Start Profi-Sport Tour de France 2026 Favoriten: Pogačar, Vingegaard & die GC-Kandidaten im Check

Tour de France 2026 Favoriten: Pogačar, Vingegaard & die GC-Kandidaten im Check

Übersicht

Auf dem Papier beginnt auch diese Frankreich-Rundfahrt mit dem Duell, das die vergangenen fünf Austragungen geprägt hat: Tadej Pogačar gegen Jonas Vingegaard. Der Slowene aus dem Team UAE Emirates-XRG reist als Titelverteidiger und Top-Favorit an. Der Däne kommt mit dem Rückenwind seines Giro-Siegs und der Erfahrung zweier Tour-Erfolge. Spannend und offen wie selten ist der Kampf dahinter. Remco Evenepoel und Florian Lipowitz bilden bei Red Bull-Bora-Hansgrohe eine hochinteressante Doppelspitze, Paul Seixas trägt die französischen Hoffnungen, Isaac del Toro und Juan Ayuso gehören zur neuen Generation der Grand-Tour-Kandidaten. Dazu kommen Fahrer wie Tom Pidcock, Richard Carapaz, Kévin Vauquelin, Cian Uijtdebroeks und Tobias Halland Johannessen, die alle auf unterschiedliche Weise in den Kampf um die vorderen Plätze eingreifen können. Sofern ihre Vorbereitung gut war und sie ohne Schwächephase durch die Tour kommen.

Alpecin Cycling hat sich die wichtigsten Kandidaten für die Top-Platzierungen in der Gesamtwertung genauer angesehen.

Tadej Pogačar | UAE Team Emirates-XRG

Alter: 27 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 6
Beste Tour-Platzierung im GC: Sieger 2020, 2021, 2024 und 2025

Ein Blick auf den bisherigen Saisonverlauf reicht, um zu verstehen, warum Tadej Pogačar auch 2026 als der große Favorit in die Tour de France geht. Der Slowene ist nicht einfach nur Titelverteidiger. Er ist der Fahrer, an dem sich im Moment jeder andere Klassementfahrer messen lassen muss. Pogačar kann lange Anstiege schnell fahren, an kurzen Rampen eskalieren lassen, Zeitfahren stark absolvieren und selbst auf Etappen, die eigentlich nach einem Übergangstag aussehen, jederzeit ein Rennen öffnen.

Genau deshalb passt diese Tour zu ihm. Die Strecke ist schwer, aber nicht eindimensional. Es gibt nicht nur die eine große Hochgebirgsschlacht, sondern viele Gelegenheiten, Zeit zu gewinnen: früh in den Pyrenäen, später im Zentralmassiv und in den Vogesen, dann im Einzelzeitfahren und schließlich im Alpen-Finale mit zweimal Alpe d’Huez. Für einen Fahrer wie Pogačar ist das fast ideal. Er muss nicht auf einen einzigen Tag warten, sondern kann seine Überlegenheit dosiert ausspielen.

Seine Erfahrung spricht zusätzlich für ihn. Pogačar hat die Tour bereits viermal gewonnen und stand bei jeder seiner bisherigen Teilnahmen auf dem Podium. Damit geht er nicht nur als stärkster Fahrer, sondern auch als einer der routiniertesten Grand-Tour-Spezialisten ins Rennen. Was gegen ihn spricht? Eigentlich nur die Fallhöhe. Pogačar ist der klare Mann, den alle schlagen wollen. UAE Team Emirates-XRG wird Verantwortung tragen müssen, und mit Isaac del Toro steht ein weiterer starker Rundfahrer im eigenen Team, der taktisch sehr wertvoll sein kann, aber auch klare Rollenverteilung verlangt. Trotzdem gilt: Wenn Pogačar gesund bleibt und keinen schlechten Tag erwischt, führt der Weg zum Gelben Trikot über ihn.

Jonas Vingegaard | Team Visma | Lease a Bike

Alter: 29 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 5
Beste Tour-Platzierung im GC: Sieger 2022 und 2023

Jonas Vingegaard kommt mit einem besonderen Triumph zur Tour de France. Der Däne hat den Giro d’Italia gewonnen und damit gezeigt, dass er wieder auf höchstem Grand-Tour-Niveau unterwegs ist. Gleichzeitig ist genau das auch die zentrale Frage vor Barcelona: War der Giro der perfekte Aufbau für die Tour – oder kostet ihn der Sieg in Italien doch Substanz?

Sportlich gibt es kaum Zweifel. Vingegaard ist der Fahrer, der Pogačar bei der Tour bereits geschlagen hat. Er kann lange Anstiege in einem konstant hohen Tempo fahren, er ist in der Höhe stark und besitzt jene nüchterne Rennintelligenz, die gerade in dreiwöchigen Rundfahrten entscheidend ist. Auf einer Strecke mit mehreren schweren Bergblöcken und einem späten Alpenfinale ist er deshalb automatisch der gefährlichste Rivale des Titelverteidigers.

Seine Tour-Bilanz unterstreicht diese Rolle. Vingegaard hat die Tour zweimal gewonnen und wurde dreimal Zweiter. Schlechter als Rang zwei war er nicht. Allerdings haben die beiden vergangene Tour-Austragungen gezeigt, dass er Pogačar nie gefährlich werden konnte.

Ein Problem ist zudem der personelle Verlust bei Visma | Lease a Bike. Ohne Wout van Aert fehlt dem Team ein Fahrer, der in nahezu jedem Terrain Kontrolle, Tempo, Positionierung und taktische Optionen liefern kann. Für einen Kapitän wie Vingegaard ist das kein kleines Detail. Trotzdem bleibt die Einordnung klar: Wenn Pogačar der Top-Favorit ist, dann ist Vingegaard der einzige Fahrer, der aus eigener Kraft realistisch auf Augenhöhe kommen kann.

Remco Evenepoel | Red Bull-Bora-Hansgrohe

Alter: 26 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 2
Beste Tour-Platzierung im GC: 3. Gesamtwertung 2024

Remco Evenepoel ist der vielleicht am schwersten einzuschätzende Fahrer in diesem Favoritencheck. Auf der einen Seite bringt er Fähigkeiten mit, die bei dieser Tour enorm wertvoll sein können. Er ist einer der besten Zeitfahrer der Welt, kann explosive Finals fahren und besitzt genug Grand-Tour-Erfahrung, um ein dreiwöchiges Klassement zu strukturieren. Auf der anderen Seite bleibt die große Frage, ob er im Hochgebirge stabil genug ist, um Pogačar und Vingegaard wirklich unter Druck zu setzen.

Gerade das macht seine Ausgangslage so spannend. Das Mannschaftszeitfahren sowie dad Einzelzeitfahren dieser Tour ist für Evenepoel eine große Chance. Dort muss er Zeit gewinnen oder zumindest ein klares Zeichen setzen. Gleichzeitig wird er in den Bergen nicht nur verteidigen können. Wer die Tour gewinnen will, muss spätestens in den Alpen selbst aktiv werden oder zumindest jeden Angriff der Besten beantworten. Genau dort liegt die Unsicherheit.

Seine bisherige Tour-Bilanz zeigt beides: 2024 fuhr er als Dritter direkt aufs Podium und gewann zudem das Weiße Trikot. 2025 gab er entkräftet auf – mit gebrochener Rippe. Für 2026 bedeutet das: Evenepoel ist ein klarer Podiumskandidat, aber kein Fahrer ohne Fragezeichen. Sein Team kann dabei ein Vorteil sein. Mit Florian Lipowitz hat er keinen reinen Helfer, sondern eine zweite echte GC-Karte an seiner Seite. Das kann Red Bull-Bora-Hansgrohe taktisch stark machen. Es kann aber auch die Hierarchie verkomplizieren. Für den Gesamtsieg muss bei Evenepoel alles passen. Für das Podium ist er trotz aller Fragezeichen einer der wichtigsten Kandidaten.

Florian Lipowitz | Red Bull-Bora-Hansgrohe

Alter: 25 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 1
Beste Tour-Platzierung im GC: 3. Platz 2025

Florian Lipowitz gilt nicht mehr als Geheimtipp bei dieser Tour de France. Der Deutsche hat sich endgültig in den Kreis der ernsthaften Klassementfahrer gefahren. Seine Stärke liegt weniger im spektakulären Einzelangriff als in der Konstanz. Lipowitz kann lange Anstiege auf hohem Niveau fahren, er bricht selten komplett ein und wirkt zunehmend wie ein Fahrer, der genau weiß, wie er seine Kräfte über drei Wochen einteilen muss.

Das ist bei dieser Tour ein großer Vorteil. Die Frankreich-Rundfahrt 2026 verlangt einen kompletten Rundfahrer mit Substanz. Genau in dieses Profil wächst Lipowitz hinein. Besonders interessant ist seine Rolle im Vergleich zu Evenepoel. Sollte der Belgier im Hochgebirge Probleme bekommen, könnte Lipowitz schnell zur sichereren Karte von Red Bull-Bora-Hansgrohe werden. Umgekehrt kann er selbst davon profitieren, dass viele Gegner zunächst stärker auf Evenepoel schauen.

Sein dritter Platz bei der Tour 2025 verändert die Perspektive. Lipowitz ist nicht mehr der Fahrer, der überraschen kann, sondern einer, den die Konkurrenz ernst nehmen muss. Die große Frage ist, ob er den nächsten Schritt schafft: vom Podiumsanwärter zum Fahrer, der Pogačar und Vingegaard an einzelnen Tagen wirklich unter Druck setzen kann. Wenn er konstant fährt, keinen Einbruch erlebt und in den Alpen seine Kletterstärke bestätigt, ist ein erneutes Podium realistisch.

Paul Seixas | Decathlon CMA CGM

Alter: 19 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen:
Beste Tour-Platzierung im GC:

Paul Seixas ist der spannendste Fahrer dieser Tour. Frankreich wartet seit Jahrzehnten auf einen heimischen Tour-Sieger, und selten war die Erwartung an einen jungen Fahrer so schnell so groß. Seixas hat sich mit starken Leistungen in eine Position gefahren, in der er nicht mehr nur als Talent gilt. Er ist ein ernstzunehmender Klassementfahrer – und das schon vor seiner ersten Tour de France.

Sportlich bringt er vieles mit, was diese Tour verlangt: Explosivität, Kletterstärke, Mut und die Fähigkeit, auch an sehr schweren Tagen offensiv zu fahren. Gerade die Pyrenäen könnten für ihn früh zu einem wichtigen Moment werden. Dort wird sich zeigen, ob er im direkten Duell mit den besten Grand-Tour-Fahrern der Welt schon bestehen kann oder ob die Tour 2026 für ihn eher ein Lernprozess wird.

Allerdings gibt es auch klare Fragezeichen. Seine Jugend ist Chance und Risiko zugleich. Seixas fährt unbekümmert, aber er kennt die besondere Belastung der Tour noch nicht. Dazu kommt, dass eine Tour-Premiere mit 19 Jahren selbst für außergewöhnliche Talente eine enorme Aufgabe ist. Für den Gesamtsieg kommt diese Tour vermutlich zu früh. Für die Top fünf, das Weiße Trikot und einzelne Glanzmomente in den Bergen ist Seixas aber einer der interessantesten Fahrer des Rennens. Wenn er die erste Woche ohne Probleme übersteht, kann aus französischer Hoffnung sehr schnell französische Euphorie werden.

Isaac del Toro | UAE Team Emirates-XRG

Alter: 22 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen:
Beste Tour-Platzierung im GC:

Isaac del Toro wäre in vielen Mannschaften ein klarer Leader für die Tour de France. Bei UAE Team Emirates-XRG startet er jedoch im Schatten von Tadej Pogačar. Genau das macht seine Einordnung kompliziert. Rein sportlich gehört der Mexikaner zu den stärksten Rundfahrern der Saison. Taktisch wird er aber zunächst vor allem daran gemessen werden, wie gut er Pogačar unterstützt.

Seine Form ist beeindruckend. Mit dem Gesamtsieg bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes setzte Del Toro kurz vor der Tour ein deutliches Zeichen. Besonders wichtig war dabei nicht nur der Sieg, sondern die Art und Weise: starke Bergankünfte, ein dominanter Auftritt am Plateau de Solaison und die Fähigkeit, sich gegen Fahrer wie Juan Ayuso und Tobias Halland Johannessen durchzusetzen. Das ist genau die Art von Leistung, die vor einer Tour de France Gewicht hat.

Grand-Tour-Erfahrung besitzt er trotz seines jungen Alters, allerdings hat er noch keine Tour bestritten. Das ist der zentrale Unterschied zu vielen Kontrahenten. Bei der Tour wird jeder Fehler größer, jeder hektische Moment gefährlicher, jeder schwache Tag stärker bestraft. Für UAE ist Del Toro ein taktischer „Luxus“. Er kann in den Bergen lange bei Pogačar bleiben, er kann Gegner zum Reagieren zwingen und im Idealfall selbst ein sehr gutes Klassementergebnis erzielen.

Juan Ayuso | Lidl-Trek

Alter: 23 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 1
Beste Tour-Platzierung im GC: DNF

Juan Ayuso gehört zu den Fahrern, die auf dem Papier fast alles mitbringen. Er kann klettern, er kann Zeitfahren, er ist explosiv genug für schwierige Finals und er hat die Klasse, an einem guten Tag auch die Besten unter Druck zu setzen. Trotzdem ist seine Einordnung vor der Tour nicht ganz einfach.

Seine bisherige Tour-Historie ist kurz und unvollständig. 2024 startete Ayuso als Edelhelfer von Tadej Pogačar erstmals bei der Frankreich-Rundfahrt, erreichte Paris aber nicht. Damit fehlt ihm bei der Tour noch der Nachweis, drei Wochen unter maximalem Druck durchzustehen. Genau das unterscheidet ihn von Fahrern wie Pogačar, Vingegaard, Evenepoel oder Lipowitz.

Sein Potenzial ist dennoch enorm. Kurz vor der Tour zeigte er bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Podestplatz dort war ein wichtiges Signal. Für Lidl-Trek ist Ayuso der Top-Fahrer fürs Gesamtklassement. Die Frage ist nur, kann er dem Druck standhalten und besitzt er die nötige Konstanz. Ayuso hat das Talent für ein Podium, aber eine Tour de France wird selten allein über Talent entschieden. Wenn er ohne Schwächephase durchkommt, ist er ein sehr gefährlicher Fahrer für die Top fünf. Für den Gesamtsieg wirkt der Abstand zu Pogačar und Vingegaard noch groß, für das Podium aber ist Ayuso ein Name, den man ernst nehmen muss.

Tom Pidcock | Pinarello Q36.5 Pro Cycling Team

Alter: 26 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 3
Beste Tour-Platzierung im GC: 13. Platz 2023

Tom Pidcock ist kein klassischer Tour-Favorit. Und genau deshalb ist er so interessant. Der Brite bringt ein Profil mit, das sich nicht leicht einordnen lässt. Er ist explosiv, technisch brillant, mutig in Abfahrten und an guten Tagen in der Lage, selbst sehr schwere Rennen zu prägen. Gleichzeitig steht hinter seiner Stabilität über drei Wochen weiterhin ein Fragezeichen.

Pidcock kennt die Tour bereits gut. Sein Etappensieg 2022 in Alpe d’Huez gehört zu den markantesten Momenten seiner bisherigen Straßenkarriere, seine beste Gesamtplatzierung erreichte er 2023 mit Rang 13. Das zeigt: Er kann bei der Tour eine Rolle spielen, hat sich aber im Gesamtklassement noch nicht dauerhaft in der absoluten Spitze etabliert. Wenngleich er vergangenen Herbst bei der Vuelta a Espana mit Rang drei im Gesamtklassement ein echtes Ausrufezeihen setzte.

Dass Pidcock bei Pinarello Q36.5 als Leader in die Tour geht, ist für das Team ein enormer Schritt. Für ihn selbst ist es die Chance, sich vom vielseitigen Siegfahrer hin zum ernsthaften Klassementfahrer weiterzuentwickeln. Die Tour ist allerdings noch einmal eine andere Bühne als jedes andere Rennen. Pidcock kann in den Bergen überraschen, er kann Etappen gewinnen, und er kann mit seiner offensiven Art ein Rennen verändern. Ob daraus ein Top-10-Klassement oder sogar mehr wird, hängt davon ab, wie stabil er durch die zweite und dritte Woche kommt.

Richard Carapaz | EF Education-EasyPost

Alter: 33 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 4
Beste Tour-Platzierung im GC: 3. Platz 2021

Richard Carapaz bringt etwas mit, das manchmal unterschätzt wird: Grand-Tour-Erfahrung auf höchstem Niveau. Der Ecuadorianer hat den Giro gewonnen, stand bei der Tour und der Vuelta auf dem Podium und weiß, wie man schwierige Rennen liest. Für den Toursieg kommt er nicht (mehr) in Frage, aber als Klassementfahrer und offensiver Bergfahrer bleibt er gefährlich.

Seine Tour-Bilanz ist dabei respektabel, aber nicht ganz linear. 2021 fuhr Carapaz als Dritter aufs Podium, später prägte er die Tour mehr durch offensive Fahrweise auf bestimmten Etappen und Wertungen wie das Bergtrikot als über das Gesamtklassement. 2024 gewann er eine Etappe und das Bergtrikot. Das passt zu seinem Profil: Carapaz ist kein Fahrer, den man kontrolliert neben sich herfahren lassen möchte. Wenn er im Klassement etwas Zeit verliert, kann er aus der Distanz gefährlich werden. Wenn er dagegen stabil bleibt, ist auch ein Top-10-Ergebnis möglich.

Carapaz selbst hat vor der Tour zwar gesagt, dass das GC für ihn in diesem Jahr kein Thema sei. Er will sich auf das Bergtrikot konzentrieren. Doch der Olympiasieger von Tokio ist ein Fahrer, der in der dritten Woche nicht zwingend schwächer wird.

Für EF Education-EasyPost ist das eine Top-Ausgangslage. Carapaz kann Klassement fahren, muss aber nicht so berechenbar agieren wie die großen Favoriten. Er ist erfahren genug, um Schwächen anderer auszunutzen, und offensiv genug, um das Rennen in den Bergen schwer zu machen.

Kévin Vauquelin | Netcompany Ineos

Alter: 25 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 2
Beste Tour-Platzierung im GC: 7. Platz 2025

Kévin Vauquelin ist einer der interessantesten Fahrer im erweiterten Favoritenkreis. Der Franzose hat bei der Tour de France bereits gezeigt, dass er mehr ist als ein offensiver Etappenjäger. 2024 gewann er eine Etappe, 2025 fuhr er als Siebter der Gesamtwertung in die Top 10. Damit hat er etwas nachgewiesen, was viele junge Rundfahrer erst noch beweisen müssen: Er kann bei der Tour über drei Wochen ein Klassement halten.

Genau deshalb ist sein Wechsel zu Netcompany Ineos so spannend. Das Team hat ihn nicht als reine Verstärkung für hügelige Etappen geholt, sondern als Fahrer mit Entwicklungspotenzial für große Rundfahrten. Vauquelin bringt ein modernes GC-Profil mit: Er ist explosiv genug für kurze steile Finals, stark im Zeitfahren und inzwischen auch stabil genug, um in den Bergen nicht sofort aus dem Klassement zu fallen. Gerade auf einer Tour mit Mannschaftszeitfahren, Einzelzeitfahren, Mittelgebirge und mehreren schweren Bergankünften kann dieses Profil wertvoll sein.

Trotzdem bleibt seine Ausgangslage nicht frei von Fragezeichen. Vauquelin hatte keine ideale Vorbereitung und geht nicht mit der Selbstverständlichkeit eines gesetzten Podiumskandidaten in diese Tour. Dazu kommt, dass Netcompany Ineos nach dem Ausfall von Oscar Onley seine GC-Planung neu sortieren muss. Vauquelin könnte dadurch mehr Verantwortung bekommen, zugleich aber auch stärker unter Druck geraten.

Für die Top 10 ist Vauquelin aber ein sehr realistischer Kandidat, wenn er gesund und ohne Schwächephase durch die erste Rennhälfte kommt. Seine siebte Gesamtplatzierung aus dem Vorjahr macht ihn nicht automatisch zum Podiumsanwärter, aber sie verändert seine Rolle: Vauquelin startet nicht mehr als Überraschungsmann, sondern als Fahrer, den die Konkurrenz für das Klassement ernst nehmen muss.

Cian Uijtdebroeks | Movistar Team

Alter: 23 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen:
Beste Tour-Platzierung im GC:

Cian Uijtdebroeks steht vor seiner wichtigsten Grand Tour. Der Belgier gilt seit Jahren als großes Klassementtalent, doch nun geht es darum, dieses Potenzial im härtesten Rennen des in ein Ergebnis umzumünzen. Bei Movistar bekommt er die Möglichkeit, die er gesucht hat: mehr Verantwortung, mehr Führung, mehr Klarheit im Klassement.

Sein Auftritt bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes war dafür ein wichtiges Signal. Platz sieben in der Gesamtwertung und ein stabiler Eindruck in den Bergen zeigen, dass seine Vorbereitung in die richtige Richtung geht. Uijtdebroeks ist kein Fahrer, der Rennen mit einem einzigen explosiven Angriff auf den Kopf stellt. Seine Stärke liegt eher darin, lange Anstiege konstant zu fahren und über mehrere Tage wenig Zeit zu verlieren.

Seine fehlende Tour-Erfahrung ist der größte Unsicherheitsfaktor. Die Vuelta und der Giro sind wichtige Referenzen, aber die Tour de France ist noch einmal etwas ganz anderes. Für das Podium wirkt die Aufgabe (noch) zu groß. Für die Top 10 ist Uijtdebroeks aber ein realistischer Kandidat, wenn er ohne Defekt, Sturz oder schwache Tage durchkommt. Diese Tour kann für ihn weniger der ganz große Durchbruch als vielmehr der nächste wichtige Schritt in seiner Entwicklung werden.

Tobias Halland Johannessen | Uno-X Mobility

Alter bei Tour-Start: 26 Jahre
Tour-de-France-Teilnahmen: 3
Beste Tour-Platzierung im GC: 6. Platz 2025

Tobias Halland Johannessen ist der „ruhigste“ Name in diesem Favoritenfeld. Genau das macht ihn gefährlich. Der Norweger fährt oft unauffälliger als andere, braucht ogft etwas Zeit, um in eine Rundfahrt hineinzukommen, ist dann aber regelmäßig dort, wo ein Klassementfahrer sein muss: in den entscheidenden Gruppen, an den schweren Anstiegen, in den Tagen, an denen andere Zeit verlieren.

Seine Tour-Bilanz ist inzwischen mehr als solide. Nach mehreren Starts fuhr er 2025 als Sechster der Gesamtwertung mitten hinein in die erweiterte Weltspitze. Damit ist er kein Außenseiter mehr, der nur auf einen guten Tag hoffen muss. Er ist ein Fahrer, der über drei Wochen ein hohes Niveau halten kann.

Auch 2026 bestätigte er, dass er sich auf hohem Niveau stabilisiert hat. Bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes war er erneut einer der stärksten Fahrer im Gebirge und beendete das Rennen in den Top fünf der Gesamtwertung. Johannessen ist kein realistischer Kandidat fürs Podium. Dafür fehlt ihm wohl noch die absolute Durchschlagskraft gegen Pogačar, Vingegaard und die besten Zeitfahrer. Aber für die Top 10, vielleicht sogar für die Top fünf, bringt er sehr viel mit: Kletterstärke, Robustheit, Erfahrung und ein Team, das mit viel Selbstvertrauen auftritt.

Foto: Mr. Pinko