Tadej Pogačar hat die Tour de France 2026 gewonnen. Der Weltmeister aus dem Team UAE Emirates-XRG sicherte sich zum dritten Mal in Folge und zum insgesamt fünften Mal das Gelbe Trikot am Ende dieser Grand Tour. Damit schloss der 27-Jährige zu Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain auf, die das wichtigste Etappenrennen der Welt ebenfalls jeweils fünfmal gewinnen konnten.
Pogačar krönte in Paris eine Tour, die er fast von Beginn an dominerte. Mit fünf Etappensiegen, davon einem überragenden Solo in den Pyrenäen und einem Triumph auf der Alpe d’Huez setzte der Weltmeister erneut sportlich Maßstäbe.
Erster Etappensieg und Gelbes Trikot in Les Angles
Pogačar stellte die Weichen für seinen fünften Toursieg bereits in der ersten Woche. Auf der dritten Etappe von Granollers nach Les Angles übernahm er das Gelbe Trikot von Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike). Dann musste er es an Torstein Træen (Uno-X Mobility) abgeben.
Doch bereits der sechste Tag brachte eine Vorentscheidung. Auf der schweren Pyrenäen-Etappe von Pau nach Gavarnie-Gèdre griff Pogačar bereits am Col du Tourmalet an und gewann. Der erste Verfolger, Jonas Vingegaard erreichte das Ziel 2:38 Minuten später. Del Toro und die anderen Konkurrenten folgten mit rund drei Minuten Rückstand. Zudem eroberte das Gelbe Trikot zurück. Von diesem Zeitpunkt an gab er es nicht mehr ab. Insgesamt trug Pogačar insgesamt 16 Tage das Gelbe Trikot.
Pogačar baute seine Führung im Zentralmassiv und den Vogesen weiter aus
Auch im Zentralmassiv ließ Pogačar keine Zweifel an seiner Stärke aufkommen. Auf der zehnten Etappe nach Le Lioran distanzierte er seine wichtigsten Konkurrenten erneut. Remco Evenepoel wurde mit 32 Sekunden Rückstand Zweiter, während Vingegaard als Siebter 44 Sekunden verlor. Für Pogačar war es der dritte Etappensieg der Tour 2026.
In den Vogesen folgte der nächste Erfolg. Auf der 14. Etappe löste er sich im steilen Finale am Col du Haag von seinen Konkurrenten und erreichte das Ziel als Solist. Del Toro wurde mit 38 Sekunden Rückstand Zweiter, Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) belegte zeitgleich Rang drei.
Triumph und Rekordfahrt auf der Alpe d’Huez
Seinen fünften und spektakulärsten Etappensieg feierte Pogačar auf der 19. Etappe. Auf der klassischen Auffahrt mit den 21 Kehren nach Alpe d’Huez griff er 13 Kilometer vor dem Ziel an, setzte sich klar von allen direkten Konkurrenten ab und holte alle Ausreißer ein. Zudem knackte er den Streckenrekord von Marco Pantani.
Mit diesem seinem 26. Tour-Etappensieg zog er an André Leducq vorbei. In der historischen Bestenliste liegen nur noch Cavendish mit 35, Merckx mit 34 und Hinault mit 28 Erfolgen vor ihm.
Vingegaards Aus verändert Pogačars Rolle
Der Kampf um den Gesamtsieg verlor auf der 15. Etappe einen, seiner wichtigsten Protagonisten. Vingegaard , bis dahin klarer Zweiter der Gesamtwertung, stürzte und musste die Tour aufgeben. Für den zweimaligen Gesamtsieger war es das erste vorzeitige Ende bei seiner sechsten Tour-Teilnahme. Bei seinen vorherigen fünf Starts hatte er das Rennen stets auf dem Podium beendet.
Der Ausfall seines langjährigen Rivalen veränderte auch Pogačars Aufgaben. Sein Vorsprung war bereits so komfortabel, dass er einen Teil seiner eigenen Ambitionen zurückstellen und für Isaac del Toro arbeiten konnte. Auf der Schlussauffahrt zum Plateau de Solaison bestimmte der Mann in Gelb über weite Strecken das Tempo für seinen jungen Teamkollegen. Del Toro rückte dadurch auf den dritten Gesamtrang vor und übernahm die Führung in der Nachwuchswertung. Dass Evenepoel den Sprint gewann, änderte nichts am Erfolg dieser Strategie. Pogačar erklärte anschließend, er habe sich für Del Toro eingesetzt, weil dieser normalerweise die Arbeit für ihn verrichte.
Auch auf der Königsetappe über den Col du Galibier und den Col de Sarenne zur Alpe d’Huez stellte Pogačar die Interessen seines Teamkollegen über einen möglichen sechsten Etappensieg. Als Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) zurückfiel, blieb der Tour-Spitzenreiter bei Del Toro. Beide erreichten das Ziel zeitgleich auf den Plätzen vier und fünf und sicherten damit den dritten Gesamtrang sowie das Weiße Trikot des Mexikaners ab. Während Evenepoel vorausfuhr und noch einmal Zeit auf Pogačar gewann, eskortierte der sichere Gesamtsieger seinen wichtigsten Helfer praktisch bis auf das Pariser Podium.
Gerade diese Szenen unterstrichen das Ausmaß seiner Überlegenheit. Pogačar konnte es sich auf einer der schwersten Etappen der Tour leisten, einen direkten Konkurrenten ziehen zu lassen und selbst zum Helfer zu werden. Der spätere Gesamtsieger verteidigte nicht mehr nur das Gelbe Trikot – er nutzte seine Stärke, um auch den Podiumsplatz seines Teamkollegen abzusichern.
Fünfter Toursieg für Tadej Pogačar
Mit seinem Erfolg von 2026 setzte Pogačar seine außergewöhnliche Serie fort. Nach seinen Siegen 2020 und 2021 musste er sich 2022 und 2023 jeweils Vingegaard geschlagen geben. Seit seiner Rückkehr an die Spitze im Jahr 2024 gewann er die Tour dreimal hintereinander.
Seine fünfte Tour entschied Pogačar nicht allein durch einzelne explosive Angriffe. Entscheidend waren auch die Konstanz über drei Wochen.
Mit seinem fünften Gelben Trikot gehört Tadej Pogačar nun auch statistisch zu den erfolgreichsten Fahrern in der Geschichte der Tour de France. Und anders als Anquetil, Merckx, Hinault und Indurain hat der Slowene weiterhin die Möglichkeit, den bisherigen Rekord schon bei einer seiner nächsten Teilnahmen allein zu übernehmen.
Fotos: IMAGO / Photo News
