Start Profi-Sport Vorschau Cyclocross-Weltcup Benidorm 2026: Unter der Sonne Spaniens

Vorschau Cyclocross-Weltcup Benidorm 2026: Unter der Sonne Spaniens

Übersicht

An der Costa Blanca findet am 18. Januar 2026 das zehnte von insgesamt zwölf Weltcup-Rennen im Cyclocross statt. Bereits zum vierten Mal ist Benidorm an der Ostküste Austragungsort eines solchen Rennens. Was einst als „Exot” im Kalender galt, ist heute ein Kurs, den viele Fahrer:innen bewusst ankreuzen: schnelle Runden, trockener Boden, mediterrane Kulisse – und in dieser Saison 2025/26 ein deutlich härteres Profil.

Zudem nutzt die Stadt den Weltcup gezielt, um sich für die Cross-Weltmeisterschaften 2031 zu bewerben. Der veränderte Parcours ist gewissermaßen das Bewerbungsschreiben.

Für Alpecin Cycling analysiert Cyclocross-Experte und Ex-Profi Jens Schwedler, was den Kurs in Benidorm so und erklärt wer aus seiner Sicht bei den Männern und Frauen Siegchancen hat. Zudem hat er das Geschehen im Nachwuchsbereich im Blick, der in Benidorm die Chance bekommt, sich zu zeigen.

„Das Rennen ist für viele Profis sehr interessant, da sich in der Cross-Saison rund um Benidorm nach den nationalen Meisterschaften gezielt Grundlagenkilometer sammeln lassen – insbesondere mit Blick auf die Vorbereitung für die Cyclocross-Weltmeisterschaft. Genau deshalb nutzen viele Fahrer diese Phase für Trainings- und Renneinsätze in der Region. Viele der Profis sind daher gleich am Montag angereist und bleiben oftmals bis einen Tag vor dem Weltcup in Maasmechelen“, erklärt Schwedler und beschreibt damit die Bedeutung des Rennens.

Die Strecke des Cyclocross-Weltcups in Benidorm 2026

Das Herzstück des Parcours ist die Verbindung der beiden Parks Foietes und El Moralet über einen langen, leicht ansteigenden Asphalt- und Schotterweg hinauf in Richtung El Moralet. Dieser Anstieg fühlt sich bei Renntempo wie ein halbes Zeitfahren an. Oben wartet eine schnelle, oft staubige Abfahrt über Schotter zurück in den Stadtpark von Foietes. Dazwischen dominieren Passagen über Wiesen auf hartem, trockenem Boden, kurze künstliche Wellen, enge S-Kurven und kurze, knackige Anstiege. Diese Mischung unterscheidet Benidorm deutlich vom klassischen belgischen Matsch.

„Der Kurs wurde für 2026 gezielt verändert und selektiver gestaltet. Zentrale Anpassungen sind längere und härtere Anstiege, neue technische Elemente sowie eine verlängerte Zielgerade, die taktisch offenere Rennverläufe ermöglicht. Die Rundenlänge liegt bei rund drei Kilometern und umfasst klassische Cyclocross-Elemente wie Planken, Treppen und Sandpassagen“, erklärt Jens Schwedler.

„Typisch für Benidorm sind trockene, schnelle Bedingungen, oft mit Wind. Dadurch liegt der Fokus weniger auf Schlammtechnik als auf Tempohärte, sauberer Kurventechnik und der Fähigkeit, das Rennen aktiv zu gestalten. Aufgrund der Streckenänderungen ist insgesamt mit einer früheren Selektion als in den Vorjahren und weniger Sprintentscheidungen zu rechnen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Elite-Rennen im Sprint entschieden werden“, so der Cyclocross-Experte weiter.

Favorit:innen für den Cyclocross-Weltcup in Benidorm 2026

Frauen: Ceylin del Carmen Alvarado im Aufwind

Mit viel Selbstbewusstsein reist Ceylin del Carmen Alvarado an. Die ehemalige Weltmeisterin aus den Niederlanden holte im neuen Jahr bei drei Starts drei Siege. Daher zählt sie für Experte Jens Schwedler auch zu den Favoritinnen.

„In der Elite-Frauenklasse kommt Ceylin del Carmen Alvarado mit dem größten Momentum nach Benidorm. Sie gewann das letzte Weltcup-Rennen, auch wenn sie vom Sturz von Lucinda Brand profitierte. Danach fuhr sie jedoch sehr kontrolliert. Und sie wurde am vergangenen Sonntag niederländische Meisterin. Damit zählt sie klar zu den Top-Favoritinnen“, sagt Schwedler.

n Abwesenheit von Puck Pieterse, die Benidorm auslässt, dürfte Seriensiegerin Lucinda Brand die größte Konkurrentin von Ceylin del Carmen Alvarado sein. „Lucinda Brand bleibt trotz ihres Sturzes eine der konstantesten Fahrerinnen der Saison und passt mit ihrer Stärke bei hohem Grundtempo sehr gut zum Kursprofil“, sagt Schwedler. „Schade ist, dass Puck Pieterse nicht dabei ist. Sie ist technisch herausragend und kann auf schnellen, trockenen Strecken jederzeit um den Sieg beziehungsweise um das Podium mitfahren“, so Schwedler weiter.

Wer sonst noch für das Podium in Frage kommt: „Marion Norbert Riberolle profitiert von den längeren Anstiegen und ist eine realistische Podestkandidatin. Die Europameisterin Inge Van der Heijden und auch Aniek Van Alphen zeigten zuletzt keine konstanten Leistungen, daher bleibt abzuwarten, wie sich ihre Form jetzt entwickelt.“

Männer: Ohne Mathieu van der Poel ein offenes Rennen

Ohne die beiden Top-Starts Wout van Aert und Weltmeister Mathieu van der Poel findet das Weltcup-Rennen in Benidorm statt. Das macht die Angelegenheit aber viel spannender. So sieht es auch Cyclocross-Experte Jens Schwedler.

„Durch das Fehlen von Wout van Aert und Mathieu van der Poel ist der Favoritenkreis beim Weltcup-Rennen in Benidorm deutlich größer geworden. Ohne die beiden dominierenden Fahrer der vergangenen Jahre gibt es keinen klaren Alleinfavoriten mehr – stattdessen mehrere realistische Sieganwärter.

Im Zentrum der Favoritenrolle steht der belgische Meister 2026 Thibau Nys, der die Ausgabe 2025 in Benidorm bereits gewinnen konnte und erneut als Topfavorit gilt. Ebenfalls zu den Sieganwärtern zählt der alte und neue niederländische Meister Tibor del Grosso, der mit seiner Explosivität und taktischen Stärke in einem offenen Rennverlauf ganz vorne landen kann.

Zur erweiterten Spitzengruppe gehört Michael Vanthourenhout, der zwar nicht als Topfavorit gilt, aber realistische Chancen auf einen Platz in den Top fünf hat. Für zusätzliche Spannung sorgt der Spanier Felipe Orts Lloret, der auf heimischem Boden besonders motiviert sein dürfte und 2025 mit Rang sechs bereits bewiesen hat, dass ihm der Kurs in Benidorm liegt.

Zu gönnen wäre ein Spitzenergebnis auch Lars van der Haar. In seiner letzten Saison als Profi wäre eine Wiederholung seines dritten Platzes aus dem Vorjahr ein besonderer Erfolg – und ein emotionales Highlight dieses Rennens.

Insgesamt verspricht das Rennen ohne van der Poel und van Aert eine offene und spannende Entscheidung, mit einem breiten Kampf um Sieg, Podium und die Top-5-Plätze“, erklärt Jens Schwedler.

U23-Fahrer: innen und Junior:innen

Im Vergleich zu vielen anderen Weltcup-Veranstaltungen wird es in Benidorm auch Rennen für die U23 sowie für Juniorinnen und Junioren geben. Jens Schwedler, der sich seit vielen Jahren um den Nachwuchs in Hamburg kümmert, gibt hierzu eine Einschätzung.

„Besonders auffällig ist die Entwicklung des italienischen Nachwuchses. Italien verfügt inzwischen über eine Handvoll Fahrer, die realistisch Weltcup-Rennen gewinnen können. Damit beginnen die Italiener, den traditionell dominierenden Nationen Niederlande und Belgien den Rang abzulaufen – vor allem in den Klassen Junioren und U23.
Innerhalb von nur drei Jahren hat Italien nicht nur den Anschluss hergestellt, sondern führt diese Altersklassen inzwischen in der Breite an. Dies ist das Ergebnis konsequenter Nachwuchsförderung, früher internationaler Renneinsätze, klarer Strukturen und technischer Ausbildung. Gerade auf schnellen, anspruchsvollen Kursen wie in Benidorm wird sichtbar, wie gut diese Arbeit greift.
Hier könnte sich German Cycling aus sportlicher Sicht ein sehr großes Beispiel nehmen – insbesondere was langfristige Planung, internationale Ausrichtung und systematische Nachwuchsentwicklung betrifft. Die Ergebnisse der Italiener zeigen, wie schnell sich gezielte Förderstrukturen auszahlen können.

Der mehrfache deutsche Cyclocross-Meister erklärt den Rennverlauf wie folgt: „Typisch für die Rennen der Junioren und Juniorinnen ist, dass frühe Attacken den Rennverlauf stark bestimmen. Hier entscheidet sich oft schon in den ersten beiden Runden vieles, da das Tempo von Beginn an extrem hoch ist und bei kleinen Fehlern sofort Lücken entstehen.
Beim U23-Rennen könnte man einen ähnlichen Verlauf erwarten. Allerdings halte ich die Leistungsdichte für noch größer als bei den Junioren. In der U23 gibt es nach dem Abgang von Tibor Del Grosso ins Profilager keinen dominierenden Top-Fahrer. Den Sieg unter sich ausmachen dürften bei den Junioren Patrik Pezzo Rosola, Filippo Grigolini, Cas Timmermans und Delano Heeren . Bei den Juniorinnen ist Lise Revol aus Frankreich die Top-Fahrerin.“

TV-Tipp: Cyclocross-Weltcup in Benidorm 2026 live auf Discovery Plus

Der Streamingdienst Discovery Plus überträgt die Rennen in Benidorm am 18. Januar live. Ab 13:30 Uhr wird das Frauenrennen übertragen. Im Anschluss daran wird ab 15:00 Uhr das Rennen der Männer übertragen.

Unser Cyclocross-Experte: Jens Schwedler


Jens Schwedler ist ein ehemaliger deutscher Cyclocross- und Mountainbike-Profi. Im Cyclocross wurde er mehrfach Deutscher Meister (u. a. 2002 und 2005). Im Mountainbike erreichte er internationale Top-Resultate, darunter Platz 14 bei der WM 1996.
Heute ist der 57 Jahre alte Hamburger im Cyclocross als Trainer und sportlicher Leiter  aktiv und hat sich speziell der Förderung der Kinder und Jugendlichen zum verschrieben. Daneben fährt er, wenn es die Zeit zulässt, Masters-Rennen. Überaus erfolgreich, was seine WM-Titel dort beweisen.
Zu Mathieu van der Poel hat er eine besondere Verbindung. Zum einen war dessen Vater Adrie Schwedlers Konkurrent in den Cyclocross-Rennen. Zum anderen begleitete Jens die Karriere von Mathieu von Beginn an mit, da der Niederländer lange auf der Radmarke Stevens, Schwedlers Arbeitgeber, unterwegs war.

Foto: IMAGO / Photo News