Vorschau: Kopfsteinpflaster-Klassiker Paris-Roubaix 2024

02.04.2024

Nur eine Woche nach der Flandern-Rundfahrt folgt mit Paris-Roubaix das dritte Monument des Radsportjahres 2024. Die 121. Austragung des Kopfsteinpflaster-Klassikers findet am 7. April 2024 statt. Das Rennen führt von Compiègne über eine Strecke von 259,9 Kilometern und insgesamt 29 Pave-Abschnitte ins Velodrome nach Roubaix. Wird Mathieu van der Poel an seinen Triumph bei der Ronde anschließen und seinen Titel als König des Pflasters bei Paris-Roubaix verteidigen? Oder gewinnt dieses Jahr in der Hölle des Nordens ein anderer Fahrer?

Die Strecke von Paris-Roubaix 2024

Im Vergleich zum Vorjahr wird es kleine Veränderungen bei den Pave-Sektoren geben, aber all das wird die Szenerie im Vergleich der vergangenen Jahre nicht beeinflussen. Die Fahrer fahren auf den ersten knapp 100 Kilometern von Compiegne in Richtung Norden noch ‚unbehelligt‘ von Pflastersteinen.

Der erste Sektor beginnt bei Rennkilometer 96,3 mit dem Abschnitt Troisvilles nach Inchy. Bereits der übernächste Pave-Abschnitt von Quiévy nach Saint-Python ist 3,7 Kilometer lang und mit vier Sternen als anspruchsvoll eingestuft. Er macht den Auftakt zu einer Reihe von Kopfsteinpflasterabschnitten, die ihren ersten Höhepunkt auf dem Trouée d’Arenberg finden werden.

Allerdings haben die Rennorganisatoren, die Anfahrt auf das Pflaster verändert. Vor dem Beginn des Paves soll die sonst so schnelle Fahrt mit Geschwindigkeiten von 60 km/h und mittels einer Schikane heruntergebremst werden.

Arenberg kann Vorentscheidung bringen

Der Sektor beginnt bei Rennkilometer 164,4. Diese 2,3 Kilometer lange Strecke über ruppigste Pflastersteine hat mit fünf Sternen den höchsten Schwierigkeitsgrad und eröffnet bereits das Finale – mehr als 95 Kilometer vor dem Ziel Wer hier aufgrund schlechter Position, Sturz oder Defekt den Anschluss verliert, zählt erstmals zu den (An)Geschlagenen. Das kann sich im Verlauf des Rennens noch ändern, aber „Arenberg“ kann je nach Zusammensetzung der Favoritengruppe für eine Vorentscheidung sorgen.

Die nächsten 50 Kilometer sind gespickt von acht schwierigen Pave-Abschnitten und erreichen ihren Höhepunkt mit dem Mons-en-Pévèle. Der Sektor befindet sich 50 Kilometer vor dem Ziel befindet ist drei Kilometer lang und hat neben dem Wald von Arenberg und dem noch folgenden Carrefour de l’Arbre die Höchstschwierigkeit von fünf Sternen erhalten.

Wenn hier einer der Profis mit den großen Motoren antritt, heißt es festhalten, um den Zug nicht zu verpassen. Danach verlaufen die nächsten 30 Kilometer was die Schwierigkeiten der Paves angeht verhältnismäßig ruhig, ehe die Profis in rascher Abfolge über Camphin-en-Pévèle und Carrefour de l’Arbre  drüberbügeln müssen.

Gerade letzteres könnte noch einmal einem Fahrer, die Möglichkeit bieten, sich abzusetzen. Vom Ende des Sektors bis ins Ziel sind es dann noch rund 15 Kilometermit drei her leicht zu absolvierenden kurzen Pflasterabschnitten. Der Letzte, das Pave Espace Charles Crupeland in Roubaix, ist schon gar nicht mehr als solcher wahrzunehmen.

Alle 29 Kopfsteinpflasterabschnitte von Paris-Roubaix 2024

29. Troisvilles à Inchy | Länge 2.200 Meter | Schwierigkeit *** | Rennkilometer 96
28. Viesly à Quiévy | 1.800 Meter | – *** | 102,5
27. Quiévy à Saint-Python | 3.700 m | **** | 105,1
26. Viesly à Biastre | 3.000 Meter | *** | 111,3
25. Vertain à Saint-Martin-sur-Écaillon | 2.300 Meter | *** | 122,6
24 Capelle à Ruesnes | 1.700 Meter | *** | 129,3
23. Artres à Quérénaing | 1.300 Meter | ** | 138,3
22. Quérénaing à Maing | 2.500 Meter | *** | 140,1
21. Maing à Monchaux-sur -Écaillon | 1.600 Meter |*** | 143,2
20. Haveluy à Wallers | 2.500 Meter | **** | 156,2
19. Trouée d’Arenberg | 2.300 Meter | ***** | 164,4
18. Wallers à Hélesmes | 1.600 Meter | *** | 170,4
17. Hornaing à Wandignies | 3.700 Meter | **** | 177,2
16. Warlaing à Brillon | 2.400 Meter | *** | 184,7
15. Tilloy à Sars-et-Rosières | 2.400 Meter | **** | 188,2
14. Beuvry à Orchies | 1.400 Meter | *** | 194,5
13. Orchies | 1.700 Meter | ***| 199,5
12. Auchy à Bersée | 2.700 Meter | **** | 205,6
11. Mons-en-Pévèle | 3.000 Meter | ***** | 211,1
10. Mérignies à Avelin | 700 Meter | ** | 217,1
9. Pont-Thibault à Ennevelin | 1.400 Meter | *** | 220,5
8 b. Templeuve (L’Épinette) | 200 Meter | * | 225,9
8 a. Templeuve (Moulin-de-Vertain) | 500 Meter | ** | 226,4
7. Cysoing à Bourghelles | 1.300 Meter | *** | 232,8
6. Bourghelles à Wannehain | 1.100 Meter | *** | 235,3
5. Camphin-en-Pévèle | 1.800 Meter | **** | 239,8
4. Carrefour de l’Arbre | 2.100 Meter | ***** | 242,5
3. Gruson | 1.100 Meter | ** | 244,8
2. Willems à Hem | 1.400 Meter | *** | 251,5
1. Roubaix (Espace Charles Crupelandt) | 300 Meter | * | 258,3

Favoritencheck: Wer gewinnt Paris-Roubaix 2024?

Wenn Mathieu van der Poel seinen Triumph aus dem Vorjahr wiederholt ist er auch der nächste Fahrer, dem das Double aus Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix in einer Saison gelänge. Der letzte, der dieses Kunststück vollbrachte, war Fabian Cancellara im Jahr 2013. Nah seinem Aufritt bei der Ronde wird der Alpecin-Deceuninck-Profi wieder der Mann sein, den es zu schlagen gilt und die Konkurrenz scheint nach dem Ausfall von Wout van Aert kleiner als im vergangenen Jahr.

Es scheint aber nur so, denn erholt sich Mads Pedersen (Lidl-Trek) nach seinem Sturz bei Dwars door Vlaandren könnte er ein ernstzunehmender Konkurrent sein. Genauso übrigens wie dessen Teamkollege Jonathan Milan, der sich bei Lidl-Trek vom Sprinter zum Klassikerfahrer entwickelte.

Auch Stefan Küng (Groupama–FDJ) zeigte im Vorfeld der Ronde Top-Leistungen und musste dann gut im Rennen liegend am vergangene Sonntag nach einem Sturz alle seine Hoffnungen begraben.

Nils Politt in Form für zweites Podium in Roubaix

Nach seinen starken Auftritten im Frühjahr, besonders dem Podium bei der Ronde von Vlaanderen, darf man nicht nur, sondern muss man geradezu den deutschen Nils Politt zu den Favoriten auf einen Roubaix-Sieg zählen. Er mag das Rennen und war hier im Jahr 2019 bereits zweiter hinter Philippe Gilbert. Politt scheint bei seiner neuen Mannschaft UAE Team Emirates noch mal einen Sprung nach vorne gemacht zu haben und wird auf den Paves auf die Unterstützung der gesamten Equipe vertrauen.

Spannend wird sein, mit wem und mit welcher Taktik das Team Visma | Lease a Bike in der Hölle des Nordens antritt. Mit Dylan van Baarle haben sie immerhin einen ehemaligen Sieger in ihren Reihen und ein wiedergenesener Christophe Laporte könnte ebenfalls ins Geschehen miteingreifen. Ohne Wout van Aert sowie den bisher gezeigten Leistungen dürfte sie sich selbst eher zu den Außenseitern zählen.

Für eine Überraschung sorgen könnten auch die Youngster von Ineos Grenadiers. Zwar hat die britische Equipe mit Filippo Ganna ihren wohl stärksten Pave-Fahrer zuhause gelassen, aber der 20 Jahre alte Joshua Tarlington und der 21-jährige Magnus Sheffield zeigten zuletzt superstarke Leistungen bei den Rennen in Flandern.

Nicht zu vergessen ist natürlich der van der Poels Teamkollege und der Vorjahreszweite Jasper Philipsen. Welche Rolle wird der aktuelle Mailand-Sanremo-Sieger spielen? Wird er vielleicht im Finale eine taktische Option sein und könnte sich so sein zweites Monument sichern?

Fotos: Photonews.be