Tim Merlier (Soudal Quick-Step) feiert am Ende der 12. Etappe seinen dritten Etappensieg bei dieser Tour de France. Der Belgier verwies in einem packenden Finale Olav Kooij (Decathlon CMA CGM) und Jasper Philipsen (Alpecin-Premier Tech) auf die Plätze zwei und drei.
Die Etappe war lange geprägt von der Soloflucht des Franzosen Baptiste Veistroffer (Lotto Intermarché). Als dieser rund 35 Kilometer vor Ziel eingeholt wurde, gab es auf dem welligen Gelände viele Attacken, die im Endeffekt nichts einbrachten.
In der Gesamtwertung führt weiterhin Tadej Pogačar (UAE Team Emirats-XRG). In der Punktewertung behauptete Mads Pedersen (Lidl-Trek) seine Führung.
So verlief die 12. Etappe der Tour de France 2026
Der Tag begann auf dem Circuit Nevers Magny-Cours, der früher unter anderem Austragungsort des Formel-1-Grand-Prix von Frankreich war. Nach der neutralisierten Phase und den ersten Kilometern auf der Rennstrecke wurde das Rennen freigegeben. Sofort gab es Attacken. Das Feld ließ zunächst niemand gewähren.
Der Grund lag auf der Hand: Der Zwischensprint in Decize kam bereits nach 45,8 Kilometern. Für die Fahrer in der Punktewertung war diese Wertung wichtig, deshalb kontrollierten die Teams der Sprinter die Anfangsphase sehr aufmerksam. Baptiste Veistroffer (Lotto-Intermarché) nutzte die Situation dennoch und setzte sich früh allein ab. Der Franzose fuhr schon in den vergangenen Tagen mehrfach offensiv und bekam auch diesmal zunächst etwas Spielraum.

Veistroffer gewinnt den Zwischensprint
Veistroffer erreichte den Zwischensprint in Decize als Erster und sicherte sich die maximale Punktzahl. Dahinter brachte Lidl-Trek Mads Pedersen in Position. Der Däne gewann den Sprint des Feldes vor Philipsen, Merlier, Max Kanter (XDS Astana Team) und Biniam Girmay. Damit sammelte Pedersen wichtige Punkte im Kampf um das Grüne Trikot.
Zwischenzeitlich gab es Diskussionen um Pedersens Sprintlinie, weil er im Sprintverlauf deutlich in Richtung Bande zog. Die Punktewertung wurde jedoch bestätigt. Für Philipsen war der zweite Platz im Sprint des Feldes dennoch ein wichtiges Signal: Alpecin-Premier Tech blieb im Kampf um Grün präsent.
Vier Fahrer bilden die Gruppe des Tages
Nach dem Zwischensprint bekam Veistroffer „Gesellschaft“: Damiano Caruso (Bahrain Victorious), Ewen Costiou (Groupama-FDJ United) und Mattéo Vercher (TotalEnergies) schlossen zu ihm auf. Damit stand die Gruppe des Tages. Ihr Vorsprung lag zeitweise bei etwas mehr als eineinhalb Minuten, blieb aber stets überschaubar. Im Feld übernahmen die Sprintteams wieder die Kontrolle. Soudal Quick-Step arbeitete für Merlier, Alpecin-Premier Tech für Philipsen, XDS Astana für Kanter.
Veistroffer gewann die beiden ersten Bergwertungen des Tages. An der Côte de Lanty und an der Côte de Cuzy holte er jeweils den einzigen Bergpunkt.
Fluchtgruppe zerfiel vor dem Finale
Rund 60 Kilometer vor dem Ziel begann die Gruppe auseinanderzufallen. Zunächst setzten sich Veistroffer und Costiou von Caruso und Vercher ab. Costiou konnte ebenfalls nicht folgen, sodass Veistroffer erneut allein an der Spitze fuhr.
Der Lotto-Intermarche-Fahrer wehrte sich lange, doch sein Vorsprung blieb gering. Rund 40 Kilometer vor dem Ziel lag er noch etwa eine halbe Minute vor dem Peloton. Zu diesem Zeitpunkt deutete vieles darauf hin, dass die Sprinterteams ihn kontrolliert stellen würden. Doch dann nahm das Rennen noch einmal eine andere Richtung.
Lidl-Trek attackierte
Kurz vor dem Finale fiel Philipsen nach einem Defekt zurück und musste das Rad wechseln. Der Belgier lag hinter dem Feld, arbeitete sich mit Hilfe seiner Mannschaft aber wieder zurück. Für Alpecin-Premier Tech kam dieser Moment zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn kurz darauf wurde das Rennen vorne deutlich aggressiver.
Lidl-Trek ging in die Attacke. Quinn Simmons griff an, später kamen weitere Fahrer hinzu. In einer größeren Gruppe waren unter anderem Filippo Ganna, Mathias Vacek, Jenno Berckmoes, Daan Hoole und weitere starke Rouleure vertreten. Kurzzeitig sah es so aus, als könnte diese Attacken den Massensprint verhinderte. Zwischenzeitlich wurde Veistroffer eingeholt.
Soudal Quick-Step reagierte und erhöhte im Feld das Tempo. Auch andere Sprinterteams mussten nun arbeiten. Die Gruppe wurde wieder gestellt, doch Lidl-Trek setzte seine offensive Fahrweise fort. Auf dem Weg zur Côte de Montagny-lès-Buxy attackierten Toms Skujins und Derek Gee-West, später machten Simmons und Vacek weiter Druck. Vacek holte an der letzten Bergwertung den Punkt.
Nach der Côte de Montagny-lès-Buxy waren noch rund 20 Kilometer zu fahren. Die vielen Attacken hatten die Ordnung im Feld gestört. Immer wieder versuchten Fahrer, sich abzusetzen. Simmons, Romain Grégoire und Marc Hirschi waren zeitweise in einer kleinen Gruppe vorn, Kasper Asgreen attackierte später ebenfalls. Doch keiner dieser Angriffe kam entscheidend weg.
Sprinter-Teams übernahmen wieder die Kontrolle
Fünf Kilometer vor dem Ziel hatten die Sprinterteams das Rennen wieder unter Kontrolle. XDS Astana Team führte das Feld an. Auch Soudal Quick-Step, Alpecin-Premier Tech, Decathlon CMA CGM Team und NSN Cycling Team waren vorn vertreten. Das Finale nach Chalon-sur-Saône war technisch und schnell. Die Positionierung wurde zum entscheidenden Faktor.
Auf den letzten Metern entwickelte sich ein hektischer Sprint. Unter dem Teufelslappen brachte Alpecin-Premier Tech Philipsen nach vorne und lieferte ihn aussichtsreicher Position ab. Merlier kam aus dem Windschatten mit hoher Endgeschwindigkeit und zog im entscheidenden Moment vorbei. Der Belgier gewann vor Kooij und Philipsen und machte damit seinen dritten Etappensieg bei dieser Tour perfekt.
Ergebnis der 12. Etappe der Tour de France 2026
Circuit Nevers Magny-Cours – Chalon-sur-Saône | 179,1 km
| Rang | Fahrer | Team | Zeit / Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Tim Merlier | Soudal Quick-Step | 3:38:53 |
| 2 | Olav Kooij | Decathlon CMA CGM Team | gleiche Zeit |
| 3 | Jasper Philipsen | Alpecin-Premier Tech | gleiche Zeit |
| 4 | Biniam Girmay | NSN Cycling Team | gleiche Zeit |
| 5 | Milan Fretin | Cofidis | gleiche Zeit |
| 6 | Anthony Turgis | TotalEnergies | gleiche Zeit |
| 7 | Max Kanter | XDS Astana Team | gleiche Zeit |
| 8 | Clément Russo | Groupama-FDJ United | gleiche Zeit |
| 9 | Mads Pedersen | Lidl-Trek | gleiche Zeit |
| 10 | Huub Artz | Lotto Intermarché | gleiche Zeit |
Gesamtwertung nach der 12. Etappe der Tour de France 2026
Gelbes Trikot: Tadej Pogačar
| Rang | Fahrer | Team | Zeit / Rückstand |
|---|---|---|---|
| 1 | Tadej Pogačar | UAE Team Emirates-XRG | 43:04:01 |
| 2 | Jonas Vingegaard | Team Visma | Lease a Bike | + 3:36 Min. |
| 3 | Remco Evenepoel | Red Bull-Bora-Hansgrohe | + 4:06 Min. |
| 4 | Juan Ayuso | Lidl-Trek | + 4:22 Min. |
| 5 | Paul Seixas | Decathlon CMA CGM Team | + 4:35 Min. |
| 6 | Florian Lipowitz | Red Bull-Bora-Hansgrohe | + 4:44 Min. |
| 7 | Isaac del Toro | UAE Team Emirates-XRG | + 5:08 Min. |
| 8 | Mattias Skjelmose | Lidl-Trek | + 5:45 Min. |
| 9 | Lenny Martinez | Bahrain Victorious | + 6:34 Min. |
| 10 | Tom Pidcock | Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team | + 11:49 Min. |
Fotos: Photonews.be
