Einzelzeitfahren Männer Elite | 20. September 2026 | Montréal – Montréal | 39,2 km
Zum Auftakt der Straßen-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal steht gleich eine historischer Rekord auf dem Spiel. Remco Evenepoel kann in Kanada als erster Mann überhaupt viermal hintereinander Weltmeister im Kampf gegen die Uhr werden. Der Belgier gewann das WM-Zeitfahren in den Jahren 2023, 2024 und 2025. Michael Rogers und Tony Martin schafften zuvor jeweils drei Titel in Folge. Doch anders als auf dem schweren Kurs aus dem Vorjahr führt die WM 2026 zurück zu den klassischen Zeitfahrqualitäten. Knnapp 40 überwiegend flache Kilometer mit langen Hochgeschwindigkeitspassagen und nur rund 200 Höhenmeter.
Dieser Kurs ermöglicht auch den klassischen Tempobolzern gute Chance auf das begehrte Regenbogentrikot. Dazu zählt Filippo Ganna (Italien). Der zweimalige Weltmeister bekommt in Montréal einen Kurs, der seiner Kombination aus Aerodynamik und enormer Dauerleistung entgegenkommt. Auch Stefan Küng ist mit seinem Sieg bei der Vuelta in den Kreis der Favoriten zurückgekehrt.
Einige mögliche Medaillenkandidaten fehlen dagegen. Josh Tarling ist nicht Teil des endgültigen britischen Elite-Aufgebots für das Zeitfahren. Großbritannien setzt auf Ethan Hayter und Vuelta-Überraschung Callum Thornley. Auch Vizeweltmeister Jay Vine fehlt krankheitsbedingt genauso wiw Tadej Pogačar.
Die Strecke des Einzelzeitfahren bei den Rad-Weltmeisterschaften 2026

Von der Startrampe auf der Avenue du Parc führt die Strecke zunächst leicht bergab über rund vier Kilometer ans Ufer des Sankt-Lorenz-Stroms. Entlang des Flusses gibt es anschließend längere flache Passagen.
Entlang des Flussufers verläuft die Route größtenteils auf ebenen Straßen bis zur Samuel-de-Champlain-Brücke. Hier überqueren die Fahrer den Fluss und erreichen zunächst die Île des Sœurs. Von dort biegen sie noch vor Erreichen des anderen Ufers wieder auf den Lawrence Seaway Dike ab. Die Strecke führt weiter Richtung Norden auf einem kilometerlangen Deich mitten im Fluss befindet. Danach erreichen die Île Notre-Dame in wo sie auf die Formel-1-Rennstrecke Circuit Gilles-Villeneuve einbiegen.
Anschließend geht es über die Pont de la Concorde zurück in Richtung Zentrum. Auch dort bleibt der Kurs weitgehend flach. Besonders interessant ist eine Passage im letzten Drittel. Nach einer ungefähr drei Kilometer langen Geraden folgt eine Kehrtwende, ehe die Fahrer rund zwei Kilometer auf derselben Strecke zurückfahren.
Danach führt die Strecke wieder zu Start und Ziel – allerdings steigt der Parcours auf den Schlusskilometern leicht an.

Favoritencheck: Einzelzeitfahren der Männer Rad-Weltmeisterschaften 2026
Beim Favoritencheck führt kein Weg an Remco Evenepoel vorbei. Der 26-jährige Belgier hat nicht nur die vergangenen drei WM-Zeitfahren gewonnen. auch seine Bilanz 2026 unterstreicht seine Ausnahmestellung: Evenepoel gewann sämtliche seiner bisherigen Einzelzeitfahren in dieser Saison. Evenepoels große Stärke liegt in der Kombination aus hoher Leistung und einer extrem aerodynamischen Position, wodurch er auch auf langen Geraden enorme Geschwindigkeiten erreicht.
Der wahrscheinlich größte Herausforderer ist Filippo Ganna aus Italien. Der Weltmeister von 2020 und 2021 bekommt in Montréal einen Kurs, der deutlich besser zu seinen Fähigkeiten als das schwere WM-Zeitfahren von Kigali im vergangenen Jahr. Knapp 40 Kilometer, nur rund 200 Höhenmeter und mehrere lange Hochgeschwindigkeitspassagen sind nahezu ideales Terrain für den Italiener. Wie stark Ganna auf einem solchen Profil ist, zeigte er beim Giro d’Italia. Hier gewann er das 42 Kilometer lange und fast komplett flache Zeitfahren von Viareggio nach Massa mit einem Schnitt von fast 55 km/h gewann. Auch die jüngere WM-Historie spricht dafür, dass Evenepoel mit ihm rechnen muss: 2023 fehlten Ganna lediglich zwölf Sekunden zum Titel, 2024 waren es sogar nur sechs.
Stefan Küng hat Chancen auf den WM-Titel
Mit seinem Zeitfahrsieg auf der 18. Etappe der Vuelta a España hat sich auch Stefan Küng (Schweiz) wieder ins Gespräch gebracht. Nach seinem Oberschenkelbruch im Frühjahr brauchte der Schweizer einige Zeit, um wieder sein gewohntes Niveau zu erreichen. Inzwischen ist die Form aber offensichtlich zurück. Anfang August gewann Küng das abschließende Zeitfahren der Polen-Rundfahrt, Anfang September folgte der Sieg bei der Vuelta. Ein fast flacher 40-Kilometer-Kurs mit langen Geraden entspricht Küngs Stärken hervorragend. Nach seinen bisherigen WM-Medaillen wäre der Titel die Krönung.
Zum erweiterten Favoritenkreis gehören auch die beide Briten Callum Thornley und Ethan Hayter. Gerade Thornley sorgte bei der Vuelta für eine der Überraschungen im Zeitfahren und verpasste den Sieg nur knapp. Ein etwas anderes Fahrerprofil bringt Paul Seixas (Frankreich) mit. Der 19-Jährige wurde 2024 Junioren-Weltmeister im Zeitfahren und bestätigte sein Potenzial in dieser Saison auch bei der Tour de France, wo er im Einzelzeitfahren Vierter wurde. Montréal stellt für ihn allerdings eine andere Herausforderung dar. Die wenigen Höhenmeter und langen Hochgeschwindigkeitspassagen kommen schwereren Spezialisten wie Ganna oder Küng stärker entgegen. Außerdem können noch Brandon McNulty (USA), Mathias Vacek (Tschechien), Tobias Foss (Norwegen) und Alec Segaert (Belgien) noch für eine Überraschung bei der Vergabe der Medaillen sorgen.
Foto: IMAGO / SW Pix
