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Interview mit dem „Erfinder“ des Zeitfahrens „King of the Lake“

13.09.2021

Das Einzelzeitfahren „King of the Lake“ das jährlich im Frühherbst am Attersee stattfindet, hat Kultstatus erreicht. Die Veranstaltung, an der Hobbyradsportler, Amateure und Profis teilnehmen dürfen, ist immer schnell ausgebucht. Alpecin Cycling sprach mit Erwin Mayer, Organisator des KOTL über dessen Historie und die Faszination, die der Wettbewerb ausmacht.

Wie kamen Sie auf die Idee, den King of the Lake zu veranstalten?

Das entstand im Endeffekt aus der Frage: Wie schnell schafft man es, um den See zu fahren? Jeder, der hier wohnt oder Urlaub und Rad fährt, weiß wie lange er für eine Seeumrundung braucht. Das ist natürlich bei den ambitionierten Radsportlern kein bisschen anders. Und wir vom Radverein Atterbiker nutzen diese traumhafte Strecke seit eh und je als Trainingsrunde. Und eines Abends – sozusagen in Bierlaune kamen wir auf die Schnapsidee, daraus ein Rennen zu machen. Nichts Großes, sondern nur für die Vereinsmitglieder und deren Freunde und Bekannte – hinterher eine kleine Party. Fertig – mehr nicht. Ausgegangen sind wir so von 30 bis 40 Personen, die teilnehmen.

Daraus ist dann ein Event entstanden, bei dem heute über 1200 Sportler und Sportlerinnen aus ganz Europa starten…

Ja, da muss ich mir auch manchmal noch die Augen reiben. Aber das kam ja nicht von heute auf morgen. Das hat sich entwickelt.

Stand das Rennen auch mal auf der Kippe?

Ja – 2015 müsste das gewesen sein. Wir wuchsen stetig – hatten so rund 300 Teilnehmer und bewegten uns immer noch im öffentlichen Verkehr, da wir bis dahin keine Genehmigung für abgesperrte Straßen erhalten hatten. Das kann man natürlich verstehen. Denn es gibt nur die eine Straße um den See, und die Menschen, die hier leben und arbeiten, sind dann für einen halben Tag eingesperrt beziehungsweise immobil. Aber uns beschlich damals auch das ungute Gefühl, dass es irgendwann einmal scheppern würde – wie der Österreicher sagt. Also, dass es irgendwann zu einem schweren Unfall kommen würde: Diese Verantwortung wollten wir nicht tragen. Und da haben wir gesagt, entweder wir hören jetzt auf oder aber die Straße wird für den Zeitpunkt des Rennens gesperrt. Und siehe da, wir bekamen die Erlaubnis das Rennen auf einem abgesperrten Kurs auszutragen.

Was macht das Rennen aus Ihrer Sicht so beliebt – sie sind seit Anbeginn ausverkauft?

Da gibt es viele Gründe. Zum einen natürlich die Strecke – was die Länge, aber auch die einmalige Landschaft betrifft. Zum anderen das Tour-Feeling und das ganze Drumherum. Jeder darf sich wie ein Profi fühlen. Die Teilnehmer gehen von einer Startrampe ins Rennen, der Wettkampf lässt sich per Live-Streaming auf großen Leinwänden verfolgen und der momentan Schnellstens darf auf dem Hot bzw. Winners Seat Platz nehmen. Nicht zu vergessen – der sowie die Schnellste werden dann am Ende tatsächlich gekrönt – auf einem speziellen Thron mit Krone und Schärpe. Was mich freut, ist auch die Stimmung nicht nur während, sondern auch nach dem Rennen. Für viele Teilnehmer ist das Rennen der Saisonabschluss. Entsprechend locker und ausgelassen sind sie auch nach dem Rennen. Da war übriges auch von Beginn an so. Wir von der Orga haben uns nach dem Rennen hingesetzt – bei Würstchen und Bier –, und die Athleten haben sich einfach dazu gesellt. So ist letztendlich die Finisher-Party im Festzelt entstanden, die es in diesem Jahr auch wieder geben wird.

Sie sprechen es an. Sie konnten und können trotz Corona die Veranstaltung 2020 und 2021 stattfinden lassen. Warum?

Der Vorteil unserer Veranstaltung ist das Einzelzeitfahren – mit Betonung auf Einzel. Wir müssen aber auch den Athleten ein Kompliment machen, die im vergangenen Jahr, ohne zu murren, alle Auflagen erfüllt haben, und sich an alles gehalten, was wir von ihnen verlangt haben. Wir haben beim Gesundheitsamt nachgefragt und es gab keinen positiven Fall in Verbindung mit unserem Event. Aufgrund der Hygienebestimmungen haben wir im Vorjahr auf das Festzelt verzichtet. 2021 wird es das wieder geben. Verbunden mit der Teilnahme am Rennen ist aber, das alle Teilnehmer die 3G-Regel erfüllen.

Wer darf starten?

Jeder, ob Hobbysportler oder Profi. Es gibt nur zwei unterschiedliche Wertungsklassen. Amateure sind bei uns Hobbysportler und Athleten mit Lizenz. Daneben gibt es die Eliteklasse für Fahrer, die beispielsweise in der Österreichische Bundesliga fahren oder eben Profis. In diesem Jahr habe wir zusätzlich noch eine U23-wertung eingeführt.

Neben dem klassischen Einzelzeitfahren kann aber auch im Vierer- oder Zehner-Team teilnehmen.

Sind Sie selbst auch schon mitgefahren?

2011 beim allerersten Mal bin ich noch selbst mitgefahren. Und einmal war ich noch in der Vierer-Mannschaft dabei, aber meine Form leidet in der Vorbereitung auf das Event enorm (lacht). Ich will das alle anderen Ihren Spaß haben – das ist für mich Freude genug.

Man bekommt auf den Fotos, in den Filmen und aus Erzählungen das Gefühl – jeder jubelt mit.

Ja, ob Einheimische, Urlauber oder auch unsere mehr als 300 Helfer – von jedem ist einem der Applaus sicher. Das ist auch etwas Einmaliges.

Noch ein Tipp, was man als Starter beim Rennen beachte sollte?

Der erste Teil der Rennstrecke verleitet zum Ballern. Die Strecke ist flach und oft herrscht Rückenwind. Aber wo es Rückenwind gibt, da bläst dann halt auch irgendwann der Wind von vorne. Und zusammen mit den sechs Hügeln auf dem zweiten Teil der Runde kann das dann schon ganz schön hart werden. Daher ist es wichtig, das richtige Maß zu finden beziehungsweise sich Gedanken zum perfekten Pacing zu machen. Und: Zur Abkühlung und Erfrischung hinterher lohnt ein Bad im Attersee, der ist um diese Jahreszeit noch so 18 bis 20 Grad warm.

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