Am 16. August 2026 wird in Hamburg mit den Cyclassics das zweite deutsche World Tour-Rennen der diesjährigen Saison ausgetragen. Bereits zum 29. Mal findet das Eintagsrennen statt und führt die Profis wie im vergangenen Jahr auch schon vom Startort Buxtehude zur Ziellinie in der Hamburger Innenstadt. Über 205,3 Kilometer führen die Cyclassics 2026 und dar sportliche Kern des 2025 eingeführten Streckenkonzepts bleibt bestehen: Fünfmal müssen die Fahrer über den kurzen, aber sehr steilen Waseberg in Blankenese. Damit bietet der Parcours zwar weiterhin sehr gute Voraussetzungen für endschnelle Fahrer, eröffnet aber ebenso Klassikerspezialisten und Angreifern Möglichkeiten. Zuletzt zeigte im vergangenen Jahr Sieger Rory Townsend, dass eine Flucht durchaus zum erfolg führen kann. Nichtsdestotrotz werden bei den Cyclassivs viele Top-Sprinter wie Jonathan Milan (Lidl-Trek), Olav Kooij (Decathlon CMA CGM Team), Paul Magnier (Soudal Quick-Step), Dylan Groenewegen (Unibet Rose Rockets), Pavel Bittner (Team Picnic Post NL) und Biniam Girmay (NSN Cycling Team) am Start stehen.
ADAC Cyclassics 2026 | 16. August | Buxtehude → Hamburg | 206 km

Die Strecke der Cyclassics 2026
Zum zweiten Mal in Folge beginnt das Profirennen in Buxtehude im Landkreis Stade. Nach dem neutralisierten Start durch die Stadt wird das Rennen auf der L127 freigegeben. Von dort führt der Parcours über Apensen und Beckdorf zunächst in Richtung Landkreis Harburg. Über Moisburg, Hollenstedt, Appel sowie die Gemeinde Rosengarten mit Sottorf und Vahrendorf bewegt sich das Feld auf Hamburg zu. Bereits nach 38,1 Rennkilometern wird das Hamburger Stadtgebiet erreicht.
Nach 45,4 Kilometern erreicht das Rennen den Hamburger Hafen. Wenig später folgt eine der spektakulärsten Passagen der Cyclassics: Bei Kilometer 55,2 überquert das Profifeld die Köhlbrandbrücke. Anschließend geht es über die Hafencity weiter ins Zentrum. Über Jungfernstieg, Platz der Republik und Elbchaussee erreichen die Fahrer schließlich den Hamburger Westen und damit in jenen Teil der Strecke, in dem das Rennen zunehmend anspruchsvoller und hügeliger wird.
Cyclassics 2026: Fünfmal über den Waseberg
Nach rund 80 Kilometern erreichen die Profis die Hügel in den Elbvororten. Zunächst den Kösterberg und danach nach einer steilen Anfahrt hinunter an der Elbe den Anstieg zum Waseberg. Dieser Anstieg in Blankenese bleibt auch bei der 29. Austragung der Cyclassics die Schlüsselstelle des Rennens. Der Anstieg ist rund 700 Meter lang und weist laut Veranstalter Rampen von bis zu 16 Prozent auf. Zudem wird dort die Bergwertung ausgefahren. Entscheidender als die absoluten Werte ist jedoch die Häufigkeit: Insgesamt fünfmal müssen die Profis den kurzen Anstieg bewältigen.
Die erste Passage erfolgt bereits nach 89,6 Kilometern. Danach führt der Kurs zurück in die Innenstadt, wo das Feld bei Kilometer 105,1 erstmals die Ziellinie auf der Mönckebergstraße passiert.
Anschließend beginnt die deutlich kompaktere Abfolge der entscheidenden Schleifen. Bei Kilometer 128,5 steht die zweite Überfahrt des Waseberg auf dem Programm, nur 11,1 Kilometer später folgt bereits die dritte Überfahrt. Danach geht es erneut in die Innenstadt. Bei Kilometer 155,1 erreichen die Profis zum zweiten Mal die Mönckebergstraße.
Von dort führt die Strecke ein letztes Mal hinaus nach Blankenese. Die vierte Waseberg-Passage erfolgt bei Kilometer 178,6, die fünfte und letzte bereits bei Kilometer 189,8. Dann bleiben nur noch 15,5 Kilometer bis ins Ziel. Gerade diese beiden letzten Anstiege dürften darüber entscheiden, welche Sprinter überhaupt noch um den Sieg fahren können und ob sich eine kleine Gruppe entscheidend absetzen kann.
Sprinter versus Ausreißer
Das macht den Charakter der Cyclassics aus: Der Waseberg ist für sich genommen weder lang noch schwer genug, um ein Feld klassischerweise zu „zerlegen“. Nach knapp 180 Rennkilometern und mehreren vorherigen Passagen können die wiederholten hochintensiven Belastungen jedoch ihre Wirkung entfalten. Für reine Sprinter geht es darum, möglichst viele Helfer über die Anstiege zu bringen und das Rennen anschließend wieder zu kontrollieren. Klassikerfahrer und Puncheure müssen dagegen versuchen, die kurze Distanz zwischen letzter Waseberg-Überfahrt und Ziel für einen Angriff zu nutzen.
Dass ein Sprint auf der Mönckebergstraße keineswegs garantiert ist, bewies die Ausgabe 2025. Rory Townsend gehörte damals zur frühen Ausreißergruppe und rettete sich nach fast 200 Kilometern an der Spitze gerade noch vor das heranrasende Feld. Der Ire gewann vor den Top-Sprintern. Arnaud De Lie und Paul Magnier kamen auf die Plätze zwei und drei ; Jasper Philipsen belegte Rang vier.
Die Streckenkarte der Cyclassics 2026

Favoriten-Check für die Cyclassics 2025
Die Cyclassics sind ein Rennen für Sprinter – aber nicht für jeden. Dafür sorgen fünf Überfahrten des Wasebergs. Vor allem die beiden letzten Passagen bei Kilometer 178,6 und 189,8 können das Feld ausdünnen, ehe noch rund 15 Kilometer bis zum Ziel auf der Mönckebergstraße bleiben. Entsprechend groß ist der Kreis der Sieganwärter: Er reicht von klassischen Topsprintern bis zu endschnellen Klassikerspezialisten.

Der Mann, den es in Hamburg wohl als Erstes zu schlagen gilt, ist Jonathan Milan (Lidl-Trek). Der Italiener bringt nicht nur enorme Endgeschwindigkeit mit, sondern kann diese auch nach einem langen und schweren Rennen noch abrufen. Dass er in Form ist, hat Milan erst vor wenigen Tagen bei der Polen-Rundfahrt eindrucksvoll bewiesen: Er gewann dort die drei Etappen. Mit Simone Consonni, Edward Theuns und Max Walscheid verfügt Lidl-Trek zudem über mehrere erfahrenen Fahrer, die Milan bis weit ins Finale unterstützen können. Kommt eine größere Gruppe gemeinsam auf die Mönckebergstraße, ist der Italiener der Fahrer mit der vielleicht größten Siegchance.
Olav Kooij (Decathlon CMA CGM) zählt zu Milans gefährlichsten Gegnern. Der Niederländer weiß bereits, wie man die Cyclassics gewinnt: 2024 setzte er sich im Sprint vor Milan und Biniam Girmay durch. Kooijs Vorteil gegenüber einigen klassischen Sprintern liegt darin, dass er kurze Anstiege gut übersteht und auch nach einem selektiven Rennen noch schnell ist. Das hat er in dieser Saison erneut gezeigt.
Kann Paul Magnier 2026 bei den Cyclassics zuschlagen?
Einer, der selektive Rennen mag und beim Giro d‘Italia den Sprung zum Weltklasse-Sprinter vollzogen hat, ist Paul Magnier (Soudal Quick-Step). Der Franzose ist kein reinrassiger Sprinter, sondern vereint Explosivität mit der Fähigkeit, kurze Anstiege schnell zu fahren. Genau deshalb passt Hamburg sehr gut zu seinem Profil. Bereits 2025 wurde Magnier bei den Cyclassics Dritter. Wird der Waseberg zum Ausscheidungsrennen, zählt Magnier deshalb zu den Fahrern, deren Siegchance eher steigt als sinkt.
Ähnliches gilt für Biniam Girmay (NSN Cycling Team). Der Eritreer ist prädestiniert für Rennen, in denen es keine geordneten Massensprint mit Zügen gibt. Girmay kann kurze Anstiege überstehen, sich in hektischen Finals selbst gut positionieren.
Hinter Arnaud De Lie (Lotto-Intermarché) steht ein Fragezeichen. Im vergangenen Jahr fehlten ihm in Hamburg nur zwei Meter zum Sieg: De Lie gewann den Sprint des Feldes, doch Ausreißer Rory Townsend rettete sich wenige Meter vor den heranfliegenden Favoriten ins Ziel. Bringt er seine beste Form mit nach Hamburg, ist der Waseberg für ihn eher eine Chance als ein Hindernis. Gerade in einem dezimierten Feld besitzt De Lie genügend Endgeschwindigkeit und Cleverness, um praktisch jeden verbliebenen Gegner zu schlagen.
Zum erweiterten Kreis gehören Kaden Groves (Alpecin-Premier Tech). Michael Matthews (Team Jayco AlUla), Søren Wærenskjold (Uno-X Mobility), Dylan Groenewegen (Unibet Rose Rockets), Pavel Bittner (Picnic PostNL), Milan Fretin (Cofidis) und Phil Bauhaus (Bahrain Victorious).
Fotos: © Cyclassics / Marcel Hilger
Grafiken: © A.S.O.
