Start Profi-Sport Tour de France Femmes 2026: Die Favoritinnen auf den Gesamtsieg

Tour de France Femmes 2026: Die Favoritinnen auf den Gesamtsieg

Übersicht

Die Tour de France Femmes 2026 verspricht einen der offensten und zugleich hochklassigsten Kämpfe um das Gelbe Trikot seit der Wiedereinführung des Rennens. Neun Etappen, ein 21 Kilometer langes Einzelzeitfahren, mehrere hügelige Tage, zwei Bergetappen und der Mont Ventoux als spektakulärer Prüfstein machen diese fünfte Austragung zu einer kompletten Rundfahrt. Wer am Ende in Nizza ganz oben stehen will, braucht mehr als Kletterstärke. Gefragt sind Zeitfahrqualität, Positionierung, taktische Ruhe, Regenerationsfähigkeit und ein Team, das über neun Tage nahezu fehlerfrei arbeitet.

Im Mittelpunkt wird wohl das Duell zwischen Demi Vollering und Pauline Ferrand-Prévot. stehen. Vollering reist mit einer Reihe voller hochkarätiger Erfolge in 2026 an. Ferrand-Prévot startet als Titelverteidigerin und hat ihre Saison auf der Straße genau auf dieses Ziel ausgerichtet: die Tour zu gewinnen. Dahinter ist der Kreis der Kandidatinnen groß. Kasia Niewiadoma-Phinney hat bei der Tour de France Femmes bislang immer geliefert, Marlen Reusser ist nicht nur eine starke Zeitfahrerin, Anna van der Breggen besitzt enorme Erfahrung. Die Youngster Paula Blasi und Antonia Niedermaier – beide 23 Jahre alt können ebenfalls ganz vorne mitmischen.

Hier der Favoritencheck zur Tour de France Femmes 2026.

Pauline Ferrand-Prévot | Team Visma | Lease a Bike

Alter: 34 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 1
Beste Tour-Platzierung: 1. Gesamtwertung 2025

Pauline Ferrand-Prévot ist die Titelverteidigerin und damit automatisch eine der Top-Favoritinnen. Ihr Sieg 2025 war kein Zufall, sondern das Resultat einer konsequenten Ausrichtung auf dieses eine Ziel. Ferrand-Prévot hat sich in ihrer Karriere immer wieder auf große Rennen speziell vorbereitet – und wenn sie einen Saisonhöhepunkt definiert, ist sie selten nur dabei.

Für 2026 stellt sich weniger die Frage, ob sie die Tour gewinnen kann. Das hat sie bereits bewiesen. Die entscheidende Frage ist, ob sie das Niveau erneut exakt zum richtigen Zeitpunkt erreicht. Anders als Vollering hat sie weniger häufig über die gesamte Saison hinweg sichtbare Dominanz gezeigt. Das muss aber bei Ferrand-Prévot kein nichts heißen.

Die Strecke mit der Bergankunft am Mont Ventoux ist ein klarer Vorteil für sie. Ferrand-Prévot kann an diesem Tag die Tour gewinnen, indem sie mehrere Minuten auf die Tageszweite herausfährt. Sie profitiert von ihrer Kletterstärke, die natürlich auf dem geringen Körpergewicht beruht. Allerdings muss sie im Zeitfahren bestehen. Dort darf sie gegen Vollering und Reusser nicht zu viel verlieren, sonst muss sie am Mont Ventoux früh viel riskieren.

Visma | Lease a Bike wird das Rennen um Ferrand-Prévot herum strukturieren müssen. Sie braucht Schutz auf den nervösen Etappen, Ruhe in den Übergängen und Helferinnen, die sie am Ventoux lange positionieren. Gelingt das, bleibt sie die gefährlichste Gegnerin Vollerings.

Demi Vollering | FDJ United-Suez

Alter: 29 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 4
Beste Tour-Platzierung: 1. Gesamtwertung 2023

Demi Vollering hat bereits bewiesen, dass sie dieses Rennen gewinnen kann. Sie kennt aber auch die andere Seite: knappe Niederlagen, taktische Verläufe, die gegen sie liefen, und Tage, an denen wenige Sekunden über Gelb entschieden. Genau diese Erfahrung macht sie 2026 gefährlicher. Vollering weiß, dass die Tour nicht nur am schwersten Berg gewonnen wird.

Die Strecke kommt der Niederländerin entgegen. Das Einzelzeitfahren nach Dijon ist für sie kein Malus, sondern ein Bonus. Sie kann dort einerseits gegenüber den kletterstarken GC-Fahrerinnen Zeit gutmachen.  Andererseits auch Spezialistinnen wie Marlen Reusser Paroli bieten. Für „punchy“ Etappen besitzt sie die Rennintelligenz und Power ebenfalls vorne mitzumischen und weiß, wo sie sein muss, wenn vorne die Post abgeht

Ihr größter Vorteil ist die Kombination aus eigener Klasse und Teamstärke. FDJ United-Suez hat die Mannschaft klar auf Gelb ausgerichtet. Juliette Berthet und Évita Muzic helfen ihr in den Bergen, dazu kommen Fahrerinnen für Positionierung, Kontrolle und gefährliche Übergangsetappen.

Vollering ist derzeit die kompletteste GC-Fahrerin im Feld ist. Wenn sie ohne Sturz, Defekt oder taktische Isolation in die letzten drei Tage kommt, führt der Weg zum Gesamtsieg über sie.

Kasia Niewiadoma-Phinney | Canyon//SRAM

Status: Podiumskandidatin mit Siegchance
Alter: 31 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 4
Beste Tour-Platzierung: 1. Gesamtwertung 2024

Kasia Niewiadoma-Phinney war bislang bei jeder zur Tour de France Femmes am Start. Obwohl sie keine reine Bergfahrerin, keine reine Zeitfahrerin und auch keine kontrollierende Rundfahrerin im klassischen Sinne ist, kann sie hier bestehen. Ihre Stärke liegt in ihrer Zähigkeit und der Fähigkeit, an wichtigen Tagen über sich hinauszuwachsen.

Der Tour-Sieg 2024 hat ihre Position verändert. Niewiadoma-Phinney ist nicht mehr nur die konstante Podiumsanwärterin, die immer nahe dran ist. Sie hat bewiesen, dass sie Gelb holen und verteidigen kann. Das zählt, gerade bei einer Tour, in der Sekunden erneut entscheidend sein können.

Die Strecke 2026 ist ambivalent für sie. Am Mont Ventoux muss sie ihre Leidensfähigkeit zeigen. Dort kann sie eine der Fahrerinnen sein, die das Rennen offensiv gestalten. Das Einzelzeitfahren ist dagegen ein Risiko. Wenn sie dort zu viel Zeit verliert, muss sie in den Bergen offensiver fahren als beispielsweise Vollering. Am Finaltag könnte sie zu den Fahrerinnen gehören, die auf de Bergen rund um Nizza noch mal voll eskalieren, um die Führung im GX zu übernehmen und damit den Gesamtsieg zu holen.  

Marlen Reusser | Movistar Team

Alter: 34 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 3
Beste Tour-Platzierung: 28. Gesamtwertung 2023

Marlen Reusser ist vielleicht die spannendste Fahrerin im Favoritenfeld. Nicht, weil sie die offensichtlichste Siegerin wäre, sondern weil ihr Profil diese Tour taktisch verändern kann. Das 21 Kilometer lange Einzelzeitfahren ist für sie eine große Chance. Dort kann sie Zeit auf fast alle reinen Kletterinnen gewinnen und sich in eine Position bringen, in der andere später angreifen müssen.

Lange galt Marlen Reusser vor allem als Zeitfahrspezialistin und Klassikerfahrerin. Doch sie hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie auch in Rundfahrten gut klettern und so aufs Gesamtklassement fahren kann. Ihr Sieg bei der Tour de Suisse 2026 war vor der Tour ein wichtiges Signal: Reusser kann nicht nur gegen die Uhr dominieren, sondern auch nach mehreren Renntagen noch bergauf Druck machen.

Der Knackpunkt bleibt der Mont Ventoux. Wenn Vollering, Ferrand-Prévot oder Niewiadoma dort das Rennen maximal hart machen, muss Reusser zeigen, dass sie auf einem langen, mythischen Anstieg kontrolliert „paced“und nur wenig verliert. Vielleicht kommt ihr der Wind entgegen?

Wenn sie gesund bleibt und keine großen Rückschläge erleidet, ist das Podium für die Schweizerin realistisch. Für Gelb braucht sie ein sehr starkes Zeitfahren, eine starke Leistung am Ventoux und vor allem eine Rennsituation, in der die Top-Favoritinnen sich gegenseitig neutralisieren.

Anna van der Breggen | Team SD Worx-Protime

Alter: 36 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 1
Beste Tour-Platzierung: 11. Gesamtwertung 2025

Anna van der Breggen bringt eine Qualität mit, die in einer Tour de France Femmes besonders wertvoll ist: Erfahrung in fast jeder Rennsituation. Sie kennt Grand Tours, Weltmeisterschaften, große Klassiker, Drucksituationen und auch die taktische Seite des Sports. Nach ihrem Comeback muss mit ihr gerechnet werden.

Die Strecke bietet ihr Chancen. Das Zeitfahren sollte ihr liegen, der Mont Ventoux ebenso. Gerade an langen, gleichmäßigen Anstiegen kann sie ihre Erfahrung und ihr Pacing ausspielen. Wenn andere Fahrerinnen zu früh attackieren oder auf die falsche Rennsituation reagieren, ist Van der Breggen eine Kandidatin, die davon profitiert.

Für den Gesamtsieg ist sie nicht die erste Wahl. Vollering und Ferrand-Prévot wirken im direkten Vergleich explosiver und. Aber für das Podium oder Top 5 ist Van der Breggen eine sehr ernsthafte Kandidatin.

Elisa Longo Borghini | UAE Team ADQ

Alter: 34 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 3
Beste Tour-Platzierung: 6. Gesamtwertung 2022

Elisa Longo Borghini ist eine der komplettesten und erfahrensten Fahrerinnen im Feld. Sie hat Grand Tours und Klassiker gewonnen sowie über viele Jahre bewiesen, dass sie auf unterschiedlichstem Terrain konkurrenzfähig ist. Für eine Tour de France Femmes mit Zeitfahren, Hügeln und Bergen besitzt sie grundsätzlich die passenden Eigenscaften.

Trotzdem ist ihre Ausgangslage nicht gar klar. Ihre Tour-Historie war bisher nicht so konstant wie ihr übriges Palmarès. Zudem verlief die Saison 2026 nicht vollständig reibungslos. Gerade deshalb ist ihre Einordnung komplex: Longo Borghini kann ein starkes Gesamtklassement fahren, sie kann aber auch in eine Rolle geraten, in der sie taktisch für Paula Blasi arbeiten muss, falls eine Teamkollegin besser im Rennen liegt.

UAE Team ADQ hat ein Luxusproblem. Mit Longo Borghini und Blasi stehen zwei Fahrerinnen am Start, die unterschiedliche Stärken mitbringen. Longo Borghini ist erfahrener, taktisch versierter und als Leaderin bewährt. Blasi wirkt wie die Fahrerin mit dem größeren Momentum. Wie das Team diese Rollen löst, kann für den gesamten Rennverlauf wichtig werden.

Für Longo Borghini spricht ihre Vielseitigkeit. Sie kann im Zeitfahren bestehen, in Hügeln aggressiv fahren und im Hochgebirge über Erfahrung kommen. Für den Gesamtsieg muss aber viel zusammenpassen. Realistischer ist ein Platz im Bereich Podium bis Top 5 – oder eine taktische Schlüsselrolle für UAE im Kampf um Gelb.

Paula Blasi | UAE Team ADQ

Alter: 23 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 0
Beste Tour-Platzierung:

Paula Blasi ist eine der interessantesten Fahrerinnen dieser Tour de France Femmes. Ihre Entwicklung hat sie in den erweiterten Kreis der GC-Kandidatinnen gebracht, und der Sieg bei der Vuelta Femenina 2026 war ein deutliches Signal: Sie kann eine schwere Rundfahrt nicht nur gut fahren, sondern gewinnen.

Das verändert ihre Rolle. Offiziell mag sie bei UAE Team ADQ noch als zweite Option erscheinen. Sportlich ist sie dafür fast schon zu stark. Blasi hat in dieser Saison gezeigt, dass sie an schweren Anstiegen zu den Besten gehören kann. Genau das macht sie für den Mont Ventoux so gefährlich. Wenn das Rennen Tour dort explodiert, ist sie eine der Fahrerinnen, die davon profitieren kann.

Doch hält sie jetzt bereits und vor allem nach dieser Saison den physischen Strapazen stand. Sie hat bislang viele Rennen bestritten und ihre Entwicklung wird nicht unbedingt linaer verlaufen. Die Tour de France Femmes ist medial, taktisch und vom Rennstress her noch einmal anders als andere Rundfahrten. Für eine junge Fahrerin zählt nicht nur die reine Leistungsfähigkeit am Berg. Es geht auch darum, an den flachen Tagen keine Zeit zu verlieren, in hektischen Finals richtig positioniert zu sein und nach einem schlechten Moment nicht in Panik zu geraten.

Blasi hat das Potenzial für Top 5. Wenn UAE Team ADQ ihr Freiheiten gibt und sie nach dem Zeitfahren noch gut platziert ist, kann sie sogar stärker in den Podiumskampf eingreifen als erwartet.

Antonia Niedermaier | Canyon//SRAM

Alter: 23 Jahre
Tour-de-France-Femmes-Teilnahmen: 0
Beste Tour-Platzierung:

Antonia Niedermaier geht als die deutsche Hoffnung fürs Gesamtklassement in diese Tour. Ihr zweiter Platz beim Giro d’Italia Women 2026 hat gezeigt, dass sie im Hochgebirge zur mithalten kann. Sie ist mehr als eine reine Helferin, sondern eine Fahrerin, die bei passenden Rennverläufen selbst ein starkes Resultat im Gesamtklassement erzielen kann.

Bei Canyon//SRAM wird sie zunächst Edeldomestikin für Kasia Niewiadoma-Phinney sein. Das ist logisch, denn die Polin hat bei der Tour bereits gewonnen. Für Niedermaier muss das aber kein Nachteil sein. Sie kann als Option wertvoll werden, wenn Niewiadoma Unterstützung in den Bergen braucht oder wenn das Team taktisch Druck auf andere Mannschaften ausüben will.

Ihre größte Stärke liegt am Berg. Wenn das Rennen am Mont Ventoux und auf der Schlussetappe in Nizza besonders hart wird, kann Niedermaier weit nach vorne fahren. Die Frage ist eher, wie viel Zeit sie im Einzelzeitfahren verliert und ob sie über die gesamte Woche konstant bleibt. Für eine Top-10-Platzierung bringt sie alles mit. Für das Podium müsste sehr viel zusammenlaufen – inklusive eigener Freiheit innerhalb des Teams.

Foto: IMAGO / Photo News