19. Etappe | 24. Juli | Gap – Alpe d’Huez | 127,9 km
21 Kehren führen hinauf zu einer der berühmtesten Bergankünfte der Alpen: nach Alpe d’Huez. Der Wintersportort ist das Ziel der 19. Etappe der Tour de France 2026 und bildet den Auftakt zu zu einem historischen Doppel: Erstmals endet die Tour de France an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Alpe d’Huez. Während die 20. Etappe über mehrere der berühmtesten Alpenpässe und die Auffahrt zum Col de Sarenne führt, folgt der erste Zielanstieg noch der traditionellen Route von Le Bourg-d’Oisans hinauf in den Wintersportort.
Am drittletzten Renntag, dem 24. Juli, führt die 19. Etappe über 127,9 Kilometer von Gap nach Alpe d’Huez. Mit dem Col Bayard, dem Col du Noyer, dem Col d’Ornon und der klassischen Schlussauffahrt stehen vier Bergwertungen auf dem Programm. Insgesamt müssen die Profis rund 3.500 Höhenmeter bewältigen.
Die finale Auffahrt nach Alpe d’Huez ist 13,78Kilometer lang und durchschnittlich 8,1 Prozent steil. Über die legendären 21 Kehren führt sie hinauf zum Ziel auf 1.850 Metern Höhe.
Mit lediglich 127,9 Kilometern ist die Etappe ungewöhnlich kompakt für einen klassischen Alpenabschnitt. Doch gerade kurze Bergetappen haben bei der Tour de France immer wieder für besonders offensive Rennen gesorgt. Durch die geringere Gesamtdauer können die Fahrer früher und aggressiver attackieren. Zugleich bleiben weniger Kilometer, auf denen eine Mannschaft die Situation nach einem Angriff wieder kontrollieren kann.
Die entscheidende Frage lautet daher: Kommen die Ausreißer durch, oder sind die GC-Teams bereit, konsequent zu arbeiten, damit ihre Kapitäne in den 21 Kehren um den Etappensieg kämpfen können?
Strecke der 19. Etappe der Tour de France 2026
Der Start erfolgt in Gap, das nicht ohne Grund als Tor zu den Alpen bezeichnet wird. Denn sobald das Rennen freigegeben ist, steigt die Straße zum Col Bayard an. Da die Auffahrt 4,7 Kilometer lang und durchschnittlich 7,2 Prozent steil ist, wird die Bergwertung der zweiten Kategorie bereits bei Rennkilometer 4,8 abgenommen.
Damit beginnt der Tagesabschnitt praktisch mit einem Bergstart. Schon auf den ersten Kilometern müssen sich die Fahrer positionieren, die den Sprung in die Ausreißergruppe schaffen wollen. Gleichzeitig können sich die GC-Teams auf einem solch kompakten und schweren Parcours keine längere Phase der Unaufmerksamkeit erlauben.
Nach der Passhöhe führt die Strecke über Brutinel und La Fare-en-Champsaur zunächst bergab. Die Abfahrt ist jedoch nur kurz. Schon hinter Poligny steigt die Straße erneut an – diesmal deutlich länger und steiler zum Col du Noyer.
Col du Noyer: erste schwerer Berg nach 25 Kilometern
Der Col du Noyer ist eine Bergwertung der 1. Kategorie und zugleich einer der entscheidenden Anstiege der Anfangsphase dieser Etappe. Die Auffahrt misst 7,2 Kilometer und weist eine durchschnittliche Steigung von 8,5 Prozent auf. Die Fahrer erreiche die Passhöhe auf 1.664 Metern bereits nach 25,2 Rennkilometern. Spätestens hier wird das Peloton in mehrere Gruppen aufgesplittet sein, da die Kombination aus Col Bayard und Col du Noyer den Beginn extrem anspruchsvoll werden lassen . Zwischen beiden Anstiegen liegen nur wenige Kilometer. Fahrer, die am ersten Berg bereits viel Kraft investieren, können sich vor der wesentlich steileren zweiten Auffahrt kaum erholen.
Nach der Passhöhe des Col du Noyer folgt eine technisch anspruchsvolle Abfahrt. Über Truziaud und Saint-Étienne-en-Dévoluy führt der Parcours weiter nach Saint-Disdier. Anschließend passieren die Profis den Tunnel de la Beaume und überqueren die Grenze vom Département Hautes-Alpes in das Département Isère.
An der Pont de la Beaume erreichen die Fahrer das Tal des Drac. Die Strecke führt anschließend über La Posterle und Les Payas zur Staumauer des Lac du Sautet.
Nach der Überquerung der Barrage du Sautet erreicht das Rennen bei Kilometer 55,4 den Ort Corps. Über Les Côtes-de-Corps, Quet-en-Beaumont und La Salle-en-Beaumont führt der Parcours nach Valbonnais.
Zwischensprint in Le Périer
Bei Rennkilometer 89,4 wird in Le Périer der einzige Zwischensprint des Tages ausgefahren. Hinter Le Périer steigt die Straße zunächst leicht durch das Tal an. Über La Chalp, Chantelouve und Les Siauds nähern sich die Fahrer der dritten Bergwertung des Tages.
Der Anstieg zum Col d’Ornon beginnt bei Rennkilometer 93,8. Hoch zur Bergwertung der 2. Kategorie führt die Straße über iKilometer lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 6,4 Prozent. Von der Passhöhe des Col d’Ornon sind es noch knapp 30 Kilometer bis zum Ziel.
Im Vergleich zum Col du Noyer und zum Schlussanstieg wirkt der Col d’Ornon auf dem Papier moderat. Seine Position macht ihn dennoch bedeutend. Zu diesem Zeitpunkt liegen bereits fast 100 Rennkilometer und drei Anstiege in den Beinen. Zudem können Angriffe am Col d’Ornon die taktische Ausgangslage vor Alpe d’Huez verändern.
Nach der Passhöhe folgt eine schnelle Abfahrt über Le Rivier, Pont des Oulles und La Pallud. Die Straße führt hinunter nach La Paute und . Wenig später erreicht das Rennen Le Bourg-d’Oisans, das am Fuße des Schlussanstiegs liegt.
Bergankunft Alpe d’Huez: 21 Kehren bis zum Ziel
In Le Bourg-d’Oisans beginnt die berühmte Auffahrt nach Alpe d’Huez. Dieser Schlussanstiegmit den 21 Kehren ist 13,8 Kilometer lang und durchschnittlich 8,1 Prozent steil. Er ist als Bergwertung der Hors Catégorie eingestuft und endet nach 127,9 Kilometern auf 1.850 Metern Höhe.
Die schwierigsten Passagen dieses Anstieg der Hors Catégorie liegen im unteren Teil. Unmittelbar nach dem Abzweig von der Talstraße steigt die Straße deutlich an. Durch die ersten Kehren führt die Straße hinauf nach La Garde-en-Oisans. Gerade auf diesen Kilometern können sich schnell große Abstände bilden, da die Fahrer nach dem Anlauf über den Col d’Ornon ohne längere Erholungsphase in die steilsten Rampen gelangen.
Oberhalb von La Garde führt die Route über Ribot d’en Bas und Le Ribot weiter nach Huez. Die nummerierten Serpentinen bestimmen dabei den Rhythmus des Anstiegs.
Nach der Durchfahrt durch Huez-Village bleiben noch 5,7 Kilometer. Der Schlussabschnitt führt weiter hinauf in den Wintersportort. Auch nach dem Passieren der Ortseinfahrt von Alpe d’Huez sind noch rund 2,7 Kilometer zu absolvieren, ehe die Ziellinie auf 1.850 Metern erreicht wird.
Karte der 19. Etappe der Tour de France 2026

Finale der 19. Etappe der Tour de France 2026: Alpe d’Huez

Favoriten-Check: Etappensieg und Gelbes Trikot
Die entscheidende Frage lautet, ob die Klassementteams den Ausreißern überhaupt genügend Raum geben, um sich zu „entfalten“. Das hängt natürlich davon ab, ob und wie gut sich die angeschlagenen Fahrer des Teams UAE Emirates XRG erholt haben. Und ob ein anderes Klassementteam Jagd aufs Podium macht. Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-Hansgrohe) hat jedoch betont, dass er nicht angreifen werde, da er seinen Podiumsplatz nicht gefährden will.
Gejt Decathlon CMA CGM in die Offensive?
Doch was ist mit dem Team Decathlon CMA CGM Team von Paul Seixas? Der junge Franzose liegt immer noch gut im Gesamtklassement und könnte zumindest testen, wie fit Isaac del Toro (UAE Team Emirates XRG) ist. Auch Lidl-Trek könnte nach der ganzen Arbeit für Mads Pedersen in den vergangenen Tagen jetzt Juan Ayuso und Mattias Skjelmose unterstützen, wenngleich beide an de Anstiegen bislang nicht so souverän wirkten. Aber die 19- Etappe ist der erste richtige Tag in der dritte Woche für die GC-Fahrer in den Bergen – vielleicht haben sich die Kräfte in der Schlusswoche verschoben.
Oder wollen die Klassementteams allesamt ihre Kräfte schonen für die Königsetappe am Tag danach? Denn dann wartet eine noch wesentlich schwierigere Alpenprüfung mit dem Col de la Croix de Fer, dem Col du Télégraphe, dem Col du Galibier, dem Col de Sarenne und einer erneuten Zielankunft in Alpe d’Huez. Pogačar erklärte, dass er seine Mannschaft für diesen Tag bräuchte.
Haben die Ausreißer Chancen auf den Etappensieg in Alpe d’Huez?
Sollten also die Ausreißer um den Tagessieg fahren, rücken mehrere Fahrer von Team Visma | Lease a Bike in den Mittelpunkt. Nach dem Ausscheiden von Vingegaard kann die Mannschaft offensiver auftreten. Matteo Jorgenson (Team Visma | Lease a Bike) wurde auf der 18. Etappe Dritter und zeigte damit gute Form. Sepp Kuss (Team Visma | Lease a Bike) und Davide Piganzoli (Team Visma | Lease a Bike) sind ebenfalls starke Kletterer, die für eine frühe Gruppe infrage kommen. Besonders Kuss besitzt auf einer langen Schlussauffahrt die nötige Erfahrung und Ausdauer.
Thymen Arensman (Netcompany INEOS), Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) und Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) zählen zu den weiteren interessanten Ausreißern. Arensman (Netcompany INEOS) bringt die Qualitäten für lange Alpenanstiege mit. Johannessen (Uno-X Mobility) hat sich in dieser Tour wiederholt offensiv gezeigt, während Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) bereits auf der 18. Etappe Teil der entscheidenden Spitzengruppe war. Auch Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team) wäre grundsätzlich ein Kandidat für einen Angriff. Der Brite wird aufgrund seines achten Gesamtrangs aber kaum große Freiheiten erhalten.
Und Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) ist trotz seines Sieges in Orcières-Merlette erneut ein Kandidat für die Flucht auf der 19. Etappe. Allerdings auch eine Gefahr für verschiedene Klassementtteams, da er auf Rang 10 in der Gesamtwertung liegt.
Die Fluchtgruppe braucht mindestens drei, vier Minuten am Fuße von Alpe d’Huez, um eine realistische Chance auf einen Etappenerfolg zu haben. Sind die GC-Fahrer näher dran, dann dürfte der Sieg hier auch wieder über Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG) gehen, der auf der „Alpe“ noch nie gewonnen hat.
Wertungen der 19. Etappe der Tour de France 2026
Sprintwertungen
Le Périer | Rennkilometer 89,4
Bergwertungen
Col Bayard (1.246 m) | 2. Kategorie | 4,7 km mit 7,2 % | Rennkilometer 4,8
Col du Noyer (1.664 m) | 1. Kategorie | 7,2 km mit 8,5 % | Rennkilometer 25,2
Col d’Ornon (1.371 m) | 2. Kategorie | 5,4 km mit 6,4 % | Rennkilometer 99,2
Alpe d’Huez (1.850 m) | Hors Categorie | 13,8 km mit 8,1 % | Rennkilometer 127,9
TV-Tipp: 19. Etappe der der Tour de France 2026 im Fernsehen
Ab 13:45 Uhr überträgt Eurosport 1 die 19. Etappe der Frankreich-Rundfahrt live im Free-TV. „Das Erste“ geht ab 16:30 Uhr „on air“.
Profile: © A.S.O.
Karte: © GEOATLAS
