2. Etappe | 5. Juli | Tarragona – Barcelona-Olympiastadion | 168,5 km
Die Tour de France 2026 bleibt auch am zweiten Tag in Katalonien. Und erneut wird Barcelonas Hausberg Montjuïc im sportlichen Mittelpunkt stehen. Die 2. Etappe der Frankreich-Rundfahrt startet in Tarragona, einer Hafenstadt, die rund 90 Kilometer südwestlich von Barcelona liegt. Von dort führt der Tagesabschnitt entlang der Mittelmeerküste zurück nach Barcelona, wo die Profis auf einen Stadtcircuit einbiegen. Highlight dieses Rundkurses ist der Anstieg zum Schloss Montjuïc, den es gleich dreimal zu bewältigen gilt, ehe die Entscheidung um den Tagessieg am Olympiastadion fällt.
Nach einer flachen ersten Rennhälfte ändert sich das Terrain ab der Côte de Begues. Vor allem im Finale verändern die Anstiege zum Montjuïc den Charakter des Rennens vollständig. Kurze, steile Anstiege, schnelle Abfahrten und ein ansteigendes Finish machen diesen Tagesabschnitt zu einer Chance für Puncheure, die aber früh im Rennen auch mit den GC-Leadern konkurrieren müssen, da diese keine Sekunde verlieren möchten. So wird auch die zweite Etappe ein weiterer Großkampftag um das Gelbe Trikot und die Gesamtwertung.
Strecke der 2. Etappe der Tour de France 2026
Der Start erfolgt in Tarragona auf 17 Metern Höhe. Von der katalanischen Hafenstadt aus verläuft die Strecke zunächst überwiegend flach in nordöstlicher Richtung. Über Torredembarra, El Vendrell und Calafell führt der Parcours entlang beziehungsweise nahe der Mittelmeerküste. Die ersten Kilometer bieten den Fahrern somit ein deutlich anderes Bild als das spätere bergige Finale: breite Straßen, wenig Höhenmeter und ein flaches Terrain, auf dem sich eine Ausreißergruppe formieren kann.
Weiter führt der Parcours über Cubelles, Vilanova i la Geltrú und Sitges in den Großraum Barcelona. Hinter Garraf und Castelldefels erreichen die Profis die Gegend um Gavà und Viladecans. Dort wird bei Rennkilometer 86 die einzige Sprintwertung des Tages ausgefahren. Für die Fahrer mit Ambitionen auf das Grüne Trikot ist dies die wichtigste Gelegenheit dieser Etappe, Punkte zu sammeln, denn im Finale dürften die steilen Rampen am Montjuïc zu viel sein für die klassischen Sprinter.
Direkt nach der Sprintwertung beginnt der sportlich deutlich anspruchsvollere Teil des Tagesabschnitts. Die Strecke verlässt die flache Küstenregion und führt hinauf zur ersten Bergwertung der Tour de France 2026, der Côte de Begues.
Côte de Begues: erster ernsthafter Anstieg der Tour
Die Côte de Begues ist ein Anstieg der 2. Kategorie mit einer Länge von 6,1 Kilometern und einer durchschnittlichen Steigung von 6,5 Prozent. Zwar liegen von der Kuppe noch mehr als 70 Kilometer bis ins Ziel vor den Fahrern. Dennoch kann ein entsprechend aggressives, sprich schnelles Tempo hier bereits einen Split im Feld hervorrufen und die schwereren Sprinter samt ihren Helfern abhängen. Gut möglich, dass sich die Ausreißer hier noch darüber retten und so die ersten Punkte für die Bergwertung mitnehmen.
Nach der Côte de Begues folgt eine kurze, nicht allzu steile Abfahrt, ehe die Profis hinauf nach El Pla del Pèlag noch einmal Höhenmeter sammeln. Danach führt die Strecke über die an der Küste liegenden Gemeinden Olesa de Bonesvalls und Cervelló weiter in Richtung Barcelona. Der ursprünglich geplante Abschnitt durch Collserola und über Santa Creu d’Olorda ist nicht mehr Bestandteil der Etappe. Stattdessen gelangt das Rennen über den Großraum Llobregat und L’Hospitalet de Llobregat in die katalanische Metropole.
Montjuïc: drei steile Anstiege zum Schloss
Im Finale dreht sich dann alles um den Montjuïc. Barcelonas Hausberg ist seit vielen Jahren Schauplatz der entscheidenden Schlussrunde der Katalonien-Rundfahrt und verlangt den Fahrern mit seinen kurzen, explosiven Rampen regelmäßig alles ab. Bei der Tour de France 2026 wird die „Côte du Château de Montjuïc“ wie sie auf Französisch im Roadbook verzeichnet ist, gleich dreimal befahren.
Der Anstieg zum Schloss ist 1,6 Kilometer lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 9,3 Prozent auf. Die Kuppe liegt auf 163 Metern Höhe. Bereits diese Daten verdeutlichen, warum das Finale kaum einem normalen Sprint entgegenkommt. Wer hier um den Etappensieg fahren will, muss wiederholt hohe Intensitäten verkraften und sich zugleich auf dem technisch anspruchsvollen Rundkurs in einer guten Position halten.
Die erste Bergwertung am Montjuïc wird bei Rennkilometer 144,1 abgenommen. Wenig später folgt die zweite Passage bei Kilometer 156,3. Zu diesem Zeitpunkt könnte das Feld bereits ausgedünnt sein. Die dritte und letzte Überfahrt der Côte du Château de Montjuïc wartet bei Kilometer 166, nur wenige Kilometer vor dem Ziel am Stade Olympique.
Nach der letzten Bergwertung folgt eine gut einen Kilometer langen Abfahrt, ehe nach einem ganz kurzen Flachstück die finalen 700 Meter zur Ziellinie am Olympiastadion Lluís Companys mit 7 Prozent im Durchschnitt ansteigen. Bereits das Mannschaftszeitfahren am Vortag endete an diesem Ort.
Geänderte Strecke: Santa Creu d’Olorda entfällt
Ursprünglich sollte die Etappe im zweiten Teil zusätzlich durch das Gebiet von Collserola und über die Côte de Santa Creu d’Olorda führen. Dieser Streckenabschnitt wurde jedoch aus dem Parcours genommen. Grund dafür sind die Einschränkungen im Naturpark Collserola infolge der Afrikanischen Schweinepest.
Für die sportliche Charakteristik bedeutet die Änderung: Der lange zusätzliche Anstieg vor dem Eintritt nach Barcelona entfällt, das steile Montjuïc-Finale bleibt jedoch bestehen. Die Etappe ist dadurch kürzer geworden, verliert aber nicht ihre entscheidende Schwierigkeit. Im Gegenteil: Durch den Wegfall des Anstiegs in Collserola könnten vor dem Rundkurs noch mehr Fahrer im Rennen um den Tagessieg liegen – was die Positionierung vor der ersten Montjuïc-Passage umso wichtiger macht.
Karte der 2. Etappe der Tour de France 2026

Das Finale der 2. Etappe der Tour de France 2026

Favoriten-Check: Etappensieg und Gelbes Trikot
Nach dem Auftaktzeitfahren trägt Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) das Gelbe Trikot. Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG) liegt zwölf Sekunden zurück, Juan Ayuso (Lidl-Trek) 16 Sekunden, Remco Evenepoel (Red Bull-BORA-hansgrohe) 19 Sekunden. Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) und Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) haben einen Rückstand von 39 Sekunden. Damit ist die Ausgangslage sofort brisant. Zeitbonifikationen im Ziel – zehn, sechs und vier Sekunden – reichen allein nicht automatisch für einen Wechsel in Gelb, können aber in Kombination mit kleinen Lücken am Montjuïc sehr schnell Gewicht bekommen. Vor allem Pogačar (UAE Team Emirates XRG) und Evenepoel (Red Bull-BORA-hansgrohe) haben deshalb ein Ziel, die Etappe offensiv zu fahren.
Top-Favorit ist wie so oft Tadej Pogačar. Das Finale ist durch den Montjuïc anspruchsvoll. Genau dort können durch kurze, brutale Beschleunigungen Lücken entstehen.
Remco Evenepoel zählt ebenfalls zu den Mitfavoriten. Der Belgier ist zwar kein Puncheur im klassischen Sinn, aber ein Fahrer, der in kurzen, harten Anstiegen enorm viel Power erzeugen kann.
Jonas Vingegaard startet als Mann in Gelb und damit in einer anderen Rolle. Für ihn gilt es, das Trikot zu verteidigen. Das Finale ist nicht unbedingt sein Lieblingsterrain. Er mag lieber die langen Alpen- oder Pyrenäenanstiege. Vingegaard muss diese Etappe nicht gewinnen. Aber er darf sie auch nicht nur verwalten.
Chance für Mathieu van der Poel
Aus Sicht von Alpecin-Premier Tech ist Mathieu van der Poel einer der spannendsten Fahrer des Tages. Der Niederländer hat nach dem Auftakt zwar 39 Sekunden Rückstand in der Gesamtwertung, doch für den Etappensieg spielt das keine entscheidende Rolle. Das Montjuïc-Finale vereint mehrere Elemente, die ihm entgegenkommen: Wiederholte kurze Anstiege, technische Positionskämpfe, hohe Intensität und ein Ziel, das eher an einen schweren Klassiker als an eine typische Tour-Bergetappe erinnert. Van der Poel muss nicht der beste Kletterer im Rennen sein, um hier zu gewinnen. Er muss im richtigen Moment vorne sein, die letzte Rampe überstehen und aus einer kleinen Gruppe heraus seine Explosivität ausspielen. Genau deshalb gehört er zu den gefährlichsten Herausforderern der Klassementstars.
Juan Ayuso ist nach seinem starken Auftakt ebenfalls zu beachten. Der Spanier liegt im Gesamtklassement nur 16 Sekunden hinter Vingegaard und fährt vor heimischem Publikum auf einem Terrain, das ihm liegt.
Attackiert Paul Seixas schon an Tag zwei
Paul Seixas gehört auch zu den interessantesten Kandidaten. Der Franzose hat schon am ersten Tag gezeigt, dass er direkt in der Tour angekommen ist. Die 2. Etappe kann für ihn ein früher Test werden, denn die steilen Rampen am Montjuïc verlangen genau jene Mischung aus Leichtigkeit, Mut und Explosivität, die junge Klassementfahrer auszeichnet. Für einen Sieg müsste vieles zusammenkommen, doch eine Topplatzierung oder ein Angriff im Finale wären keine Überraschung.
Auch Romain Grégoire (Groupama-FDJ United) passt sehr gut in dieses Profil. Der französische Meister ist ein Fahrer für schwere Finals mit kurzen Anstiegen. Wenn die ganz großen Namen einander belauern oder die Etappe nicht vollständig kontrolliert wird, kann ein Fahrer wie Grégoire profitieren. Ähnliches gilt für Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team), der bei einem hektischen, technischen Finale mit kurzen Rampen grundsätzlich gefährlich bleibt. Sein Rückstand nach dem Auftakt ist bereits größer, doch für die Tageswertung kann ihn das sogar etwas freier machen.
All das setzt voraus, dass die Ausreißergruppe rechtzeitig gestellt wird. Aber dafür werden die Top-Teams wohl sorgen.
Wertungen der 2. Etappe der Tour de France 2026
Sprintwertung
Viladecans | Rennkilometer 86,0
Bergwertungen
Côte de Begues (399 m) | 2. Kategorie | 6,1 km mit 6,5 % | Rennkilometer 94,2
Côte du Château de Montjuïc (163 m) | 3. Kategorie | 1,6 km mit 9,3 % | Rennkilometer 144,1
Côte du Château de Montjuïc (163 m) | 3. Kategorie | 1,6 km mit 9,3 % | Rennkilometer 156,3
Côte du Château de Montjuïc (163 m) | 3. Kategorie | 1,6 km mit 9,3 % | Rennkilometer 166,0
TV-Tipp: 2. Etappe der der Tour de France 2026 im Fernsehen
Ab 13:00 Uhr überträgt Eurosport 1 die 2. Etappe der Frankreich-Rundfahrt live im Free-TV. „Das Erste“ geht ab 13:15 Uhr „on air“.
Profile: © A.S.O.
Karte: © GEOATLAS
