Flandern-Rundfahrt 2023: Vorschau auf das zweite Monument

30.03.2023
Die Rad-Profis Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar bei der Flandern-Rundfahrt 2022 am Paterberg

Am 2. April findet mit der Flandern-Rundfahrt das zweite Radsport-Monument der Saison statt. Von Brügge führt die Strecke des flandrischen Frühjahrsklassikers über 273,4 Kilometer und 3227 Höhenmeter – verteilt auf viele kurze, steile Anstiege – nach Oudenaarde.

Die Strecke der Flandern-Rundfahrt 2023

Nach sechs Jahren Abstinenz starten die Profis wieder in Brügge anstatt in Antwerpen. Die ersten rund Kilometer verlaufen relativ ruhig – keine Pflastersteinabschnitte und Hellinge, wie die kurzen giftigen Anstiegen bezeichnet werden. Maximal der Wind sorgt für Widerstand.

Von Brügge führt der Parcours zunächst südöstlich durch die Provinz Westflandern und durch die Ortschaften Aalter, Tielt und Meulebeke nach Izegem, wo am 25. Juni auch die belgischen Meisterschaften ausgetragen werden.

Über Harelbeke, Waregem und Deinze verläuft der Kurs weiter in Richtung flämische Atdennen. Bei Kruisem beginnt dann die Ronde so richtig – mit der ersten Kassel – dem

Kopfsteinpflasterabschnitt Huspontweg bei Rennkilometer 109.  Kurz dahinter folgt der erste Helling Korte Ast. Kurz wird es noch mal flach, ehe ein ständiges Auf und Ab beginnt.

Das erste Mal Gänsehaut für Fans und scher auch einige Fahrer dann bei Rennkilometer 136, wenn die Profis das erste von insgesamt drei Malen über den Oude Kwaremont fahren müssen. Bis zum Ekenberg, knapp 20 Kilometer später, kann noch. Versäumtes wie eine schlechte Position im Peloton gut gemacht werden. Ab dann geht es aber Schlag und Schlag – so richtig flach wird es erst einmal nicht mehr.

Die Strecke der Flandern-Rundfahrt 2023
© Flanders Classic

Die zweite Überfahrt des Oude Kwaremont eröffnet spätestens den Schlagabtausch unter den Sieganwärtern. Es folgt der Paterberg und nur kurz dahinter der Koppenberg.

Wer hier nicht vorne dabei ist, wird mit der Entscheidung im Rennen nichts mehr zu tun haben – auch wenn es von dort noch knapp 50 Kilometer bis ins Ziel nach Oudenaarde sind.

In schneller Abfolge folgen Mariaborrestraat , Steenbeekdries und Taaienberg sowie  Kruisberg, Von dort sind es nur noch knapp 10 Kilometer bis zur letzten Passage über den Oude Kwaremont – 16,7 Kilometer vor dem Ziel. Spätestens hier heißt es Mann gegen Mann.

Die letzte Möglichkeit, sich seinee Verfolger zu entledigen, ist der Paterberg. Diese 400 Meter steile Rampe zwischen den Feldern.- Oben angekommen geht es flach nach Oudenaarde, wo sich in der Minderbroedersstraat das Ziel befindet – nach 273,4 Kilometern.

Das Profil der Flandern-Rundfahrt 2023

Das Höhenprofil der Flandern-Rundfahrt 2023
© Flanders Classic

Die sechs Kopfsteinpflasterabschnitte – Kasseien

Huisepontweg | Rennkilometer 109
Holleweg | Rennkilometer 156,5
Kerkgate | Rennkilometer 162.,7 km
Jagerij | Rennkilometer 165,3 km
Mariaborrestraat | Rennkilometer 232,8
Stationsberg | Rennkilometer 234,7

Die 19 Anstiege – Hellinge

Korte Ast | Rennkilometer 114,7
Oude Kwaremont | Rennkilometer 136,8
Kortekeer | Rennkilometer 147,3
Eikenberg | Rennkilometer 155
Wolvenberg | Rennkilometer 159,1
Molenberg | Rennkilometer 171,6
Marlboroughstraat | Rennkilometer 175,5
Berendries | Rennkilometer 179,6
Valkenberg | Rennkilometer 184,9
Berg Ten Houte | Rennkilometer 197,4
Kanarieberg | Rennkilometer 202,9
Oude Kwaremont | Rennkilometer 218,8
Paterberg | Rennkilometer 222,3
Koppenberg | Rennkilometer 228,8
Steenbeekdries | Rennkilometer 234,2
Taaienberg | Rennkilometer 236,6
Kruisberg/Hotond | Rennkilometer 246,9
Oude Kwaremont | Rennkilometer 256.7
Paterberg | Rennkilometer 260,1

Favoriten auf den Sieg bei der Ronde 2023

Schafft Mathieu van der Poel das Triple? Feiert der Alpecin-Deceuninck-Profi nach 2020 und 2022 hier seinen dritten Sieg? Oder gewinnt Wout van Aert (Jumbo-Visma) endlich ein Monument in Flandern, nachdem er sich bei beinah jedem anderen Rennen in dieser Region in die Siegerliste eintragen konnte? Oder bringt Tadej Pogačar (UAE Team Emirates) seine absolute Leistungsfähigkeit aufs Pflaster und fliegt allen davon und holt sich sein drittes „Monument“ – nach Lüttich-Bastogne-Lüttich (2022) und der Lombardei-Rundfahrt (2021 & 2022)?

Mathieu van der Poel und Tadej Pogacar beim Frühjahrsklassiker E3-Preis 2023

Es wird spannend und der Gewinner der Ronde lässt sich nicht voraussagen. Wenn aber doch eines gewiss ist: der Sieg am Sonntag wird über diese drei Fahre gehen. Die „three kings“ wie die US-amerikanische Website Velonews sie kürzlich bezeichnete, sind die Protagonisten, die es zu schlagen gibt. Allerdings ist es nach den Auftritten des Trios bei E3 Saxo Classic, bei Mailand-Sanremo oder van Aerts Coup bei Gent-Wevelgem kaum daran zu glauben, dass ein anderer Fahrer da mithalten kann.

Hinter Tom Pidcock (Ineos-Greadier) steht nach seiner Pause wegen einer Gehirnerschütterung ein großes Fragezeichen, sein Teamkollege Filippo Ganna konnte die Leistung von Sanremo bislang nicht wiederholen und die ehemals dominante Klassiker-Equipe Soudal Quick-Step fährt hinterher.

Natürlich gibt es zwei händevoll Außenseiter, aber wer sich die vergangenen Rennen ansieht, bekommt den Eindruck, wenn davon einer zucken beziehungsweise zupfen würde, müsste er mit einem brachialen Konter rechnen. Gut möglich, dass also solche Angriffe im Keim erstickt werden. Auch scheinen taktische Geplänkel wie frühe Attacken und Relaisstationen gegen diese Fahrer aussichtslos.

Wenn es also zum Dreikampf kommt, wer hat die besten Karten. Sicher wird die Tagesform entscheiden – und zwar sowohl an den Anstiegen wie auch im Sprint. Das bewies Wout van Aert beim E3 Classic eindrucksvoll. Daher wird sich Tadej Pogačar nach seinen Erfahrungen von 2022 und vergangener Woche nicht auf einen Sprint auf de rZielgerade in Oudenaarde verlassen. Er muss die Entscheidung (viel) früher suchen. Aber wo – und vor allem, wie?

Würde er die beiden Cyclocrosser beinahe zeitgleich von seinem Hinterrad verlieren, werden sie eine kurzzeitige Allianz schließen und ihn gemeinsam jagen. Das Idealszenario für den Slowenen wäre zum Bespiel bei der letzten Überfart des Oude Kwaremont mit nur einem von beiden oben anzukommen und diesen dann am Paterberg „abzustellen“. Dann wäre es ein Kampf eins gegen eins auf en finalen gut 13 Kilometern.

Wer Pogis Angriffe am Oude Kwaremont bei E3 Saxo Classic verfolgt hat, weiß, dass er wohl der einzige Fahrer ist, der an diesem Anstieg mehrfach wirkungsvoll attackieren kann. Insofern könnte er bereits im unteren Teil eine Vorentscheidung herbeiführen. Aber all da wissen die Sportlichen Leiter seiner Kontrahenten auch – und so wird dürfen alle gespannt sein, was ihm entgegengesetzt wird – am Sonntagnachmittag.

Startliste der Flandern-Rundfahrt 2023