Start Profi-Sport Vorschau Lombardei-Rundfahrt 2026: Wer gewinnt das letzte Monument des Jahres?

Vorschau Lombardei-Rundfahrt 2026: Wer gewinnt das letzte Monument des Jahres?

Übersicht

Als fünftes und letztes der Monumente findet am 10. Oktober die 120. Lombardei-Rundfahrt statt. Der Herbst-Klassiker führt über 239 Kilometer von Bergamo nach Como. Rund 4.600 Höhenmeter summieren sich auf dem Weg durch die lombardischen Voralpen. Im Finale folgen auf die Madonna del Ghisallo zwei Passagen über San Fermo della Battaglia und der steile Anstieg nach Civiglio.

Nach fünf Siegen in Folge fehlt dieses Mal Tadej Pogačar. Der Slowene musste seine Saison nach dem schweren Sturz bei der Vuelta a España beenden. Damit erhält das „Rennen der fallenden Blätter“ erstmals seit 2020 einen anderen Sieger. Remco Evenepoel reist als frisch gekürter Europameister an, Giulio Ciccone sein härtester Kontrahent. Pogačars UAE Team Emirates-XRG setzt unter anderem auf Weltmeister Brandon McNulty und Isaac del Toro.

Die Strecke der Lombardei-Rundfahrt 2026

Nach dem Start in Bergamo und einem kurzen flachen Auftakt beginnt eine Folge von Anstiegen. Zunächst führt die Strecke über den Colle dei Pasta zur Bocche di Gavarno, anschließend hinauf nach Selvino. Dort warten 10,1 Kilometer mit durchschnittlich 5,9 Prozent Steigung und eine lange Abfolge an von Kehren.

Es folgen der Colle di Berbenno mit 4,5 Kilometern bei durchschnittlich 6,3 Prozent und Valpiana mit 10,1 Kilometern bei 6,2 Prozent. Diese längeren Belastungen prägen die erste Rennhälfte. Danach führt der Parcours durch die obere Brianza zur Auffahrt nach Giovenzana. Die 2026 erstmals genutzte Variante von Santa Maria Hoè liegt rund 100 Kilometer vor dem Tiel. Sie ist 3,6 Kilometern lang und weist eine durchschnittliche Steigung von 9,2 Prozent auf. Ein 750 Meter langer Abschnitt erreicht im Schnitt 14 Prozent, die steilsten Stellen sogar 16 Prozent.

Nach der Abfahrt hinunter nach Lecco erreicht die Profis den Comer See und fahren an dessen Ufer entlang nach Bellagio. Dort beginnt die klassische Auffahrt zur Madonna del Ghisallo. Die 8,6 Kilometer weisen durchschnittlich 6,2 Prozent Steigung auf, einzelne Passagen erreichen 14 Prozent. Die Kuppe liegt rund 61 Kilometer vor dem Ziel. Damit rückt der Ghisallo diesmal in jene Rennphase, in der die Teams mit den Favoriten ein hohes Tempo anschagen können, um vorzuselektionieren.

Anschließend führt eine schnelle Abfahrt hinunter nach Maglio, ehe die Strecke weiter in Richtung Como verläuft. Auf diesem Abschnitt beginnt die entscheidende Abfolge: zunächst San Fermo della Battaglia, dann eine erste Passage der Ziellinie und die abschließende, rund 22 Kilometer lange Runde über Civiglio und erneut San Fermo.

Der Anstieg nach Civiglio dürfte dabei besonders stark selektieren. Auf 4,2 Kilometern beträgt die durchschnittliche Steigung 9,7 Prozent, die steilsten Abschnitte erreichen 14 Prozent. Dazu verengt sich die Straße nahe der Kuppe. Nach mehr als 200 Rennkilometern bietet dieser Anstieg den Platz für den entscheidenden Angriff. Auch die folgende Abfahrt verlangt Aufmerksamkeit und fahrerisches Können.

Die letzte Gelegenheit bergauf die Entscheidung zu erzwingen, bietet San Fermo della Battaglia. Der 2,7 Kilometer lange Anstieg weist durchschnittlich 7,2 Prozent Steigung auf. Oben verbleiben noch etwa fünf Kilometer bis ins Ziel. Die Abfahrt führt auf einer breiteren Straße zurück nach Como, durch zwei beleuchtete Tunnel und über zwei große Kreisverkehre. Rund 600 Meter vor dem Ziel folgt eine letzte weite Linkskurve auf die Zielgerade.

Favoritencheck: Evenepoel und Ciccone vor dem nächsten Duell

Remco Evenepoel (Red Bull–Bora–Hansgrohe) gehört zu den Top-Favoriten dieses Monumentes. In den vergangenen beiden Ausgaben wurde er jeweils Zweiter hinter Tadej Pogačar. Nun bietet sich ihm die Gelegenheit, dessen Abwesenheit zu nutzen. Der EM-Sieg in Slowenien hat zudem gezeigt, dass er nach dem enttäuschenden WM-Straßenrennen wieder um einen großen Titel kämpfen kann.

Für Evenepoel könnte eine gut getimte Attacke mit anschließendem Solo besonders erfolgversprechend sein. Mit einem Vorsprung über eine der letzten Kuppen zu kommen, würde ihm erlauben, anschließend seine Stärke bei hohem, gleichmäßigem Tempo einzusetzen. Die veröffentlichte Meldeliste sieht außerdem Jai Hindley und Giulio Pellizzari im Red-Bull-Aufgebot vor. Sollten mehrere von ihnen bis ins Finale vorne bleiben, hätte die Mannschaft auch taktische Alternativen.

Giulio Ciccone (Lidl–Trek) hat bei der EM bewiesen, dass er Evenepoel auf steilen Anstiegen folgen kann. Die Silbermedaille unterstreicht seine Chancen, auch in Como um den Sieg zu fahren. Bereits 2024 stand er als Dritter auf dem Lombardei-Podium. Entscheidend könnte werden, ob er dort selbst einen Unterschied herausfahren kann oder erneut gemeinsam mit einem starken Gegner ins Finale gelangt.

Lidl–Trek besitzt mit Juan Ayuso und Quinn Simmons weitere Optionen. Simmons wurde im Vorjahr Vierter und zuletzt auch bei Tre Valli Varesine Vierter. Damit ist er insbesondere für ein offensives Rennen zu beachten, in dem eine frühere Attacke die Favoriten unter Zugzwang setzt.

UAE mit zwei Spitzen, Seixas und Pidcock als Herausforderer

Auch ohne Pogačar bleibt UAE Team Emirates-XRG ein ernstzunehmender Konkurrent. Isaac del Toro (UAE Team Emirates-XRG) wurde bei seinem Lombardei-Auftritt im vergangenen Jahr Fünfter. Diesmal eröffnet sich ihm die Möglichkeit, selbst um den Sieg zu fahren. Die vielen Anstiege und insbesondere die steilen Passagen im Finale passen grundsätzlich zu seinen Qualitäten.

An seiner Seite steht Brandon McNulty (UAE Team Emirates-XRG), der erstmals als Straßenweltmeister ein Monument bestreitet. Bei der Coppa Agostoni wurde er zuletzt Zweiter. Mit Jan Christen, Adam Yates, Pavel Sivakov und Felix Großschartner besitzt UAE weitere kletterstarke Fahrer im gemeldeten Aufgebot. Für die Konkurrenz entsteht daraus eine taktische Aufgabe: Ein Angriff McNultys könnte gefährlich werden, während del Toro dahinter zunächst Kräfte spart – oder umgekehrt.

Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) zählt ebenfalls zum engeren Favoritenkreis. Bei seinem Debüt 2025 erreichte er bereits Rang sieben. Für die Vorbereitung auf Il Lombardia verzichtete er auf die Straßen-Europameisterschaft. Der Franzose bringt die Kletterstärke für die entscheidenden Anstiege mit; offen bleibt, wie er sich in einem Finale behauptet, in dem neben der Leistungsfähigkeit auch das Timing stimmen muss.

Tom Pidcock (Pinarello–Q36.5) fährt bislang einen starken Herbst . Sowohl beim Giro dell’Emilia als auch bei Tre Valli Varesine wurde er Zweiter. In Varese leitete er mit seiner Attacke die entscheidende Dreiergruppe ein. Die Verbindung aus steilen Anstiegen und anspruchsvollen Abfahrten macht ihn auch für das Lombardei-Finale interessant. Er kann versuchen, bergauf eine Gruppe zu sprengen, besitzt aber ebenso Möglichkeiten auf den folgenden Abfahrten.

Mit Davide Piganzoli, dem Sieger des Giro dell’Emilia, und Matteo Jorgenson, dem Dritten von Tre Valli Varesine, steht ein weiteres starkes Visma | Lease a Bike-Duo auf der Meldeliste. Piganzolis Sieg in Bologna zeigte, wie wertvoll zwei Fahrer einer Mannschaft in der entscheidenden Gruppe sein können. Diese Konstellation könnte auch in Como eine Rolle spielen.

Zum erweiterten Kreis gehören Oscar Onley (Netcompany Ineos), Michael Storer (Tudor), Enric Mas (Movistar) und Ben Healy (EF Education–EasyPost) sowie Jarno Widar (Lotto Intermarché). Für Alpecin–Premier Tech sind unter anderem Ramses Debruyne und Emiel Verstrynge gemeldet.

Foto: IMAGO / LaPresse

Grafiken: RCS Sport