FAQ zur Tour de France 2020: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was es zu wissen gilt bei der Tour de France. Die wichtigsten Fragen zu Reglement, Wertungstrikots Zeitbonifikationen, Preisgelder etc. kurz und knapp beantwortet. 

Gelb, Grün, Weiß und Rot gepunktet: Was bedeuten die unterschiedlich farbigen Trikots bei der Tour de France?  

Gelbes Trikot: Das „Maillot Jaune“ trägt der Führende in der Gesamtwertung. Dies ist der Fahrer mit der geringsten Gesamtzeit für die bereits absolvierten Etappen. Außerdem wirken sich mögliche „Bonussekunden“ positiv auf die Gesamtwertung aus. 

Grünes Trikot : Der Punktbeste ist ein Grüner. Punkte dafür gibt es immer für die Schnellsten im Etappenziel und bei den Sprintwertungen unterwegs auf den Etappen. Je flacher die Etappen sind, desto höher ist die Zahl der Punkte. 

Gepunktetes Trikot: Das weiße Trikot mit den roten Punkten sitzt auf den Schultern des Fahrers, der bei den kategorisierten Bergwertungen die meisten Punkte ergattern konnte. Je schwerer der Anstieg – Steilheit und Länge – , desto mehr Zähler lassen sich holen. Die Schlussanstiege bei bestimmten Etappen zählen doppelt. 

Weißes Trikot: Das „Maillot Blanc“ ist das Führungstrikot für die Nachwuchsprofis. Es gilt genauso die Gesamtfahrzeit für dieses Klassement. In die Wertung kommen Fahrer, die 25 Jahre oder jünger sind. Stichtag in diesem Jahr ist der 1. Januar 1995.  

Welche Wertungen gibt es sonst noch?

Teamwertung – Gelbe Startnummer:  Eine ungewöhnliche Rückennummer – schwarze Zahl auf gelbem Grund – tragen die Profis der Equipe, die in der Teamwertung vorne liegt. Hierfür werden nach jeder Etappe die drei besten Fahrer eines Teams gewertet und diese Zeiten aufsummiert. Die Siegerehrung für das beste Team findet in der Regel nicht nach der Etappe, sondern am morgen vor der nächsten Etappe statt.  

Angriffslustigster Fahrer – rote Startnummer:  Diese darf am nächsten Tag derjenige Fahrer tragen, der auf der vergangenen Etappe zum angriffslustigsten Fahrer gekürt wurde, dafür zählen Einsatzbereitschaft und Moral. Zumeist ist das der Fahrer einer Fluchtgruppe. Dies ist im Übrigen die einzige Wertung, die bei der Tour durch eine Jury ermittelt wird.  Diese kürt auch Ende den angriffslustigsten Fahrer der gesamten Rundfahrt. 

Etappensieger: Derjenige, der außer beim Bergzeitfahren als Erster über die Ziellinie fährt. Wenn es mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist, wer gewonnen hat, gibt es einen sogenannten Zielfilm. Entscheidend ist der Vorderreifen nicht der Körper des Fahrers. Beim Bergzeitfahren der 20. Etappe ist der Etappensieger der schnellste Fahrer nach Netto-Zeit. 

Teilnehmer: Wer darf an der Tour teilnehmen? 

Die 19 Teams mit WorldTour-Lizenz sind automatisch qualifiziert – darunter sind die deutschen Mannschaften BORA-hansgrohe und Sunweb. Hinzu kommt mit Total Direct Energie noch das beste ProContinental Team der vergangenen Saison. Der Veranstalter der Tour de France darf dann noch nach seinen Vorlieben zwei Wildcards vergeben. .Zumeist gehen diese an einheimische also französische Teams. In diesem Jahr sind das B&B Hotels-Vital Concept und Arkea-Samsic um dem ehemalige Tour de France-Zweiten Nairo Quintana eingeladen. Die Equipes wiederum bestimmen aus ihren Reihen die acht Fahrer, die bei der Tour an den Start gehen.  

Lässt sich die Tour de France auch ohne einen einzigen Etappensieg gewinnen? 

Ja – das kam in der Vergangenheit bereits acht Mal vor; so gewann beispielsweise 2019 Egan Bernal vom Tea Ineos die Tour ohne einen Sieg auf einem der 21 Tagesabschnitte. Gewertet wird nämlich die Gesamtzeit (abzüglich möglicher Bonussekunden), die ein Fahrer braucht, um die 21 Etappen zu bestreiten.  

Zeitgutschriften: Kann der Fahrer „Freiminuten“ erwerben? 

Die „Zeit zurückdrehen“ lässt sich tatsächlich über die sogenannten Bonussekunden oder Zeitgutschriften. Zwar nur ein Zahlenspiel, aber wer hier alles mitnimmt, kommt auf 4 Minuten und 24 Sekunden. 

Im Ziel jeder Etappe – mit Ausnahme dem Bergzeitfahren – gibt es für die drei Erstplatzierten 10, 6 und 4 Sekunden. Auf insgesamt 8 Etappen gibt es zusätzlichen noch einen sogenannten Bonussprint einige Kilometer vor dem Ziel. Auf den Tagesabschnitten 2, 6, 8, 9, 12, 13, 16 und 18 können die Besten dort auch noch mal je 8, 5 und 2 Sekunden gutmachen. 

Was passiert, wenn ein Fahrer in verschiedenen Wertungen führt? 

Das kommt gerade nach der ersten Etappe vor. Nämlich dann, wenn der Tagessieger automatisch auch der Führende im Gesamtklassement und in der Punktewertung ist. Dann trägt der Etappensieger am nächsten Tag das Gelbe Trikot und der Zweite in der Punktewertung stellvertretend das Grüne Trikot. Generell gilt diese Reihenfolge bei den Wertungstrikots: Gelb (Gesamt), Grün (Punkte) Gepunktet (Berg), Weiß (Nachwuchs).

Zeitlimit: Wie viele Minuten hinter dem Sieger dürfen die abgehängten Fahrer ins Ziel kommen, ohne disqualifiziert zu werden? 

Das ist für jede Etappe ein spezielles Rechenexempel, da die Tagesabschnitte mit unterschiedlichen Koeffizienten versehen sind. Gerechnet wird immer prozentual von der Siegerzeit. Das kann allerdings schwanken zwischen drei (langsame Flachetappe) und 20 Prozent (schnelle Bergetappe). Je nach Schwierigkeit der Etappe und Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers. Beim Zeitfahren ist der „Time cut“ großzügiger. Allerdings liegt es letztendlich in der Hand der Jury, ob die Fahrer dann tatsächlich aus dem Rennen genommen werden. In der Vergangenheit kamen große Gruppen schon nach dem „Time Cut“ ins Ziel und durften trotzdem am nächsten Tag starten.  

Preisgeld: Was verdienen die Profis bei der Tour de France? 

Das große Geld lässt sich bei der Tour de France nicht verdienen. Zwar werden insgesamt knapp drei Millionen Euro ausgeschüttet, aber im Vergleich zu anderen Sportarten ist das ein Klacks – bezogen auf die Teilnehmerzahl und die Strapazen. Zumal der Sieger der Frankreichrundfahrt als Dank sein Preisgeld in Höhe von 500 000 Euro zumeist den Teamkollegen und Mitarbeitern „spendet“. Er selbst macht sein Geld bei den sogenannten Nach-Tour-Kriterien sowie zukünftigen Verträgen. Übrigens: Bis zu Platz 160 gibt es am Ende in Paris Preisgeld. Während der Sieger eine halbe Million Euro bekommt und erhalten die Fahrer auf den Plätzen 20 bis 160 noch je 1000 Euro. 

Der Sieger in der Punktewertung und der Bergwertung erhalten je 25 000 Euro, der beste Jungprofi bekommt 20 000 Euro. Beim stärksten Team wandern 50 000 Euro in die Mannschaftskasse. Und auch die „super compatif“-Wertung für den angriffslustigen Fahrer während der gesamten Tour wird am Ende mit 20 000 Euro belohnt.  

Bei den Etappen wird bis zum 20. Rang ein Preisgeld ausgezahlt. Der Etappensieger erhält 11.000 Euro und der 20te im Feld bekommt immerhin noch 300 Euro. Außerdem wird für den aggressivsten Fahrer im Feld 2.000 Euro ausgeschüttet. 

Hohe Berge: Was hat es mit dem Souvenir Henri Desgrange auf sich? 

Dies steht für einen Sonderpreis, den sich die Fahrer sichern können, wenn sie den höchsten Pass der Tour als Erstes überqueren. Das Souvenir Henri Desgrange und die damit verbundenen 5000 Euro Prämie erhält derjenige, der als Erster über den höchsten Pass – landläufig auch „Dach der Tour“ genannt – fährt. Im Jahr 2020 wird das auf der 17. Etappe der 2304 Meter hohe Col de la Loze sein.  Die Bezeichnung kommt nach dem Begründer der Tour Henri Desgrange. 

Copyright: ©A.S.O.

Wie werden die Profis im Rennen über die Zeitanstände zwischen Spitzengruppe und Peloton informiert? 

Zuallererst fährt heute jedes Team mit Funk und kann sich so untereinander als auch mit den Sportlichen Leitern in den Renndienstwagen verständigen. Diese bekommen über Radio Tour mitgeteilt, wer an der Spitze fährt und wie groß der Zeitabstand ist. Und dann gibt es noch den Ardosier. Das ist ein Sozius auf einem Begleitmotorrad, der auf einer Schiefertafel immer den Abstand und die Startnummern der Ausreißer bzw. Spitze notiert und den Profis in Abständen „vor die Nase hält.“  

Fernsehen und Internet: Wie und wo lässt sich die Tour de France live verfolgen? 

Wer nicht vor Ort ist, hat eine große Auswahl sich ganz unterschiedlich zu informieren. Die Organisatoren der Tour de France, ASO, hat auf der Webseite einen eigenen Liveticker in drei Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch. Im Fernsehen lässt sich die Große Schleife live im Free-TV auf Das Erste, ARD One sowie auf Eurosport verfolgen. Im Internet läuft die Tour auf www.sportschau.de oder im Eurosport-Player (gebührenpflichtig). Mehr Infos und genauen Termine gibt es in unserem TV-Guide zur Tour de France.  

Fotos: Kathrin Schafbauer, Stefan Rachow, Daniel Beck

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