Start Profi-Sport Frühjahrsklassiker-Vorschau: Mailand – Sanremo 2026

Frühjahrsklassiker-Vorschau: Mailand – Sanremo 2026

Übersicht

Wenn am Samstag, dem 21. März 2026, in Pavia der Startschuss fällt, beginnt nicht nur die 117. Austragung von Mailand–Sanremo, sondern auch das erste Monument des Jahres. Es beginnt auch wieder das ganz eigene Rennen, das rund 250 Kilometer lang dahinplätschert, ehe in der finalen Stunde plötzlich alles explodiert.

Wie schon im Vorjahr startet die „Classicissima di Primavera“ in Pavia nördlich von Mailand und führt über knapp 300 Kilometer auf die Zielgerade Via Roma in Sanremo. Rein topografisch scheint das Rennen nicht allzu schwer zu sein. Doch kein anderer Klassiker verlangt so viel Nervenstärke und Konzentration im Positionskampf sowie so viel Gespür in den entscheidenden Momenten. Die lange Anfahrt, der Passo Turchino, die drei Capi, dann Cipressa und Poggio – diese Dramaturgie ist seit Jahren bekannt. Doch im Finale kann sich das Blatt blitzschnell wenden und es können sich wechselnde Szenarien ergeben.

Gelingt dem Team Alpecin-Premier Tech der vierte Sieg in Folge, nachdem Mathieu van der Poel 2023 und 2025 hier erfolgreich war und Jasper Philipsen 2024 siegte? Oder kann Tadej Pogačar mit einem Sieg dieses Rennen endlich von seiner Monumenten-Liste streichen? Schaut man sich die ersten Rennen der Saison an, so wird der Sieg wohl über diese beiden Fahrer gehen, aber wer mischt am Ende noch mit? Filippo Ganna wurde vergangenes Jahr wie auch schon 2023 Zweiter auf der Via Roma. Und kann Tom Pidcock bei seinem fünften Start endlich ganz vorne mitfahren?

Die Strecke von Mailand-Sanremo 2026

Nach dem Start in Pavia führt die Strecke zunächst nordwärts bevor sie bei Tortona wieder auf den traditionellen Kurs einschwenkt. Danach folgt der lange Transfer Abschnitt an die ligurische Küste über Ovada und den Passo del Turchino .Dieser Abschnitt sieht zwar nicht besonders spektakulär aus, ist aber dennoch 150 Kilometer lang, verlangt Aufmerksamkeit und kann die Helfer früh in die Pflicht nehmen.

Vom Passo del Turchino führt die Srecke an die Riviera. Ab Genua-Voltri folgt das Rennen dem symbolträchtigen Küstenverlauf der Via Aurelia über Varazze, Savona, Finale Ligure und Albenga über 80 Kilometer, ehe die finalen 50 Kilomter beginnen.

Mele, Cervo & Berta: die drei Capi bei Mailand-Sanremo 2026

Die drei „Capi“ – zu Deutsch „Hügel“ – bilden den Auftakt. Schon hier ist Positionsfahren gefragt, denn das Rennen wird schnell. Zuerst kommt Capo Melo, dann Capo Cervo und zuletzt Capo Berta. Sie sind keine richtigen Berge – dafür sind sie zu kurz, zu moderat und zudem zu weit vom Ziel entfernt. Allerdings werden alle mit Highspeed gefahren und es werden im hinteren Teil des Feldes erste Lücken aufgehen. Wer hier schlecht positioniert ist, muss entweder selbst viel arbeiten oder einen Helfer einspannen. Das kostet Kraft, die dann an den letzten beiden Anstiegen fehlen. Denn von Imperia aus, das nach der Abfahrt von Capo Berta erreicht wird, sind es gerade mal acht Kilometer bis zum Fuß der Cipressa.

Cipresa & Poggio – das Finale bei Mailand-Sanremo

Die Cipressa ist 5,6 Kilometer lang, hat eine durchschnittliche Steigung von 4,1 Prozent und mündet in eine technisch anspruchsvolle Abfahrt zurück zur SS1 Aurelia. Doch neben den nackten Zahlen, die auf dem Papier moderat erscheinen, bietet sie bereits die Bühne für die Favoriten. Wer kein Interesse an einem Massensprint auf der Via Roma in Sanremo hat, wird an diesem „Hügel” in die Offensive gehen – so wie Tadej Pogačar im Vorjahr. Selbst wenn keine Vorentscheidung fällt, so lässt eine Offensive an der Cipressa das Feld doch merklich schrumpfen. In rasender Abfahrt erreichen die Fahrer wieder die Küstenstraße und rasen auf den Poggio zu, den letzten und finalen Anstieg des Tages. Gut neun Kilometer vor dem Ziel biegen sie rechts ab und befinden sich im „entscheidenden Berg”.

Der 3,7 Kilometer lange Sanremo-Hausberg weist eine durchschnittliche Steigung von knapp 4 Prozent und eine Maximalsteigung von 8 Prozent kurz vor dem Gipfel auf. Auch hier ist die Positionierung entscheidend, denn die Fahrbahn ist zunächst leicht verengt und zeichnet sich durch vier Haarnadelkurven auf den ersten zwei Kilometern aus. Hier entsteht eine unglaubliche Dynamik, die Raum für Eskalationen bietet. Es gibt Beschleunigungsexzesse, kurze Lücken, Gegenreaktionen und Momente des Abwartens, dann beginnt das Spiel von Neuem. Selten reicht eine einzige Attacke für die Entscheidung.

Ist die Kuppe erreicht, folgt die Abfahrt, die schon oft über Sieg und Niederlage entschieden hat. Sie ist schnell, technisch anspruchsvoll genug, um Unterschiede zu machen, und kurz genug, um Fehler nicht mehr korrigieren zu können. Hier können Lücken entstehen, die auch geschlossen werden können. Der Übergang von der Anfahrt ins Flachstück birgt Überraschungspotenzial, wie beim Sieg von Jasper Stuyven 2021. Helfer, die eine Lücke schließen können, sind hier meist Mangelware.

Die letzten zwei Kilometer verlaufen auf langen, geraden Straßen durch die Stadt. 850 Meter vor dem Ziel gibt es eine Linkskurve an einem Kreisverkehr, gefolgt von der letzten Kurve, 750 Meter vor dem Ziel, die auf die Zielgerade in der Via Roma führt und den ersten Monument-Sieger einer jeden Saison kürt.

Favoriten-Check für Mailand-Sanremo 2026

Pogi zum ersten, Mathieu zum dritten Mal – oder gewinnt doch ein anderer Fahrer Mailand? Sowohl Tadej Pogačar (UAE Team Emirates-XRG) als auch Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier-Tech) zeigten sich in ihren bisherigen Rennen der Saison stark und der Konkurrenz weit überlegen. Um wie 2025 einen Sprint zu vermeiden, muss Pogačar van der Poel spätestens berghoch am Poggio abhängen. Vielleicht gelingt ihm das 2026 ja. Schaut man sich das Team von Pogačar an, so kann Jan Christen die Lücke schließen, die durch den Ausfall von Jhonatan Narváez entstanden ist.

Auch Pogis Teamkollege Isaac Del Toro hat im Vergleich zu den Vorjahren dazugelernt. Nicht nur, was die reine Power, sondern auch die Positionierung angeht. Vielleicht setzt sich Pogačar mit einem Teamkollegen und ein oder zwei Konkurrenten im Schlepptau an der Cipressa ab und hätte dann einen großen Vorteil am Poggio. Van der Poel könnte dagegen abwarten, wenn er weiß, dass „sein“ Sprinter Jasper Philipsen in der Gruppe dahinter ist.

Duell zwischen Tadej Pogačar und Mathieu van der Poel

Doch ist es fair, die mögliche Rennentscheidung lediglich auf dieses Duell zuzuspitzen? Nein, denn Filippo Ganna (Ineos Grenadiers), der im vergangenen Jahr Zweiter wurde, zeigte bei Tirreno-Adriatico seine Klasse – nicht nur im Zeitfahren, sondern auch in den Anstiegen. Wenn Tom Pidcock (Pinarello-Q 36.5) an der Cipressa gut positioniert ist, könnte er ebenfalls mitspringen. Explosiv ist der Brite ja. Normalerweise kann das Wout van Aert (Visma | Lease a Bike) auch, doch der Belgier scheint nach seiner Verletzung, die er sich beim Cross zugezogen hat, noch nicht zu 100 Prozent fit zu sein. Reicht ihm das „Luft ranlassen” zwischen Tirreno und Sanremo, um noch besser zu werden, könnte der Sanremo-Sieger von 2020 zumindest ein Mann fürs Podium sein.

Zudem kann Wout „gambeln”. Denn mit Matthew Brennan hat Visma | Lease a Bike einen Sprinter in seinen Reihen, der relativ gut über wellige Parcours kommt. Gleiches gilt auch für die Van-der-Poel-Truppe Alpecin-Premier Tech mit Jasper Philipsen, der 2024 siegte. Ein junger Mann mit großer Zukunft ist Tobias Lund Andresen vom Decathlon-CMA-CGM-Team. Der 23-jährige Däne gewann in dieser Saison schon das keineswegs flache Cadel Evans Road Race, eine Etappe bei Tirreno-Adriatico und kam beim Omloop und Brüssel-Kuurne-Brüssel beide Male in die Top Ten. Allerdings fährt er zum ersten Mal Sanremo, und nach knapp 300 Kilometern ist der Sprint etwas anders als nach 200 Kilometern.

Wer gewinnt Mailand-Sanremo 2026

Startliste: Alle 25 Rad-Teams bei Strade Bianche 2026

18 UCI WorldTeams

  • Alpecin-Premier Tech
  • Bahrain Victorious
  • Decathlon CMA CGM Team
  • EF Education-Easypost
  • Groupama-FDJ United
  • Ineos Grenadiers
  • Lidl-Trek
  • Lotto Intermarché
  • Movistar Team
  • NSN Cycling Team
  • Red Bull – Bora – Hansgrohe
  • Soudal Quick-Step
  • Team Jayco Alula
  • Team Picnic Postnl
  • Team Visma | Lease a Bike
  • UAE Team Emirates XRG
  • Uno-X Mobility
  • XDS Astana Team

3 UCI ProTeams – per Ranking qualifiziert

  • Pinarello-Q36.5 Pro Cycling Team
  • Cofidis
  • Tudor Pro Cycling Team

4 Wild Cards

  • Bardiani CSF 7 Saber
  • Team Novo Nordisk
  • Team Polti Visit Malta
  • Unibet Rose Rockets

Offizielle Webseite: www.milanosanremo.it/en/

Grafiken: RCS Sport
Foto: LaPresse / RCS Sport