Start Profi-Sport 17. Etappe Tour de France 2026: Jasper Philipsen siegt in Voiron

17. Etappe Tour de France 2026: Jasper Philipsen siegt in Voiron

Übersicht

Jasper Philipsen (Alpecin-Premier Tech) hat die 17. Etappe der Tour de France 2026 im Sprint einer rund 40 Fahrer starken Gruppe gewonnen. Nach der perfekten Vorarbeit seines Teamkollegen Mathieu van der Poel setzte sich der Belgier am Ende des 174,7 Kilometer langen Tagesabschnitts von Chambéry nach Voiron klar vor Mauro Schmid (Jayco AlUla) durch. Platz drei belegte Olav Kooij (Decathlon CMA CGM). Mads Pedersen (Lidl-Trek), der Träger des Grünen Trikots, kam auf Rang acht ins Ziel.

Für Philipsen war es der erste Etappensieg bei dieser Frankreich-Rundfahrt. Für sein Team Alpecin-Premier-Tech nach dem Erfolg von Mathieu van der Poel auf der 9. Etappe der zweite Sieg.

Durch seinen Sieg verkürzte der Belgier seinen Rückstand in der Punktewertung auf Mads Pedersen auf sieben Punkte.

Das Hauptfeld mit den GC-Leadern erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 8:45 Minuten.

Die 17. Etappe war, anders als es das Ergebnis vermuten lässt, kein klassischer Sprintertag, sondern ein Rennen voller Attacken und taktischen Wendungen. Die ersten 60 Kilometer waren durch vier Bergwertungen geprägt, danach blieb das Rennen lange offen. Erst im Finale gelang es Alpecin-Premier Tech, die Situation wieder zugunsten von Philipsen zu drehen. Mathieu van der Poel spielte dabei die entscheidende Rolle: Er neutralisierte späte Attacken, brachte die Gruppe zurück an die Spitze und bereitete den Sprint seines Teamkollegen mustergültig vor.

So verlief die 17. Etappe der Tour de France 2026

Direkt nach dem scharfen Start begannen die Attacken. Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) und Baptiste Veistroffer (Lotto-Intermarché) gehörten zu den ersten Fahrern, die sich lösten. Doch das Feld ließ zunächst niemanden weit ziehen. Zu viele Teams wollten in der Gruppe des Tages vertreten sein, zu viele schnelle Fahrer hatten noch Interesse an dieser Etappe.

Viele Gruppen zu Beginn der Etappe

An den ersten Anstiegen, der Côte de Bassa und der Côte de Rossillon, wurde das Feld erstmals deutlich auseinandergezogen. Immer wieder setzten sich kleine Gruppen ab, doch keine Konstellation bekam freie Fahrt. Richard Carapaz (EF Education-EasyPost), Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step), Kévin Vauquelin (Netcompany Ineos Cycling Team) und weitere Fahrer waren in dieser Phase vorne zu sehen.

Am Col des Prés verschärfte sich die Situation weiter. Eine größere Gruppe mit Van der Poel, Jasper Stuyven (Soudal Quick-Step), Quinn Simmons (Lidl-Trek), Egan Bernal (Netcompany Ineos Cycling Team), Matej Mohorič (Bahrain Victorious), Pablo Castrillo (Movistar Team), Felix Engelhardt (Team Jayco AlUla) und weiteren starken Fahrern setzte sich ab. Die Teams ließen das Rennen nicht zur Ruhe kommen und vieles wieder zusammen.

Klassementfahrer kurzzeitig in der ersten Gruppe

In der unübersichtlichen Phase um die Côte de Saint-Jean d’Arvey kam es kurzzeitig sogar zu einer Situation, in der mehrere Klassementfahrer vorne vertreten waren. Tadej Pogačar (UAE Team Emirates-XRG), Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe) und Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) befanden sich in einer vorderen Gruppe, während Isaac del Toro (UAE Team Emirates-XRG) zunächst fehlte.

Für einen Moment wirkte die Etappe deshalb auch für das Gesamtklassement brisant. Doch die GC-Favoriten nahmen nach rund 70 Rennkilometern wieder heraus, und die Ausreißer bekamen freie Fahrt, während das größere Feld dahinter aufschließen konnte.

Eine große Gruppe setzte sich ab und erhielt schließlich den Spielraum, den es zuvor nicht gegeben hatte. In ihr Van der Poel, Quinn Simmons (Lidl-Trek), Egan Bernal (Netcompany Ineos), Matej Mohorič (Bahrain Victorious), Pablo Castrillo (Movistar Team), Felix Engelhardt (Team Jayco AlUla) und weitere starke Fahrer.

Doch der Vorsprung war nicht allzu groß und so schaffte Mads Pedersen den Sprung nach vorne. Philipsen versuchte nachzuspringen, schaffte es nicht und blieb in der ersten Verfolgergruppe.

Pedersen gewann Zwischensprint

Rund 60 Kilometer vor dem Ziel kam erneut Bewegung ins Rennen. Pedersen eskalierte an der Spitze. Ben Healy (EF Education-EasyPost), Stuyven, Engelhardt, Edward Planckaert (Alpecin-Premier Tech) und Michał Kwiatkowski (Netcompany Ineos Cycling Team) gingen mit und fuhren schnell einen Vorsprung heraus.

Für Pedersen war das eine doppelt wertvolle Situation. Zum einen brachte er sich in Position für den Etappensieg, zum anderen lag der Zwischensprint in Colombe erst 27,2 Kilometer vor dem Ziel. Dort ging es noch einmal um wichtige Punkte für das Grüne Trikot. Philipsen saß zu diesem Zeitpunkt in der größeren Verfolgergruppe und musste hoffen, dass Alpecin-Premier Tech den Abstand in Grenzen halten konnte.

Am Zwischensprint setzte sich Pedersen erwartungsgemäß durch. Planckaert wurde Zweiter und nahm damit ebenfalls Punkte mit. Philipsen sprintete dahinter in der Verfolgergruppe noch zu weiteren Zählern, konnte den Schaden aber nur begrenzen.

Stuyven als Solist auf den finalen 20 Kilometern

Kurz nach dem Zwischensprint griff Jasper Stuyven (Soudal Quick-Step) an. Der Belgier setzte sich aus der Sechsergruppe ab und fuhr allein Richtung Voiron. Dahinter funktionierte die Zusammenarbeit nicht mehr richtig.

Stuyven baute seinen Vorsprung auf rund 40 Sekunden aus. Doch dahinter nahm Alpecin-Premier Tech die Verfolgung auf. Van der Poel war mit mehreren Teamkollegen in der großen Gruppe vertreten und begann, das Finale für Philipsen vorzubereiten.

Rund drei Kilometer vor dem Ziel war Stuyvens Flucht beendet. An einer kleinen Steigung wurde der Solist gestellt. Dann begannen an dieser letzten Steigung die Attacken. Mathieu van der Poel (Alpecin-Premier Tech) sprang immer wieder mit und neutralisierte für seinen Teamkollegen Philipsen.

Alles lief auf einen Sprint dieser Gruppe hinaus. Unter der Flamme Roge verschärfte Joshua Tarling (Netcompany Ineos) das Tempo noch einmal. Van der Poel brachte Philipsen nach vorne, fuhr ein langes Lead-Out und Philipsen gewann klar.

Sieger Jasper Philipsen im Interview

„Es war eine Achterbahn der Gefühle. Ich musste bis zur siebzehnten Etappe warten. Ich hatte mich gut vorbereitet und bin in Topform. Allerdings waren die ersten zwölf Tage furchtbar. Ich konnte weder zu mir selbst finden noch das Gefühl erreichen, auf das ich gehofft hatte. Und dann nach siebzehn Etappen zu gewinnen… Ich habe wirklich für das Team gewonnen. Sie haben immer an mich geglaubt“, sagte Philipsen direkt nach seinem Sieg.

„Ich muss mich bei allen bedanken. Ich war wie ein wütender Vogel  am Tisch. Ich war enttäuscht, dass ich keine Etappe gewinnen konnte. Das Team musste damit klarkommen. Dieser Sieg ist für sie. Wir haben bis hierher gekämpft“, sagte er weiter.

„Dieser Sieg hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet. Ich kämpfte zwischen den Gruppen. Ich dachte, die Etappe sei verloren, aber das Team gab den Glauben nicht auf. Wir versuchten, einen Plan zu entwickeln. Am Ende waren sie unglaublich stark und brachten mich weit ins Ziel.“

Zum Grünen Trikot gefragt, sagte Philipsen: „Pedersen hat bei dem Zwischensprint viele Punkte geholt. Die nächsten Etappen werden hart, aber wir werden bis Paris kämpfen.“

Fotos: Photonews.be