Start Profi-Sport Vorschau Tour de Romandie 2026: Etappen & Favoriten

Vorschau Tour de Romandie 2026: Etappen & Favoriten

Übersicht

Vom 28. April bis 3. Mai 2026 richtet sich der Blick des Pelotons auf die Westschweiz: Die 79. Ausgabe der Tour de Romandie führt über 851 Kilometer und mehr als 14.000 Höhenmeter durch die französischsprachigen Kantone. Damit positioniert sich das WorldTour-Rennen einmal mehr als wichtiger Formtest für die ersten großen Rundfahrten des Jahres.

Im Vergleich zum Vorjahr präsentiert sich die Streckenführung deutlich bergiger. Während es 2025 noch zwei Zeitfahren gab, wird es 2026 nur einen kurzen Prolog geben. Die Rundfahrt dürfte in den Bergen entschieden werden.

Zu den klaren Favoriten zählt Weltmeister Tadej Pogačar, der nach seiner Monumente-Kampagne mit der Tour de Romandie seine erste Rundfahrt in 2026 bestreitet. Auch weitere starke Klassementfahrer nutzen die Woche in der Schweiz traditionell als Standortbestimmung für die Tour de France und weitere Grand Tours. Dazu zählen beispielsweise Florian Lipowitz, Primoz Roglic, Lenny Martinez, Oscar Onley und Antonio Tiberi. Durch ein neue Regelung müssen in dieser Saison nicht mehr alle World Teams alle World Tour-Rennen fahren, so dass bei der „Romandie“ mit Uno-X, Lotto-Intermarché, Decathlon CMA CGM und Alpecin-Premier Tech gleich vier Mannschaften ihre „Wildcard ziehen“ und nicht teilnehmen.

Alle Etappen der Tour de Romandie 2026 im Überblick

  • Prolog | 28. April | Villars-sur-Glâne – Villars-sur-Glâne | 3,2 km
  • 1. Etappe | 29. April | Martigny – Martigny | 171,2 km
  • 2. Etappe | 30. April | Rue – Vucherens | 173,1 km
  • 3. Etappe | 1. Mai | Orbe – Orbe | 176,6 km
  • 4. Etappe | 2. Mai | Broc – Charmey | 149,6 km
  • 5. Etappe | 3. Mai | Lucens – Leysin | 178,2 km

Prolog | 28. April | Villars-sur-Glâne – Villars-sur-Glâne | 3,2 km

Den Auftakt bildet ein Prolog in Villars-sur-Glâne. Auf 3,2 Kilometern geht es weniger um große Zeitabstände als um die erste Standortbestimmung. Der technisch anspruchsvolle Kurs dürfte den versierten Spezialisten und trittfesten Sprintern entgegenkommen, die ihre Leistung auf kurzen Belastungen optimal abrufen können. Für die Klassementfahrer gilt es, größere Zeitverluste zu vermeiden und sich eine gute Ausgangsposition zu sichern.

1. Etappe | 29. April | Martigny – Martigny | 171,2 km

Die erste Straßenetappe ist als Rundkurs angelegt und führt durch das Wallis rund um den Start- und Zielort Martigny. Auf den ersten 130 Kilometern verläuft das Profil abgesehen vom „Stich“ nach La Rasse flach. Dreimal müssen die Profis auf ihren Runden den 2,2 Kilometer langen Anstieg erklimmen, der im Durchschnitt 8,9 Prozent und in der Spitze 12 Prozent steil ist.

Richtig ernst wird es erst im letzten Renndrittel. Denn dort könnte hinauf nach Ovronnaz eine Vorentscheidung fallen. Der Anstieg der ersten Kategorie führt die Profis über 8,9 Kilometer auf eine Höhe von 1.358 Metern. Die Steigung beträgt durchschnittlich 9,7 Prozent, mit Rampen von bis zu 15 Prozent. Mehr als wahrscheinlich ist, dass sich hier ein starker Bergfahrer wie Tadej Pogačar oder eine Gruppe guter Kletterer absetzt.

Oben angekommen führt eine steile Abfahrt über rund neun Kilometer wieder ins Tal. Die letzten 20 Kilometer der Etappe verlaufen flach über zwei Zwischensprints, ehe dann in Martigny das Ziel erreicht wird. Dort könnte es am Ende einen Sprint eines reduzierten Feldes mit den Favoriten geben – oder Pogačar gewinnt als Solist.

2. Etappe | 30. April | Rue – Vucherens | 173,1 km

Die zweite Etappe weist ein Klassiker-Profil auf. Kaum ein Kilometer ist flach auf dem 173,1 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rue und Vucherens. Die nur drei kategorisierten Anstiege hinauf nach Vuillens täuschen ein wenig über die Gesamtschwierigkeit hinweg, denn am Ende haben die Profis nach 173,1 Kilometern Strecke insgesamt mehr als 3.100 Höhenmeter absolviert. Der letzte Anstieg nach Vuillens – 3,6 Kilometer mit durchschnittlich 4,8 Prozent – könnte die Entscheidung über den Etappensieg bringen, da er nur wenige Kilometer vor dem Ziel liegt.

3. Etappe | 1. Mai | Orbe – Orbe | 176,6 km

Auch der dritte Tagesabschnitt durch das Jura ist wellig bis bergig. Besonders der zweigeteilte Anstieg zum Col du Mollendruz (2. Kategorie) führt über rund 15 Kilometer auf 1.174 Meter Höhe. Im Roadbook ist der Anstieg der 2. Kategorie zwar nur mit einer Länge von 8,9 Kilometern und einer durchschnittlichen Steigung von 6,2 Prozent angegeben, tatsächlich steigt die Straße jedoch schon deutlich früher an und führt noch über die Zwischensprintwertung in Moiry auf 620 Meter. Vom Gipfel des Col du Mollendruz sind es dann nur noch 30 Kilometer bis ins Ziel nach Orbe, wobei der Großteil über eine technisch anspruchsvolle Abfahrt führt.

4. Etappe | 2. Mai | Broc – Charmey | 149,6 km

Die vierte Etappe gilt als einer der wichtigsten Tage der Rundfahrt. Der Tagesabschnitt ist zwar mit 149,6 Kilometern der kürzeste, mit 3.175 Höhenmetern jedoch sehr berglastig. Im Mittelpunkt dieser Etappe steht der Jaunpass, denn er wird insgesamt drei Mal aus jeweils unterschiedlichen Richtungen erklommen.

Bereits 15 Kilometer nach dem Start in Broc beginnt die „Erstbesteigung“. Über 6 Kilometer mit durchschnittlich 8,15 Prozent klettern die Profis auf die Passhöhe von 1.508 Metern. Nach einer gut 10 Kilometer langen Abfahrt müssen sie direkt wieder hinauf. Diesmal führt der Anstieg über 7,6 Kilometer bei durchschnittlich 8,56 Prozent – mit Rampen von bis zu 13 Prozent. Danach beruhigt sich das Terrain, und nach 65,6 Kilometern erreichen die Fahrer wieder den Startort Broc.

Danach steigt die Strecke sukzessive über Les Moulins auf über 1.000 Meter an, ehe der Anstieg nach Saanenmöser (2. Kategorie) rund 50 Kilometer vor dem Ziel das Finale eröffnen könnte. Nach der Abfahrt hinunter nach Gstaad wird der Jaunpass zum dritten und letzten Mal an diesem Tag in Angriff genommen. Dieses Mal sind es 8,1 Kilometer mit durchschnittlich 7,9 Prozent Steigung. Es folgt eine kürzere, steile Abfahrt, ehe die letzten 10 Kilometer leicht abfallend ins Ziel nach Charmey führen.

5. Etappe | 3. Mai | Lucens – Leysin | 178,2 km

Das Beste haben sich die Organisatoren der Tour de Romandie für den Finaltag aufgehoben. Die Königsetappe der „Romandie“ endet mit einer Bergankunft in Leysin auf 1.314 Metern. Zunächst führt der Parcours wellig vom Startort Luins über acht kleinere Anstiege nach Aigle, dem Sitz der UCI. Dort beginnt dann der finale Anstieg ins Bergdorf und den Wintersportort Leysin. Über 13,9 Kilometer führt der Schlussanstieg bei durchschnittlich 6 Prozent Steigung hinauf. Abschnitte mit bis zu 12 Prozent bieten die Möglichkeit, sich abzusetzen. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Gesamtsieger der Tour de Romandie auch die Etappe mit insgesamt gut 3.500 Höhenmetern gewinnen.

Die Favoriten auf den Gesamtsieg bei der Tour de Romandie 2026

Gewinnt Tadej Pogačar (UAE Team Emirates-XRG) gleich bei seiner Premiere die Tour de Romandie? Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, denn der Weltmeister ist in Top-Form. Auch wenn mit Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-Hansgrohe) und Oscar Onley (Ineos Grenadiers) zwei Fahrer gemeldet haben, die bei der vergangenen Tour de France unter den besten Vier des Gesamtklassements waren, ist Pogačar mehr denn je eine Klasse für sich. Hinzu kommt, dass sich die Konkurrenz noch im Formaufbau befindet. Zudem haben die Streckenbauer der Romandie einen Parcours designt, der Pogačar auch Möglichkeiten gibt, lange Soli anzusetzen und nicht nur auf die finale Attacke am Berg zu setzen.

Der Kampf um die weiteren Plätze auf dem Podium dürfte dagegen sehr spannend werden. Florian Lipowitz’ Formkurve scheint anzusteigen, und so könnte er Revanche an Lenny Martinez (Bahrain Victorious) nehmen, der bei der Katalonien-Rundfahrt noch vor ihm landete. Auch Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) dürften das bergige Geläuf und der Wegfall eines längeren Zeitfahrens mehr als zusagen.

Kleinere und größere Fragezeichen stehen dagegen hinter der Form von Martinez’ Teamkollegen Antonio Tiberi. Er startete nicht so stark wie gewohnt in die Saison. Auch Oscar Onley konnte an seine guten Leistungen von der Algarve-Rundfahrt nicht anknüpfen. Man darf aber gespannt sein, was nach einem längeren Trainingsblock folgt.

Mit Spannung erwartet wird auch der Auftritt von Jørgen Nordhagen (Team Visma | Lease a Bike). Der erst 21 Jahre alte Norweger wurde beim Etappenrennen O Gran Camiño nur von Adam Yates geschlagen und könnte in der Westschweiz für eine positive Überraschung sorgen.

Grafiken: Tour de Romandie