Das Team AlpecinPremier Tech geht mit der klaren Mission n den Giro d’Italia 2026: Etappensiege. Die belgische Mannschaft ist auf Tageserfolge ausgerichtet – mit einem klaren Schwerpunkt auf den Sprintankünften, aber auch mit Möglichkeiten auf hügeligeren Etappen.
Im Zentrum dieser Strategie steht Kaden Groves. Der Australier ist der Mann im Teams für die schnellen Finals. Er bringt Grand-Tour-Erfahrung mit, hat bereits Etappen bei allen drei großen Landesrundfahrten gewonnen und gehört bei den Sprintankünften zu den Fahrern, mit denen zu rechnen ist. Für Alpecin-Premier Tech ist Groves damit der Kapitän.
Sportdirektor Gianni Meersman formuliert die Zielsetzung entsprechend deutlich. Wir kommen mit einem klaren Ziel hierher: Etappensiege“, sagt Meersman. „Und es ist kein Geheimnis, dass Kaden unsere beste Waffe dafür ist. Er hat bereits Etappen bei allen drei Grand Tours gewonnen und bringt viel Erfahrung mit. Er ist also unser Trumpf.“
Sprintzug für Kaden Groves
Damit Groves in den hektischen Finals des Giro in Position gebracht werden kann, setzt Alpecin-Premier Tech auf einen klar strukturierten Sprintzug. Meersman beschreibt die Rollenverteilung deshalb sehr präzise: „Im Sprint-Team sind die Rollen klar definiert. Edward Planckaert wird Groves‘ letzter Anfahrer sein, während Jonas Geens und Jensen Plowright im Vorfeld eine Schlüsselrolle spielen. Auf den letzten Kilometern vor dem Sprint werden Johan Price-Pejtersen und Tobias Bayer entscheidend für die Positionierung des Teams sein“, so Meersman.
Damit setzt Alpecin-Premier Tech auf eine Mischung aus Erfahrung, Physis und taktischer Ordnung.
Busatto und Vergallito als Optionen für hügelige Etappen
Der Giro-Kader ist jedoch nicht ausschließlich auf die Sprintankünfte ausgerichtet. Die beiden Italiener Francesco Busatto und Luca Vergallito sollen auf den anspruchsvolleren hügeligen Tagesabschnitten ihre Chancen suchen. Für beide bietet der Giro eine besondere Bühne – und für Alpecin-Premier Tech eine zusätzliche taktische Option.
Gerade auf Etappen, die für die reinen Sprinter zu schwer und für die Gesamtklassementfahrer noch nicht selektiv genug sind, können frühe Ausreißergruppen eine Rolle spielen. Dort könnten Busatto und Vergallito wertvoll werden. Sie geben dem Team die Möglichkeit, auch an Tagen präsent zu sein, an denen ein Massensprint unwahrscheinlich ist.
„Unsere italienischen Fahrer Francesco Busatto und Luca Vergallito werden sich verstärkt auf die hügeligeren Etappen konzentrieren und nach Chancen bei frühen Ausreißversuchen suchen.“
Für Alpecin-Premier Tech ergibt sich damit eine klare Arbeitsteilung: Groves ist der Mann für die flachen und sprinterfreundlichen Tage. Sein Zug ist auf Kontrolle, Positionierung und finale Geschwindigkeit ausgelegt. Busatto und Vergallito erhalten dagegen Freiheiten, wenn das Rennen offener wird und Ausreißergruppen größere Chancen bekommen.
Groves kehrt nach schwierigem Frühjahr zurück
Für Kaden Groves selbst ist der Giro d’Italia 2026 mehr als nur die nächste Grand Tour. Er ist auch ein Neustart nach einem Frühjahr, das anders verlief als geplant. Ein Sturz beim Omloop Het Nieuwsblad warf den Australier früh aus dem Rhythmus. Zwar konnte Groves das Rennen noch beenden, doch die Folgen machten sich danach bemerkbar.
„Es begann mit einer Kniescheibenprellung beim Omloop, die sich dann zu einer Reibungsverletzung entwickelte“, erklärt Groves. „Gemeinsam mit dem Ärzteteam des Teams entschieden wir uns für eine Pause und verzichteten auf die Klassiker. Es war nicht optimal, aber die richtige Entscheidung.“
Wichtig war für Groves vor allem die Einordnung der Verletzung. Sie stand in keinem Zusammenhang mit seinen früheren Knieproblemen stand. „Sie entstand ausschließlich durch den Aufprall beim Sturz. Es handelt sich nicht um eine Überlastungsverletzung oder etwas Wiederkehrendes, was uns zuversichtlich auf die Genesung stimmte.“ Anstatt im Frühjahr auf die Rückkehr zur Bestform zu setzen, konzentrierten sich Groves und das Team frühzeitig auf ein Comeback beim Giro. Die vergangenen Wochen standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus
Statt im Frühjahr der Form hinterherzufahren, verschob Alpecin-Premier Tech den Fokus frühzeitig auf den Giro. Die vergangenen Wochen standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. Groves trainierte mit dem Team in der Höhe, arbeitete an seiner Belastbarkeit und bereitete sich gezielt auf den Start in Bulgarien vor.
„Ich habe mit dem Team in der Höhe trainiert und bin in guter Verfassung hier in Bulgarien angekommen. Ich fühle mich gut, bin bereit loszulegen und habe ein starkes Team um mich herum.“
Kein vorsichtiges Herantasten
Trotz der unterbrochenen Vorbereitung will Groves beim Giro nicht erst langsam in das Rennen hineinfinden. Schon die Auftaktetappe gilt aus Sicht von Alpecin-Premier Tech als mögliche Sprintchance. Entsprechend offensiv ist seine Haltung.
„Wir sehen bereits die erste Etappe als Möglichkeit für einen Massensprint. Also gehen wir direkt darauf“, sagt Groves.
Das ist eine bemerkenswerte Ansage, denn nach einer längeren Rennpause ist der Rhythmus oft die große Unbekannte. Training kann vieles simulieren, aber nicht alles. Die Nervosität eines Grand-Tour-Auftakts, der Kampf um Positionen, die Unruhe im Feld, das Timing im Finale – all das lässt sich nur im Rennen selbst wirklich testen.
Auch Meersman sieht darin den einzigen kleinen Unsicherheitsfaktor. „Wir müssen abwarten, wie Kaden auf die Rennpause reagiert. Der fehlende Rennrhythmus kann immer ein Faktor sein“, sagt Meersman. „Gleichzeitig wissen wir aber aus Erfahrung, dass dies kein großes Problem darstellen muss. Kaden ist ein Fahrer, der sich bei einer Grand Tour weiterentwickeln und im Laufe des Rennens steigern kann.“

Starke Konkurrenz in den Sprints
Die Sprintankünfte beim Giro 2026 dürften allerdings hart umkämpft sein. Groves trifft auf ein stark besetztes Feld schneller Männer. Besonders Jonathan Milan sieht der Australier als Maßstab.
„Ich denke, Jonathan Milan ist der Topfavorit auf die beiden Flach-Etappen in Bulgariem und das Ciclamino-Trikot“, sagt Groves. „Er bsitzt viel Erfahrung. Aber mit Fahrern wie Magnier, Andresen, De Lie und einigen anderen, mich eingeschlossen, wird es ein wirklich starkes Sprintfeld geben.“
Groves selbst scheut diesen Vergleich nicht. Im Gegenteil. „In den Sprints ist mit hohem Niveau zu rechnen. Genau das macht es so spannend.“ Um diese chaotischen Schlussphasen zu meistern, setzt Groves auf einen ausgewogenen Anfahrerzug, der Erfahrung und Jugend vereint. „Edward Planckaert, Jensen Plowright und Jonas Geens werden mich in den Sprints unterstützen. Das ist eine gute Mischung, und die Erfahrung der Fahrer macht einen großen Unterschied.“ Diese Struktur ist entscheidend in einem Rennen, in dem die Positionierung oft alles entscheidet. Genau hier will das Alpecin Premier-Tech-Lead-Outden Unterschied machen.
Erst der Etappensieg, dann das Ciclamino-Trikot?
Auch die Punktewertung könnte für Groves theoretisch ein Ziel sein. Das Maglia Ciclamino zählt zu den prestigeträchtigsten Sonderwertungen der Italien-Rundfahrt. Doch Groves bleibt in seiner Zielsetzung vorsichtig und pragmatisch.
„Um das Ciclamino-Trikot zu gewinnen, muss man drei Wochen lang konstant Zwischensprints angreifen. Ein Etappensieg hat aber oberste Priorität. Danach geht es weiter. Ob es nun weitere Sprintetappen für mich sind oder Chancen für das Team aus Ausreißergruppen – wir wollen erfolgreich sein“, sagt Groves.
Diese Reihenfolge ist nachvollziehbar. Ein früher Etappensieg würde Druck von Groves und dem gesamten Team nehmen. Er würde die Strategie öffnen und dem Team mehr Freiheit geben. Ohne frühen Erfolg kann die Jagd nach Punkten dagegen schnell zur Belastung werden, weil sie Kräfte kostet und taktische Verpflichtungen schafft.
Zudem steht im weiteren Saisonverlauf voraussichtlich auch die Tour de France auf dem Programm. Einige Sprinter könnten den Giro deshalb nicht bis zum Ende fahren, sondern vorzeitig aussteigen, um Energie für den Sommer zu sparen. Groves selbst will den Blick aber nicht zu weit nach vorn richten.
„Nach dem Giro fahre ich normalerweise zur Tour. Aber zuerst konzentrieren wir uns vollständig auf dieses Rennen.“
Die Fahrer des Team Alpecin Premier-Tech beim Giro d’Italia 2026
Kaden Groves | Australien | 27 Jahre
Tobias Bayer | Österreich | 26 Jahre
Francesco Busatto | Italien | 23 Jahre
Jonas Geens | Belgien | 27 Jahre
Edward Planckaert | Belgien | 31 Jahre
Jensen Plowright | Australien | 25 Jahre
Johan Price-Pejtersen | Dänemark | 26 Jahre
Luca Vergallito | Italien | 28 Jahre
Fotos: Photonews.be
