Start Profi-Sport Interview mit Mathieu van der Poel zu den Cyclocross-Weltmeisterschaften 2026

Interview mit Mathieu van der Poel zu den Cyclocross-Weltmeisterschaften 2026

Übersicht

Nur noch wenige Tage bis zu den Cyclocross-Weltmeisterschaften in Hulst. Top-Favorit Mathieu van der Poel geht mit einer vertrauten Mischung aus Realismus, ruhiger Zuversicht und Respekt vor der Unberechenbarkeit einer Weltmeisterschaft an den Start.

Trotz eines starken Winters und jüngster Dominanz bemüht sich der Fahrer des Teams Alpecin-Premier Tech, die Erwartungen zu dämpfen. „Wenn es nur so einfach wäre“, sagt van der Poel. „Ich fahre sicherlich nicht mit dem Gefühl nach Hulst, dass es schon geschafft ist. Bei einer Weltmeisterschaft kann alles passieren: mechanische Probleme, ein schlechter Tag, eine gerissene Kette… Ich habe das schon erlebt, dass ich als Favorit angetreten bin und es dann nicht geklappt hat. Es sieht gut aus, aber das Rennen muss noch gefahren werden.“

Formkurve zeigt nach oben

Die letzten Rennen, darunter Hoogerheide, machen Mut. Van der Poel warnt jedoch vor vorschnellen Schlüssen. „Hoogerheide vermittelte ein etwas verzerrtes Bild, da sich die Verfolger gegenseitig sehr genau beobachteten“, erklärt er. „Aber ich persönlich habe mich sehr gut gefühlt. Den Schritt, den ich in Spanien in den ersten drei Januarwochen dieses Jahres machen wollte, habe ich gemacht. Ich fühle mich anders als noch vor meiner Abreise. Genauso, wie wir es für diesen Winter geplant hatten. Aber noch einmal: Alles muss am Sonntag zusammenkommen“, sagt der in dieser Saison noch ungeschlagene Profi aus dem Team Alpecin-Premier-Tech

Rekordjagd: Weltmeistertitel Nummer acht würde Geschichte schreiben

Mit einem achten WM-Titel würde van der Poel allein an der Spitze der Cyclocross-Geschichte stehen und den Rekord von Erik De Vlaeminck (sieben Titel) übertreffen. Die Tragweite ist ihm bewusst – dennoch will er sie nicht zur mentalen Last machen. „Ich versuche, mich nicht zu sehr darauf zu fokussieren“, sagt er. „Aber mir ist klar, dass es etwas Einzigartiges wäre. Ich glaube, alle dachten, dass der Rekord von sieben Titeln niemals gebrochen werden würde.“

Auch die Zahlen selbst sind für ihn eher Ergebnis als Antrieb. „Ich sehe sie hauptsächlich als Folge meiner Ergebnisse. Es ist nicht so, dass ich selbst die Zahlen im Auge behalte. Aber es ist schön, dass Journalisten das für mich tun“, lächelt er. „Je älter ich werde, desto mehr denke ich darüber nach. Als ich angefangen habe, hätte ich das nie erwartet. Niemand hätte das erwartet, glaube ich.“

Mentale Stärke als Faktor: „Ich werde nicht mehr so schnell nervös“

Van der Poel spürt, wie sehr ihn die Jahre an der Spitze verändert haben – körperlich wie mental. „Die größte Veränderung ist, dass ich mit zunehmendem Alter mehr Training bewältigen kann und mental stärker geworden bin“, erklärt er. „Das wurde in Maasmechelen wieder deutlich. Früher hätte ich mich wegen Reifenpannen gestresst. Das ist jetzt komplett vorbei. Ich werde nicht mehr so schnell nervös.“

Zukunft im Cyclocross lässt van der Poel weiter offen

Dass er über seine Zukunft im Cyclocross nachdenkt, ist kein Geheimnis. Nur eine Entscheidung will er nicht erzwingen. „Ich habe darüber nachgedacht und darüber gesprochen, aber ich habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen“, sagt er. „Und ich werde diese Entscheidung auch nicht unmittelbar nach den Weltmeisterschaften treffen.“

Motivation auf Cyclocross ungebrochen – Fokus auf Sonntag

An seiner Lust am Cross lässt van der Poel keinen Zweifel, auch wenn er die Perspektiven nüchtern abwägt. „Ich habe immer noch große Freude am Cyclocross“, betont van der Poel. „Aber von Zeit zu Zeit muss man auch andere Optionen in Betracht ziehen. Irgendwann kommt immer das Ende, und ich habe immer gehofft, auf dem Höhepunkt aufzuhören. Wenn man diese Wahl hat, fällt die Entscheidung etwas leichter.“

Der unmittelbare Fokus ist dennoch klar – und der Anspruch ebenso. „Ich bin jetzt so nah dran“, gibt er zu. „Der achte Titel bleibt das Ziel, egal was passiert. Wenn ich ihn am Sonntag nicht hole? Dann mache ich auf jeden Fall weiter!“

Mathieu van der Poel über die WM-Strecke in Hulst: Brücken, Pontons – und womöglich Regen

Die Strecke in Hulst hat van der Poel noch nicht im Detail inspiziert, aber die Vorzeichen klingen nach einer anspruchsvollen WM. „Ich habe gehört, dass es zusätzliche Brücken und Pontons über dem Wasser geben wird und dass es etwas schwieriger geworden ist“, sagt er. „Außerdem ist Regen vorhergesagt. Hoffentlich wird es eine harte Austragung. Ich werde mir die Strecke wahrscheinlich später in der Woche ansehen.“

Blick aus Rivalensicht: Glaube an die Chance

Zum Schluss dreht van der Poel die Perspektive um: Was würde er tun, um als Rivale ihn zu schlagen? Seine Antwort ist ebenso knapp wie programmatisch. „Ich würde immer an meine Chancen glauben“, sagte er. „Ich kann Teile dessen nachvollziehen, was andere durchmachen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, Pogacar auf dem Oude Kwaremont nicht folgen zu können. Das habe ich selbst erlebt… Für mich ist das eine Motivation. Es bringt mich dazu, noch härter zu arbeiten.“

Fotos: Fellusch