Der Cyclocross-Weltcup endet am kommenden Wochenende mit dem „Doppel“ aus den Rennen in Maasmechelen am 24. Januar und in Hoogerheide am 25. Januar. Den Auftakt macht das Rennen im belgischen Limburg, nur wenige Kilometer von Maastricht entfernt. Als Gelände für den Cross-Parcours dient die ehemalige Zeche Eisden am Rande des Nationalparks Hoge Kempen. Zwischen alten Fördertürmen, künstlichen Hügeln und dem Forschungscampus der Universität Hasselt „brettern” die Profis über einen Kurs, der technisch viel verlangt, aber bei nicht zu matschigen Verhältnissen flüssig zu fahren ist. Cyclocross-Experte und Ex-Profi Jens Schwedler analysiert in seiner Rennvorschau auf Alpecin Cycling den Parcours und nimmt einen Favoriten-Check vor.
Die Strecke des Cyclocross-Weltcups in Maasmechelen 2026
Der Parcours in Maasmechelen ist erst zum dritten Mal Schauplatz eines Cyclocross-Weltcups – und hat sich in kürzester Zeit einen eigenen Charakter erarbeitet. Die Rundenlänge liegt um etwa drei Kilometer. Anders als bei Klassikern wie Gavere oder Namur kommen die Fahrer:innen zwar nicht auf extreme Höhenmeter, dafür gibt es kaum echte Erholungsabschnitte. Der Kurs fährt sich wie eine Serie aus intensivem Intervallblöcken.
„Die Strecke in Maasmechelen ist klar kraftbetont und unrhythmisch. Viele kurze, harte Antritte, enge Linien und Passagen mit wiederholtem Neuaufbau der Geschwindigkeit. Technisch anspruchsvoll, aber vor allem ein Kurs, der Substanz kostet“, erklärt Jens Schwedler.
Visuelle Höhepunkt sind die Passage durch den alten Förderturm sowie die Fahrt entlang der Spiegelfassade des Ecotrons. Sportlich charakteristisch prägen vor allem die Naturwälle das Profil. Im Wald- und Haldenbereich reihen sich mehrere kurze, steile Anstiege aneinander. Oft geht es aus einer Kurve direkt in die Wand, teilweise mit leichtem Schräganlauf. Wer hier am Limit bremst, verliert Schwung – wer sauber durchfährt, kann jede Kuppe zum Angriff nutzen Sie verlangen den Fahrer:innen nicht nur jede Menge Power ab, sondern auch saubere Fahrtechnik. An manchen Hängen müssen sie quer zur Falllinie traversieren, an anderen stellen sie sich mit Vollgas einer Gras- und Schlammwand entgegen – immer mit der Frage im Kopf, ob sie es bis ganz nach oben schaffen oder im exakt richtigen Moment aus dem Sattel springen und das Rad schultern müssen.
Anspruchsvoller Parcours im ehemaligen Zechengelände
Durch die kompakte Streckenführung hat Maasmechelen fast Stadioncharakter: Die Fans sehen das Feld in kurzen Abständen immer wieder vorbeikommen. Ikonisch ist die Passage entlang der Spiegelfassade des Ecotron, wo die Fahrer:innen über eine leicht profilierte Linie mit wechselndem Grip geführt werden – eine optisch beeindruckende, fahrtechnisch heikle Sektion, in der sich kleinste Ungenauigkeiten sofort rächen.
Die Witterungs- beziehungsweise Bodenverhältnisse können den Charakter des Rennens maßgeblich beeinflussen. Ende Januar ist in Ostbelgien alles möglich: von hart gefrorenem Boden über Nieselregen bis hin zu schweren, matschigen Bedingungen. Wird es nass, legt sich eine glitschige Schicht auf den steinigen Untergrund, sodass die sonst eher „rollenden” Passagen plötzlich zu Rutschpartien werden können.
„Erschwerend hinzu kommt noch, dass die Reifen auf der Strecke sehr anfällig für Platten sind. Gerade bei Matsch werden dann spitze Steine freigefahren. Zwar wird hier und da ein wenig Sand aufgetragen, das hilft aber nur minimal. Das Ganze bemängeln die Rennfahrer jedes Jahr aufs Neue“ erklärt Schwedler.

Video-Highlights des Cyclocross-Weltcups in Maasmechelen in der Saison 2024-2025
Favorit:innen für den Cyclocross-Weltcup in Maasmechelen 2026
„Da nahezu alle Topfahrer und -fahrerinnen aus südlichen Trainingslagern anreisen, ist mit unterschiedlicher Frische zu rechnen. Das Rennen dürfte früh selektiv werden und sich über Grundhärte und Ermüdungsresistenz entscheiden“, sagt Jens Schwedler.
Frauen: Dreikampf zwischen Brand, Alavarado und Pieterse
Betrachtet man die Ergebnisse der vergangenen Rennen, könnte es in Maasmechelen bei den Frauen zu einem Dreikampf zwischen den Niederländerinnen Lucinda Brand, Puck Pieterse und Ceylin del Carmen Alvarado kommen. „Lucinda Brand fährt extrem konstant und ist sehr stark bei hohem Grundtempo”, analysiert Jens Schwedler. „Ceylin del Carmen Alvarado fährt technisch sauber und ist sehr effizient auf flüssigen Strecken”, erklärt Schwedler. „Puck Pieterse wiederum profitiert maximal von einem schnellen, rhythmischen Kurs mit Rundstrecken-Charakter.“
Männer: Mathieu van der Poel ist die Referenz
Mathieu van der Poel ist nach wie vor der Mann, den es zu schlagen gilt. Und das scheint derzeit unmöglich. „Mathieu ist die Referenz auf allen Streckentypen”, erklärt Jens Schwedler. Dahinter machen zwei junge Fahrer von sich reden. „Thibau Nys fährt konstant, ist taktisch stark und besonders effektiv auf schnellen Kursen”, charakterisiert Schwedler den Belgier. „Tibor del Grosso ist aktuell sehr stabil und profitiert von seinem hohen Grundtempo”, so die Einschätzung des Cyclocross-Experten zum U23-Weltmeister von 2025.
„Trotz seiner Podiumsplatzierung in Benidorm sehe ich Felipe Orts für diese Strecke als weniger stark, insbesondere bei hohem, gleichmäßigem Tempo”, so Schwedler.
TV-Tipp: Cyclocross-Weltcup in Maasmechelen 2026 live auf Discovery Plus
Der Streamingdienst Discovery Plus überträgt die Rennen in Maasmechelen am 24. Januar live. Ab 13:30 Uhr wird das Frauenrennen übertragen. Im Anschluss daran wird ab 15:00 Uhr das Rennen der Männer übertragen.
Unser Cyclocross-Experte: Jens Schwedler

Jens Schwedler ist ein ehemaliger deutscher Cyclocross- und Mountainbike-Profi. Im Cyclocross wurde er mehrfach Deutscher Meister (u. a. 2002 und 2005). Im Mountainbike erreichte er internationale Top-Resultate, darunter Platz 14 bei der WM 1996.
Heute ist der 57 Jahre alte Hamburger im Cyclocross als Trainer und sportlicher Leiter aktiv und hat sich speziell der Förderung der Kinder und Jugendlichen zum verschrieben. Daneben fährt er, wenn es die Zeit zulässt, Masters-Rennen. Überaus erfolgreich, was seine WM-Titel dort beweisen.
Zu Mathieu van der Poel hat er eine besondere Verbindung. Zum einen war dessen Vater Adrie Schwedlers Konkurrent in den Cyclocross-Rennen. Zum anderen begleitete Jens die Karriere von Mathieu von Beginn an mit, da der Niederländer lange auf der Radmarke Stevens, Schwedlers Arbeitgeber, unterwegs war.
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