont. Danach verläuft die Route wellig über Cassinelle, Molare, Ovada, Silvano d’Orba und Capriata d’Orba.

Nach dem Red-Bull-Kilometer bei Rennkilometer 161,6 steuern die Profis über Francavilla Bisio und Pasturana auf den Zielort Novi Ligure zu. Die letzten drei Kilometer sind nahezu gerade; lediglich einige Kreisverkehre müssen durchfahren werden, die die Linie aber nicht stark verändern. Die letzte schwierige Kurvenkombination liegt bereits drei Kilometer vor dem Ziel. Danach folgt ein sehr langer Anlauf für einen Sprint.

Karte der 12. Etappe des Giro d’Italia 2026

Favoriten-Check: Etappensieg und Rosa Trikot

Die Etappe bietet mehrere Szenarien. Szenario 1: Die Sprintteams setzen sich durch, und Magnier, Milan, Lund Andresen, Groenewegen und Co. machen den Sieg unter sich aus. Szenario 2: Die Klassiker- und Puncheurfraktion nutzt die beiden Anstiege, um die ganz schnellen Männer aus dem Spiel zu nehmen. In diesem zweiten Fall wäre Narváez fast der logischste Name, doch auch Aular, Strong, Turner oder ein offensiver Fahrer aus einer frühen Gruppe könnten profitieren. Szenario 3: Es geht eine Fluchtgruppe, und diese darf sich austoben, während das Feld nach dem Kampf um die Gruppe eher entspannt ins Ziel fährt.

Der wahrscheinlichste Ausgang bleibt ein Sprint, da die endschnellen Männer nicht mehr allzu viele Chancen auf einen Etappensieg haben.

Top-Favorit ist Paul Magnier (Soudal Quick-Step), sofern er die beiden Anstiege ohne größeren Aufwand übersteht. Der Franzose trägt das Maglia Ciclamino und will weiter punkten.

Jonathan Milan (Lidl-Trek) bleibt der gefährlichste Kontrahent, falls es zu einem echten Sprint aus einem größeren Feld kommt. Seine Endgeschwindigkeit ist für ein Finale wie dieses prädestiniert, doch der Weg dorthin ist die entscheidende Frage. Wenn am Colle Giovo und am Bric Berton konsequent Tempo gefahren wird, muss Milan mehr investieren als Fahrer wie Magnier, Tobias Lund Andresen (Decathlon CMA CGM) oder Corbin Strong (NSN). Gerade Lund Andresen und Strong zählen deshalb zu den interessantesten Alternativen: schnell genug für den Sprint, aber bergfester als viele klassische Topsprinter.

Dylan Groenewegen (Unibet Rose Rockets), Matteo Malucelli (XDS Astana), Ethan Vernon (NSN) und Pascal Ackermann (Jayco AlUla) gehören ebenfalls in den erweiterten Kreis der Siegkandidaten. Für sie gilt aber noch stärker: Sie brauchen ein kontrolliertes Rennen und dürfen an den beiden Bergwertungen nicht isoliert werden. Wenn mehrere Teams dort das Tempo verschärfen, kann aus einem Sprintertag schnell ein Rennen für Klassikerfahrer werden. Dann rücken Orluis Aular (Movistar), Ben Turner (Netcompany Ineos) und Corbin Strong in den Vordergrund – Fahrer, die auch nach einem harten Renntag noch Punch besitzen.

Wertungen der 12. Etappe des Giro d’Italia 2026

Bergwertungen
• Colle Giovo, 514 m | 3. Kategorie | Rennkilometer 107,5
• Bric Berton, 761 m | 3. Kategorie | Rennkilometer 123,0

Sprintwertungen
• Stella | Rennkilometer 100,7 | Intermediate Sprint
• Red Bull-Kilometer | Rennkilometer 161,6 | Zeitbonifikationen

TV-Tipp: 12. Etappe des Giro d’Italia im Fernsehen

Ab 12:45 Uhr überträgt Eurosport 1 die 12. Etappe der Italien-Rundfahrt live im Free-TV.

Karten & Grafiken: © RCS Sport