Mathieu van der Poel gewährt Einblicke in seinen Körper. Er verrät, was ihm in puncto Training, Ernährung und Regeneration hilft, was ihn motiviert und antreibt. Im Interview mit WHOOP-Gründer und -CEO Will Ahmed gibt sich der niederländische Rad-Profi aus dem Team Alpecin-Premier Tech erstaunlich offen.
HRV über 200: Was Mathieu van der Poel über Regeneration und Fitness verrät
„Meine Herzfrequenzratenvariabilität ist extrem hoch“, sagt van der Poel über den Wert, der die Regenerationsfähigkeit widerspiegelt. „Jenseits der 200 im Durchschnitt. Der Radprofi liefert direkt die Einordnung: „Vielleicht ist das auch ein Stück weit genetisch, aber Fitness spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.“
Beim Ruhepuls wird es für viele Menschen noch greifbarer: „Im Schnitt liege ich bei 38, der niedrigste Wert, den WHOOP bei mir aufgezeichnet hat, war 34 – das ist schon sehr niedrig.“ Er fügt jedoch hinzu: „Das haben viele Ausdauerathleten – das Herz ist einfach sehr gut trainiert.“
Während viele Profis ihre Leistungsdaten wie Verschlusssachen behandeln, bleibt van der Poel entspannt: „Ehrlich gesagt stört es mich nicht, Daten zu teilen.“ Zwar räumt er ein, dass Konkurrenten daraus etwas mitnehmen können, schiebt aber nach: „Das wird meiner Meinung nach keinen entscheidenden Unterschied machen.“
Frühjahrsklassiker: Positionierung als Schlüssel zum Erfolg
Denn Daten sind nicht alles. Gerade bei den Rennen, die er liebt, kommt es auch auf andere Dinge an. „Positionierung ist extrem wichtig“, sagt er und spricht damit ein Erfolgsgeheimnis bei den Frühjahrsklassikern wie der Flandern-Rundfahrt oder Paris-Roubaix an. „Du brauchst die Zahlen. Aber du kannst Rennen auch gewinnen, indem du klüger bist oder im richtigen Moment das Richtige tust.“
Van der Poel, der bereits drei Mal die „Hölle des Nordens“ und zwei Mal die „Ronde“ gewonnen hat, beschreibt die entscheidenden Schlüsselstellen: Die Straßen verengen sich, ein Anstieg beginnt und es entsteht Bewegung im Feld. „Es gibt Schlüsselstellen: Von einer breiten Straße geht es in einen kleineren Anstieg, und du musst unter den ersten zwanzig Fahrern sein.“ Und dann folgt ein Satz, den man sich für jede Vorschau zu den Klassikern einrahmen kann: „Wenn vorne eine Gruppe geht und du zu weit hinten bist, ist es unmöglich. Selbst mit den besten Zahlen ist es unmöglich, in die Spitzengruppe zu kommen.“
Es kommt nicht nur auf die Power an, sondern auch auf Rennintelligenz, Timing, Team und Positionskampf – zumindest bei den schweren Eintagesrennen wie den Frühjahrsklassikern. Nichtsdestotrotz weiß van der Poel: „Bei einer Tour-Etappe am Berg sprechen die Zahlen oft für sich: Meist gewinnt der Stärkste.“
WHOOP-Interview mit Mathieu van de Poel auf YouTube
Auch wenn van der Poel „genetisch gesegnet ist”, weiß er, dass er hart an sich arbeiten, sprich trainieren muss. „An guten Tagen fällt ihm das Training leicht. An schlechten Tagen ist es hart, besonders, wenn die Beine nicht mitmachen. Aber das gehört zum Sport. Jeder hat gute und schlechte Tage, und du musst da durch“, sagt er. Musik und Koffein helfen ihm dann, sich zu überwinden. Und die Konkurrenz, insbesondere Wout van Aert, ist für ihn ein Ansporn: „Ein starker Konkurrent hebt dein Level, weil du weißt: Du musst alles zu 100 Prozent richtig machen, um ihn zu schlagen. Das hält dich fokussiert. Nicht nur während des Rennens, sondern eigentlich 24/7.“
„Wenn du jedes Rennen mit zwei Minuten Vorsprung gewinnen würdest, wäre es leicht zu sagen: ‚Ich lasse heute das Gym aus‘ oder ‚ein Intervall weniger‘. Aber wenn du jemanden hast, der fast gleich stark ist, machst du vielleicht noch eine Wiederholung extra, um sicherzugehen“, erklärt van der Poel.
Krafttraining im Radsport: Warum van der Poel zweimal pro Woche ins Gym geht
Apropos Gym. Seit vier Jahren integriert er Krafttraining und Core Stability in seinen Trainingsplan und geht zweimal pro Woche ins Fitnessstudio. „Ich habe angefangen, es wirklich zu mögen. Wenn ich es nicht mache – wie jetzt in der Ruhephase –, fühle ich mich schwächer. Es tut dann beim Wiedereinstieg erst mal weh, aber ich weiß, dass es ein Prozess ist und ich es brauche“, sagt er.
Sein Programm besteht vor allem aus Kniebeugen, Deadlifts und einbeinigen Squats. Dazu viel Stabilisationsarbeit für den unteren Rücken und den Bauch. Stabilisationsarbeit.
Van der Poel weiß genau, warum er etwas tut – auch in puncto Ernährung. Er wiegt sein Essen zwar nicht ab, weiß aber, was gut und was schlecht für ihn ist. „Ich kenne meine Portionsgrößen”, sagt er und fügt hinzu: „Man soll auch mal essen dürfen, worauf man Lust hat – nur eben nicht jeden Tag. Klassiker wie Frittiertes, Schokolade und Chips versuche ich zu reduzieren.“
Bei der Einordnung von guten und schlechten Essensgewohnheiten hilft ihm das Tracking seines WHOOP-Wearables. „Bei rotem Fleisch sehe ich einen klaren Effekt. Und auch beim späten Essen: Wenn ich früh am Abend esse, schläft es sich deutlich besser.“
Auch beim Schlafen, dem wichtigsten Regenerationsbooster, überlässt der siebenmalige Cyclocross-Weltmeister nichts dem Zufall: Er nimmt Magnesium zur Muskelentspannung vor dem Schlafen ein. Lesen vor dem Schlafengehen hilft ihm, schneller einzuschlafen und besser zu regenerieren.
Foto: Photonews.be
