Die vier großen Favoriten für den Sieg bei der Tour de France 2026 haben die Saison eröffnet. Tadej Pogačar, Jonas Vingegaard, Remco Evenepoel und Florian Lipowitz holten im ersten Rennen allesamt einen Sieg.
Sind die „Fab Four” also alle auf Kurs für das große Highlight im Juli? Ja und nein. Nicht alles lief bei den vier Favoriten für die Tour de France 2026 auf Anhieb glatt.
In unserer „Fab Four“-Serie nimmt Bernd Landwehr, Chefredakteur des Cycling Magazines, den Weg zur Tour unter die Lupe und analysiert Rennen und Form. In der letzten Märzwoche treffen drei der „Fab Four“ bei der Katalonien-Rundfahrt aufeinander. Die Vorzeichen scheinen klar.
Du willst die Serie komplett verfolgen? Auf der Hub-Seite sammeln wir alle Episoden, Steckbriefe, Rennpläne und Updates – immer aktuell nach den wichtigsten Formtests.
Tadej Pogačar – ungefährdet zum vierten Strade Bianche-Sieg
Der Plan für die Saison sieht beim Titelverteidiger ein reduziertes Klassikerprogramm vor – siehe erste Folge der Fab Four. Diesem Plan ist Tadej Pogačar treu geblieben. Sein erstes Rennen war der italienische Klassiker Strade Bianche. Die Erwartungshaltung nach zwei Siegen in Folge beim Neo-Klassiker hoch. Die Spannung, ob Pogačar auch in diesem Jahr die immer stärker werdende Konkurrenz mit Tom Pidcock, Paul Seixas & Co. wird in Schach halten können war im Vorfeld durchaus vorhanden. Doch nach Strade Bianche war klar: Tadej Pogačar ist auch 2026 Tadej Pogačar.

An der Schlüsselstelle des Rennens setzte Pogačar seinen Angriff, fuhr los und holte sich mit einem 80-Kilometer-Solo den Sieg. Eine Machtdemonstration. Pogačar wirkte unangreifbar, stark wie immer und sehr souverän.
Der dritte Sieg in Folge, der vierte in Summe und damit alleiniger Strade-Bianche-Rekordhalter – Tadej Pogačar startete perfekt in die Saison.
Pogačar braucht kein Einrollen, keine Vorbereitungsrennen. Er kommt zum ersten Rennen der Saison und macht dort weiter, wo er am Ende des vergangenen Jahres aufhörte. Beeindruckend! Seine nächstem vier Rennen werden die vier Monumente des Frühjahrs sein. Egal wo er am Start steht, in der Favoritenrolle ist er stets.
Jonas Vingegaard – trotzt der Kälte und siegt bei Paris-Nizza
Auch Jonas Vingegaard ist mit einem souveränen Sieg in die Saison 2026 gestartet. Der Däne dominierte Paris-Nizza und gewann mit großem Vorsprung. Eigentlich war sein Saisondebüt früher geplant, doch nach einem Sturz im Training und einer Erkrankung musste er den Einstieg verschieben.
Bei Paris-Nizza siegte Vingegaard zwar mit großem Vorsprung, was das aber im Vergleich zu den anderen Drei der Fab Four wert ist, lässt sich schwer beurteilen. Denn zum einen war die Konkurrenz bei Paris-Nizza nicht allzu stark, zum anderen das Rennen durch Stürze und widrige Wetterbedingungen und damit verbundenen Streckenkürzungen geprägt.

Dennoch: Vingegaard holte souverän auf zwei Etappen den Tagessieg. Den ersten mit zusätzlicher langer Hose drüber – Schutz vor Kälte größer Style. Am Schlusstag konnte Vingegaard den jungen Franzosen Lenny Martinez bergauf nicht abschütteln und musste sich im Sprint gegen das Kletter-Leichtgewicht geschlagen geben. Daraus nun abzuleiten, Vingegaard ist nicht mehr ganz so souverän, wäre gewiss voreilig.
Bei der Katalonien-Rundfahrt Ende März wird Vingegaard sich mit Remco Evenepoel und Florian Lipowitz messen müssen. Die Vorzeichen sind dort aber unterschiedliche. Vingegaard breitet sich auf den Giro vor, während Lipowitz und Evenepoel andere Ziele haben. Dennoch, das erste Aufeinandertreffen der Tour-Favoriten wird eine Standortbestimmung sein. Fans und Experten fiebern dem Vergleich entgegen – auch für die Sportler kann dieses Aufeinandertreffen aufschlussreich sein und eventuell nachwirken.
Vingegaard dürfte aus dem Sieg bei Paris-Nizza Selbstvertrauen geschöpft haben und sich auf dem Weg in Richtung Giro bestätigt sehen. Für ihn ist im Mai das erste große Highlight – dann muss die Form passen! In Katalonien kann er sich dann selbst ein Bild machen, wie gut die Red-Bull-Konkurrenz ihre Hausaufgaben gemacht hat.
Remco Evenepoel – Rückschlag bei der UAE-Tour
Ein früher Saisonstart mit reichlich Siegen! Der Einstand von Remco Evenepoel beim Team Red Bull-Bora-Hansgrohe war mehr als gelungen. Drei Siege bei der Mallorca Challenge, darunter das wichtige Teamzeitfahren, bei dem man für den Tour-de-France-Auftakt erfolgreich probte. Es folgten zwei Etappensiege und der Gesamtsieg bei der Valencia-Rundfahrt im Anschluss. Für den Belgier und Red Bull-Bora-Hansgrohe war ein guter Start besonders wichtig. Vertrauen in den neuen Star bekommen, das gesamte Team mit Erfolgen mitreißen und Personal und Fans direkt mitnehmen. Das gelang durchaus.
Doch bei der UAE Tour Mitte Februar ging Evenepoel dann bergauf etwas die Luft aus. Nur Gesamtrang 10 – mehr als zwei Minuten hinter dem Gesamtsieger Isaac Del Toro. Panik schob man bei Red Bull-Bora-Hansgrohe nicht, hält am Plan weiter fest, auch wenn man sich mehr erhofft hatte.
Evenepoel legte ein Trainingslager auf dem Teide ein, bereitet sich nun auf die Ardennen-Klassiker im April vor. Ob es in Katalonien Ende März direkt rund läuft, bleibt abzuwarten. Nach einer Trainingsphase in der Höhe gibt es bei der Katalonien-Rundfahrt in jedem Fall ausreichend Gelegenheit die Bergform zu testen.
Dass er gemeinsam mit Lipowitz antritt, dürfte kein Zufall sein. Gemeinsam Rennen bestreiten, sich aneinander im Rennmodus gewöhnen, vielleicht auch taktisch zusammenarbeiten. Erst bei der Tour de France wird man voraussichtlich wieder gemeinsam Rennen bestreiten. Dann sollte alles optimal klappen und keine Eingewöhnung nötig sein!
Im direkten Vergleich mit Vingegaard wird Evenepoel in Katalonien natürlich ganz besonders beäugt, doch es ist gut möglich, dass sein Blick bereits voraus auf die Ardennen-Klassiker geht. Nach dem Ausfall von Maxim van Gils wird Evenepoel in den Ardennen besonders gefordert sein, sein Formaufbau sicher auf diese Rennen in der zweiten Aprilhälfte ausgerichtet.
Man sollte die Erwartungen für die Katalonien-Rundfahrt vielleicht nicht zu hochschrauben und kein vorzeitiges Urteil fällen.
Florian Lipowitz – solider Start an der Algarve
Genau wie bei Remco Evenepoel war auch für Florian Lipowitz das Teamzeitfahren bei der Mallorca Challenge der erste Einsatz. Direkt ein Sieg, gemeinsam mit dem Team. Ein besonderer Start in die Saison.
Anschließend ging es für den Tour-Dritten von 2025 zur Algarve-Rundfahrt. Dort fuhr der 25-Jährige stark, aber nicht überragend. Gesamtrang acht, hinter Top-Fahrern wie Juan Ayuso, Paul Seixas, Joao Almeida sowie Oscar Onley und dem eigenenm Teamkollegen Daniel Felipe Martinez. Ein ordentliches Ergebnis, mehr aber auch nicht.
Lipowitz spürte lange die Anstrengungen der sensationellen Saison 2025 und es scheint, als wolle das Team ihm Luft geben, ihn bloß nicht überfordern. Die Basis für außergewöhnliche Leistungen ist stets eine stabile Gesundheit – im Falle von Florian Lipowitz gilt das in besonderem Maße.
Das große Ziel des Deutschen ist die Tour de France im Sommer, dort will er in Topform sein. Doch eine Standortbestimmung im Frühjahr ist sicher wertvoll. Bei der Katalonien-Rundfahrt kann Lipowitz sehen, wie es um sein Form bestellt ist. Im vergangenen Jahr wurde er im März Gesamtzweiter bei Paris-Nizza, dann Gesamtvierter bei der Baskenland-Rundfahrt – das brachte Bestätigung und Selbstvertrauen. In diesem Jahr wird er nur die Katalonien-Rundfahrt bestreiten, dann voraussichtlich erst wieder Ende April die Romandie-Rundfahrt. So könnte der Woche in Katalonien mit den vielen Bergen durchaus eine besondere Bedeutung zukommen.
Es ist die erste echte Standortbestimmung in dieser Saison und der Ausgang beeinflusst möglicherweise die Erwartungshaltung der Fans. Auch die Medien werden genau hinschauen, auch darauf achten, wie gut es gemeinsam mit Evenepoel klappt. Eine gute und erfolgreiche Katalonien-Rundfahrt könnte auch in diese Richtung Ruhe bringen und wertvoll sein. Geht es schief, wirkt es sicher in die andere Richtung.
Unser Profisport-Experte: Bernd Landwehr

Journalist Bernd Landwehr, Jahrgang 1978, ist Gründer und Chefredakteur des digitalen Radsportmagazins CyclingMagazine Cyclingmagazine sowie Host des gleichnamigen Podcasts. Der Diplom-Medienwissenschaftler gilt als ausgewiesener Kenner der Radsportszene. In den vergangenen Jahren schrieb er zudem für verschiedene Radsportpublikationen, darunter die Magazine Roadbike und Procycling. Zu seinen Lieblingsrennen zählen die flandrischen Klassiker.
Alle Folgen der Serie
Hier findest du alle Episoden der Fab-Four-Serie 2026 in der Reihenfolge – vom Auftakt bis zur Bilanz.
mehr Infos zum Tour de France: Vorschau auf die Etappen der Tour de France 2026
Aufmacherfoto: IMAGO / MAXPPP
