Start Profi-Sport Vuelta a España 2026 Favoriten: Pogačar & die GC-Kandidaten im Check

Vuelta a España 2026 Favoriten: Pogačar & die GC-Kandidaten im Check

Übersicht

Wer gewinnt die Vuelta a España 2026? Über allen Kandidaten auf das Rote Trikot steht Tadej Pogačar (UAE Team Emirates-XRG) als klarer Topfavorit. Kein Wunder: Als fünffacher Tour-de-France-Sieger und Gewinner der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt ist der Slowene der Fahrer, den es zu schlagen gilt. Und das erscheint derzeit beinahe unmöglich. Zu dominant präsentierte sich „Pogi“ zuletzt. Die Vuelta ist zudem die einzige Grand Tour, die noch in seinem Palmarès fehlt. Bei seiner bislang einzigen Teilnahme 2019 wurde er Dritter.

Hinter dem Superstar ist der Kreis der Podiumsanwärter deutlich offener. Felix Gall (Decathlon CMA CGM) reist nach einer starken Saison nach Spanien: Der Österreicher wurde Zweiter des Giro d’Italia und gewann unmittelbar vor der Vuelta die Burgos-Rundfahrt. Oscar Onley (Netcompany Ineos) meldete sich dort ebenfalls eindrucksvoll zurück, gewann eine Etappe und wurde Zweiter der Gesamtwertung.

Mattias Skjelmose (Lidl-Trek) will seinen starken sechsten Gesamtrang bei der Tour de France bestätigen, während Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) und Enric Mas (Movistar Team) auf reichlich Vuelta-Erfahrung bauen können. Carapaz wurde 2020 Zweiter, Mas stand bereits dreimal als Gesamtzweiter auf dem Podium.

Bei Primož Roglič (Red Bull-Bora-Hansgrohe) stellt sich dagegen weniger die Frage nach seiner Klasse als nach seinem körperlichen Zustand. Der viermalige Vuelta-Sieger hatte zuletzt mit den Folgen eines Trainingssturzes zu kämpfen. Sollte er in guter Verfassung am Start stehen, gehört er dennoch zu den prominentesten Anwärtern auf das Podium.

Und auch Cian Uijtdebroeks (Movistar Team) bekommt eine neue Gelegenheit, zu zeigen, dass der Wechsel zur spanischen Mannschaft der richtige Karriereschritt war. Nach seinem krankheitsbedingten Aus bei der Tour de France dürfte der Belgier bei der Vuelta allerdings zunächst hinter Enric Mas in der teaminternen Hierarchie stehen.

Übrigens: Der letzte Fahrer, dem das Double aus Tour de France und Vuelta a España in derselben Saison gelang, war Chris Froome im Jahr 2017. Seit die Vuelta 1995 dauerhaft in den Spätsommer verlegt wurde, ist Froome sogar der bislang einzige Fahrer, der dieses Double geschafft hat.

Tadej Pogačar | UAE Team Emirates-XRG

Alter: 27 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 1
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 3. Platz 2019

Tadej Pogačar geht als klarer Topfavorit in die Vuelta a España 2026, bei der er erst zum zweiten Mal überhaupt startet. Sieben Jahre liegt seine bislang einzige Teilnahme zurück. Als 20-Jähriger gewann der Slowene 2019 drei Etappen und wurde hinter Primož Roglič und Alejandro Valverde Dritter der Gesamtwertung.

Gewinnt Pogačar nun auch die Spanien-Rundfahrt, gehört er zum erlesenen Kreis jener Fahrer, die alle drei Grand Tours mindestens einmal für sich entscheiden konnten. Bislang ist dieses Kunststück lediglich acht Männern gelungen. Nach seinen Siegen beim Giro d’Italia und der Tour de France fehlt Pogačar nur noch die Vuelta in seinem Palmarès. Bleibt er von Stürzen, Krankheiten oder einem unerwarteten Formeinbruch verschont, führt der Weg zum Roten Trikot wohl nur über ihn.

Auch der Parcours dürfte Pogačar entgegenkommen. Die zahlreichen Bergankünfte spielen seine außergewöhnliche Kletterstärke aus, gleichzeitig gehört er im Gegensatz zu mehreren seiner Rivalen auch im Kampf gegen die Uhr zur absoluten Weltspitze. Hinzu kommt eine enorm starke Mannschaft: Mit João Almeida, Jay Vine und Pavel Sivakov stehen ihm gleich mehrere erstklassige Bergfahrer zur Seite. Zum achtköpfigen UAE-Aufgebot gehören außerdem Domen Novak, Ivo Oliveira, Pablo Torres und Kevin Vermaerke.

Felix Gall | Decathlon CMA CGM

Alter: 28 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 2
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 8. Platz 2025

Felix Gall hat sich in den vergangenen Jahren vom reinen Kletterer zu einem ernsthaften Grand-Tour-Klassementfahrer entwickelt. Bei der Vuelta 2025 belegte der Österreicher Rang acht, nachdem er wenige Wochen zuvor bereits Fünfter der Tour de France geworden war. Den nächsten Schritt machte Gall in dieser Saison: Beim Giro d’Italia 2026 wurde er hinter Jonas Vingegaard Gesamtzweiter und erreichte damit erstmals das Podium einer Grand Tour.

Auch seine Vorbereitung auf die Vuelta verlief erfolgreich. Anfang August gewann Gall die Vuelta a Burgos und entschied dabei die 3. Etappe mit einer Attacke am Puerto del Escudo für sich. Im Gesamtklassement setzte er sich schließlich mit fünf Sekunden Vorsprung vor Oscar Onley durch. 

Der berglastige Parcours der Vuelta kommt Galls Qualitäten grundsätzlich entgegen. Die Rundfahrt weist sechs ausgewiesene Bergetappen auf, hinzu kommen weitere anspruchsvolle Mittelgebirgstage und Bergankünfte. Ein Nachteil gegenüber Tadej Pogačar und einigen anderen Konkurrenten sind allerdings die beiden Einzelzeitfahren.

Primož Roglič | Red Bull-Bora-Hansgrohe

Alter: 36 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 6
Beste Vuelta-Platzierung im GC: Sieger 2019, 2020, 2021 und 2024

Kein aktiver Fahrer hat eine so besondere Verbindung zur Vuelta a España wie Primož Roglič. Viermal gewann der Slowene die Gesamtwertung, dazu kommen 15 Etappensiege. Damit ist „Rogla“ der erfolgreichste Vuelta-Fahrer seiner Generation. Mit einem fünften Gesamtsieg könnte er zudem zum alleinigen Rekordsieger aufsteigen und Roberto Heras hinter sich lassen, mit dem er sich derzeit die Bestmarke von vier Gesamtsiegen teilt.

Doch vor der diesjährigen Austragung stehen hinter Rogličs Form große Fragezeichen. Der 36-Jährige hatte die Vuelta zum zentralen Grand-Tour-Ziel seiner Saison gemacht und verzichtete sowohl auf den Giro d’Italia als auch auf die Tour de France. Aufgrund der Folgen eines Trainingsunfalls musste er aber sowohl die Clásica San Sebastián als auch die Vuelta a Burgos auslassen. Damit fehlen ihm wichtige Renntage unmittelbar vor der Spanien-Rundfahrt.

Sein größtes Plus ist neben seiner enormen Erfahrung das Profil der Rundfahrt. Roglič ist ein starker Zeitfahrer, kommt mit steilen Schlussanstiegen hervorragend zurecht und weiß wie kaum ein anderer im Feld, wie sich eine Vuelta über drei Wochen gewinnen lässt. Wie viel davon er 2026 abrufen kann, bleibt allerdings abzuwarten. Selbst in Bestform wäre es für ihn schwierig, Tadej Pogačar dauerhaft Paroli zu bieten. Findet Roglič während der Rundfahrt jedoch schnell zu seiner Form und bleibt gesund, ist zumindest ein Platz auf dem Podium keineswegs ausgeschlossen.

Oscar Onley | Netcompany Ineos

Alter: 23 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 1
Beste Vuelta-Platzierung im GC: DNF 2023

Gespannt dürften viele auf den Auftritt von Oscar Onley  sein. Der junge Schotte zählt zu den spannendsten Kandidaten dieser Vuelta. 2025 gelang ihm mit Platz vier bei der Tour de France der endgültige Durchbruch als Klassementfahrer. Zur Saison 2026 wechselte der inzwischen 23-Jährige von Picnic PostNL zu Netcompany Ineos, wo er den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zum Grand-Tour-Fahrer machen wollte. 

Seine erste Saisonhälfte verlief allerdings alles andere als reibungslos. Im Frühjahr musste Onley Paris–Nizza krankheitsbedingt vorzeitig beenden. Im Juni folgte bei der Tour Auvergne-Rhône-Alpes ein schwerer Sturz, der schließlich seinen Start bei der Tour de France verhinderte.

Rechtzeitig vor der Vuelta scheint Onley allerdings wieder zu alter Stärke zurückgefunden zu haben. Bei der Vuelta a Burgos gewann er die Bergankunft der 2. Etappe am Valle del Sol und feierte damit seinen ersten Sieg für Netcompany Ineos. In der Gesamtwertung wurde er hinter Felix Gall Zweiter. Auf der Königsetappe zu den Lagunas de Neila präsentierte er sich stark und belegte hinter Giulio Pellizzari Rang zwei. 

Die kürzeren und steilen Anstiege der Vuelta dürften dem explosiven Kletterer entgegenkommen. Die große Unbekannte ist dagegen seine Konstanz über drei Wochen. Zwar hat Onley mit seinem vierten Tour-Platz 2025 bereits bewiesen, dass er eine Grand Tour auf höchstem Niveau durchstehen kann. Nach der durch Krankheit und Verletzung beeinträchtigten ersten Saisonhälfte bleibt jedoch abzuwarten, wie belastbar er diesmal über drei Wochen ist. Kommt er ohne gesundheitliche Rückschläge oder größere Einbrüche durch die Rundfahrt, sind ein Platz auf dem Podium und der Sieg in der Nachwuchswertung realistische Ziele. 

Mattias Skjelmose | Lidl-Trek

Alter: 25 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 1
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 5. Platz 2024

Mattias Skjelmose hat bereits bewiesen, dass ihm die Vuelta a España liegt. Bei seinem bislang einzigen Start 2024 wurde der Däne Gesamtfünfter und gewann zugleich die Nachwuchswertung. 2026 kommt er mit einer weiteren starken Grand Tour in den Beinen nach Spanien: Bei der Tour de France belegte er den sechsten Gesamtrang.

Besonders auffällig war sein Auftritt im 26,1 Kilometer langen Einzelzeitfahren der 16. Etappe zwischen Évian-les-Bains und Thonon-les-Bains. Skjelmose belegte hinter Remco Evenepoel und Tadej Pogačar Rang drei. Damit unterstrich er, dass er auch im Kampf gegen die Uhr zu den stärkeren Klassementfahrern gehört. 

Das macht Skjelmose für die Vuelta besonders interessant. Er ist kein reiner Kletterer, sondern ein kompletter Rundfahrer, der auch an kurzen, steilen Anstiegen und auf klassikerähnlichem Terrain seine Stärken ausspielen kann. Viele Etappen dieser Vuelta dürften ihm deshalb entgegenkommen.

Die entscheidende Frage ist allerdings die Regeneration nach der Tour. Anders als viele seiner Konkurrenten bestreitet Skjelmose innerhalb weniger Wochen seine zweite Grand Tour. Lidl-Trek verfolgt zudem nicht ausschließlich Ziele im Gesamtklassement, denn mit Mads Pedersen steht auch ein Fahrer für Etappensiege und die Punktewertung im Aufgebot.

Bringt Skjelmose die Form aus Frankreich mit nach Spanien und verkraftet er die kurze Pause zwischen den beiden Grand Tours, ist eine Verbesserung seines fünften Platzes von 2024 durchaus möglich. Auch im Kampf um das Podium sollte der Däne nicht unterschätzt werden.

Richard Carapaz | EF Education-EasyPost

Alter: 33 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 6
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 2. Platz 2020

Richard Carapaz hat bei der Tour de France 2026 einmal mehr gezeigt, wie gefährlich er in den Bergen sein kann. Der Ecuadorianer gewann zwei Bergetappen, sicherte sich das Bergtrikot und wurde zudem als kämpferischster Fahrer der gesamten Tour ausgezeichnet. Seine starke Form bestätigte er eine Woche später bei der Clásica San Sebastián mit einem zweiten Platz.

Ob der Olympiasieger von 2021 bei der Vuelta tatsächlich konsequent auf das Gesamtklassement fährt, ist allerdings offen. Bei der Tour konzentrierte er sich vor allem auf Etappensiege und die Bergwertung. Seine Vuelta-Historie zeigt jedoch, dass er auch über drei Wochen um das Podium kämpfen kann: 2020 wurde er Gesamtzweiter, 2024 belegte er Rang vier. 2022 verlief die Rundfahrt dagegen anders. Nachdem seine Ambitionen im Klassement früh einen Dämpfer erhalten hatten, stellte Carapaz auf Etappenjagd um – und gewann drei Tagesabschnitte sowie die Bergwertung. 

Carapaz gehört zu den offensivsten Klassementfahrern im Feld und kann gerade an schweren Bergtagen ein Rennen früh eröffnen. Genau diese Fahrweise machte ihn schon bei der Tour zu einem der Protagonisten der letzten Woche. Gegen ihn spricht vor allem das Zeitfahren, in dem er gegenüber Fahrern wie Tadej Pogačar oder Mattias Skjelmose Zeit verlieren dürfte. 

Entscheidet sich Carapaz früh für den Kampf um die Gesamtwertung und hat er die Belastungen der Tour sowie der Clásica San Sebastián gut verkraftet, ist ein erneuter Platz in den Top Fünf durchaus realistisch. Auch das Podium ist ihm zuzutrauen. Allerdings gehört Carapaz zu jenen Fahrern, bei denen ebenso gut vorstellbar ist, dass er nach einem frühen Zeitverlust seine Strategie ändert und stattdessen wieder offensiv auf Etappensiege und die Bergwertung fährt.

Enric Mas | Movistar

Alter: 31 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 7
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 2. Platz 2018, 2021 und 2022

Neben Primož Roglič gibt es mit Enric Mas einen weiteren ausgewiesenen Vuelta-Spezialisten. Dreimal wurde der Spanier bei seiner Heimrundfahrt bereits Zweiter – 2018, 2021 und 2022 –, bei seiner bislang letzten Teilnahme 2024 belegte er Rang drei. Bemerkenswert ist vor allem seine Konstanz: Bei allen sechs Vuelta-Starts seit 2018 beendete Mas die Rundfahrt unter den ersten Sechs der Gesamtwertung. Damit gehört er unabhängig von seiner bislang eher durchwachsenen Saison in den Kreis der erweiterten Favoriten. 

Die Saison 2026 verlief bislang allerdings schwierig. Bei seinem Giro-Debüt war Mas zunächst mit Ambitionen auf eine vordere Platzierung gestartet, kam am Ende aber nicht über Rang 32 hinaus. Ein erstes deutliches Zeichen steigender Form setzte er kurz vor der Vuelta bei der Burgos-Rundfahrt. Dort wurde der 31-Jährige Fünfter und lag im Gesamtklassement lediglich 41 Sekunden hinter Sieger Felix Gall. 

Movistar bringt zudem eine starke Bergmannschaft mit nach Spanien. Neben Mas gehört mit Cian Uijtdebroeks ein weiterer Fahrer mit eigenen Klassementambitionen zum Aufgebot. Unterstützung erhalten die beiden unter anderem von Einer Rubio, Iván Romeo, Pablo Castrillo und Raúl García Pierna.

Auch wenn Mas nicht siegfähig scheint, macht seine außergewöhnliche Konstanz bei der Vuelta ihn erneut zu einem ernsthaften Kandidaten für die Top Fünf. Setzt sich der Formanstieg aus Burgos fort, ist auch ein fünfter Podiumsplatz bei seiner Heimrundfahrt keineswegs ausgeschlossen.

Cian Uijtdebroeks | Movistar

Alter: 23 Jahre
Vuelta-a-España-Teilnahmen: 2
Beste Vuelta-Platzierung im GC: 8. Platz 2023

Für Cian Uijtdebroeks wäre es wünschenswert, wenn die Vuelta a España zu einer Art Neustart werden würde. Der Belgier wechselte zur Saison 2026 von Visma | Lease a Bike zu Movistar, wo er größere Möglichkeiten als Klassementfahrer erhalten sollte. Sein Unternehmen Tour de France endete allerdings krankheitsbedingt bereits auf der 6. Etappe.

Seit seinem Tour-Aus hat Uijtdebroeks kein Rennen mehr bestritten und sich stattdessen gezielt auf die Vuelta vorbereitet.. Seine aktuelle Form bleibt mangels Rennpraxis dennoch schwer einzuschätzen. 

Dass ihm eine Grand Tour grundsätzlich liegt, hat Uijtdebroeks bereits bewiesen. Bei seinem Debüt bei der Vuelta 2023 wurde er im Alter von nur 20 Jahren Gesamtachter. Ein Jahr später musste er die Rundfahrt aufgrund einer Covid-Infektion vorzeitig verlassen. . 

Bei der Vuelta dürfte er sich die Verantwortung für das Gesamtklassement zunächst mit Enric Mas teilen. Das kann für Uijtdebroeks durchaus ein Vorteil sein: Er muss das Rennen nicht vom ersten Tag an animieren, sondern kann zunächst beobachten, wie sein Körper auf die Belastungen einer dreiwöchigen Rundfahrt reagiert.

Für einen Platz auf dem Podium müsste der Belgier gegenüber seinen bisherigen Grand-Tour-Leistungen noch einmal einen deutlichen Schritt machen. Ein Ergebnis in den Top Ten erscheint bei guter Form dagegen realistisch.

Foto: IMAGO / Belga