Giro d’Italia 2022: Streckencheck & Analyse des Parcours

22.12.2021

Die 105. Italien-Rundfahrt wird vom 6. Mai bis zum 29. Mai 2022 ausgetragen. Der Start erfolgt in Budapest, das Ziel ist in Verona. Dazwischen liegen 21 Etappen mit insgesamt 3410,3 Kilometer und rund 51.000 Höhenmetern.

Mit zwei Jahren Verspätung soll der Giro d’Italia in der Saison 2022 in Ungarn starten. Ursprünglich war der Grande Partenza schon für 2020 in dem mitteleuropäischen Land geplant, dann musste aber Corona-bedingt verschoben werden. Nach drei Etappen in Ungarn folgt dann der Switch in den südlichsten Teil des Giro-Mutterlands – Sizilien. Vom dort arbeitet sich das Peloton Etappe für Etappe nach Norden. Das Finale findet in der Arena von Verna statt mit dem traditionellen Einzelzeitfahren.

Giro d’Italia 2022: hammerharte Schlusswoche mit drei Bergetappen in den Dolomiten

Das Beste kommt beim Giro d‘Italia 2022 aber zum Schluss – rein sportlich gesehen. Denn die letzte Woche der der 105. Italien-Rundfahrt hat es wirklich in sich: drei schwere Bergetappen in den Dolomiten plus einer Klassikeretappe mit Bergauffinale. Der Abschluss der Kletter-Trilogie ist am vorletzten Tag des Rennens die Königsetappe von Belluno an den Fuß der Marmolada – genauer auf den Passo Fedeia. In Summe 167 Kilometer mit 4490 Höhenmetern.

Giro d’Italia 2022: Insgesamt nur 26,3 Zeitfahrkilometer

Spätestens hier wird das Rennen entschieden sein. Denn das Zeitfahren am nächsten Tag wird unter den kletterstarken GC-Anwärtern für wenig Abstände sorgen, da ja auch zu Mitte der Etappe mit der Torricella Massimiliana ein Kategorie-4-Anstieg bezwungen werden muss. So werden die Zeitfahrspezialisten unter den Gesamtklassementfaher, wenn denn überhaupt solche am Start stehen, eh nur wenig Zeit machen gut machen können. Dieser Giro hat „kein Herz“ für diese Spezies an Fahrern. Denn neben dem Abschlusszeitfahren über 17,1 Kilometer gibt es lediglich noch einen kurzen Kampf gegen die Uhr auf Etappe 2 über 9,2 Kilometer. Insgesamt sind das nur 26,3 Kilometer Einzelzeitfahren – so wenig gab es zuletzt vor 60 Jahren.

Giro d’Italia 2022: Mit 51 0000 Höhenmetern ein Parcours für Kletterer

Also ein „Heimspiel“ für die Kletterer? In der Tat! Doch diese unglaublich harte und schwere letzte Woche könnte natürlich auch dafür sorgen, dass das Rennen bis dahin von den Anwärtern auf den Gesamtsieg relativ verhalten bestritten wird. Denn eine Schwäche an einem an einem dieser drei Tage kann letztendlich den Unterschied zwischen Podiumsplatzierung und einem Platz um Rang zehn im Gesamtklassement ausmachen. Zwar ist schon an Renntag vier die erste Ankunft „am Berg“ – dem Ätna. Doch ist diese Etappe jedoch nicht so schwer im Vergleich zu dem was noch kommen mag, da die einzige Schwierigkeit am Ende des Tagesabschnitts ansteht.

Giro d’Italia 2022: Haben bei sieben Etappen die Sprinter die Nase vorn?

Insgesamt sechs Bergetappen mit vier „echten“ Bergankünfte wird es bei diesem Giro geben. Daneben haben aber auch die Finisseure und Puncheure sowie die Top-Sprinter ihre Chancen. Spannend wird sein, ob alle sieben als Sprintetappen „ausgezeichneten“ Tagesabschnitte am Ende auch etwas für die endschnellen Männer sein werden. Allein schon die Ankunft am ersten Tag mit einem Kategorie-vier-Berg zum Schluss am königlichen Schloss könnte mehr etwas für die Allrounder unter den Sprinter sein als die ganz explosiven Fahrer.

Auch bei Tagesabschnitt fünf auf Sizilien könnte der Kategorie zwei-Berg, der zwar noch 100 Kilometer vor dem Ziel erklommen werden muss, bei offensiver Fahrweise einige schnelle Männer abstellen. Fraglich natürlich, ob sich Teams finden, die da bis ins Finale so hochhalten, damit von hinten niemand mehr rankommt. Eine Frage der Körner wird auch die letzte Sprintetappe sein – Tagesabschnitt 18 in der Finalwoche mit Ziel in der WM-Stadt Treviso. Gerade mal 146 Kilometer lang und geradezu prädestiniert für einen Sprint Royal. Doch wer ist noch überhaupt im Renne von den topschnellen Männern und welche Teams haben Interesse das Feld zusammenzuhalten?

Giro d’Italia 2022: Werd die Klassiker-Etappen zur Gefahr für die GC-Fahrer?

Wer „ganz einfach“ nur auf Etappenjagd gehen will, ohne die große Teamunterstützung, dem gibt Giro-Veranstalter RCS sechs Mal die Chance. Teils auf echten Klassiker-Etappen wie Anschnitt sieben von Diamante nach Potenza. 4490 Höhenmeter und vier kategorisierte Anstiege müssen die Fahrer auf einer Länge von 197 Kilometern bewältigen. Klassisch wird es unteranderen auch bei Etappe 14. Hier wird auf den Spuren des Herbstklassikers Mailand-Turin „gewandelt“ und zwei Mal zur Superga hochgefahren. Der abschließende Stadtkurs in Turin sorgt zusätzlich für Intensität dieser Etappe, bei der gerade mal die ersten zehn Kilometer flach sind.

Solch „schnelle, wendige“ Etappen können auch zu einer Gefahr für die Klassememtfahrer werden, da sich hier das Renngeschehen nur schwer kontrollieren lässt. Ziem ist dieses ständige Antreten gepaart mit gutem Positionsfahren nicht gerade jedermanns Sache ist. Gut möglich, dass sich auf einer dieser hügeligen Etappen ein hochgehandelter GC-Kandidat verabschieden muss, wenn er den Anschluss verpasst.

Link: Alle 21 Etappen des Giro d’Italia mit Profil

Giro d’Italia 2022: Gelingt Ineos-Grenadier der Hattrick beim Kampf um Rosa?

Und wer fährt jetzt um die Gesamtwertung und folgt auf Egan Bernal? Zu diesem Zeitpunkt schwer zu sagen, da erst wenige Teams ihre Roster für die Grand Tours bekanntgegeben haben. Aber der Sieg wird über Ineos-Grenadier gehen, denen nach den Siegen von Tao Geoghegan Hart 2020 und Egan Bernal 2021 ein Hattrick zuzutrauen ist. Auch wenn Bernal mit der Tour liebäugelt, so könnten Richard Carapaz, der hier 2019 gewann, oder Adam Yates Leader der britischen Squad sein.

Sie werden auf Herausforderer wie Miguel Ángel López treffen, der nach seiner Rückkehr zu Astana den Giro fest ins Visier genommen hat und aufgrund der wenigen Zeitfahrkilometer gute Chancen besitzt, zumindest aufs Podium zu fahren. Auch João Almeida wird sich, wenn er den startet, beweisen müssen, nachdem er sein ehemaliges Team Quickstep wegen der Leaderrolle von Remco Evenepoel beim Giro 2021 scharf kritisierte.

Und die italienischen Fans dürfen sich auf Altmeister Vincenzo Nibali sowie auf Guilio Ciccone freuen. Schafft es der 27-jährige Trek-Segafredo-Fahrer endlich, bei einer Grand Tour unter die Top-Ten zu kommen oder sind die drei Wochen zu lang für ihn? So oder so – es wird spannend, unterhaltsam und dramatisch. Dafür ist gesorgt.

Alle 21 Etappen des Giro d’Italia 2022 im Überblick

EtappeDatumStart – ZielDistanzProfil
1.6. MaiBUDAPEST – VISEGRÁD195 kmflach
2.7. MaiBUDAPEST – BUDAPEST9,2 kmEinzelzeitfahren
3.8. MaiKAPOSVÁR – BALATONFÜRED201 kmflach
Ruhetag9. Mai 
4.10. MaiAVOLA – ÄTNA166 kmbergig (BA)
5.11. MaiCATANIA – MESSINA172 kmflach
6.12. MaiPALMI – SCALEA192 kmflach
7.13. MaiDIAMANTE – POTENZA198 kmhügeig
8.14. MaiNEAPEL – NEAPEL149 kmhügelig
9.15. MaiISERNIA – BLOCKHAUS187 kmbergig (BA)
Ruhetag16. Mai 
10.17. MaiPESCARA – JESI194 kmhügelig
11.18. MaiSANTARCANGELO DI R. – REGGIO EMILIA201 kmflach
12.19. MaiPARMA – GENOVA186 kmhügelig
13.20. MaiSANREMO – CUNEO157 kmflach
14.21. MaiSANTENA – TORINO153 kmhügelig
15.22. MaiRIVAROLO CANAVESE – COGNE177 kmbergig (BA)
Ruhetag23. Mai 
16.24. MaiSALÒ – APRICA200 kmbergig
17.25. MaiPONTE DI LEGNO – LAVARONE165 kmbergig
18.26. MaiBORGO VALSUGANA – TREVISO146 kmflach
19.27. MaiMARANO LAGUNARE – SANTUARIO DI CASTELMONTE178 kmhügelig (BF)
20.28. MaiBELLUNO – MARMOLADA (Passo Fedaia)167 kmbergig (BA)
21.29. MaiVERONA – VERONA17,1 kmEinzelzeitfahren

BA = Bergankunft
BF = Bergauffinale

Die Stecke des Giro d’Italia in Kürze


7 Flachetappen 
6 hügelige Etappen – davon 1 Bergauffinale
6 Bergetappen – davon 4 Bergankünfte
2 Einzelzeitfahren – insgesamt 26,2 Kilometer
3 Ruhetage

Fotos: RCS Sport/LaPresse
Karte: RCS Sport