Start Profi-Sport Jonas Vingegaard gewinnt die Gesamtwertung des Giro d’Italia 2026

Jonas Vingegaard gewinnt die Gesamtwertung des Giro d’Italia 2026

Übersicht

Jonas Vingegaard gewinnt bei seinem Debüt die Gesamtwertung des Giro d’Italia 2026. Der Däne aus dem Team Visma | Lease a Bike dominierte die entscheidenden Bergankünfte, holte fünf Etappensiege und setzt sich vor Felix Gall und Jai Hindley durch.

Nach Gesamtsiegen bei der Tour de France und der Vuelta a España steht nun auch der Giro d’Italia in den Palmarès von Jonas Vingegaard. Das gelang vor ihm nur sieben Fahren. Zuletzt konnte Chris Froome 2018 dieses Grand Tour-Triple vollenden.

Vingegaards Erfolg ist der Sieg des stärksten Bergfahrers dieses Giro. Fünf Etappen entschied er für sich. Bei den Bergankünften am Blockhaus, am Corno alle Scale, in Pila, in Carì und schließlich in Piancavallo.

Vingegaards Giro beginnt mit Geduld – und endet in Dominanz

Der Giro begann in Bulgarien zunächst mit anderen Protagonisten. Paul Magnier (Soudal Quick-Step) gewann den Auftakt in Burgas und legte auf der dritten Etappe in Sofia gleich seinen zweiten Erfolg nach. Dazwischen hatte Guillermo Thomas Silva (XDS Astana Team) mit dem Sieg in Veliko Tarnovo die Maglia Rosa übernommen.

Nach der Rückkehr des Rennens nach Italien rückte Afonso Eulálio (Bahrain Victorious) in den Mittelpunkt. Der Portugiese übernahm auf der fünften Etappe nach Potenza das Rosa Trikot und verteidigte es länger, als es vor dem Rennen wohl viele erwartet hätten. Selbst als der Giro erstmals richtig steil wurde, blieb Eulálio zunächst an der Spitze der Gesamtwertung.

Denn am Blockhaus setzte Vingegaard zwar das erste Zeichen. Der Däne gewann die siebte Etappe vor Felix Gall (Decathlon CMA CGM Team) und Jai Hindley (Red Bull–Bora–Hansgrohe). Doch Eulálio rettete seinen Vorsprung und blieb in Rosa. Auch zwei Tage später am Corno alle Scale, als Vingegaard seinen zweiten Etappensieg feierte, behauptete der Portugiese noch einmal die Gesamtführung.

Damit bekam die erste Rennhälfte eine überraschende Dramaturgie: Vingegaard war in den Bergen bereits der stärkste Fahrer, doch er dominierte keineswegs. Eulálio blieb der Mann in Rosa – und wurde aus der Entdeckung der ersten Woche zu einem ernsthaften Anwärter auf eine Spitzenplatzierung im Gesamtklassement und das Weiße Trikot.

Filippo Ganna gewinnt das lange Zeitfahren – Eulálio bleibt in Rosa

Auf der zehnten Etappe stand das einzige Einzelzeitfahren dieses Giro auf dem Programm. Über 42 Kilometer von Viareggio nach Massa lieferte Filippo Ganna (Netcompany Ineos) eine herausragende Leistung ab. Der Italiener gewann in 45:53 Minuten und verwies seinen Teamkollegen Thymen Arensman um 1:54 Minuten auf Rang zwei. Rémi Cavagna (Groupama-FDJ United) wurde mit 1:59 Minuten Rückstand Dritter.

Für die Gesamtwertung reichte dieser Tag dennoch nicht zum Führungswechsel. Eulálio verteidigte das Rosa Trikot, wenn auch nur noch knapp vor Vingegaard. Der Däne zeigte ihier erstmals en kleine Schwäche, denn er verlor auf einen GC-Konkurrenten wie Arensman über eine Minute. Ungewöhnlich für einen Fahrer seiner Klasse. Der Giro blieb damit offen – zumindest auf dem Papier. Denn die entscheidenden Bergetappen der zweiten Hälfte sollten noch folgen.

Zunächst prägten Ausreißer und Klassikerfahrer das Rennen. Jhonatan Narváez (UAE Team Emirates-XRG), der bereits in Fermo gewonnen hatte, siegte auch in Chiavari. Alec Segaert (Bahrain Victorious) setzte sich in Novi Ligure durch, Alberto Bettiol (XDS Astana Team) triumphierte in Verbania. Es waren Tage, an denen Eulálio das Rosa Trikot weiter verteidigte, während Vingegaard auf die Etappen wartete, auf denen die Rundfahrt endgültig entschieden werden konnte.

In Pila dominiert Vingegaard und übernimmt Rosa

Die 14. Etappe von Aosta zur Bergankunft in Pila brachte die erwartete Zäsur. Auf dem finalen Anstieg setzte sich Vingegaard ab und gewann die Etappe mit 49 Sekunden Vorsprung vor Felix Gall. Jai Hindley erreichte das Ziel 58 Sekunden hinter dem Dänen.

Damit übernahm Vingegaard erstmals in diesem Giro das Maglia Rosa. Eulálios bemerkenswerte Zeit als Gesamtführender endete, doch der Portugiese blieb im Kampf um das Weiße Trikot und eine starke Platzierung im Gesamtklassement.

Von diesem Zeitpunkt an ließ Vingegaard keinen Zweifel mehr an den Kräfteverhältnissen aufkommen. Nach dem Ruhetag gewann er auch die kurze, intensive Bergankunft in Carì mit mehr als einer Munze Vorsprung vor Gall, der wieder Zweiter wurde und sich so auch wieder auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung zurückkämpfte, nachdem Arensman nach dem Zeitfahren diesen übernommen hatte. Vingegaard fuhr seinen Vorsprung in der Gesamtwertung weiter aus und gab seinen Rivalen kaum noch eine realistische Möglichkeit, den Giro zu drehen.

Gall und Hindley sichern sich die Podiumsplätze

Hinter dem dominierenden Mann in Rosa blieb der Kampf um die weiteren Podiumsplätze spannend. Felix Gall erwies sich in den Bergen als konstantester Herausforderer Vingegaards. Der Österreicher wurde am Blockhaus, in Pila, in Carì und schließlich in Piancavallo jeweils Zweiter und sicherte sich damit den zweiten Gesamtrang.

Jai Hindley musste lange um den Platz auf dem Podium kämpfen. Auf der 19. Etappe nach Piani di Pezzè, die Sepp Kuss (Team Visma | Lease a Bike) gewann, ging der Australier in derder Gesamtwertung an Thymen Arensman vorbei auf Rang drei Damit stand vor der finalen Bergetappe fest, dass Hindley seine Chance auf das Podium in Piancavallo würde verteidigen müssen.

Piancavallo wird zur letzten Machtdemonstration

Die letzte Bergetappe von Gemona del Friuli nach Piancavallo war als finaler Prüfstein der Gesamtwertung angelegt. Zweimal führte der Kurs hinauf nach Piancavallo, ehe nach 200 Kilometern die letzte Bergankunft dieses Giro erreicht war.

Vingegaard begnügte sich nicht damit, seinen Vorsprung zu verwalten. Im Schlussanstieg attackierte der Däne rund elf Kilometer vor dem Ziel und löste sich von seinen Konkurrenten. Gall konnte zunächst folgen, musste Vingegaard dann aber ziehen lassen. Das Spannendste daran war, dass de Däne seine Pläne ändern musste und viel früher als geplant in die Offensive ging. Der Grund: Ihm gingen die Mannschaftskameraden aus und so war er viel früher allein.

Doch Vingegaard gewann die Etappe mit 1:15 Minuten Vorsprung vor Gall und Hindley. Es war sein fünfter Tageserfolg bei diesem Giro – und der passende Schlusspunkt unter eine Rundfahrt, die er in den Bergen beherrscht hatte.

Eulálio gewinnt das Weiße Trikot, Magnier die Punktewertung

Neben dem Gesamtsieger hat dieser Giro weitere prägende Figuren hervorgebracht. Afonso Eulálio war eine der großen Entdeckungen des Rennens. Der Portugiese trug mehrere Tage die Maglia Rosa, behauptete sich auch auf den schweren Bergankünften und verteidigte schließlich das Weiße Trikot des besten Jungprofis gegen Davide Piganzoli (Team Visma | Lease a Bike). Im Gesamtklassement beendet Eulálio den Giro auf Rang sechs.

Paul Magnier prägte die Sprint- und Punktewertung. Der Franzose gewann die erste und dritte Etappe in Bulgarien sowie die 18. Etappe nach Pieve di Soligo. Mit drei Tageserfolgen sicherte sich der Fahrer von Soudal Quick-Step das Maglia Ciclamino, das ijm zeitweise Paul Magnier prägte die Sprint- und Punktewertung. Der Franzose gewann die erste und dritte Etappe in Bulgarien sowie die 18. Etappe nach Pieve di Soligo. Mit drei Tageserfolgen sicherte sich der Fahrer von Soudal Quick-Step das Maglia Ciclamino, das im zeitweise Jhonatan Narváez (UAE Team Emirates – XRG) streitig machte. Der Ecuadorianer gewann drei Etappen und nutzte seine Freiheiten, nachdem sein Team, gleich beide GC-Kapitäne auf der 2. Etappe verlor.

Das Blaue Trikot des besten Bergfahrers geht an Giulio Ciccone (Lidl-Trek). Der Italiener trug während des Giro auch das RosaTrikot und sammelte auf den schweren Bergetappen konsequent Punkte für die Bergwertung. Trotz allem gehört Ciccone zu den tragische Figuren dieses Giros, da ihm. ein Etappensieg verwehrt blieb.

Ein Giro unter der Kontrolle von Visma | Lease a Bike

Für Team Visma | Lease a Bike wurde der Giro d’Italia 2026 zu einer Demonstration seiner Stärke bei den Bergetappen. Vingegaard gewann fünf Teilstücke, Sepp Kuss triumphierte in den Dolomiten auf der Königsetappe. Zudem beendete Davide Piganzoli die Rundfahrt in den Top Ten und war bis zur letzten Bergetappe ein Herausforderer im Kampf um das Weiße Trikot. Ganz nebenbei sicherte sich die niederländische Equipe auch noch die Teamwertung.

Der Giro d’Italia 2026 endet damit mit einem eindeutigen sportlichen Urteil: Jonas Vingegaard war der stärkste Rundfahrer des Rennens – und vollendet in Rom eine Grand-Tour-Sammlung, die nun auch die Maglia Rosa umfasst.

Gesamtwertung Giro d’Italia 2026

1 – Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike)
2 – Felix Gall (Decathlon CMA CGM Team) +5:22 Minuten
3 – Jai Hindley (Red Bull–Bora–Hansgrohe) +6:25
4 – Thymen Arensman (Netcompany Ineos) +7:02
5 – Derek Gee-West (Lidl-Trek) +7:56
6 – Afonso Eulálio (Bahrain Victorious) +9:39
7 – Michael Storer (Tudor Pro Cycling Team) +10:13
8 – Davide Piganzoli (Team Visma | Lease a Bike) +10:52
9 – Damiano Caruso (Bahrain Victorious) +11:24
10 – Egan Bernal (Netcompany Ineos) +12:54

Die Trikotgewinner des Giro d’Italia 2026

Maglia Rosa – Gesamtwertung: Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike)
Maglia Ciclamino – Punktewertung: Paul Magnier (Soudal Quick-Step)
Maglia Azzurra – Bergwertung: Giulio Ciccone (Lidl-Trek)
Maglia Bianca – Nachwuchswertung: Afonso Eulálio (Bahrain Victorious)

Foto: La Presse / RCS Sport