Start Profi-Sport Vorschau Tour de France 2026: Fab Four – Folge 5 | Teams der Favoriten

Vorschau Tour de France 2026: Fab Four – Folge 5 | Teams der Favoriten

Übersicht

Am Samstag beginnt in Barcelona die Tour de France 2026 – und damit endet die Zeit der Prognosen und Vorhersagen. In den vergangenen Folgen der Fab Four-Serie stand vor allem der individuelle Weg der vier großen Klassementfahrer im Mittelpunkt: Tadej Pogačar, Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel und Florian Lipowitz. Ihre Rennprogramme, ihre Formkurven, ihre Auftritte im Frühjahr und ihre offenen Fragen vor dem Grand Départ wurden analysiert. Das Bild vor dem Start ist klarer geworden: Pogačar geht als Top-Favorit in diese Tour, Vingegaard bleibt sein gefährlichster Herausforderer, dahinter kämpfen Evenepoel und Lipowitz im Red-Bull-Trikot um den „Anschluss“.

Doch eine Tour de France gewinnt man nicht allein. Schon der Auftakt macht das deutlich. Das Mannschaftszeitfahren in Barcelona ist mehr als ein Prolog im Kollektiv. Es ist der erste echte Belastungstest für die Teams, für Abläufe, Kommunikation, Vertrauen und Geschlossenheit. Wer seinen Kapitän sicher durch die ersten Tage bringen will, braucht Fahrer, die Tempo machen, Positionen sichern, Lücken schließen, in den Bergen bei ihrem Leader bleiben – und im entscheidenden Moment wissen, wann sie sich vollständig aufopfern müssen.

In Teil fünf der Fab Four-Serie verschiebt Radsport-Experte Bernd Landwehr, Chefredakteur des Cyclingmagazine, deshalb den Blick vom Kapitän auf das Kollektiv. Welche Mannschaft ist am breitesten aufgestellt? Wer hat die stärksten Helfer für die Berge? Wer kontrolliert das Rennen auf flachem und welligem Terrain? Und welches Team bringt die beste Mischung aus Zeitfahrstärke, Erfahrung, Kletterqualität und taktischer Robustheit mit?

Denn so unterschiedlich die Profile der Fab Four sind, so unterschiedlich sind auch ihre Mannschaften gebaut. UAE Team Emirates-XRG stellt Tadej Pogačar eine enorm vielseitige Helferriege an die Seite. Visma | Lease a Bike muss Jonas Vingegaard ohne Wout van Aert unterstützen. Red Bull-Bora-hHnsgrohe setzt mit Remco Evenepoel und Florian Lipowitz auf eine Doppelspitze – und damit auf ein Modell, das besonders klare Rollen, starke Straßenkapitäne und taktische Disziplin verlangt.

Vor dem Start der Tour stellt sich deshalb nicht nur die Frage, wer der stärkste Fahrer ist. Sondern auch: Wer hat das stärkste Team?


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Tadej Pogačar & UAE Team Emirates-XRG

Tadej Pogacar, Isaac Del Toro, Tim Wellens, Brandon McNulty, Adam Yates, Florian Vermeersch, Nils Politt, Felix Großschartner.

Pogi ist der Top-Favorit auf den Toursieg. Er ist aktuell der stärkste Fahrer der Welt. An seiner Seite hat er eine bärenstarke Mannschaft. Megatalent Issac del Toro als letzten Helfer am Berg, vielleicht sogar in der Co-Kapitänsrolle. Dazu der starke Kletterer Adam Yates. Wird es richtig steil, sollen sie es richten.

Dazu sind die ebenfalls bergfesten Rouleure Felix Großschartner und Brandon McNulty dabei. Auch sie sind bergauf extrem stark, zudem tempofest und auch im Kampf um die Uhr stark. Tim Wellens ist eine Art Allzweckwaffe. Tempomaschine und auf hügeligem Terrain sehr stark. Und dann gibt es noch zwei Fahrer fürs „Grobe“ im Kader: Florian Vermeersch und Nils Politt. Beide können über Stunden Tempo bolzen. Das Rennen kontrollieren, Ausreißer an der kurzen Leine halten oder auch mal eine Lücke mit Macht schließen. Genau das ist es, was Politt und Vermeersch so gut können, wie nur ganz wenige Fahrer im Peloton.

Wie gut Del Toro über drei Wochen performen kann, wird man sehen. McNulty hatte in seiner Karriere des Öfteren Sturzpech gehabt. Dennoch: Pogačar hat eine extrem starke Mannschaft an seiner Seite, die sowohl für Teamzeitfahren zu Beginn, als auch für jedes Terrain herausragend aufgestellt ist. Es ist wohl das stärkste Team in dieser Tour de France.

Jonas Vingegaard & Visma | Lease a Bike

Jonas Vingegaard, Victor Campenaerts, Edoardo Affini, Per Strand Hagenes, Matteo Jorgenson, Sepp Kuss, Bruno Armirail, Davide Piganzoli

Jonas Vingegaard hat seit seinem Sieg beim Giro d‘Italia kein Rennen mehr bestritten, sich aber intensiv vorbereitet. Bei der Tour hätte er gern Wout Van Aert an seiner Seite gehabt. Mit der Klasse des Belgiers, seiner Erfahrung und vor allem als langjähriger Begleiter und Stütze für Vingegaard wird er der Mannschaft sehr fehlen. Auch wenn Van Aert vielleicht nicht mehr ganz so stark ist, wie noch vor einigen Jahren, hätte er auf mehreren Ebenen dem Kapitän Jonas Vingegaard sehr wertvoll sein können.

Doch Van Aert ist nicht dabei und damit muss das Team umgehen. Mit Matteo Jorgenson und Sepp Kuss sind zwei sehr starke Bergfahrer dabei. Zudem der junge Davide Piganzoli, der einen herausragenden Giro fuhr. Gleich drei Helfer, die auch beim Giro dabei waren, sind im Tour-Aufgebot. Piganzoli, dazu der tempofeste Victor Campenaerts und Sepp Kuss. Ganz sicher Säulen des Teams.

Zudem ist der sehr tempofeste Edoardo Affini dabei, der das Rennen kontrollieren kann, den Kapitän aus dem Wind halten. Mit seinem exzellenten Gespür und seiner Robustheit kann er Vingegaard durch die gefährlichen Situationen bei den Flachetappen navigieren. Bruno Armirail ist ebenfalls tempofest und auch bergauf stark einzuschätzen. Der 32-Jährige bringt viel Erfahrung mit, ist ein zäher Helfer, der sowohl beim Giro als auch der Vuelta selbst schon in den Top 20 des Gesamtklassements landete. Sein Grand-Tpur-Debüt gibt der 22-jährige Norweger Per Strand Hagenes. Ein Allrounder, mit exzellenten Fähigkeiten und auch auf hügeligem Terrain tempofest.

Es ist eine starke Mannschaft, wenn auch auf dem Papier nicht ganz so stark wie das UAE-Team von Pogacar. Eins-zu-eins-Vergleiche von Helfern bilden nicht die Stärke einer Mannschaft wieder, doch der Gesamtvergleich mit UAE und Pogačar fällt zugunsten der Mannschaft aus dem Emirat aus.

Remco Evenepoel / Florian Lipowitz & Red Bull-Bora-Hansgrohe

Remco Evenepoel, Florian Lipowitz, Mattia Cattaneo, Nico Denz, Jai Hindley, Jan Tratnik, Tim van Dijke, Maxim Van Gils

Mit zwei gleichberechtigten Leadern geht das Team Red Bull-Bora-Hansgrohe in die Tour de France 2026. Ihnen zur Seite wurden vor allem tempofeste und erfahrene Helfer gestellt. Bei den Flachetappen, auf welligem Terrain und beim Teamzeitfahren ist die Mannschaft sehr stark einzuschätzen. Die Kletter-Fraktion besteht lediglich aus Jai Hindley und ist daher im Vergleich zu UAE und Visma nicht ganz so üppig besetzt. Doch das ist durchaus verständlich, geht man davon aus, dass vor allem Pogačar mit seinen Helfern das Rennen in den Bergen kontrollieren wird.

Für das wellige und leicht bergige Terrain sind Mattia Cattaneo und Maxim Van Gils durchaus stark einzuschätzen. Vor allem Van Gils bewies das zuletzt bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes. Auch der 35-jährige Cattaneo hat durchaus eine gewisse Bergfestigkeit.

Tim Van Dijke und Jan Tratnik sind echte Tempomaschinen. Sie können Fahrer aus dem Wind halten, sicher Positionen im Feld gutmachen und zur Not Lücken stopfen. Mit zwei Kapitänen im Team braucht man Fahrer dieser Kategorie umso mehr. Das Team wird durch Nico Denz komplettiert. Ein stets loyaler Helfer, der auch abseits des Rennens eine wichtige Rolle einnimmt. Stets positiv, locker und nach vorne blickend, aber seriös im Rennen, wenn es darauf ankommt. Für Lipowitz ist Denz während der Tour ganz sicher auch eine wenn nicht sogar die wichtige Vertrauensperson.

Im direkten Vergleich der „Helfer“ ist das Team von Tadej Pogačar wohl die stärkste Mannschaft. Vor allem in den Bergen. Schaut man auf den Support der Leader für die das flache und wellige Terrain ist die Red-Bull-Mannschaft extrem stark besetzt. Das Visma-Team um Vingegaard eher ein Mix aus beidem. Vor dem Start des Rennens führt UAE das Teamranking der Top-Favoriten an. Visma und Red Bull mit unterschiedlichen Stärken dahinter in etwas gleichauf.

Schon am ersten Tag ist man als geschlossene Einheit gefordert – dann wird man sehen, welches Team im Kampf gegen die Uhr am besten funktioniert.


Unser Profisport-Experte: Bernd Landwehr

Journalist Bernd Landwehr, Jahrgang 1978, ist Gründer und Chefredakteur des digitalen Radsportmagazins CyclingMagazine Cyclingmagazine sowie Host des gleichnamigen Podcasts. Der Diplom-Medienwissenschaftler gilt als ausgewiesener Kenner der Radsportszene. In den vergangenen Jahren schrieb er zudem für verschiedene Radsportpublikationen, darunter die Magazine Roadbike und Procycling. Zu seinen Lieblingsrennen zählen die flandrischen Klassiker.

Alle Folgen der Serie

Hier findest du alle Episoden der Fab-Four-Serie 2026 in der Reihenfolge – vom Auftakt bis zur Bilanz.

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Aufmacherfoto: Mr. Pinko