Straßenrennen Frauen Elite | 26. September 2026 | Brossard – Montréal | 180,4 km | 2.570 Hm
180,4 Kilometer, 2.570 Höhenmeter und acht Runden über den Mont Royal: Das Straßenrennen der Frauen gehört zu den großen Höhepunkten der Rad-Weltmeisterschaften 2026 in Montréal. Der Parcours verbindet eine zunächst vergleichsweise einfache Anfahrt durch die Montérégie mit einem schweren Finale im Herzen der kanadischen Metropole. Auf dem 13,4 Kilometer langen Schlusskurs warten Runde für Runde die Voie Camillien-Houde, der Chemin de Polytechnique und die kurze Rampe der Avenue Pagnuelo. Selbst die Zielgerade auf der Avenue du Parc steigt noch einmal an.
52 Jahre nach der ersten Straßen-WM in Montréal kehren die Frauen damit an einen geschichtsträchtigen Ort zurück. 1974 gewann die Französin Geneviève Gambillon auf dem Mont-Royal-Kurs ihren zweiten Weltmeistertitel. Auch später war Montréal über Jahre Schauplatz eines hochklassigen Frauen-Weltcuprennens. Die Kombination aus kurzen Anstiegen und permanenten Tempowechseln hat sich dabei immer wieder als Terrain für Kletterinnen mit Klassikerqualitäten erwiesen.
2026 ist Demi Vollering die Frau, die es zu schlagen gilt. Ihre größten Konkurrentinnen sind in erster Linie Elisa Longo Borghini, Katarzyna Niewiadoma-Phinney, Lotte Kopecky und die alte sowie neue Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser. Titelverteidigerin Magdeleine Vallières Mill bekommt die seltene Gelegenheit, das Regenbogentrikot vor heimischem Publikum zu verteidigen.
Die Strecke des Straßenrennens der Frauen bei den Rad-Weltmeisterschaften 2026

Der Start erfolgt am Samstagmorgen im Quartier DIX30 in Brossard, südlich des Sankt-Lorenz-Stroms. Die Frauen fahren zunächst eine 72,7 Kilometer lange große Runde durch die Montérégie, bevor sie Montréal und den finalen Rundkurs am Mont Royal erreichen.
Der erste Rennabschnitt führt durch Brossard, Carignan, Chambly und Richelieu. Topografisch ist diese Phase deutlich flacher als das spätere Finale. Breite Straßen und überwiegend flaches Terrain prägen die Fahrt durch die Montérégie. Über den Pont Samuel-De Champlain überquert das Feld anschließend den Sankt-Lorenz-Strom und erreicht Montréal.
Danach verändert sich der Charakter des Rennens grundlegend. Statt langer flacher Abschnitte wartet nun der 13,4 Kilometer lange Mont-Royal-Kurs mit 269 Höhenmetern pro Runde, den die Frauen acht Mal absolvieren.
Scharfrichter Voie Camillien-Houde
Die wichtigste Schwierigkeit folgt jeweils unmittelbar nach der Zielpassage: die Voie Camillien-Houde. Bei der ursprünglichen offiziellen Streckenpräsentation wurde die komplette Auffahrt mit 2,3 Kilometern und durchschnittlich 6,2 Prozent angegeben. Für den entscheidenden steileren Abschnitt werden rund 1,8 Kilometer mit acht Prozent angegeben. Damit ist Camillien-Houde lang genug, um das Feld zu dezimieren, aber kurz genug für aggressive Tempoverschärfungen.
Nach dem Gipfel folgt eine kurze Abfahrt mit mehreren Kurven, ehe bereits die nächste Schwierigkeit wartet. Der Chemin de Polytechnique ist rund 780 Meter lang und steigt durchschnittlich mit sechs Prozent an. Besonders unangenehm ist ein etwa 200 Meter langer Abschnitt mit rund elf Prozent. Wer auf Camillien-Houde gerade noch den Anschluss gehalten hat, bekommt damit kaum Gelegenheit zur Erholung.
Danach geht es erneut bergab, ehe mit der Avenue Pagnuelo die dritte Rampe jeder Runde folgt. Sie misst etwa 535 Meter bei durchschnittlich 7,5 Prozent. Der Gipfel liegt weniger als drei Kilometer vor der Ziellinie. Damit kann auch diese kurze Steigung im Finale entscheidend werden: entweder als Sprungbrett für einen späten Angriff oder als letzte Möglichkeit, schnelle Konkurrentinnen abzuhängen.
Nach Pagnuelo führt die Strecke über die Rue Saint-Urbain zurück Richtung Avenue du Parc. Komplett ausruhen können sich die Fahrerinnen auch hier nicht. Die letzten 600 Meter steigen mit durchschnittlich rund vier Prozent an.

Favoritinnenencheck: Straßenrennen der Frauen bei den Rad-Weltmeisterschaften 2026
Demi Vollering (Niederlande) zählt zu den Favoritinnen auf den Titel, der ihr in ihrer Sammlung noch fehlt. Der Mont-Royal-Kurs passt dabei nahezu ideal zu ihren Fähigkeiten: Camillien-Houde ist lang genug, um ihre Kletterstärke auszuspielen, gleichzeitig besitzt sie die Explosivität für Polytechnique und Pagnuelo. Mit Puck Pieterse, Riejanne Markus, Lieke Nooijen, Karlijn Swinkels und Femke de Vries besitzt Oranje dennoch genügend Qualität, um das Finale offensiv zu gestalten. Pieterse ist dabei selbst eine interessante zweite Option, sollte sich eine andere Rennsituation ergeben.
Die wahrscheinlich gefährlichste Gegnerin ist Elisa Longo Borghini (Italien). Die Italienerin kommt in sehr guter Form in das Straßenrennen. Am Sonntag wurde sie Vierte im WM-Zeitfahren, nur zwei Tage später führte sie das italienische Frauen-Trio zum Sieg im Mixed Relay.
Auch mit Katarzyna Niewiadoma-Phinney (Polen) muss auf diesem Parcours gerechnet werden. Montréal bietet Niewiadoma genau jene Art von Gelände, auf der sie besonders gefährlich ist. Mit Dominika Włodarczyk besitzt die Mannschaft zudem eine zweite starke Option.
Ein großes Fragezeichen steht hinter Lotte Kopecky (Belgien). Die Weltmeisterin von 2023 und 2024 wird von der belgischen Mannschaft klar als Kapitänin unterstützt. Kopecky liegt ein Kurs mit kurzen, steilen Belastungen und einem ansteigenden Sprint grundsätzlich gut, allerdings sind die 2.570 Höhenmeter und vor allem die acht Camillien-Houde-Auffahrten härter als ein klassischer Kurs für Puncheurinnen. Ihr sechster Platz im Einzelzeitfahren am Sonntag war ein positives Signal.
Marlen Reusser (Schweiz), Kimberley Le Court de Billot (Mauritius), Paula Blasi (Spanien) und Niamh Fisher-Black (Neuseeland) dürfen nicht vergessen werden.
TV-Tipp: Straßenrennen der Frauen bei der Rad-WM 2025 im Fernsehen
Am 26. September ab 15:00 Uhr überträgt Eurosport 1 das WM-Rennen live im Free-TV.
Fotos: IMAGO / Belga
