Vorschau: Frühjahrsklassiker Strade Bianche 2023

01.03.2023

Am 4. März 2023 findet der Neo-Klassiker Strade Bianche in der Toskana bereits zum 17 Mal statt. Das fünfte World Tour-Rennen der Saison führt auf einer Gesamtlänge von 184 Kilometer über elf schwere Schotter-Sektoren.

Diese insgesamt 63 Kilometer Gravel machen die Faszination und die Besonderheit des Rennens aus. Zu den Favoriten zählt Mathieu van der Poel. Der Profi des Team Alpecin-Deceuninck gewann dieses Rennen bereits 2021.

Die Strecke der Stade Bianche 2023

Der erste Gravel-Sektor erwartet das Peloton bereits nach rund 18 welligen Kilometer. „Vidritta“ ist 2,1 Kilometer lang, verläuft aber überwiegend flach und sogar leicht abfallend. Etwas diffiziler wird es bei schlechten Witterungsbedingungen nur wenige Kilometer später. Sterrato – wie die Schottersektoren auf italienisch heißen – „Bagnai“ ist 5,8 Kilometer lang und beinhaltet sowohl einen längeren steilen Anstieg als auch eine Abfahrt. Über die Schotterabschnitte „Radi“ (4,4 km) und „La Piana“ erreicht das Peloton die Ortschaft Buonconvento.

Von dort dreht der Kurs der Strade Bianche eine kleine Runde – mit dem Anstieg nach Montalcino über vier Kilometer, der im Durchschnitt 5 Prozent steil ist, sowie in kurzer Abfolge die Abschnitte 5 und 6. Sowohl „Lucignano d’Asso“ (11,9 km) als auch „Pieve a Santi“ können aufgrund ihrer hohen Steigungsprozente und die technisch herausfordernde Streckenführung erste Risse im Peloton provozieren.

Zurück in Buonconvento führt die Route – bei der Hälfte des Rennens – wieder nördlich in Richtung Siena. Sektor 7 verläuft über 9,5 Kilometer, passiert San Martino in Grania (9,5 km) und erreicht die Landschaft Crete Senesi, die durch ihre zerklüftete und erodierte Landschaft beeindruckt.

„Monte Sante Marie“ – Sektor 8, der auch seit wenige Jahren als Sektor Fabian Cancellara bezeichnet wird – beginnt in Ponte del Garbo (Asciano) und eröffnet in der Regel das Finale (siehe Video). Er ist mit 11,5 Kilometern nicht nur die längste Schotterpassage, sondern auch die härteste des Rennens. Am Ende dieses kräftezehrenden und scheinbar nicht enden wollenden Gravel-Sektors haben die Fahrer noch rund vierzig Kilometer bis ins Ziel vor sich.

Hügelig führt die Strecke weiter in Richtung Siena. Und es sind mit „Monteaperti“ (0,8 km), „Colle Pinzuto“ (2,4 km) sowie „Le Tolfe“ (1,1 km) noch drei kürzere Sektoren zu bewältigen. Sowohl der Anstieg um Colle Pinzuto mit Spitzensteigungen von bis zu 15 Prozent sowie der Anstieg nach Tolfe mit einer Rampe von 18 Prozent, bieten den Fahrern noch Möglichkeiten, das Rennen schwer zu machen beziehungsweise gibt ihnen Chancen für Attacken.  Danach fährt das Peloton auf relativ breiten Straßen nach Siena.

Die letzte große Schwierigkeit ist der steile Plasterabschnitt der Via Santa Caterina auf den letzte 1000 Metern des Rennens, der an einigen Abschnitten bis zu 16 Prozent aufweist. Über die Via Rinaldini erreichen die Fahrer dann nach 184 Kilometern das Ziel auf dem Piazza del Campo.

Profil Strade Bianche 2023: 11 Gravel-Sektoren über 63 Kilometer

Die Strecke des Rad-Rennens Strade Bianche 2023 in der Toskana

Die elf Schotter-Sektoren bei Strade Bianche 2023

Sektor 1: Vidritta (2,1 km)
Sektor 2: Bagnaia (5,8 km)
Sektor 3: Radi (4,4 km)
Sektor 4: La Piana (5,5 km)
Sektor 5: Lucignano d’Asso (11,9 km)
Sektor 6: Pieve a Santi (8 km)
Sektor 7: St. Martin in Grania (9,5 km)
Sektor 8: Monte Sante Marie (11,5 km)
Sektor 9: Monteaperti (0,8 km)
Sektor 10: Colle Pinzuto (2,4 km)
Sektor 11 : Le Tolfe (1,1 km)

Die Schottersektoren beim Radrennen Strade Bianche

Karte Strade Bianche 2023: Eine Schleife rund um Siena durch die Toskana

Favoriten bei Strade Bianche 2023

In Abwesenheit von Vorjahressieger Tadej Pogačar und Wout van Aert, Gewinner 2020, wird der Sieg über Mathieu van der Poel gehen müssen. Der Alpecin-Deceuninck-Profi überzeugte bei seinen zwei Auftritten auf den „weißen Straßen“ der Toskana. Bei seinem Debüt 2020 wurde er trotz Reifenschadens 15.; ein Jahr später gewann er. 2022 musste er wegen einer Rückenverletzung pausieren. „Er ist motiviert, gesund und konnte gut trainieren“, erklärte Alpecin-Deceuninck-Sportmanager Christoph Roodhooft im Gespräch mit Het Laatste Nieuws .

Video: Mathieu van der Poel vor dem Start zu Strade Bianche 2023

Sein ärgster Widersacher könnte der französische Ex-Weltmeister Julian Alaphilippe (Soudal-Quick Step) sein, der am vergangenen Wochenende das schwere Eintages-Rennen Faun-Ardèche Classic gewann und bei der Strade 2019 siegte.

Ebenfalls in starker Form präsentierte sich Mountainbike-Olympiasieger Tom Pidcock (Ineos Grenadier). Er belegte beim Omloop Platz fünf und mag das riskante Fahren auf dem Schottergeläuf. Der Fünftplatzierte des Jahres 2021 hat in seinem Team mit Michał Kwiatkowski einen Strade-Veteranen an seiner Seite, der das Rennen bereits 2014 und 2017 gewann.

Auf ähnlich starkem Niveau fährt auch Tim Wellens (UAE Team Emirate). Der Belgier zeigte sich sowohl in hervorragender Verfassung beim Opening Weekend wie auch bei den spanischen Eintages- und Etappen-Rennen im Februar. Auch wenn sein Teamkollege Pogačar fehlt, so hat die Mannschaft mit den beiden Italienern Alessandro Covi und Davide Formio noch weitere Optionen, die sie hier spielen können.

Ein offeneres Rennen dürfte auch die Mannschaft der Stunde, Jumbo-Visma, im Blick haben. Ohne Wout van Aert haben mehrere Fahrer die Chance auf eine Kapitänsrolle. Allen voran Tiesj Benoot, der vor wenigen Tagen nicht nur Kuurne-Brüssel-Kuurne gewann, sondern dessen Stern am Radsporthimmel bei einer epischen Austragung der Strade Bianche im Jahr 2018 aufging. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt startete er eine unglaubliche Aufholjagd und gewann das Rennen schlammverschmiert.

Ähnlich stark in der Breite präsentiert sich Bahrain-Victorious mit Matej Mohorič und Pelo Bilbao. Ebenso wie die Equipe Intermarché-Circus-Wanty mit Rui Costa und Lorenzo Rota.

Diese 25 Mannschaften starten bei Strade Bianche 2023

18 UCI WorldTeams
AG2R CITROEN TEAM
ALPECIN-DECEUNINCK
ASTANA QAZAQSTAN TEAM
BAHRAIN VICTORIOUS
BORA – HANSGROHE
COFIDIS
EF EDUCATION – EASYPOST
GROUPAMA – FDJ
INEOS GRENADIERS
INTERMARCHÉ – CIRCUS – WANTY
JUMBO-VISMA
MOVISTAR TEAM
SOUDAL QUICK-STEP
TEAM ARKEA – SAMSIC
TEAM DSM
TEAM JAYCO ALULA
TREK – SEGAFREDO
UAE TEAM EMIRATES

7 Wild Card-Mannschaften
EOLO-KOMETA CYCLING TEAM
GREEN PROJECT-BARDIANI CSF-FAIZANÉ
ISRAEL – PREMIER TECH
LOTTO DSTNY
Q36.5 PRO CYCLING TEAM
TOTALENERGIES
TUDOR PRO CYCLING TEAM

Fotos: photonews.be

Grafiken: RCS Sport