Ausreißer Richard Carapaz (EF Education-EasyPost) hat die 20. Etappe der Tour de France von Le Bourg-d’Oisans nach Alpe d’Huez gewonnen. Der Ecuadorianer zählte genauso wie der drittplatzierte Sepp Kuss (Team Visma | Lease a Bike) zu einer 14 Mann starken Spitzengruppe, die sich am ersten Anstieg dieser Königsetappe gebildet hatte. Zweiter wurde Remco Evenepoel (Red Bull–Bora–Hansgrohe) mit einem Rückstand von 26 Sekunden. Der Belgier hatte sich kurz vor dem Ziel aus einer Dreiergruppe mit Tadej Pogačar und Isaac Del Toro (beide UAE Team Emirates XRG) abgesetzt. Pogačar und Del Toro überquerte die Ziellinie Hand in Hand mit einem Rückstand von 1:05 Minuten.
Für Olympiasieger Carapaz war es bereits der zweite Etappensieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt. Er war bereits auf Tagesabschnitt 18 erfolgreich. Carapaz sicherte sich auch die Wertung des besten Bergfahrers.
Tadej Pogačar (UAE Team Emirates XRG) im Gelben Trikot fuhr, wie bereits vor dem Start angedeutet, für seinen Teamkollegen Isaac Del Toro. Mit Erfolg, denn Del Toro liegt vor der Finaletappe in Platz drei souverän auf Rang drei in der Gesamtwertung und führt in der Nachwuchswertung.
In der Gesamtwertung führt Tadej Pogačar nun mit einem Vorsprung von 6:26 Minute auf Remco Evenepoel. Dritter ist Isaac Del Toro – 9:42 Minuten zurück.
So verlief die 20. Etappe der Tour de France 2026

Kurz nach dem Start bildete sich eine sechsköpfige Ausreißergruppe mit Georg Steinhauser (EF Education-EasyPost), Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility), Baptiste Veistroffer (Lotto-Intermarché), Xabier Mikel Azparren (Pinarello-Q36.5), Joris Delbove (TotalEnergies) und Warren Barguil (Team Picnic PostNL). Bereits zu Beginn des Anstiegs zum Col de la Croix de Fer mussten Veistroffer und Delbove jedoch abreißen lassen.
Frühe Ausreißer am Col de la Croix de Fer gestellt
Im Peloton übernahm Team Visma | Lease a Bike die Nachführarbeit. Rund 15 Kilometer vor der Passhöhe des Col de la Croix de Fer wurden die verbliebenen Ausreißer gestellt. Entscheidenden Anteil daran hatte Juan Ayuso (Lidl-Trek), der mit einer starken Tempoverschärfung die Lücke schloss.
Anschließend setzte sich eine 14 Fahrer starke Gruppe ab. Vertreten waren Bruno Armirail, Matteo Jorgenson, Sepp Kuss und Davide Piganzoli (alle Team Visma | Lease a Bike), Jai Hindley (Red Bull-Bora-hansgrohe), Juan Ayuso (Lidl-Trek), Richard Carapaz und Ben Healy (beide EF Education-EasyPost), Matthew Riccitello (Decathlon CMA CGM Team), Thymen Arensman und Tobias Foss (beide Netcompany Ineos), Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step), Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility) sowie Clément Braz Afonso (Groupama-FDJ United).
Mit vier Fahrern stellte Visma die größte Fraktion in der Spitzengruppe und bestimmte fortan das Tempo. Richard Carapaz attackierte bereits 3,5 Kilometer vor der Passhöhe des Col de la Croix de Fer, um sich die maximale Punktzahl in der Bergwertung zu sichern.
Mads Pedersen gewann auch den Zwischensprint
Dahinter hatte sich Mads Pedersen (Lidl-Trek) zunächst in die Gruppe der Klassementfahrer zurückgekämpft. Anschließend setzte sich der Träger des Grünen Trikots nach vorne ab und stellte in der Abfahrt vom Col de la Croix de Fer den Anschluss an die Spitze her.
Pedersen gewann wenig später den Zwischensprint in Saint-Julien-Mont-Denis und kam dem Gesamtsieg in der Punktewertung damit einen entscheidenden Schritt näher. Der Däne baute seinen Vorsprung auf Jasper Philipsen auf 82 Punkte aus.
Zu diesem Zeitpunkt waren im Kampf um Grün nur noch maximal 95 Zähler zu vergeben: 20 Punkte beim Zieleinlauf der laufenden Etappe sowie 25 Punkte beim Zwischensprint und 50 Punkte im Ziel der Schlussetappe. Pedersen hatte den Sieg in der Punktewertung damit praktisch sicher.
Das Peloton passierte die Sprintwertung mit einem Rückstand von 2:44 Minuten auf die Spitzengruppe.
Visma fuhr für Sepp Kuss
Das Vorgehen von Visma deutete darauf hin, dass die Mannschaft ihre taktischen Möglichkeiten auf Sepp Kuss ausrichtete. Der US-Amerikaner hatte bereits die Königsetappe des Giro d’Italia 2026 gewonnen.
Zu Beginn des 11,9 Kilometer langen Anstiegs zum Col du Télégraphe scherte Matteo Jorgenson aus der Führungsarbeit aus. Der US-Amerikaner hatte seine Aufgabe erfüllt. Wenig später musste auch Pedersen den Anstrengungen seiner Aufholjagd Tribut zollen und zurückfallen.
Als Nächster verlor Bruno Armirail den Kontakt. Der Franzose hatte zuvor über weite Strecken das Tempo an der Spitze bestimmt. Anschließend übernahm Davide Piganzoli die Führungsarbeit.
Auf der Passhöhe des Col du Télégraphe, einer Bergwertung der 1. Kategorie, befanden sich noch zehn Fahrer in der Spitzengruppe: Kuss, Piganzoli, Hindley, Ayuso, Carapaz, Healy, Riccitello, Arensman, Foss und Halland Johannessen. Carapaz sicherte sich ungefährdet die zehn Punkte der Bergwertung.
Nach einer kurzen Zwischenabfahrt begann unmittelbar der Anstieg zum Dach der Tour. Bis zur 2642 Meter hoch gelegenen Passhöhe des Col du Galibier waren weitere 17,7 Kilometer mit durchschnittlich 6,9 Prozent Steigung zu bewältigen.
Bahrain Victorious erhöhte das Tempo im Feld
In der Gruppe der Klassementfahrer hatte inzwischen Bahrain Victorious die Führungsarbeit übernommen. Der Grund war Juan Ayuso, der sich durch seinen Vorsprung zwischenzeitlich virtuell auf den fünften Platz der Gesamtwertung vorgeschoben hatte.
Am Col du Télégraphe hatte die Gruppe um das Gelbe Trikot noch 4:15 Minuten Rückstand. Zu Beginn des Galibier wurde der Abstand zunächst jedoch schnell kleiner.
Ben Healy erkannte, dass die Ausreißer das Tempo erhöhen mussten, um ihre Chancen auf den Etappensieg zu wahren. Der Ire forcierte das Tempo, woraufhin sein Teamkollege Richard Carapaz zu ihm aufschloss. Auch Sepp Kuss folgte der Tempoverschärfung.
Davide Piganzoli und Tobias Foss konnten das verschärfte Tempo dagegen nicht mitgehen. Acht Fahrer verblieben an der Spitze und bauten ihren Vorsprung innerhalb kurzer Zeit wieder um rund 45 Sekunden aus. Mit etwa 4:30 Minuten Abstand zur Favoritengruppe verbesserte sich die Ausgangslage der Ausreißer erneut deutlich.
Carapaz gewann auch die Bergwertung am Galibier
Gut viereinhalb Kilometer vor der Passhöhe des Col du Galibier attackierte zunächst Juan Ayuso, wurde jedoch wieder gestellt. Anschließend setzte Richard Carapaz zum Angriff an. Jai Hindley führte Sepp Kuss und Matthew Riccitello jedoch wieder an den Ecuadorianer heran.
Als der Rückstand der Pogačar-Gruppe auf knapp 5:30 Minuten anwuchs, übernahm der Träger des Gelben Trikots selbst die Nachführarbeit. Mit seiner Tempoverschärfung reduzierte Tadej Pogačar die Gruppe innerhalb kurzer Zeit auf nur noch fünf Fahrer. Neben dem Slowenen konnten lediglich Isaac Del Toro, Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe), Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) und Lenny Martinez (Bahrain Victorious) folgen.
An der Passhöhe sicherte sich Carapaz die Bergwertung vor Hindley, Kuss und Riccitello. Ayuso schloss in den oberen Kehren der Abfahrt wieder zur Spitze auf, während Riccitello nach einem Fahrfehler den Anschluss verlor.
Die fünfköpfige Gruppe um Pogačar überquerte den höchsten Punkt der Tour de France 2026 mit einem Rückstand von 4:40 Minuten. Mattias Skjelmose (Lidl-Trek) folgte rund 20 Sekunden später. In der Abfahrt stellte der Däne gemeinsam mit Maxim Van Gils (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Nicolas Prudhomme (Decathlon CMA CGM Team) wieder den Anschluss her.
Kuss setzte sich am Col de Sarenne ab
Seit seiner Tempoverschärfung am Col du Galibier hatte Pogačar die Führungsarbeit nicht mehr abgegeben. Auch im flacheren Abschnitt des Tals fuhr der Slowene ungestört an der Spitze seiner Gruppe weiter. Beim Einstieg in den Col de Sarenne betrug der Rückstand auf die vier Führenden noch knapp dreieinhalb Minuten.
Gut zehn Kilometer vor der Passhöhe des Col de Sarenne setzten sich zunächst Jai Hindley und Sepp Kuss von ihren Begleitern ab. Kurz darauf ließ Kuss auch Hindley zurück und fuhr allein an der Spitze. Dahinter schloss Richard Carapaz wieder zu Hindley auf. Die beide holten Kuss wieder ein.

In der Gruppe der Klassementfahrer erhöhte Isaac Del Toro rund dreieinhalb Kilometer vor dem Gipfel das Tempo. Paul Seixas konnte der Beschleunigung nicht folgen. Lediglich Remco Evenepoel und Tadej Pogačar blieben zunächst am Hinterrad des Mexikaners. Anschließend übernahm Pogačar wieder die Führungsarbeit. Wenig später kämpfte sich auch Lenny Martinez zurück in die Gruppe.
An der Spitze attackierte erneut Kuss und setzte sich ab. Der US-Amerikaner überquerte die Passhöhe des Col de Sarenne, knapp 15 Kilometer, vor dem Ziel als Erster. Carapaz folgte mit 18 Sekunden Rückstand.
Die Gruppe um Pogačar erreichte den Gipfel 2:05 Minuten nach Kuss. Seixas lag weitere 35 Sekunden zurück. An seinem Hinterrad befanden sich Mattias Skjelmose und Juan Ayuso.

Kuss hatte schon rund 20 Sekunde Vorsprung als er auf den finalen sieben Kilometer zwei Mal kurz hintereinander stürzte und Carapaz ihn so überholen konnte. Carapaz ließ sich den Sieg in Alpe d’Huez nicht mehr nehmen. Evenepoel attackierte noch aus der Gruppe des Gelben Trikots, konnte sich absetzen und kurz vor der Ziellinie Kuss überholen.
Fotos: Photonews.be
