Mit dem Flèche Wallonne am 22. April 2026 steht das zweite Rennen des Ardennen-Triples auf dem Programm. Zwischen Amstel Gold Race und Lüttich-Bastogne-Lüttich gelegen, führt der belgische Frühjahrsklassiker in diesem Jahr erstmals vom neuen Startort Herstal bei Lüttich zur berüchtigten Mur de Huy. Auf 200 Kilometern und verteilt über 11 Anstiege wartet einmal mehr ein Kurs, der wie gemacht ist für bergfeste Puncheure und explosive Kletterer.
In Abwesenheit des aktuellen Amstel-Gold-Siegers Remco Evenepoel und des Vorjahressiegers Tadej Pogačar könnte sich ein besonders offenes Rennen entwickeln. Sicher ist: Mit Mattias Skjelmose, Paul Seixas, Kévin Vauquelin, Romain Grégoire, Benoît Cosnefroy, Mauro Schmid und Lenny Martinez stehen gleich mehrere erstklassige Fahrer am Start, die sich an der steilen Mur de Huy berechtigte Hoffnungen auf den Sieg machen dürfen.
Die Strecke des Fleche Wallonne 2026

Schon kurz nach dem Start in Herstal beginnt das ständige Auf und Ab, das den Charakter des Flèche Wallonne prägt und sich auf dem Weg nach Huy immer weiter zuspitzt. Die ersten beiden markanten, kategorisierten Anstiege warten bei der 90. Austragung mit der Côte de Trasenster nach 31,4 Kilometern und der Côte des Forges bei Kilometer 40. Danach zieht sich der Parcours südwestlich in Richtung Huy, wo das Rennen nach und nach an Schärfe gewinnt.
Nach gut 100 Kilometern, hinter Pont-de-Bonne, erreichen die Profis schließlich die bekannte Schlussrunde. Spätestens dort nimmt das Rennen seine entscheidende Form an. Mit Côte d’Ereffe, Côte de Cherave und Mur de Huy wartet jenes berüchtigte Trio, das 2026 gleich dreimal absolviert werden muss. Die erste Passage über die Mur de Huy steht bei Kilometer 125,6 an, die zweite bei 162,8 und die dritte genau dort, wo über Sieg und Niederlage entschieden wird: auf dem Zielstrich nach 200 Kilometern.
Drei Mal die Trilogie der Schmerzen
Die Côte d’Ereffe macht den Auftakt zur Trilogie der Schmerzen. Mit 2,1 Kilometern Länge und durchschnittlich fünf Prozent Steigung wirkt sie auf dem Papier noch vergleichsweise harmlos. Ereffe ist nicht extrem steil, aber lang genug, um das Feld weiter zu verkleinern. Doch schon 13 Kilometer später wartet mit der Côte de Cherave die nächste Prüfung. Mit 1,3 Kilometern ist er zwar kürzer, mit durchschnittlich 8,1 Prozent aber deutlich giftiger. Die Cherave ist die giftigere Rampe kurz vor dem Finale und dient als letzte echte Vorselektion. Den brutalen Schlusspunkt setzt schließlich die Mur de Huy. Ihre offiziellen Werte von 1,3 Kilometern Länge und 9,6 Prozent Durchschnittssteigung erzählen nur einen Teil der Wahrheit. Denn ihre wahre Härte lässt sich kaum in Zahlen fassen.
Während die ersten beiden Überquerungen der Mur de Huy noch mit einer gewissen Kontrolle bewältigt werden, wird die letzte Passage zu einem reinen Kampf ums Überleben. Der Anstieg ist extrem unrhythmisch und bestraft jeden Fehler sofort. Zwar liegt die Durchschnittssteigung bei 9,6 Prozent, doch nach einem etwas flacheren Beginn folgt ein 900 Meter langes Inferno mit durchschnittlich 11,6 Prozent und Rampen von bis zu 19 Prozent. Wer hier zu früh zu viel investiert, bezahlt dafür gnadenlos. Deshalb ist neben der Positionierung vor dem Anstieg vor allem das richtige Timing entscheidend, um im alles entscheidenden Moment eskalieren zu können.
Doch die Mur de Huy verlangt nicht nur Explosivität. Sie fordert vor allem Leidensfähigkeit. Oder, wie es im Fahrerjargon heißt: die Fähigkeit, tief zu gehen. Die Lunge brennt, die Beine werden schwer voll, der Geschmack von Blut liegt im Mund. Wer hier gewinnen will, muss diesen Zustand nicht nur ertragen, sondern in Vortrieb transferieren. Wie erbarmungslos dieser Schlussanstieg ist, zeigt sich jedes Jahr im Ziel: Fahrer, die völlig entleert über die Linie kommen und ohne Hilfe kaum noch auf dem Rad bleiben. Die Mur de Huy ist kein gewöhnlicher Schlussanstieg. Sie ist ein schonungsloser Test auf Power, Timing und Schmerzresistenz – und genau das macht den Flèche Wallonne so faszinierend.

Die Anstiege beim Fleche Wallonne 2026
- Côte de Trasenster | 3,3 Kilometer mit 4,9 Prozent | Rennkilometer 31,4
- Côte des Forges | 1,3 Kilometer mit 7,8 Prozent | Rennkilometer 40
- Côte d’Ereffe | 2,1 Kilometer mit 5 Prozent | Rennkilometer 107,2
- Côte de Cherave | 1,3 Kilometer mit 8,1 Prozent | Rennkilometer 120
- Mur de Huy | 1,3 Kilometer mit 9,6 Prozent | Rennkilometer 125,6
- Côte d’Ereffe | 2,1 Kilometer mit 5 Prozent | Rennkilometer 144,4
- Côte de Cherave | 1,3 Kilometer mit 8,1 Prozent | Rennkilometer 157,2
- Mur de Huy | 1,3 Kilometer mit 9,6 Prozent | Rennkilometer 162,8
- Côte d’Ereffe | 2,1 Kilometer mit 5 Prozent | Rennkilometer 181,6
- Côte de Cherave | 1,3 Kilometer mit 8,1 Prozent | Rennkilometer 194,4
- Mur de Huy | 1,3 Kilometer mit 9,6 Prozent | Rennkilometer 200,0
Die Favoriten beim Fleche Wallonne 2026
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Foto: Photonews.be
