Tadej Pogačar hat seine dritte Etappe bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Der Träger des Gelben Trikots gewann als Solist den 11. Tagesabschnitt durchs Zentralmassiv von Aurillac nach Le Lioran. Der Slowene griff rund einen Kilometer vor dem Gipfel des Col de Pertus an. Die übrigen Favoriten konnten seinem Antritt nicht folgen. Pogačar schloss rasch zum bis dahin Führenden Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) auf, der zuvor am Puy Mary – Pas de Peyrol attackiert hatte, und setzte sich direkt vom Ecuadorianer ab und stürmte ins Ziel. 32 Sekunden nach dem Sieger gewann Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe) den Sprint der Verfolger. Dritter wurde Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) 34 Sekunden zurück. Jonas Vingegaard (Team Visma | Lease a Bike) erreichte das Ziel mit 44 Sekunden Rückstand auf Rang sieben. Sie alle gehörten zusammen mit Mattias Skjelmose, Juan Ayuso (beide Lidl-Trek), und Florian Lipowitz (Red Bull-BORA-hansgrohe) zur ersten Verfolgergruppe.
Tadej Pogačar hat nun in der Gesamtwertung 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard. Dritter hier ist nun Remco Evenepoel mit einen Rückstand von 4:06 Minuten auf den Gesamtführenden.
In der Nachwuchswertung übernahm Juan Ayuso das Weiße Trikot. Der bisherige Träger Isaac Del Toro erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 1:31 Minute als Achter.
So verlief die 10. Etappe der Tour de France 2026
Die Etappe begann erwartet hektisch. Weil der Zwischensprint in Lacapelle-del-Fraisse bereits nach 25,5 Kilometern kam, wurde die erste Rennphase vor allem von der Punktewertung bestimmt. Lidl-Trek arbeitete früh für Mads Pedersen (Lidl-Trek), der trotz eines kurzen Defekts rechtzeitig wieder ins Feld zurückkam.
Pedersen gewann den Zwischensprint nach Vorarbeit seines Teamkollegen Quinn Simmons (Lidl-Trek). Max Kanter (XDS Astana Team) eröffnete den Sprint, konnte aber nicht mehr gegenhalten. Dahinter sammelten Biniam Girmay (NSN Cycling Team), Jasper Philipsen (Alpecin-Premier Tech) und Michael Matthews (Team Jayco-AlUla) weitere Punkte. Erst danach kamen die Ausreißer zum Zug.
Große Fluchtgruppe mit starken Namen
Nach mehreren vergeblichen Angriffen bildete sich eine große Gruppe mit über 30 Fahrern. Dazu gehörten:
- Alex Baudin, Ben Healy (beide EF Education-EasyPost)
- Sergio Higuita, Harold Tejada, Simone Velasco (alle XDS Astana Team)
- Thymen Arensman, Kévin Vauquelin (beide Netcompany Ineos Cycling Team)
- Valentin Paret-Peintre, Louis Vervaeke (beide Soudal Quick-Step)
- Ramses Debruyne, Mathieu van der Poel (beide Alpecin-Premier Tech)
- Ben O’Connor, Luke Plapp (beide Team Jayco AlUla)
- Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility)
- Marco Frigo (NSN Cycling Team)
- Jefferson Cepeda, Raúl García Pierna, Javier Romo (alle Movistar Team)
- Georg Zimmermann (Lotto Intermarché)
- Ion Izagirre, Benjamin Thomas (beide Cofidis)
- Xabier Azparren, Fred Wright (beide Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team)
- Clément Braz Afonso, Romain Grégoire, Guillaume Martin-Guyonnet (alle Groupama-FDJ United)
- Marco Haller Marc Hirschi (beide Tudor Pro Cycling Team)
- Jordan Jegat (TotalEnergies)
- Thibault Guernalec (TotalEnergies)
- Joel Nicolau (Caja Rural-Seguros RGA)
Doch die Gruppe bekam nie wirklich viel Spielraum. UAE Team Emirates-XRG setzte sich früh im Feld an die Spitze und hielt den Rückstand unter Kontrolle. Nils Politt bestimmte lange das Tempo, später übernahmen weitere Helfer. Damit war früh klar: Pogačars Mannschaft wollte den Tag nicht einfach an die Ausreißer abgeben.
Romo und Tejada lösten sich aus der Spitzengruppe
Rund 90 Kilometer vor dem Ziel zerfiel die große Spitzengruppe zunehmend. Romo und Tejada setzten sich aus der Flucht ab und arbeiteten an der Spitze gut zusammen. Dahinter versuchten Healy, Higuita und Vervaeke den Anschluss herzustellen. Die größere Verfolgergruppe löste sich auf.
Am Col de la Griffoul, dem zweiten kategorisierten Anstieg des Tages, verschärfte Romo das Rennen weiter. Der Spanier ließ Tejada hinter sich und fuhr allein an der Spitze weiter. Dahinter hielten sich Paret-Peintre, Baudin und Ramses Debruyne zunächst noch als nächste Verfolger. Doch der Abstand zum UAE-kontrollierten Feld schrumpfte stetig.
Romo gewann die Bergwertung am Col de la Griffoul und wenig später auch am Col de Prat de Bouc. Während Romo vorne weiterkämpfte, erhöhte UAE Team Emirates-XRG im Feld Schritt für Schritt das Tempo.
An der Côte de Murat lag Romo noch allein an der Spitze. Hinter ihm wurden Paret-Peintre, Baudin und Debruyne wieder gestellt. Kurz darauf begann der härteste Teil der Etappe: Zunächst der Puy Mary – Pas de Peyrol, danach der Col de Pertus und schließlich der Col de Font de Cère kurz vor dem Ziel in Le Lioran.
Carapaz eröffnete den Kampf der Favoriten
Am Puy Mary wurde Romo schließlich vom Feld eingeholt. Danach setzte Carapaz die nächste Attacke. Der Ecuadorianer fuhr aus der Favoritengruppe heraus und baute seinen Vorsprung zunächst auf rund eine halbe Minute aus. Am Gipfel des Puy Mary lag Carapaz weiterhin vorn, dahinter war die Gruppe der Favoriten bereits stark reduziert.
In der Abfahrt kam zusätzliche Unruhe auf. Tom Pidcock (Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team) und sein Teamkollege Chris Harper stürzten, konnten aber weiterfahren. Auch Matteo Jorgenson (Team Visma | Lease a Bike) kam in der technischen Abfahrt zu Fall. Für Vingegaard wurde die Situation dadurch schwieriger, weil Visma im Finale immer weniger Helfer an seiner Seite hatte.
Carapaz nutzte die Abfahrt gut und ging mit rund einer Minute Vorsprung in den Col de Pertus. Hinter ihm blieb die Favoritengruppe klein. Vingegaard hatte mit Davide Piganzoli (Team Visma | Lease a Bike) noch Unterstützung, bei Red Bull-Bora-Hansgrohe waren Evenepoel und Lipowitz gemeinsam vertreten. Pogačar blieb ruhig, saß weit vorn und wartete auf den steilsten Abschnitt.
Pogačar attackierte am Col de Pertus
Am Col de Pertus fiel die Entscheidung. Rund einen Kilometer vor der Bergwertung beschleunigte Pogačar. Vingegaard konnte nicht folgen, auch Evenepoel, Lipowitz, Seixas, Ayuso und Mattias Skjelmose mussten sofort eine Lücke lassen. Pogačar schloss in kurzer Zeit zu Carapaz auf, fuhr direkt an ihm vorbei und setzte sich allein an die Spitze.
Auf dem Gipfel hatte Pogačar bereits einen klaren Vorsprung. Carapaz lag dahinter, während eine Gruppe mit Vingegaard, Evenepoel, Lipowitz, Ayuso, Seixas und Skjelmose folgte. Isaac del Toro verlor etwas mehr Zeit und musste dahinter sein eigenes Tempo fahren.
In der Abfahrt und am Col de Font de Cère baute Pogačar seinen Vorsprung weiter aus. Hinter ihm sortierten sich die Verfolger neu. Evenepoel, der zwischenzeitlich Schwierigkeiten hatte, kämpfte sich zurück und sprintete auf Rang zwei. Seixas wurde Dritter, Lipowitz Vierter, Ayuso Fünfter.
Foto: Photonews.be
