Start Profi-Sport Der Weg zum Rekord: alle 8 WM-Titel von Mathieu van der Poel im Cyclocross

Der Weg zum Rekord: alle 8 WM-Titel von Mathieu van der Poel im Cyclocross

Übersicht

Achtmal das Regenbogentrikot im Cyclocross zu gewinnen, ist einzigartig. Auch die sportlichen Geschichten, die Mathieu van der Poel in den Jahren, in denen er diese Siege einfuhr, schrieb, sind einzigartig. Beginnend mit dem ersten Triumph als 20-Jähriger, der die arrivierten Fahrer einfach hinter sich lässt. Dann das Comeback nach dreijähriger Durstrecke und der Beginn einer Serie, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Die Entstehung dieser Siege zeigt auch, dass der Niederländer aus dem Team Alpecin-Premier Tech mit den unterschiedlichsten Cross-Szenarien zurechtkommt. Was seine Bilanz auszeichnet, ist die Bandbreite der Siege – vom Start-Ziel-Sieg bis zum Sprint nach 60 Minuten Nervenkrieg. Hier sind seine acht WM-Titel rückwärts erzählt.

Überblick: Alle 8 WM-Titel auf einen Blick

  • 2026: Hulst (Niederlande)
  • 2025: Liévin (Frankreich)
  • 2024: Tábor (Tschechien)
  • 2023: Hoogerheide (Niederlande)
  • 2021: Oostende (Belgien)
  • 2020: Dübendorf (Schweiz)
  • 2019: Bogense (Dänemark)
  • 2015: Tábor (Tschechien)

2026 in Hulst: Rekord im Regen – der achte Cyclocross-WM-Titel

Da ist das Ding! Der achte Titel und der historische Rekord sahen von außen betrachtet leicht aus. Mathieu van der Poel gewann alle 12 vorherigen Saisonrennen geradezu spielerisch. Doch der Druck vor dem Rennen war groß – und der Alpecin-Premier Tech-Profi rechnete mit allen Eventualitäten, siehe Interview. Im Rennen selbst zeigte er dann schnell seine Ausnahmestellung. Bereits in der zweiten Runde enteilte er seinem Landsmann Tibor Del Grosso und dem Belgier Thibau Nys. Und dann drehte der alte und neue Weltmeister auf und hatte zwischenzeitlich eine Minute Vorsprung. In diesem Rennen zeigte er wieder einmal, wie er Technik, Power und Cleverness vereint. Er war wieder einmal eine Klasse für sich.

Rennbericht

2025 in Liévin: Kontrolliert auf dem Weg zum nächsten Weltmeistertitel

Das Rennen in Liévin war als „Duell der Giganten“ angekündigt – und doch kippte es binnen Sekunden. Van der Poel setzte sich schnell ab. Dahinter arbeitete sich sein ewiger Rivale Wout van Aert aus einer schlechten Startposition nach vorne, hatte aber ein großes Loch zu van der Poel. Der Niederländer kontrollierte das Rennen von der Spitze, ohne unnötige Risiken einzugehen. Selbst ein platter Reifen konnte seinen Triumph nicht verhindern. Der siebte Elite-Titel war mehr als nur ein weiterer Bullet-Point in der Statistik: Van der Poel stellte den historischen Rekord von Erik De Vlaeminck ein und zementierte damit die Botschaft, dass er auch dann gewinnen kann, wenn alle Augen auf ihn gerichtet sind.

Rennbericht

2024 in Tábor: Eine Klasse für sich auf dem Traditionskurs

Tábor bot die perfekte Bühne für eine Machtdemonstration. Bereits in der ersten Kurve lag Mathieu van der Poel an der Spitze. Am Ende der ersten Runde hatte er bereits acht Sekunden Vorsprung. Van der Poel fuhr sein eigenes Rennen, ohne sich umzudrehen – der klassische Solo-Plan, nur mit maximaler Präzision umgesetzt. Hinter ihm betrieben die Gegner nur Schadensbegrenzung: Sein Landsmann Joris Nieuwenhuis hielt am längsten Sichtkontakt, während der beste Belgier, Michael Vanthourenhout, das Podium absicherte.

Dieser sechste Titel stand auch für Konstanz: Zwischen seinem ersten Elite-Gold (2015) und diesem Sieg hatte van der Poel parallel Weltmeisterschaften, Klassiker und andere Eintagesrennen erfolgreich bestritten – und war im Cross dennoch sofort wieder das Maß aller Dinge. In der folgenden Straßensaison schaffte der Niederländer im Trikot des Straßenweltmeisters das Double aus Ronde und Roubaix.

Rennbericht

2023 in Hoogerheide: Sprint-Duell gegen Wout van Aert

Nachdem sowohl Mathieu van der Poel als auch Wout van Aert ihre Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2022 im US-amerikanischen Fayetteville abgesagt hatten, kam es in Hoogerheide zum nächsten Duell. Und das wurde episch. Bereits in der ersten Runde konnten sich diese beiden Ausnahmeathleten absetzen. Dann belauerten sie sich eine Stunde lang – bei höchstem Tempo und bester Technik. Die Entscheidung fiel erst ganz am Ende. Mann gegen Mann im Sprint. Van der Poel bewies nach einem Jahr Abwesenheit bei den Titelkämpfen, dass er nicht nur durch körperliche Überlegenheit, sondern auch durch Kaltblütigkeit im Finish gewinnen kann. In Hoogerheide gewann van der Poel seinen fünften Titel durch Cleverness.

Rennbericht

2021 in Oostende: Präzise und intelligent durch den Sand gepflügt

Ein weiteres Duell zwischen Wout van Aert und Mathieu van der Poel bahnte sich an. Zunächst schien es, als hätte der Belgier die besseren Karten, da van der Poel einige Fahrfehler unterliefen und er auch stürzte. Doch der Niederländer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, fuhr die Lücke zu und konnte sich seinerseits ansetzen – auch, weil van Aert einen Platten hatte. Oostende ist ein Paradebeispiel dafür, dass „Skills” wie Fahrtechnik und Renntaktik im Cross genauso titelentscheidend sind wie Wattzahlen.

Rennbericht

2020 in Dübendorf: Auf dem Flugfeld einfach abgehoben

Auf dem schweren Geläuf des Flugfelds in Dübendorf bewies Mathieu van der Poel seine Ausnahmestellung. Auf einem Kurs, der das Fahren sichtlich erschwerte, deklassierte der Niederländer die Konkurrenz. Schon kurz nach dem Start hatte van der Poel das Feld zerlegt – anfänglich konnte noch Wout van Aert folgen, doch dann setzte sich van der Poel ab. Für ihn selbst war die Fahrt zu seinem dritten Weltmeistertitel eines seiner härtesten Rennen. Am Ende hatte er im Ziel 1:20 Minuten Vorsprung auf den Briten Tom Pidcock. Dritter wurde Toon Aerts mit 1:45 Minuten Rückstand.

2019 in Bogense: Die Wachablösung im Cyclocross

Mit dem Rennen in Bogense endete die Dominanz von Wout van Aert, der dreimal in Folge Weltmeister geworden war. Drei Jahre lang war van der Poel nah dran, stand aber nie ganz oben auf dem Siegertreppchen. In Dänemark wendete sich das Blatt. Zwar versuchten die belgische Equipe um Wout van Aert und Toon Aerts, van der Poel unter Druck zu setzen, doch der konnte sich dann gegen Rennmitte lösen und konnte sich aufgrund seiner überragenden Fahrtechnik absetzen. Dieser zweite Elite-Titel hatte enorme Bedeutung für den weiteren Karriereverlauf: Er verschob die Hierarchie in der Rivalität und zeigte, dass van der Poel auf der großen Bühne nicht nur gewinnen, sondern auch dominieren kann. Bogense war der Auftakt einer Serie, die später zur Rekordjagd wurde.

2015 in Tábor: Der erste Weltmeister-Titel bei der Elite

Es war der Tag, an dem das Wunderkind zu einem erwachsenen Elite-Weltmeister wurde. Und zwar im Matsch von Tábor. Schon früh zeigte der damals 20-jährige Mathieu van der Poel seine Klasse. Ab der zweiten Runde fuhr er allein vorne, weil er die schwierigen Bedingungen besser einschätzen konnte als die Konkurrenz. Dahinter kämpften die Verfolger um das, was noch zu holen war. Wout van Aert rettete Silber, Lars van der Haar musste sich im Sprint um Platz zwei geschlagen geben.

Dieser Sieg war die Initialzündung in der Karriere des Niederländers: Er zeigte, dass van der Poel nicht nur mitfahren kann, sondern eine Weltmeisterschaft aktiv gestaltet – und zwar so, dass sie für alle anderen zu schwer wird.

Fotos: Photonews.be