Das Finale des Cyclocross-Weltcups findet am 25. Januar 2026 in Hoogerheide statt. Der GP Adrie van der Poel – so der Name der Rennstrecke – ist der letzte von insgesamt zwölf Läufen in diesem Wettbewerb. Das Rennen an der niederländisch-belgischen Grenze war in den vergangenen zwei Jahrzehnten regelmäßig Weltcup-Station und mehrfach Schauplatz der Weltmeisterschaften – zuletzt 2023.
Was Wimbledon für Tennisspieler und Old Trafford für Fußballspieler ist, das ist Hoogerheide für Cyclocrosser: heiliger Boden. Mathieu van der Poels Vater Adrie ist nicht nur Namensgeber, sondern auch Streckendesigner. Und der Sohn zeigt wie kaum ein anderer Profi, wie gut er auf dieser Rennstrecke ist. Sieben Mal gewann Mathieu van der Poel hier ein Weltcup-Rennen und 2023 die Weltmeisterschaft. Cyclocross-Experte Jens Schwedler erklärt, was den Kurs ausmacht und auf wen neben den Seriensieger:innen Mathieu van der Poel und Lucinda Brand zu achten ist.
Die Strecke des Cyclocross-Weltcups in Hoogerheide 2026
„Der Kurs in Hoogerheide bildet einen klaren Kontrast zum Rennen des Vortags in Massmechelen. In Hoogerheide können di Profis sehr flüssig fahren enen hoher Rhythmus beibehalten. Der Kurs besitzt eher Rundstrecken-Charakter. Lange Fahrpassagen, die bekannte Treppe sowie bergige Anstiege prägen den Kurs“, erklärt Jens Schwedler
„Hier kann man – zugespitzt formuliert – „mit Rollen fahren“: Effizienz, konstantes Tempo und Rhythmusgefühl sind entscheidend. Allerdings: Wer in Maasmechelen viel investieren musste, könnte hier Nachteile haben“; so Schwedler weiter.
Der GP Adrie van der Poel in Hoogerheide ist ein Kurs mit unverwechselbarer Handschrift. Die Runde misst gut drei Kilometer und verläuft überwiegend über Gras- und Waldboden – lange Sandpassagen sucht man vergeblich. Stattdessen prägt der „Brabantse Wal“ das Profil: eine Hügelkette, deren Anstiege und Kanten über die Runde verteilt immer wieder Körner kosten und ideale Möglichkeiten für Attacken bieten.

Optisch markant sind zwei Passagen: die 180-Grad-Kurve um den 12-Apostel-Baum und der „Stairway to Heaven“ – eine sehr hohe, steile, weithin sichtbare Treppe. Beide Spots sind Publikumsmagneten und häufige Fotomotive; beide können Rennverläufe scharf stellen, sei es durch Rhythmusbrüche oder Positionierungskämpfe vor dem Anlauf.
So verläuft die Runde
Traditioneller Start auf der langen Geraden, dann über die Brücke, an der Boxengasse vorbei zunächst bergauf. Es folgt der Übergang in den Wald und der erste Pass am 12-Apostel-Baum, ehe eine Schleife über die Hochwiese und ein schneller Waldweg ansteht. Nach dem Waldausgang führen zwei Wiesenschleifen zurück auf die Hochwiese. Kurze Laufpassagen und Hürden verlangen Tempowechsel, bevor eine schnelle Abfahrt ins Onderstal die Beine kurz entlastet – nur um gleich darauf den Uilenberg anzubieten. Dann geht es auf dem gepflasterten Weg bis zum Gipfel und direkt zur Treppe. Nach dem „Stairway to Heaven“ beschleunigen die Profis auf der Abfahrt in den Scheldeweg; anschließend passieren die Fahrerinnen und Fahrer Start und wenig später die Ziellinie.
Bleibt es trocken, entwickeln die Gras- und Waldabschnitte hohes Rolltempo – ideal für kraftvolle Techniker, die aus jeder Kurve explosiv beschleunigen. Weicht Regen den Untergrund auf, kippt das Profil in Richtung „Motorenkurs“: Linienwahl und Vortrieb zählen mehr als feines Handling, die starken Diesel profitieren auf den Anstiegen des Brabantse Wal.
Favorit:innen für den Cyclocross-Weltcup in Hoogerheide 2026
Da Ceylin del Carmen Alvarado Hoogerheide auslässt, um vor den Weltmeisterschaften in Hulst einen Tag mehr Zeit zu haben, könnte es zu einem Duell zwischen Puck Pieterse und Lucinda Brand kommen. „Aufgrund des Rundstrecken-Charakters kommt der Kurs in Hoogerheide Puck vielleicht sogar noch ein bisschen mehr entgegen als der in Massemechelen”, sagt Jens Schwedler. Für einen Platz auf dem Podium kommt Inge van der Heijden infrage. „Sie ist stark bei langen Belastungen und Rhythmuswechseln”, so der Experte Gespannt darf man auch auf Fahrerinnen wie Zoe Backstedt und Kata Blanka Vas sein. „Bei ihnen entscheidet die Tagesform über eine gute Platzierung”, sagt Schwedler.
Für Mathieu van der Poel ist das Rennen in Hoogerheide ein Heimspiel. Im vergangenen Jahr entschied er den Wettkampf gleich in der ersten Runde für sich. Die Frage ist, wie lange er am Sonntag braucht, um sich abzusetzen und als Solist dem Ziel entgegenzufahren. Im Duell um Platz zwei könnten neben Thibau Nys und Tibor del Grosso in Hoogerheide auch Joris Nieuwenhuis eingreifen. „Er profitiert deutlich vom flüssigen Charakter, den langen Belastungsphasen und dem hohen Grundtempo”, erklärt Jens Schwedler. Gleiches gelte auch für Emiel Verstrynge, der seine Cyclocross-Saison aber bereits nach den belgischen Meisterschaften vor knapp zwei Wochen beendet hat und sich jetzt auf die Straßensaison vorbereitet.

Video-Highlights des Cyclocross-Weltcups in Hoogerheide in der Saison 2024-2025
TV-Tipp: Cyclocross-Weltcup in Hoogerheide 2026 live auf Discovery Plus
Der Streamingdienst Discovery Plus überträgt die Rennen in Hoogerheide am 25. Januar live. Ab 13:30 Uhr wird das Frauenrennen übertragen. Im Anschluss daran wird ab 15:00 Uhr das Rennen der Männer übertragen.
Unser Cyclocross-Experte: Jens Schwedler

Jens Schwedler ist ein ehemaliger deutscher Cyclocross- und Mountainbike-Profi. Im Cyclocross wurde er mehrfach Deutscher Meister (u. a. 2002 und 2005). Im Mountainbike erreichte er internationale Top-Resultate, darunter Platz 14 bei der WM 1996.
Heute ist der 57 Jahre alte Hamburger im Cyclocross als Trainer und sportlicher Leiter aktiv und hat sich speziell der Förderung der Kinder und Jugendlichen zum verschrieben. Daneben fährt er, wenn es die Zeit zulässt, Masters-Rennen. Überaus erfolgreich, was seine WM-Titel dort beweisen.
Zu Mathieu van der Poel hat er eine besondere Verbindung. Zum einen war dessen Vater Adrie Schwedlers Konkurrent in den Cyclocross-Rennen. Zum anderen begleitete Jens die Karriere von Mathieu von Beginn an mit, da der Niederländer lange auf der Radmarke Stevens, Schwedlers Arbeitgeber, unterwegs war.
Fotos: Kathrin Schafbauer
