Beim Weltcup-Rennen in Antwerpen am 20. Dezember kommt es zum ersten Duell zwischen Mathieu van der Poel und Wout van Aert in dieser Cyclocross-Saison. Nachdem der amtierende Weltmeister van der Poel bei seiner Saisonpremiere in Namur gleich siegte, steigt van Aert an der Schelde ins Renngeschehen ein. Cyclocross-Experte und Ex-Profi Jens Schwedler analysiert für Alpecin Cycling, ob der Belgier gleich konkurrenzfähig sein wird, was den Kurs des Scheldecross in Antwerpen ausmacht und ob der Siegeszug von Lucinda Brand bei den Frauen anhält.
Strecke des Cyclocross-Weltcups in Antwerpen 2025
Die rund drei Kilometer lange Runde startet und endet an der Wandeldijk auf der Linkeroever. Von dort aus führt die Strecke über Wiesen- und kurze Asphaltstücke in lange Sandpassagen direkt an der Schelde („Plaasj“). Eine Brücke auf der Grasfläche sowie die Passage durch den Campingplatz „City Camping Antwerp“ sind weitere Merkmale des Scheldecross. Aufgrund des Geländes und der Lage am Wasser ist der Kurs auf den offenen Geraden anfällig für Seiten- beziehungsweise Gegenwind.
„Auch wenn die Profis beim Scheldecross viel durch den Sand fahren müssen, so besitzt das Rennen eine ganz andere Charakteristik als der Wettkampf einen Tag später in Koksijde“, sagt Jens Schwedler. „Ein Profi wird in Antwerpen vor viel weniger technische Probleme gestellt, stattdessen entscheidet hier fast immer die reine Physis über den Erfolg.“ „Es ist in Antwerpen kein typischer Sandkurs. Der Sand hier ist nicht so tief wie in Koksijde und viel besser zu befahren“, erklärt Schwedler und verdeutlicht den eklatanten Unterschied bildlich: „Der Sand fällt nicht auf die Felge wie in Koksijde.“

Hinzu kommt das der Parcours am Sint-Annastrand topografisch nicht sehr anspruchsvoll ist. „Die Anstiege sind verglichen mit vielen anderen Parcours, geradezu minimalistisch“, so Schwedler.
Technisch anspruchsvoll wären Passagen durch den Matsch. Der Wetterbericht sagt zurzeit jedoch trockene Bedingungen voraus, sodass dies keine erschwerende Komponente darstellen dürfte.
„Es ist ein physisch sehr fordernder Kurs, da die Fahrer fast die ganze Zeit Druck aufs Pedal bringen müssen“, sagt Schwedler. Das erfordert dauerhaft absolut hohe Wattzahlen, wie sie nur große Motoren erbringen können. „Am Anfang wird das kaum einen Unterschied machen“, sagt Schwedler. Da werden die Profis aller Voraussicht nach noch zusammenbleiben, aber zur Halbzeit, also ab der dritten oder vierten Runde, könnte die Power bei einigen nachlassen.“
Wer vorne mitfahren will, muss auf solch einem Kurs auch das Hinterradfahren beherrschen. Das ist umso wichtiger, wenn der Wind bläst. „Daher sehe ich die Straßenfahrer – auch ehemalige – unter den Crossern im Vorteil”, so Schwedler weiter.
Favorit:innen-Check zum Cyclocross-Weltcup Antwerpen 2025
Männer: Duell Mathieu van der Poel versus Wout van Aert
Es ist das erste von insgesamt fünf Duellen, die sich Wout van Aert und Mathieu van der Poel im Cyclocross-Winter voraussichtlich liefern werden. Nur zwei davon finden im Rahmen des Weltcups statt. Man darf gespannt sein, wie Wout van Aert zurückkommt. Ob er die fehlende Wettkampfpraxis durch Physis kompensiert? „Wout ist bei seinen ersten Rennen im Cross immer ein bisschen wie eine Wundertüte. Man weiß nie, woran man ist. Gut möglich, dass er sich gleich einem harten Kampf mit Mathieu und Thibau Nys liefert“, sagt Jens Schwedler. „Allerdings sehe ich Mathieu, wenn es um den Sieg geht, klar im Vorteil. Er kann sich während eines Rennens einfach so gut erholen und hat eine irre Physis“, so Schwedler. Nach den Leistungen von Namur sieht Schwedler Nys als stärksten Rivalen von van der Poel – neben van Aert. Dahinter werden einige die Plätze tauschen. Die feinen Techniker werden bei diesem Parcours den Powerhouses weichen müssen. „Joris Nieuwenhuis sehe ich in Antwerpen vor Michael Vantourenhout. Auch Lars van der Haar und Cameron Mason können ihre technischen Qualitäten auf solch einem Kurs nicht ausspielen“, so Schwedler.
Frauen: Top-Favoritin Lucinda Brand vor dem nächsten Sieg?
Auch wenn es fast schon langweilig ist, das zu schreiben: Der Sieg bei den Frauen geht an Lucinda Brand. „Sie besitzt einen unglaublich großen Motor und auch einen unheimlich großen Erfahrungsschatz“, sagt Jens Schwedler. Zudem will sie die Führung im Weltcup übernehmen, was ihr mit einem weiteren Sieg gelingen könnte. Daneben räumt Jens Schwedler der Mountainbikerin Jolanda Neff sowie der Italienerin Sara Casasola, wenn sie denn antreten, gute Chancen aufs Podium ein. Beide besitzen eine sehr gute Ausdauer und Tempofestigkeit. „Puck Pieterse braucht eher technische Kurse. Zudem war sie in Namur für mein Empfinden zu weit weg“, sagt Schwedler. Ceylin del Carmen Alvarado traut er allerdings eine sehr gute Platzierung zu. Sie ist taktisch clever und beherrscht das Hinterradfahren sehr gut, was beim Scheldecross wichtig ist.
TV-Tipp: Cyclocross-Weltcup in Antwerpen 2025 live auf Discovery Plus
Der Streamingdienst Discovery Plus überträgt die Rennen in Antwerpen am 20. Dezember live. Ab 13:30 Uhr wird das Frauenrennen übertragen. Im Anschluss daran wird ab 15:00 Uhr das Rennen der Männer übertragen.
Video: Mathieu van der Poels Sieg 2024 beim Weltcup in Antwerpen
Unser Cyclocross-Experte: Jens Schwedler

Jens Schwedler ist ein ehemaliger deutscher Cyclocross- und Mountainbike-Profi. Im Cyclocross wurde er mehrfach Deutscher Meister (u. a. 2002 und 2005). Im Mountainbike erreichte er internationale Top-Resultate, darunter Platz 14 bei der WM 1996.
Heute ist der 57 Jahre alte Hamburger im Cyclocross als Trainer und sportlicher Leiter aktiv und hat sich speziell der Förderung der Kinder und Jugendlichen zum verschrieben. Daneben fährt er, wenn es die Zeit zulässt, Masters-Rennen. Überaus erfolgreich, was seine WM-Titel dort beweisen.
Zu Mathieu van der Poel hat er eine besondere Verbindung. Zum einen war dessen Vater Adrie Schwedlers Konkurrent in den Cyclocross-Rennen. Zum anderen begleitete Jens die Karriere von Mathieu von Beginn an mit, da der Niederländer lange auf der Radmarke Stevens, Schwedlers Arbeitgeber, unterwegs war.
Fotos: Fellusch
