17. Etappe | 27. Mai 2026 | Cassano d’Adda – Andalo | 202 km | 3.300 Höhenmeter
Nach dem kurzen, explosiven Bergtag nach Carì folgt ein Tagesabschnitt von gut 200 Kilometern über die Wellen des Trentino. Die 17. Etappe führt über 202 Kilometer von Cassano d’Adda nach Andalo. Auch ohne hohe Berge und Alpenpässe wird dieser Tag anspruchsvoll und zäh, denn das Terrain wird in der zweiten Streckenhälfte technischer und hügeliger.
Die Länge, gepaart mit dem Gelände und der topografischen Dramaturgie im Finale, spricht für einen Sieg aus einer Ausreißergruppe heraus. Für eine klassische Bergetappe und einen großen Showdown der Klassementfahrer ist der Tag wohl zu leicht. Dennoch müssen die GC-Fahrer gerade im Finale aufmerksam bleiben, da es in der kurzen letzten Abfahrt und im bergauf führenden Schlussabschnitt reißen kann. Zudem bietet das Profil gegen Ende Möglichkeiten für späte Attacken.
Strecke der 17. Etappe des Giro d’Italia 2026
Nach dem Start in Cassano d’Adda fährt das Peloton zunächst durch die lombardische Ebene. Über Vaprio d’Adda, Verdello, Urgnano und Palazzolo sull’Oglio nähert sich das Rennen dem Iseosee. Bis dorthin ist die Strecke weitgehend flach.
Nachdem die Fahrer das Ufer des Lago d’Iseo hinter sich gelassen haben, beginnt mit dem Passo dei Tre Termini der erste Anstieg. Der Weg hinauf zur Bergwertung der 3. Kategorie führt über 8,2 Kilometer bei 5,9 Prozent durchschnittlicher Steigung. Falls sich bis dahin noch keine Ausreißergruppe gebildet hat, bietet diese Steigung ein ideales Springbrett für Attacken. Danach bleibt die Strecke anspruchsvoll, ohne in echtes Hochgebirge überzugehen. Über Polaveno und das Trompia-Tal führt die Route weiter in Richtung Lodrino.
Dort wartet mit der Cocca di Lodrino die zweite kategorisierte Steigung des Tages, ebenfalls eine Bergwertung der 3. Kategorie. Der Anstieg ist mit 8,2 Kilometern bei 4,1 Prozent durchschnittlicher Steigung angegeben. Nach der Abfahrt erreichen die Fahrer das Valle del Chiese. Wenige Kilometer später steigt die Straße lange und gleichmäßig an.
Wellenritt im Trentino
Danach folgen weitere kleinere Anstiege. Der erste anspruchsvollere Abschnitt ist der unkategorisierte Anstieg nach Roncone – 4,8 Kilometer bei fünf Prozent durchschnittlicher Steigung. Oben wird bei Rennkilometer 143,8 der Intermediate Sprint ausgefahren. Nach einer kurzen Abfahrt hinunter nach Tione di Trento steigt die Straße über Stenico und San Lorenzo Dorsino weiter an.#
Bergauf-Finale in Andalo
Die finale Phase der Etappe beginnt am Lago di Molveno. Von dort steigt die Straße über 8,3 Kilometer mit durchschnittlich 3,6 Prozent zunächst zur Bergwertung nach Andalo-Lever an – einer weiteren Steigung der 3. Kategorie. Im Anstieg befindet sich bei Rennkilometer 186,6 der Red-Bull-Kilometer, ehe es weiter hinauf auf 1133 Meter geht.
Nach der Kuppe in Andalo-Lever sind noch rund zehn Kilometer zu fahren. Zunächst geht es schnell bergab nach Cavedago, danach steigt die Straße bis ins Ziel noch einmal für sechs Kilometer an. Der steilste Abschnitt beginnt vier Kilometer vor dem Ziel. Hier steigt die Straße zwei Kilometer lang mit durchschnittlich 6,2 Prozent an, ehe die finalen eineinhalb Kilometer flach beziehungsweise ganz leicht abschüssig verlaufen.
Karte der 17. Etappe des Giro d’Italia 2026

Das Finale der 17. Etappe des Giro d’Italia 2026

Favoriten-Check: Etappensieg und Rosa Trikot
Es wird ein langer Tag im Sattel für die noch verbliebenen 157 Profis. 202 Kilometer und 3300 Höhenmeter stehen auf dem Programm. Das wellige Profil ohne extrem schwere Anstiege spricht für eine starke Ausreißergruppe. Deshalb wird es zu Beginn aller Wahrscheinlichkeit nach einen großen Kampf um die Gruppe des Tages geben. Nach den Strapazen der 16. Etappe zur Bergankunft nach Carì und vor dem schweren Wochenende dürfte kaum ein Klassementteam Interesse daran haben, die gesamte Renndistanz konsequent zu kontrollieren.
„Die Liste der Interessenten“ für die Gruppe des Tages ist randvoll. Mindestens ein Fahrer von UAE Team Emirates-XRG dürfte dabei sein. Ob es schon wieder Jhonatan Narváez wird, sei dahingestellt. Die Sprintwertung kommt erst spät im Rennen. Aber auch Jan Christen, António Morgado oder Igor Arrieta sind starke Fahrer für ein solches Profil.
Dann natürlich Giulio Ciccone (Lidl-Trek). Er und sein Team versuchten es oft mit der Brechstange, und das Finale der Etappe dürfte ihm liegen. Dazu kommen Fahrer wie Alberto Bettiol und Diego Ulissi (beide XDS Astana Team), Einer Rubio, Lorenzo Milesi (beide Movistar Team), Andreas Leknessund (Uno-X Mobility), Alessandro Pinarello (NSN Cycling Team), Gianmarco Garofoli (Soudal Quick-Step), Jardi Christiaan van der Lee (EF Education-EasyPost) und Simone Gualdi (Lotto-Intermarché). Doch das sind nur einige Namen, exemplarisch für viele andere. Vielleicht schickt auch Red Bull-Bora-Hansgrohe einen Fahrer wie Aleksandr Vlasov mit in die Gruppe – man weiß ja nie.
Die meisten GC-Teams werden ihre Helfer schonen wollen, denn gegen Ende könnte es auch im Peloton noch einmal spannend werden. Die Abfolge der Anstiege vom Molveno-See nach Andalo-Lever und weiter hinauf zum Ziel in Andalo bietet noch einmal Terrain, auf dem das Feld bei aggressiver Fahrweise auseinanderreißen könnte. Und Felix Gall (Decathlon-CMA CGM Team), Thymen Arensman (Netcompany Ineos) und Jai Hindley (Red Bull-Bora-Hansgrohe) liegen im Gesamtklassement nur rund eine Minute auseinander, sodass auch kleine Zeitgewinne – beziehungsweise Zeitverluste – am Ende relevant werden könnten.
Wertungen der 17. Etappe des Giro d’Italia 2026
Bergwertungen
• Passo dei Tre Termini, 681 m | 3. Kategorie | Rennkilometer 63,9
• Cocca di Lodrino, 735 m | 3. Kategorie | Rennkilometer 88,1
• Andalo-Lever, 1.136 m | 3. Kategorie | Rennkilometer 191,3
Sprintwertungen
• Roncone | Rennkilometer 143,8 | Intermediate Sprint
• Red Bull km | Rennkilometer 186,6 | Zeitbonifikationen
TV-Tipp: 17. Etappe des Giro d’Italia im Fernsehen
Ab 15:00 Uhr überträgt Eurosport 1 die 17. Etappe der Italien-Rundfahrt live im Free-TV.
Karten & Grafiken: © RCS Sport
