Start Profi-Sport Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026: Vorschau auf Etappen und Favoriten der Mini-Tour de France

Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026: Vorschau auf Etappen und Favoriten der Mini-Tour de France

Übersicht

Die Tour Auvergne-Rhône-Alpes gilt schon seit Jahrzehnten als Generalprobe für die Tour de France. Knapp einen Monat vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt startet das vormals unter dem Titel Critérium du Dauphiné firmierte World Tour-Rennen 2026 startet am 7. Juni 2026 in Vizille. Eine Woche, acht Etappen mit mehr als 1.200 Kilomtern später endet es mit der Bergankunft am Plateau de Solaison. Gerade diese Finaletappe und das Mannschaftszeitfahren an Tag drei sind perfekte letzte Härtetests für die Profis, die auch bei der Tour de France starten werden.

Die Favoriten auf den Gesamtsieg der Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026

Da mit Tadej Pogačar, Jonas Vingegaard, und Florian Lipowitz das Podium der vergangenen Tour de France fehlt, liegt die komplette Aufmerksamkeit steht Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team). Der erst 19 Jahre alte Franzose hat sich im Frühjahr vom außergewöhnlichen Talent zum Siegfahrer gewandelt. Im April gewann er die Itzulia Basque Country. Wenig später triumphierte er beim Flèche Wallonne und wurde bei Lüttich-Bastogne-Lüttich von keine geringeren als Pogačar geschlagen. Apropos geschlagen – Seixas gilt es zu schlagen, das die öffentliche Erwartungshaltung.

Top-Favorit Paul Seixas

Die Strecke passt zu den Qualitäten von Paul Seixas: Schon im hügeligen Auftakt kann Seixas seinen Punch ausspielen, während die steilen Schlussanstiege am Grand Colombier und am Plateau de Solaison ideale Prüfsteine für einen explosiven Kletterer wie ihn sind. Mit Matthew Riccitello, Aurélien Paret-Peintre und Léo Bisiaux verfügt Decathlon CMA CGM zudem über mehrere Fahrer, die ihn im Gebirge unterstützen können. Entscheidend wird allerdings sein, wie gut das Team im Mannschaftszeitfahren gegenüber den stärker aufgestellten Konkurrenten abschneidet.

Herausforderer Juan Ayuso und Isaac Del Toro

Sein womöglich stärkster Gegner kommt aus dem UAE Team Emirates-XRG. Isaac Del Toro hat 2026 bereits die UAE Tour sowie Tirreno-Adriatico gewonnen und damit bewiesen, dass er einwöchige Rundfahrten nicht nur mitfahren, sondern kontrollieren und entscheiden kann. Der Mexikaner ist ein starker Kletterer. Zudem könnte im Mannschaftszeitfahren könnte diese Teanmstärhke in der Breite ein Vorteil sein.

Ebenfalls ein Mitfavorit ist Juan Ayuso (Lidl-Trek). Der Spanier ist bislang der einzige Fahrer, der Seixas 2026 in einer Rundfahrt hinter sich gelassen hat: Bei der Volta ao Algarve gewann Ayuso im Februar sowohl die Schlussetappe als auch die Gesamtwertung vor dem Franzosen. Allerdings verlief seine Saison anschließend nicht ohne Rückschläge: Schwerer Sturz bei Paris-Nizza und einen Infekt bei der Baskenland-Rundfahrt warfen ihn zurück. Umso aufschlussreicher wird sein Auftritt bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes. Findet Ayuso rasch seinen Rennrhythmus, gehört er zu den Fahrern, die Seixas und Del Toro im Hochgebirge unmittelbar herausfordern können.

Eine besondere Stellung nimmt Matteo Jorgenson (Team Visma-Lease a Bike) ein. Der US-Amerikaner war 2024 bereits Zweiter des Critérium du Dauphiné und belegte im vergangenen Jahr Rang sechs. Im Unterschied zu einigen jüngeren Konkurrenten weiß er also, wie dieses Rennen über acht Tage gefahren werden muss. Jorgenson ist kein Fahrer, der zwingend mit einer einzelnen explosiven Attacke gewinnen muss. Seine Stärke liegt ebenso in der Konstanz, im taktisch kontrollierten Rennen und in der Fähigkeit, auf verschiedenen Terrains konkurrenzfähig zu bleiben. Das Mannschaftszeitfahren dürfte Visma mit Jorgenson, Wout van Aert und Bruno Armirail besonders entgegenkommen. Sollte die Mannschaft dort Zeit auf die leichteren Kletterer gewinnen, könnte Jorgenson im Finale eher verteidigen als attackieren müssen.

Gespannt darf man auch auf das Abschneiden der Netcompany Ineos-Squad sein. Mit Kévin Vauquelin, Oscar Onley und Carlos Rodríguez bringen sie gleich drei GC-Fahrer an den Start. Sie können auch eine starke Teamzeitfahren profitieren.

Darüber hinaus könnten noch Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility), Cian Uijtdebroeks (Movistar Team) sowie Guillaume Martin-Guyonnet (Groupama-FDJ United) für Überraschungen im Gesamtklassement sorgen.

Überblick: Die Etappen der Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026

1. Etappe | 7. Juni 2026 | Vizille – Saint-Ismier | 146,2 km

Die schwere Auftaktetappe macht deutlich, wohin die Reise geht: in die Berge des Départements Isère. Auf den 140 Kilometern zwischen Vizille und Saint-Ismier müssen die Fahrer allein fünf kategorisierte Anstiege bewältigen. Kurz nach dem Start beginnt der erste Anstieg, der nach über 400 Höhenmetern die Sprintwertung in Monestier-de-Clermont erreicht. Kurz danach folgt eine Zwischenabfahrt, ehe der Anstieg zum Col de l’Arzelier (8,6 Kilometer mit 5,7 Prozent) beginnt. Nach einer längeren Abfahrt und einer kurzen flachen Passage läutet die Côte de Sexsins (2,6 Kilometer mit 6 Prozent) die zweite Rennhälfte ein. Der Parcours führt flach über Fontaine zur Côte de Quaix en Chartreuse (2,3 Kilometer mit 9,2 Prozent). Nach einer Senke folgt der Anstieg zum Col de Vence (5,1 Kilometer mit 6 Prozent). Von dort führt die Straße hinab nach Meylan, ehe das Rennen am Kategorie-1-Berg Côte de Saint-Jean-le-Vieux in seine entscheidende Phase geht. Der 5,6 Kilometer lange und 8,7 Prozent steile Berg ist 746 Meter hoch. Nach einer schnellen, steilen Abfahrt hinunter nach Le Versoud steigt die Straße zum Ziel leicht an.


2. Etappe | 8. Juni 2026 | Saint-Martin-le-Vinoux – Le Puy-en-Velay | 234,3 km

Die längste Etappe der Rundfahrt führt über 237 Kilometer von Saint-Martin-le-Vinoux durch die Ardèche nach Le Puy-en-Velay. Besonders die zweite Hälfte des zweiten Tagesabschnitts hat es in sich. Den Auftakt macht der lange, zweigeteilte Anstieg hoch zum Col de Rouvey auf 1.251 Metern. Um hier hinaufzukommen, erklimmen die Fahrer zunächst über 10,9 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 4,4 Prozent den Col Robert Marchand. Im weiteren Verlauf bleibt die Strecke wellig. Eine vorentscheidende Trennung fällt dann gut 30 Kilometer vor dem Ziel an der Côte des Baraques. Nach gut 200 Kilometern müssen die Profis 4,2 Kilometer mit 6,6 Prozent im Schnitt hochklettern. Die letzte Möglichkeit, sich abzusetzen, bietet dann die Côte de Saint-Vidal (zwei Kilometer mit 7,4 Prozent) zwölf Kilometer vor der Ziellinie. Von dort aus führt die restliche Strecke überwiegend bergab nach Le Puy-en-Velay.


3. Etappe | 9. Juni 2026 | Le Perreux – Le Perreux | 28,4 km | Mannschaftszeitfahren

Ein Mannschaftszeitfahren mit modernem Reglement. Nicht die Zeit der ersten drei oder vier Fahrer wird genommen, sondern jeder Fahrer wird individuell gewertet. Genauso wird es übrigens bei Paris-Nizza auf Etappe drei und zum Auftakt der Tour de France 2026 in Barcelona gehandhabt. Das erlaubt besondere taktische Strategien und ist die ideale Generalprobe für den Auftakt von Grand Boucle wenige Wochen später.

Der leicht wellige Parcours führt über 28,4 Kilometer rund um Le Perreux in der Region Île-de-France. Zweifelder Anstiege und eine ansteigende Zielankunft sind die topografischen Schwierigkeiten. Es wird spannend sein, wer wie lange an welcher Position fährt und ob es tatsächlich Soloankünfte geben wird. Denn zwischen Rennkilometer 19 und 27 fällt die Strecke leicht ab und als Solist ist man im Wind chancenlos.


4. Etappe | 10. Juni 2026 | Le Puy-en-Velay – Montrond-les-Bains | 167,4 km

Wird dies der erste Tag bei dieser Rundfahrt für die Sprinter? Auf den ersten rund 100 Kilometern der 4. Etappe müssen sie darauf achten, nicht zu viel Zeit zu verlieren. Denn nach dem Start in Le Puy-en-Velay verläuft die Strecke wellig bis bergig – mit insgesamt sechs Bergwertungen. Das ist ideal für Ausreißer, die Jagd auf die Bergpunkte und das Maillot Grimpeur machen wollen. Vom Gipfel des letzten Anstiegs, der Côte de la Roche-en-Forez (2,1 Kilometer mit 4,5 Prozent), sind es noch knapp 60 Kilometer bis ins Ziel nach Montrond-les-Bains. Die Strecke verläuft zunächst ansteigend, dann flach und bietet sich perfekt an, um die Ausreißer zurückzuholen.


5. Etappe | 11. Juni 2026 | Saint-Chamond – Parc des Oiseaux – Villars-les-Dombes | 195,8 km

Die fünfte Etappe führt über 198 Kilometer von Saint-Chamond nach Villars-les-Dombes. Auf dem Papier scheint dieser Tag der leichteste zu sein. Im Roadbook sind nur drei Bergwertungen der 4. Kategorie verzeichnet. Zudem fällt die Strecke im Verlaufe des Tages von knapp 800 Metern über dem Meeresspiegel auf rund 300 Meter auf den letzten 80 Kilometern ab. Lediglich der Auftakt mit den zwei Bergwertungen Côte de la Croix Blanche (3 Kilometer mit 5 Prozent) und Col de la Gachet (1,6 Kilometer mit 4,4 Prozent) ist anspruchsvoll. Die dritte Bergwertung, die Côte de Blacé (1,5 Kilometer mit 4,5 Prozent), ist bei Kilometer 115,7 eher eine Welle. Es spricht also alles dafür, dass es am Vogelpark – Parc des Oiseaux – in Villars-les-Dombes zu einem Sprint Royal kommen wird.


6. Etappe | 12. Juni 2026 | Saint-Vulbas – Crest-Voland | 182,3 km

Die erste von drei Bergankünften in Folge führt die Fahrer von Saint-Vulbas nach Crest-Voland. Im Vergleich zu dem, was noch kommen wird, wirken die Anstiege auf dem 181,4 Kilometer langen Abschnitt moderat. Typisch sind auch an Tag sechs der Tour Auvergne-Rhône-Alpes auch die zweigeteilten Anstiege. Der erste beginnt wenige Kilometer hinter der Sprintwertung in Les Échelles. Zunächst führt die Strecke zum Kategorie-3-Anstieg Côte de Châtelard (4,3 Kilometer mit 5,7 Prozent Steigung). Danach steigt die Straße weiter an, fällt kurz ab und die acht Kilometer lange und 5,7 Prozent steile Kletterpartie zum Col du Granier (1.134 Meter) beginnt. Der Anstieg der ersten Kategorie war schon 17 Mal Teil der Tour de France – zuletzt 2021. Nach einer steilen Abfahrt nach Montmélian verläuft der Parcours über mehr als 50 Kilometer flach zur Schlusskletterei. Diese beginnt kurz hinter Ugine und führt zunächst über 11,3 Kilometer mit 5,1 Prozent Steigung zur Côte d’Héry-sur-Ugine auf 1.004 Meter. Nach Erreichen des Kategorie-1-Anstiegs folgt eine Zwischenabfahrt, ehe die finalen 5,9 Kilometer mit 7,7 Prozent Steigung zur Bergankunft nach Crest-Voland (1. Kategorie) führen.


7. Etappe |13. Juni 2026 | La Bridoire – Grand Colombier | 133,6 km

Kurz und knackig – das ist das Motto der letzten beiden Etappen der Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026. Welche davon die Königsetappe dieser WorldTour-Rundfahrt ist, lässt sich nur sehr schwer einschätzen. Schließlich enden beide mit einem Hors-Categorie-Finale. Doch zunächst der Reihe nach.

Am siebten Tag steigt die Straße bereits vom Start weg in La Bridoire an. Rund fünf Kilometer später ist mit dem Col du Banchet (5,3 Kilometer mit 5,7 Prozent). Er ist der erste von insgesamt sechs kategorisierten Anstiegen erreicht. Nach einer kurzen Abfahrt kommen die Fahrer zum Col de la Crusille (2,9 Kilometer mit 4 Prozent Steigung). Doch das Gelände beruhigt sich vorerst nicht. Die dritte Bergwertung wird an der Côte de Saint-Maurice-de-Rotherens (4,9 Kilometer mit 7,1 Prozent) absolviert, auf dem Weg zum unkategorisierten Col du Mont-Tournier auf 829 Metern.

Danach wird es zunächst ruhiger, bis kurz nach Rennmitte hinter der Ortschaft Culoz die Straße zum Lacets du Grand Colombier für sieben Kilometer mit 8,4 Prozent ansteigt. Über die Sprintwertung in Chanay erreichen die Fahrer den Fuß des Col de Richemond (7,7 Kilometer mit 6 Prozent). An diesem Anstieg der Kategorie 2 wird sich das Feld der GC-Teams ausdünnen, ehe nach der Abfahrt nach Virieu-le-Petit der Showdown beginnt. Er führt an den Hängen des Grand Colombier entlang, der 2012 erstmals Teil der Tour de France war. Der Anstieg ist 8,4 Kilometer lang, durchschnittlich 10,2 Prozent steil und zählt zu den schwersten in Frankreich.


8. Etappe | 14. Juni 2026 | Beaufort – Plateau de Solaison | 120,1 km

Die Finaletappe beginnt, wie der Vortag endete – mit einem Anstieg. Auf dem 120 Kilometer „kurzen” Schlussabschnitt klettern die Fahrer nach dem Start in Beaufort auf den Col du Pré (6,9 Kilometer mit 10,1 Prozent). Nach der Abfahrt kommen sie wieder zum Startort zurück. Wenige Kilometer später beginnt der zum Montée de Bisanne (11,4 Kilometer mit 7,7 Prozent) – einem Anstieg der Kategorie Hors Categorie. Spätestens hier, nach gut einem Drittel der Strecke, wird das Rennen wohl explodieren. Zunächst führt die Abfahrt über knapp 20 Kilometer auf rund 1.000 Meter hinab. Danach steht die nächste Kletterparite zum Col des Aravis (7 Kilometer mit 6,8 Prozent) an.

Die nächsten topograhischen Hürden sind Montée de Bisanne (11,4 Kilometer mit 7,7 Prozent) und der Col des Aravis (7 Kilometer mit 6,8 Prozent). Von dort oben führen die nächsten rund 30 Kilometer leicht abfallend über das Örtchen Saint-Pierre-en-Faucigny zum Fuß des Schlussanstiegs. Knapp 1.100 Höhenmeter müssen die Fahrer überwinden, um das Ziel auf dem Plateau de Solaison zu erreichen. Der 11,3 Kilometer lange Anstieg der Kategorie Hors Categorie ist dabei durchschnittlich 9,1 Prozent steil. Er gibt einen Vorgeschmack auf das, was die Fahrer auch im Finale der 15. Etappe der Tour de France 2026 erwartet. Ein brutales Finale, das schon den Toursieger krönen könnte – rund eine Woche vor dem Ende in Paris.

Mit diesem schweren Abschluss haben die Organisatoren der Tour Auvergne-Rhône-Alpes das Rennen bis zum Schluss offen gehalten. Denn allein am Schlussanstieg können sich Minutenabstände zwischen den Gesamtklassement-Fahrern ergeben.

Video: die Strecke der Tour Auvergne-Rhône-Alpes 2026

Offizielle Webseite: www.tour-auvergne-rhone-alpes.fr/en

Karte & Profile: © A.S.O.