Vorschau auf die Flandern-Rundfahrt 2020: Alles zur neuen Strecke, Taktik und zu den Favoriten

16.10.2020
Foto: Jojo Harper /Katusha-Alpecin

Mit 197 Tagen Verspätung startet am kommenden Sonntag die 104. Auflage der Flandern-Rundfahrt. Mit allen Favoriten, aber Corona-bedingt ohne Fans an der Strecke. Dass dies erfolgreich funktionieren kann, haben die Organisatoren vor wenigen Tagen bei Gent-Wevelgem gezeigt.

Auch wenn der Parcours noch nicht als Karte veröffentlicht wurde und Flanders Classic sich als Veranstalter noch Änderungen vorbehält, so ist klar, dass das Rennen verkürzt wird: 241 statt 270 Kilometer.

Der Start in Antwerpen und das Ziel in Oudenaarde bleiben unverändert. Veranstalter Flanders Classics erklärte auf seiner Webseite, dass die Anstiege Tenbosse und die Muur van Geraardsbergen aus dem Rennen genommen wurden.

Die seit Jahren rennentscheidende Passagen – und die Herzstücke – Oude Kwaremont und Paterberg bleiben im Parcours, genauso wie die finalen 13 Kilometer vom Paterberg ins Ziel nach Oudenaarde.

Foto: Jojo Harper/Katusha-Alpecin

Auch wenn der Sonntag, an dem die Ronde van Vlaanderen stattfindet, für die Fans ein Nationalfeiertag ist und sie normalerweise zu Tausenden an die Strecke pilgern, so erwarten doch alle auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein episches Rennen. Schließlich ist es das letzte Monument dieser ungewöhnlichen Radsportsaison und dazu noch topbesetzt.

Ex-Profi Stephan Schreck über die Flandern-Rundfahrt

Einer, der vor dem Fernseher das Rennen aufmerksam verfolgt, ist Ex-Profi und Radsportexperte Stephan Schreck. Er nahm selbst fünf Mal an der Ronde teil. Und hat an eine Austragung ganz besondere Erinnerungen. „2004 gewannen wir mit Steffen Wesemann nicht nur das Rennen, sondern dominierten es auch“, sagt der ehemalige T-Mobile-Profi.

Schlüssel zum Erfolg war damals Andreas Klier mit in die Mannschaft zu nehmen. „Um dort zu siegen, muss man sich als Fahrer und als Team das Rennen erarbeiten. Mit Klier kam ein Fahrer, der das Rennen verstand“, erklärt Schreck.

„Klierchen“ wie er von seinem Teamkollegen liebevoll genannt wurde, war schon halber Flame, er lebte seit Jahren dort und kannte jede Ecke. Das sind noch immer die Parallelen zu heute: „Du brauchst eine sehr gute Streckenkenntnis“, erklärt Schreck.

Nicht nur, wann und wo Du vorne fahren musst, sondern auch welchen Einfluss der Wind beziehungsweise die Windrichtung auf die Fahrweise haben.

„Während wir bei der Streckenbesichtigung an einem bestimmten Abschnitt noch rechts gefahren sind, hat Andreas im Rennen angesagt ‚hier fahren wir heute links‘. All das summiert sich natürlich auf und solch ein Fahrer kann natürlich antizipieren und weiß, wie es hinter den nächsten zwei Kurven aussieht“, so Schreck weiter.

Kein Wunder also, dass Andreas Klier, der in Flandern 2005 Zweiter wurde, im vergangene Jahr als Sportlicher Leiter es EF-Teams Alberto Bettiol zum Sieg bei der Ronde „lotste“.

„Solch ein Fahrer, der wie Klier, das Rennen und die Menschen liebt, hilft letztendlich dem ganzen Team. Denn er lebt das alles und gibt den Spirit weiter“, so Schreck, der Flandern schon als U23-Fahrer lieben gelernt hat, obwohl er gelitten hat. „Das sind ganz ehrliche Radrennen – da kann sich niemand durchlavieren“, sagt er.

Kwaremont und Paterberg sind die Scharfrichter der „Ronde“

Entscheidend für ihn sind die Runden am Oude Kwaremont und Paterberg. Gerade der Paterberg sorgte in der Vergangenheit für die Selektion. Doch nicht nur die Steilheit des Anstiegs ist entscheidend.

„Du musst als Fahrer schon in einer guten Position reinfahren. Idealerweise unter den ersten zehn“, sagt Schreck. Und dann sind die letzten 30 bis 40 Meter am Paterberg wichtig. Hier reißt oft eine Lücke. Der Schlussteil kommt Dir vor, als würdest Du in Zeitlupe fahren. Da musst Du wirklich voll ans Limit“, so „Schreckus“.

Foto: Stefan Rachow

Auch der Wind kann gerade bei Ausreißversuchen eine ganz entscheidende Rolle spielen. „Bei Rückenwind hast Du schnell eine Lücke von 300 bis 500 Metern, die sich von hinten nur schwer zufahren lässt, da alle gleichermaßen profitieren. Bei Gegenwind sind es dagegen dann nur 150 Meter und die Verfolger können sich da gut gemeinschaftlich ransaugen. All das sind Faktoren, die das Taktik und auch die Fahrweise beeinflussen.“

Mathieu van der Poel Mitfavorit auf den Sieg bei der Flandern-Rundfahrt

Für Stephan Schreck zählen die „Crosser“ Wout can Aert (Jumbo Visma) und Mathieu van der Poel (Alpecin Fenix) zu den Favoriten am Sonntag. „Wer die beiden bei Gent-Wevelgem gesehen hat, weiß wie stark sie sind“, so Schreck.

Aber in Flandern ist nicht nur die individuelle Klasse, sondern die gemeinschaftliche Stärke – also die Mannschaft – entscheidend. „Du hast zum einem natürlich viel mehr Optionen Gruppen zu besetzen sowie bei Angriffen mitzugehen und zum anderen auch starke Fahrer, die dann den Leader in der richtigen Position aufs Pflaster fahren“, erklärt Schreck.

„Wenn man sich jetzt das Team von Deceuninck – Quick Step ansieht, können da vier bis fünf Fahrer gewinnen – das zeichnet ein Klassiker-Team eben aus. Andere Teams mit nur einem echten Leader sind für die Gegner berechenbarer“, so Schreckus weiter.

„Die taktisch guten Mannschaften schaffen es mittels ihrer intelligenten Rennfahrer allen anderen Teams ihren Willen aufzudrücken“, erklärt der Tour de France-Sieger mit der Mannschaft von 2005.

Zum Kreis der Favoriten zählen außerdem noch Gent-Wevelgem-Sieger Mads Pedersen und Vorjahressieger Alberto Bettiol. Für Überraschungen können aber auch Fahrer wie Weltmeister Julian Alaphilippe oder Michał Kwiatkowski sorgen. Aus deutscher Sicht im Fokus: John Degenkolb und Nils Politt, die das Spektakel auf Pflaster über alles lieben ….

Wir dürfen uns also auf ein episches Radrennen freuen. Zu sehen im TV auf Eurosport 1 von 14:00 bis 16:45 in einer Konferenzschaltung mit dem Giro d‘Italia.

Alle teilnehmende Teams bei der Ronde van Vlaanderen 2020

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Video: Die Flandern-Rundfahrt 2019

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