10. Etappe | 14. Juli | Aurillac – Le Lioran | 166,6 km
Am französischen Nationalfeiertag führt die 10. Etappe der Tour de France 2026 von Aurillac nach Le Lioran im Zentralmassiv. Zwar sind nach dem ersten Ruhetag bei dieser Frankreich-Rundfahrt „nur“ 166,6 Kilometer zu bewältigen, doch die haben es in sich. Insgesamt sieben kategorisierte Anstiege sind zu absolvieren, sechs davon auf den finalen 70 Kilometern. Flach wird es auf dem 10. Tagesabschnitt ohnehin nie. Vor allem die zweite Hälfte der Etappe ist mit dem Col de la Griffoul, dem Pas de Peyrol am Puy Mary und dem Col de Pertus äußerst fordernd.
Auch wenn es am Ende keine klassische Bergankunft gibt, zählt dieser Abschnitt doch zu den schwierigsten dieser Tour. Und er weckt Erinnerungen an die Tour de France des Jahres 2024. Auf der 11. Etappe attackierte Tadej Pogačar am Puy Mary – Pas de Peyrol rund 50 Kilometer vor dem Ziel und konnte sich zunächst absetzen. Jonas Vingegaard schloss am Col de Pertus wieder zu ihm auf und gewann anschließend die Etappe in Le Lioran im Sprint gegen Pogačar.
Bevor es in die Vogesen und Alpen könnte dieser Abschnitt für größere Abstände auf den vorderen Plätzen im Gesamtklassement sorgen.
Strecke der 10. Etappe der Tour de France 2026
Nach dem Start in Aurillac führt die Route über Roannes-Saint-Mary und Marcolès zunächst in südlicher Richtung. Bereits früh im Rennen, nach 26,9 Kilometern, wird in Lacapelle-del-Fraisse die einzige Sprintwertung des Tages ausgefahren.
Danach erreichen die Profis über La Croix d’Aubugues, Calvinet, Carlat, Loubejac und Jou-sous-Monjou zunehmend bergiges Terrain.
Côte de Pailherols macht den Auftakt bei dieser Zentralmassiv-Etappe
Der erste kategorisierte Anstieg beginnt nach gut 60 Kilometern. Hinauf zur Côte de Pailherols (3. Kategorie) geht es über 3 Kilometer mit durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung. Danach verändert sich die Etappe grundlegend. Aus dem welligen Auftakt wird eine Abfolge von Anstiegen und kurzen Abfahrten. Gut 20 Kilometer später überqueren die Fahrer den Col de la Griffoul (2. Kategorie). Die Auffahrt zu diesem Tour-Novizen ist 5,9 Kilometer lang und im Durchschnitt 6,7 Prozent steil.
Von der Bergwertung am Col de la Griffoul fällt die Straße zunächst ab, ehe sie wenig später erneut zum Col de Prat de Bouc (3. Kategorie) ansteigt. Der Anstieg ist 3,1 Kilometer lang und durchschnittlich 6,5 Prozent steil. Die Kuppe liegt bei Rennkilometer 100,7 auf 1.392 Metern Höhe.
Bei entsprechender Fahrweise könnte es bereits zur Rennmitte hier einen Split im Hauptfeld geben, sodass Sprinter sowie ihre Helfer und angeschlagene Fahrer zurückfallen. Jetzt ähnelt diese Etappe einer Achterbahn beziehungsweise einem Drag-Racing-Circuit.
Keine zehn Kilometer nach der Überquerung des Col de Prat de Bouc stecken die Profis im nächsten Anstieg drin – der Côte de Murat (3. Kategorie). 5,2 Kilometer lang ist die Auffahrt, die mit einer durchschnittlichen Steigung von 5,3 Prozent nach oben führt.
Rund 50 Kilometer vor dem Ziel könnte dieser Anstieg bereits ein langes und furioses Finale einleiten. Denn einfacher wird es im ständigen Auf und Ab des Zentralmassivs nicht.
Pas de Peyrol am Puy Mary: der höchste Punkt der Etappe
Über den Weiler Lavigerie erreichen die Profis den Anstieg zum Pas de Peyrol am Puy Mary. Dies ist der zentrale Berg dieser 10. Etappe. Im Durchschnitt steigt die Straße auf 7,8 Kilometern mit sechs Prozent an und bringt die Fahrer auf eine Höhe von 1.589 Metern.
Der Pas de Peyrol ist der höchste Punkt dieser Etappe und zugleich eine Schlüsselstelle des Rennens. Anders als die vorherigen Anstiege besitzt er durch seine Länge, gepaart mit der Steigung und seiner Position gut 30 Kilometer vor dem Ziel, die nötige Schwere, um das Rennen hier nachhaltig zu verändern.
Nach der Kuppe folgt eine rund 11 Kilometer lange Abfahrt nach Mandailles-Saint-Julien, von wo aus der vorletzte Anstieg in Angriff genommen werden muss. Der Col de Pertus (1. Kategorie) ist 4,4 Kilometer lang und im Durchschnitt 8,5 Prozent steil. Damit ist der Pertus zwar nicht der längste Anstieg des Tages, aber der steilste. Nach fünf Bergwertungen und einem schweren Tag im Zentralmassiv trifft die Konkurrenz auf einen kurzen, aber sehr steilen Anstieg.
Wenig Erholung bietet die folgende Abfahrt, ehe mit dem moderateren Col de Font de Cère (3. Kategorie) der letzte Anstieg bevorsteht. Mit 3,1 Kilometern Länge und durchschnittlich 5,8 Prozent Steigung ist er für Bergfahrer normalerweise eher ein Rollerberg. Von seiner Passhöhe sind es keine drei Kilometer mehr bis ins Ziel nach Le Lioran. Allerdings führt nicht der komplette Weg bergab. Nach dem Teufelslappen steigt die Straße auf den finalen gut 700 Metern bis zur Ziellinie noch einmal an.
Karte der 10. Etappe der Tour de France 2026

Das Finale der 10. Etappe der Tour de France 2026

Favoriten-Check: Etappensieg und Gelbes Trikot
Nach dem ersten Ruhetag kehrt die Tour de France 2026 direkt auf schweres Terrain zurück. Die 10. Etappe ist eine klassische Zentralmassiv-Prüfung über 166,6 Kilometer: nicht extrem lang, aber im Finale dicht gepackt mit Anstiegen, Abfahrten und kaum Zeit zum Durchatmen. Auf den letzten rund 80 Kilometern reiht sich eine Schwierigkeit an die nächste. Spätestens ab dem Puy Mary-Pas de Peyrol und dem Col de Pertus ist dies ein Tag, an dem das Gesamtklassement wieder in Bewegung geraten kann.
Das Profil ist anspruchsvoll genug, um mehrere Rennszenarien zuzulassen. Eine starke Ausreißergruppe hat Chancen, wenn UAE Team Emirates XRG das Rennen nicht komplett kontrollieren will. Gleichzeitig ist das Finale so explosiv, dass die Klassementfahrer kaum passiv bleiben werden können. Der Puy Mary-Pas de Peyrol könnte die Schlüsselstelle im Rennen werden – wie bereits 2024.
Damals erlitt Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG) seine letzte Niederlage im direkten Duell gegen Jonas Vingegaard. Wenn UAE Team Emirates XRG den Puy Mary oder den Col de Pertus hart anfährt, ist Pogačar der Fahrer, den alle schlagen müssen. Das Finale ist steil genug, um Selektion zu schaffen, aber nicht so lang, dass nur reine Kletterer im Vorteil wären.
Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) steht dagegen unter Zugzwang, wenn er noch seine Chance auf Gelb nutzen will. Nach neun Etappen liegt er 2:42 Minuten hinter Pogačar. Dochbdas Zentralmassiv ist nicht sein bevorzugtes Terrain. Vielmehr muss der Däne und sein Team aufpassen, dass nicht die Armada an Fahrern, die hinter ihm liegt eskalieren.
Neben Isaac del Toro (UAE Team Emirates XRG) ist hier Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-Hansgrohe) zu nennen. Der ehemalige Lüttich-Bastogne-Lüttich-Sieger mag solch ein schweres Klassikerprofil. Gleiches gilt auch für Mattias Skjelmose (Lidl-Trek), dem ebenfalls die Ardennenklassiker liegen. Auf Frankreichs Jung-Star Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) kann kurze, steile Anstiege mit viel Power fahren. Gespannt darf man eher sein, wie sich klassische Kletterer wie Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-Hansgrohe) und Juan Ayuso (Lidl-Trek) sowie Lenny Martinez (Bahrain Victorious) auf diesem Terrain schlagen.
Last, but not least Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team). Die kurzen, steilen Anstiege, die technischen Abfahrten und das unruhige Finale Richtung Le Lioran kommen ihm grundsätzlich entgegen. Die Frage ist, ob er im Gesamtklassement zu nah an den Top Ten liegt, um in einer frühen Fluchtgruppe sofort freie Hand zu bekommen. Wenn er Spielraum erhält, zählt Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team) zu den gefährlichsten Fahrern des Tages.
Am französischen Nationalfeiertag werde sich viele Franzosen eine Chance ausrechnen und bis in die Haarspitzen motiviert sein. Kévin Vauquelin (Netcompany Ineos), Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step), Alex Baudin (EF Education-EasyPost) und Jordan Jegat (TotalEnergies) zählen hier ganz sicher dazu.
Wertungen der 10. Etappe der Tour de France 2026
Sprintwertungen
Lacapelle-del-Fraisse | Rennkilometer 26,9
Bergwertungen
Côte de Pailherols (1.043 m) | 3. Kategorie | 3,0 km mit 7,2 % | Rennkilometer 68,0
Col de la Griffoul (1.336 m) | 2. Kategorie | 5,9 km mit 6,7 % | Rennkilometer 85,7
Col de Prat de Bouc (1.392 m) | 3. Kategorie | 3,1 km mit 6,5 % | Rennkilometer 100,7
Côte de Murat (1.193 m) | 3. Kategorie | 5,2 km mit 5,3 % | Rennkilometer 118,8
Puy Mary – Pas de Peyrol (1.589 m) | 1. Kategorie | 7,8 km mit 6,0 % | Rennkilometer 135,7
Col de Pertus (1.309 m) | 1. Kategorie | 4,4 km mit 8,5 % | Rennkilometer 152,1
Col de Font de Cère (1.294 m) | 3. Kategorie | 3,1 km mit 5,8 % | Rennkilometer 163,9
TV-Tipp: 10. Etappe der der Tour de France 2026 im Fernsehen
Ab 13:00 Uhr überträgt Eurosport 1 die 9. Etappe der Frankreich-Rundfahrt live im Free-TV. „Das Erste“ geht ab 14:05 Uhr „on air“.
Profile: © A.S.O.
Karte: © GEOATLAS
