14. Etappe | 18. Juli | Mulhouse – Le Markstein Fellering | 155,3 km
Der zweite Tag in den Vogesen ist der deutlich schwerere und wird auch für die Gesamtwertung mitentscheidend sein. Die 14. Etappe führt von Mulhouse nach Le Markstein Fellering und verbindet auf lediglich 155,3 Kilometern vier schwere Bergwertungen: den Grand Ballon, den Col du Page, den Ballon d’Alsace und zum Abschluss die neu ins Tour-Programm aufgenommene Montée du Haag. Der letzte davon führt über 12,1 Kilometer bei durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung und liegt nur wenige Kilometer vom Ziel entfernt.
Anders als auf einer langen Hochgebirgsetappe gibt es kaum lange Täler oder Flachpassagen, auf denen ein Feld die Situation vollständig beruhigen kann. Der Grand Ballon kommt früh im Rennen, der Ballon d’Alsace kann die entscheidende Rennphase eröffnen, und die Montée du Haag zwingt im Finale zur direkten Auseinandersetzung.
Für das Team des Gelben Trikots wird die Kontrolle entsprechend anspruchsvoll. Eine starke Ausreißergruppe kann über die frühen Anstiege einen großen Vorsprung aufbauen, während die unmittelbaren Rivalen im Gesamtklassement im Finale auf ihre Chance warten. Wer das Rennen kontrollieren will, benötigt an diesem Tag mehrere kletterstarke Helfer – und muss dennoch damit rechnen, dass am letzten Anstieg nur noch die Kapitäne unter sich sind.
Strecke der 14. Etappe der Tour de France 2026
Der Start erfolgt in Mulhouse, das im südlichen Elsass liegt. Von dort führt die Strecke zunächst in westlicher Richtung über Bollwiller und Uffholtz nach Wattwiller. Dort wird bereits nach 14,4 Kilometern die einzige Sprintwertung des Tages ausgefahren.
Unmittelbar danach kommt die Etappe in ihr eigentliches bergiges Terrain. Über Hartmannswillerkopfs und den Col Amic gelangen die zur ersten Bergwertung des Tages – dem Grand Ballon, einem Berg der 1. Kategorie.
Grand Ballon: Erster Berg und frühe erste Zielpassage
Der Aufstieg zum Grand Ballon ist 21,5 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 4,8 Prozent auf. Der höchste Gipfel der Vogesen liegt auf 1.336 Metern Höhe und wird bereits bei Rennkilometer 38,1.
Die Durchschnittssteigung erscheint moderat, doch die Länge der Auffahrt und die Tatsache, dass es bereits der 14. Renntag ist, machen den Grand Ballon zu einer anspruchsvollen Prüfung. Hier kann sich eine starke Ausreißergruppe vom Feld lösen. Fahrer, die den Etappensieg aus einer Flucht heraus anstreben, müssen an diesem Anstieg möglichst vorne vertreten sein.
Für die Mannschaften der Favoriten stellt sich bereits am ersten Berg eine taktische Frage. Machen sie das Rennen har und bauen auf der langen Auffahrt früh Druck, um die Helfer der Konkurrenten zu dezimieren.
Nach der Bergwertung führt die Strecke zunächst nach Le Markstein Fellering, wo die Fahrer bei Rennkilometer 43,9 erstmals die spätere Ziellinie passieren.

Nach Le Markstein folgt eine 16 Kilometer lange Abfahrt hinunter nach Kruth, ehe es in den nächste Anstig des Tages geht. Über den Col d’Oderen erreichen die Fahrer den Col du Page (2. Kategorie ). Der Anstieg ist 9,8 Kilometer lang und im Durchschnitt 4,7 Prozent steil.
Ballon d’Alsace: Traditionsberg an zwei Tour-Tagen in Folge
Nach dem Col du Page führt die Strecke bergab über Bussang und Saint-Maurice-sur-Moselle zum nächsten Berg des Tages – dem Ballon d’Alsace. Der traditionsreiche Tour-Berg stand bereits am Vortag im Finale der Etappe nach Belfort im Profil. Nun könnte er erneut zu einer Schlüsselstelle des Rennens werden.
Über 8,9 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 6,9 Prozent erreichen die Profis die Bergwertung der 1. Kategorie. Von dort oben auf 1.173 Metern Höhe sind es noch gut 60 Kilometer ins Etappenziel nach Le Markstein.

Nach der Kuppe des Ballon d’Alsace führt die Strecke über La Gentiane, den Lac d’Alfeld und Sewen hinunter nach Masevaux. Auf diesem Abschnitt können abgehängte Fahrer noch mal zurückkommen.
Über Bourbach-le-Haut und den unkategorisierten Col du Hundsruck (748 Meter) führt die Route weiter nach Bitschwiller-lès-Thann und Saint-Amarin. Auch wenn dieser Abschnitt keine weitere offizielle Bergwertung enthält, bleibt das Profil anspruchsvoll.
Montée du Haag: Neue Schlussprüfung der Tour de France
Der letzte Anstieg des Tags ist der Montée du Haag, der seine Premiere bei der Tour feiert. Der Anstieg führt über einen schmalen serpentinenreichen Waldweg, der zur Radstrecke ausgebaut wurde. Die Auffahrt ist 11,2 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 7,3 Prozent auf. Die Kuppe liegt auf 1.233 Metern Höhe und wird bei Rennkilometer 149,4 erreicht. Der Anstieg gehört zur 1. Kategorie.
Die Zahlen machen deutlich, warum die Montée du Haag der entscheidende Berg dieser Etappe ist. Sie ist steiler als der Grand Ballon, länger als der Ballon d’Alsace und liegt unmittelbar vor dem Ziel. Nach drei vorausgegangenen Bergwertungen trifft das Feld im Finale auf einen langen Anstieg mit deutlich mehr als sieben Prozent im Durchschnitt und einzelnen besonders steilen Passagen.
Der Anstieg dürfte damit nicht nur über den Tagessieg entscheiden, sondern kann auch das Gesamtklassement verändern. Wer am Haag einen schwachen Moment erlebt, verliert auf den steilen Kilometern schnell Zeit. Wer dagegen attackiert und über die Kuppe mit Vorsprung hinwegkommt, besitzt ausgezeichnete Chancen, diesen bis Le Markstein Fellering zu verteidigen.
Ziel in Le Markstein Fellering: Kurzes Finale nach dem letzten Berg
Das Ziel in Le Markstein Fellering liegt auf 1.192 Metern Höhe und wird nach 155,3 Kilometern erreicht. Anders als bei einer klassischen Bergankunft endet die Etappe nicht direkt auf dem Gipfel der letzten Bergwertung. Nach der Kuppe der Montée du Haag folgt noch eine knapp sechs Kilometer lange Passage bis zur Ziellinie.
Das Finale der 14. Etappe der Tour de France 2026

Karte der 14. Etappe der Tour de France 2026

Favoriten-Check: Etappensieg und Gelbes Trikot
Anders als auf der 13. Etappe spricht diesmal deutlich mehr für einen Etappensieg aus der Gruppe der Favoriten des Gesamtklassements als für eine erfolgreiche Ausreißergruppe.
Der Favorit ist Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG). Der Slowene fährt im Gelben Trikot, hat nach der 13. Etappe weiter 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) und bekommt auf dieser Etappe ein Finale, das ihm sehr entgegenkommt. Der Col du Haag ist lang genug, aber unregelmäßig und steil genug, um explosive Beschleunigungen zu ermöglichen. Genau dort kann Pogačar seine größte Stärke ausspielen: Er muss nicht lange warten, er kann mit einem kurzen, brutalen Angriff Lücken reißen. Dazu kommt, dass Le Markstein für ihn ein vertrauter Zielort ist. 2023 gewann er dort bereits eine Tour-Etappe. 2026 führt der Weg allerdings über eine neue, schwierigere Schlussvariante.
Gehen Jonas Vingegaard und sein Team in die Offensive?
Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) steht dagegen unter Zugzwang. Der Däne liegt im Gesamtklassement weiter auf Rang zwei, aber der Abstand zu Pogačar ist so groß, um offensiv zu fahren. Die Etappe bietet ihm Chancen, aber auch Risiken. Will Visma | Lease a Bike das Rennen drehen, müsste die Mannschaft vermutlich schon vor dem Schlussanstieg Druck aufbauen – oder am Col du Haag früh genug eine Situation schaffen, in der Pogačar nicht mehr reagieren kann.
Gespannt darf man sein, ob nicht Red Bull-Bora-Hansgrohe mit Remco Evenepoel und Florian Lipowitz oder Lidl-Trek mit Juan Ayuso und Mattias Skjelmose offensiv fahren werden, um vielleicht den zweiten Platz von Vingegaard anzugreifen. Zudem wird Lidl-Trek wohl versuchen, dass ihr beiden Kapitäne im GC wieder an Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team) vorbeiziehen, der durch seinen dritten Platz in Belfort im Gesamtklassement auf Rang vier vorgerückt ist.
Der junge Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) fährt weiter eine bemerkenswerte Tour. Der junge Franzose liegt nach der 13. Etappe auf Rang sechs und bekommt in den Vogesen eine weitere Gelegenheit. Für einen Etappensieg müsste vieles zusammenkommen. Doch Seixas hat bereits gezeigt, dass er in dieser Tour nicht nur mitfährt, sondern das hohe Niveau der Besten lange halten kann. Auf dem Col du Haag wird sich zeigen, wie stabil er nach fast zwei Wochen noch ist.
Wertungen der 14. Etappe der Tour de France 2026
Sprintwertungen
Wattwiller | Rennkilometer 14,4
Bergwertungen
Grand Ballon (1.336 m) | 1. Kategorie | 21,5 km mit 4,8 % | Rennkilometer 38,1
Col du Page (959 m) | 2. Kategorie | 9,8 km mit 4,7 % | Rennkilometer 71,3
Ballon d’Alsace (1.173 m) | 1. Kategorie | 8,9 km mit 6,9 % | Rennkilometer 97,7
Col du Haag (1.233 m) | 1. Kategorie | 11,2 km mit 7,3 % | Rennkilometer 149,4
TV-Tipp: 14. Etappe der der Tour de France 2026 im Fernsehen
Ab 13:00 Uhr überträgt Eurosport 1 die 14. Etappe der Frankreich-Rundfahrt live im Free-TV. „Das Erste“ geht ab 14:00 Uhr „on air“.
Profile: © A.S.O.
Karte: © GEOATLAS
