Zweimal Mortirolo plus Gavia, Bergankunft in Madonna di Campiglio und das große Finale am supersteilen Monte Zoncolan: Der Giro d’Italia 2027 setzt auf bekannte große Berge in einer schweren Schlusswoche. Doch bevor die Profis die Alpen erreichen, müssen sie sich in den Bergen beweisen und in zwei ganz unterschiedlichen Zeitfahren ihre Qualitäten beweisen.
Vom 8. bis 30. Mai führt der 110. Giro d’Italia über 21 Etappen von Triest nach Rom. Aufgeteilt in sechs Flachetappen, acht hügelige Abschnitte, fünf Bergetappen und zwei Einzelzeitfahren mit einer Gesamtlänge von knapp 57 Kilometern. Allein sieben Mal endet eine Etappe „am Berg“. In Summe sind das dann 3.418,9 Kilometer mit 50.250 Höhenmetern.
Streckencheck: Der Parcours des Giro d’Italia 2027

Die erste Woche verlangt früh Vielseitigkeit. Nach dem Auftakt in Triest und einem Abstecher nach Slowenien folgt bereits am fünften Tag die erste Bergankunft hinauf nach Sassotetto. Zwei Tage später müssen die Profis erneut beim Zeitfahren bergauf – nach Campo di Giove. Mit der Ankunft am Monte Livata endet die erste Rennwoche erneut bergauf.
In der zweiten Woche wechseln sich lange Apenninetappen, Sprintmöglichkeiten und weitere Bergankünfte ab. Besonders anspruchsvoll wird das Wochenende vor dem zweiten Ruhetag: Auf der Fahrt von Cantù Arena zur Bergankunft Piani di Bobbio/Valtorta erklimmen die Profis auf 187 Kilometern insgesamt 4.900 Höhenmeter. Danach folgt das lange Einzelzeitfahren über knapp 40 Kilometer vom Autodromo in Monza nach Mailand.
Die wohl schwerste Aufgabe kommt zu Beginn der Schlusswoche. Auf der Etappe zwischen Sondrio und Aprica summieren sich auf 192 Kilometern insgesamt 5.700 Höhenmeter. Kein Wunder, denn mit Mortirolo, Gavia und erneut Mortirolo werden Giganten aus Stein erklommen. Anschließend folgen mit Madonna di Campiglio und dem Monte Zoncolan zwei weitere Bergankünfte, um Zeit gutzumachen, aufzuholen oder die Führung auszubauen. Traditionell endet die 117. Italien-Rundfahrt mit dem Sprinter-Finale in Rom.
Die Strecke des Giro d’Italia 2027 im Video
Vorschau auf die 21 Etappen des Giro d’Italia 2027
1. Etappe | 8. Mai 2027 | Triest – Triest | 172 km | 2.400 hm

Der Giro d’Italia 2027 beginnt in Triest, der Hauptstadt der Region Friaul-Julisch Venetien, und führt dann nach 45 Kilometern ins Nachbarland Slowenien. Auf dem Rückweg nach Triest müssen die Profis auf den finalen 40 Kilometern drei kurze Anstiege bewältigen und es könnte gut möglich sein, dass hier ein Puncheur die Nase vorn hat und die Sprinter mit dem Rennausgang nichts zu tun haben werden.
2. Etappe | 9. Mai 2027 | Ljubljana – Koper | 166 km | 2.200 hm

Der zweite Tag führt komplett durch Slowenien. Von der Hauptstadt Ljubljana führt die Strecke zum Ziel an der Adriaküste nach Koper. Das wellige Profil bietet erneut Puncheuren die Chance, die weniger bergfesten Sprinter unter Druck zu setzen. Zumal es nur rund drei Kilometer vor dem Ziel einen kurzen knackigen Anstieg gibt.
3. Etappe | 10. Mai 2027 | Cervignano del Friuli – Possagno | 163 km | 1.450 hm

Zurück in Italien verläuft die Strecke von Friaul nach Venetien. Die beiden kategorisierten Anstiege auf den letzten 40 Kilometern könnten erneut für Schwierigkeiten bei den Sprinterteams sorgen. Außerdem führen die finalen Kilometer zum Ziel in Possagno bergauf.
4. Etappe | 11. Mai 2027 | Argenta – Misano Adriatico (Autodromo Marco Simoncelli) | 151 km | 750 hm

Auf dem Weg von Argenta nach Misano Adriatico erhalten die Sprinter eine Chance auf den Etappensieg. Mit 151 Kilometern und nur 750 Höhenmetern gehört die Etappe zu den leichteren dieser Rundfahrt. Das Ziel liegt auf einem Motorsportkurs.
5. Etappe | 12. Mai 2027 | Filottrano – Sarnano-Sassotetto | 139 km | 3.300 hm

Die erste große Prüfung für die Anwärter auf das Rosa Trikot folgt bereits auf der fünften Etappe. Sie beginnt in Filottrano, wo der Giro d’Italia zehn Jahre nach seinem Tod an Michele Scarponi erinnert, und führt durch die Marken in die Sibillinischen Berge zur Bergankunft nach Sarnano-Sassotetto. Obwohl die Etappe nur 139 Kilometer lang ist, summieren sich die Höhenmeter auf 3.300.
6. Etappe | 13. Mai 2027 | Alba Adriatica – Lanciano | 148 km | 1.700 hm

Zwischen Alba Adriatica und Lanciano könnte man flach an der Adriaküste entlangradeln. Doch die 6. Etappe führt zwischendurch vom Meer weg und im Auf und Ab durch die Abruzzen. Vom Profil ist die Etappe geeignet für eine Ausreißergruppe mit bergfesten Puncheuren und explosiven Kletterern. Sind die Abstände nach der ersten Bergankunft groß genug, dürfte sie auch freie Fahrt bekommen.
7. Etappe | 14. Mai 2027 | Sulmona – Campo di Giove / Bergzeitfahren | 19,6 km | 700 hm

Das erste Einzelzeitfahren über 19,6 Kilometer von Sulmona nach Campo di Giove verlangt perfektes Pacing und ein gutes Bergbein. Denn nach den ersten sieben Kilometern steigt die Straße bis ins Ziel für 12,5 Kilometer steil an. Die Klassementfahrer benötigen daher neben hoher Leistung auch ein gutes Gefühl für den richtigen Rhythmus.
8. Etappe | 15. Mai 2027 | Trasacco – Neapel | 219 km | 1.300 hm

Nach der kurzen Prüfung gegen die Uhr folgt der mit 219 Kilometern zweitlängste Tagesabschnitt dieser Italien-Rundfahrt. Er führt von Trasacco nach Neapel, das zum sechsten Mal in Folge Teil des Giros ist. Mit nur 1.300 Höhenmetern auf diese lange Distanz dürfte das eine weitere Chance für die Sprinter sein.
9. Etappe | 16. Mai 2027 | Itri – Subiaco-Monte Livata | 180 km | 3.150 hm

Zum Abschluss der ersten Woche wartet die nächste Bergankunft. Von Itri führt die Strecke zum Monte Livata oberhalb von Subiaco. 13,9 Kilometer lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 6,9 Prozent sind die nackten Daten der Schlusssteigung. Diese Bergankunft war bereits im Vorjahr Teil des Giro Next Gen.
10. Etappe | 18. Mai 2027 | Palombara Sabina – Norcia | 218 km | 3.600 hm

Die zweite Woche beginnt mit einem langen und anspruchsvollen Tagesabschnitt durch den Apennin. Auf dem 218 Kilometer langen Weg von Palombara Sabina nach Norcia hat es besonders das Finale in sich – mit der Forca di Presta und Forca Ventolosa. Distanz, Höhenmeter und „Platzierung“ der Etappe machen den Abschnitt zu einer guten Gelegenheit für kletterfeste Ausreißer.
11. Etappe | 19. Mai 2027 | Gualdo Tadino – Scarperia (Autodromo del Mugello) | 220 km | 2.150 hm

Mit 220 Kilometern ist die Fahrt von Gualdo Tadino nach Scarperia die längste Etappe dieses Giros. Das Ziel liegt erneut auf einem Motodrom, dieses Mal in Mugello, in der Nähe von Florenz. Die 2.150 Höhenmeter machen den Tagesabschnitt allerdings anspruchsvoller, als ein Blick auf den Zielort vermuten lässt. Ob die Sprinterteams eine weitere Chance bekommen, hängt auch davon ab, wie kontrolliert das Rennen bis ins Finale verläuft.
12. Etappe | 20. Mai 2027 | Montecatini Terme – Zeri / Passo Due Santi | 173 km | 3.400 hm

Von Montecatini Terme führt die Strecke zur Bergankunft auf dem Passo Due Santi im Skigebiet Zum Zeri. Besonders die zweite Rennhälfte hat es in sich. Zur Rennmitte klettern die Profis nach Forci Carpineli und nach einer längeren Abfahrt steigt die Straße weit vor dem eigentlich kategorisierten Anstieg an.
13. Etappe | 21. Mai 2027 | Borgo Val di Taro – Reggio Emilia | 176 km | 750 hm

Zwischen zwei Bergankünften bekommen die Sprinter und ihre Teams wieder die Möglichkeit, sich im Finale zu zeigen. Die Etappe von Borgo Val di Taro nach Reggio Emilia weist auf 176 Kilometern gerade mal 750 Höhenmeter auf.
14. Etappe | 22. Mai 2027 | Cantù Arena – Piani di Bobbio/Valtorta | 187 km | 4.900 hm

Mit 4.900 Höhenmetern ist der Abschnitt, der auf den Spuren der Lombardei-Rundfahrt „wandelt“, sehr anspruchsvoll. Nach dem Start in Cantù Arena müssen die Profis Anstiege hoch zur Madonna di Ghisallo, zum Culmine di San Pietro, nach Miragolo San Salvatore und nach Alino bewältigen, ehe das große Finale auf sie „wartet“. Über 10,1 Kilometer führt der Anstieg mit durchschnittlich neun Prozent hoch zur Bergankunft nach Piani di Bobbio/Valtorta.
15. Etappe | 23. Mai 2027 | Monza (Autodromo Nazionale) – Mailand / Einzelzeitfahren | 37,3 km | 150 hm

Die zweite Giro-Woche beschließt ein sehr langes und flaches Einzelzeitfahren, das auf dem Formel-1-Kurs in Monza startet und in Mailand endet. 37,3 Kilometer kämpfen die Profis gegen die Uhr. Während der Parcours wie gemacht ist für die Spezialisten, müssen die leichten Kletterer versuchen, hier nicht zu viel Zeit auf ihre Konkurrenten beim Blick auf die Gesamtwertung zu verlieren.
16. Etappe | 25. Mai 2027 | Sondrio – Aprica | 192 km | 5.700 hm

Die Schlusswoche beginnt mit der auf dem Papier schwersten Etappe. Zweimal der extrem steile und unrhythmisch zu fahrende Mortirolo und dazwischen der Passo di Gavia, der mit 2.618 Metern Höhe höchste Punkt dieser Italien-Rundfahrt. Alles eingebettet in 192 Kilometer, die von Sondrio zur Bergankunft nach Aprica führen. Die Dramaturgie der Etappe bietet genügend Terrain für Angriffe weit vor dem Ziel. Für die Anwärter auf den Gesamtsieg wird sie zu einer der Schlüsseletappen.
17. Etappe | 26. Mai 2027 | Chiari – Vo’ | 194 km | 1.100 hm

Zunächst führt der 194 Kilometer lange Abschnitt von der Lombardei flach nach Venetien. Doch in den Euganeischen Hügeln warten kurze, steile Anstiege und ein anspruchsvolles Finale. Für Puncheure und Ausreißer eröffnet das gute Möglichkeiten. Auch die Favoriten müssen aufmerksam bleiben, wenn sich das Feld in den Rampen teilt.
18. Etappe | 27. Mai 2027 | Rovereto – Madonna di Campiglio | 154 km | 4.450 hm

Die nächste große Bergetappe führt durchs Trentino. Fünf Anstiege stehen auf dem Menü des Tages. Nach dem Start in Rovereto, nur unweit des Gardasees, müssen die Profis den Passo Ballino, zweimal den Passo Durone sowie den Passo Daone erklimmen, ehe der 12,5 Kilometer lange Schlussanstieg sie ins Ziel nach Madonna di Campiglio führt. 4.450 Höhenmeter auf nur 154 Kilometern sprechen eine deutliche Sprache.
19. Etappe | 28. Mai 2027 | Rovereto – Sacile | 199 km | 3.000 hm

Erneut ist Rovereto Startort der Etappe. Es folgen 199 Kilometer bis nach Sacile. Mit dem anspruchsvollen ersten Renndrittel und 3.000 Höhenmetern bietet der Tagesabschnitt ideale Voraussetzungen für Ausreißer, bevor die letzte Bergankunft ansteht. Vigolo Vattaro und Bieno prägen den frühen Teil der Etappe.
20. Etappe | 29. Mai 2027 | Pordenone – Monte Zoncolan | 180 km | 3.600 hm

Sechs Jahre nach dem Sieg von Lorenzo Fortunato kehrt der Giro d’Italia an den Monte Zoncolan zurück. Die Etappe beginnt in Pordenone und führt auf den Berg in den Karnischen Alpen. Nach Passo Duron und Sella Valcalda führt die Strecke nach Ovaro, von wo aus der 10,1 Kilometer lange und durchschnittlich 11,9 Prozent steile Anstieg beginnt. Einzelne Rampen sind 22 Prozent steil. Auf diesem Terrain gibt es ein gnadenloses Ausscheidungsfahren.
21. Etappe | 30. Mai 2027 | Rom – Rom | 131 km | 500 hm

Same procedure as every year. Bereits zum fünften Mal in Folge endet die Corsa Rosa mit einem Sprinter-Finale in Rom. Zunächst fahren die Profis raus nach Ostia an die Küste, um dann auf dem Stadtkurs in der heiligen Stadt an Kolosseum & Co. sich auf den Sprint Royal vorzubereiten. Den Abschluss bildet der inzwischen traditionelle Rundkurs in Rom. Zum fünften Mal in Folge wird der Gesamtsieger der Corsa Rosa die Trofeo Senza Fine in der Ewigen Stadt in den Himmel stemmen.
Grafiken: RCS Sport
