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Peacham Fall Fondo: Gravel-Event von Rad-Profi Ian Boswell

Team Alpecin goes Gravel. „Jedermann“ Jonathan Canfield aus dem Team Alpecin 2019 bestritt den Peacham Fall Fondo; ein Gravel-Event, das vom US-amerikanischen Team Katusha Alpecin-Profi Ian Boswell und seiner Frau in Vermont organisiert wird. Hier der Erfahrungsbericht von Jonathan.

Vergangenen Herbst beschlossen Radprofi Ian Boswell und seine Frau Gretchen mit dem Peacham Fall Fondo ein eigenes Gravel-Event zu organisieren, um andere Radfahrer für die Schönheit des kleinen Städtchen Peacham in Vermont und dessen Umgebung zu begeistern. Die Premierenveranstaltung fand bewusst in einem kleinen intimen Rahmen statt, nur etwa 150 Fahrer stiegen 2018 im verschlafenen Peacham ab.
Die Veranstaltung war so erfolgreich, was ich persönlich bestätigen kann, da ich einer der wenigen Glücklichen war, die bei der Premiere mitgefahren sind, dass Ian und Gretchen den Fondo auch 2019 veranstalteten.
Im Folgenden nun mein Bericht zur zweiten Auflage des Peacham Fall Fondo:

Auf dem Weg ins Gravel-Paradies nach Neuengland

Los ging es für meine Freundin Lisa, unseren Hund Makalu und mich am Donnerstagnachmittag in New York City. Nach sechseinhalb Stunden Autofahrt hatten wir Peacham erreicht. Peacham ist eine winzige Stadt mit nicht einmal 800 Einwohnern im Nordosten des „Königreichs“ von Vermont. Was diesem reizenden Örtchen an reiner Größe fehlt, macht es jedoch mit seiner spektakulären Kulisse wett. So wird beispielsweise behauptet, dass Peacham die am häufigsten fotografierte Stadt in Neuengland ist.

In Peacham gibt es auch einige der unglaublichsten Schotterstraßen, die man sich vorstellen kann. Kopfsteingepflasterte Wege gibt es hier viel häufiger als asphaltierte Straßen, und Peachams Lage in der Nähe des White Mountain National Forest lässt schnell erkennen, dass das Gelände alles andere als eben ist. Ein Gravel-Paradies; und genau deshalb bin ich erneut hierhergekommen. Und weil Peacham auch die Heimat von Ian Boswell ist, ein Profi-Radfahrer, der von 2013 bis 2017 für das Team Sky fuhr und seit 2018 das Trikot des Team Katusha Alpecin trägt.

Team Katusha Alpecin-Profi Ian Bowsell organisiert Gravel-Event

In diesem Jahr war die Teilnehmerzahl auf 250 Fahrer angewachsen, was aber auch bedeutete „sold out“ – ausverkauft. Meiner Meinung nach darf solch ein Event auch nicht größer sein, da es sonst seinen Charakter und Charme verliert. Im Vergleich zu 2018 hat Ian die Route so umgestaltet, dass die Strecke etwa 50 Meilen lang war und 5700 Fuß geklettert werden musste, wobei der steilste Anstieg etwa 17 Prozent betrug. Der Kurs selbst war als große Acht angelegt, so dass alle Teilnehmer nach den ersten 25 Meilen wieder in Peacham vorbeikamen. Dort erwartete uns die beste Verpflegungsstation aller Zeiten bei einem Radsport-Event – mit hausgemachten Apfelkuchen. Kein Witz. Bei der 25-Meilen-Marke bekam jeder ein Stück „homemade apple pie“ mit einer Kugel Eis seiner Wahl, damit es besser flutscht; ich wählte Vanille M&M!

Gravel-Ride durch Neuengland

Mit Dirty Kanza-Sieger Ted King auf dem Gravel-Ride

Bevor der Peacham Fall Fondo am Samstag begann, hatte ich das Glück, von Ian und Gretchen eingeladen zu werden. Am Freitag gab es ein kleines Treffen von rund 25 Personen in ihrem Haus und einen Pre-Fondo-Ride über 25 Meilen und einer Kletterpartie von 2700 Fuß. Wie der Zufall es wollte, war auch Ted King vor Ort. Ted fuhr über ein Jahrzehnt lang als Profi für das Cervelo TestTeam, Liquigas-Cannondale und Cannondale-Garmin, und zählt heute zu den besten Gravel-Profis. Er gewann 2018 Dirty Kanza über die Distanz von 200 Meilen.

Dieses Warm-up startete gut. Nachdem wir aber die ersten sechs Meilen mit einigen steilen Anstiege und schnellen Abfahrten bewältigt hatten, geschah das Unglück. Bei einem kurzen, steilen Anstieg verklemmte sich meine Kette so stark, dass mein Rad unweigerlich bockte und ich auf dem Boden landete. Nach einer kurzen Inspektion stellten wir fest, dass auch der Umwerfer abgerissen war und nicht mehr arbeitete. Doch die flinken helfenden Hände verwandelten mein Rad in einen One-Drive mit nur einem Kettenblatt. Es gab zumindest ein paar Gänge, um nach Hause zu fahren. Da wir unsere Gruppe verloren hatten, fuhren wir eine alternative Route, um zurückzukommen. Glück im Unglück – so bekam ich die Chance auf eine Stunde privater Fahrzeit mit einem aktuellen WordTour-Profi!
Nachdem die Fahrt beendet war, wurden wir alle zu einem hausgemachten Vesper in Boswells Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert eingeladen. Bei einem Lagerfeuer klang der Abend mit Bier und Marshmallowbraten aus. Natürlich war das alles notwendig, um sicherzustellen, dass wir für den nächsten Tag richtig „voll geladen“ waren.

Rad-Profi Ian Boswell organisiert einen eigenen Gravel-Ride

Der nächste Morgen begann etwas hektisch. Da mein defektes Rad für den Fondo unfahrbar war, nutzte Ian seine guten Beziehungen und organisierte mir ein Ersatzrad. Ich musste meine Pedale schnell tauschen, das Rad auf meine Maße einstellen, aber ich war überglücklich an der Veranstaltung überhaut mitmachen zu können. So störte mich die hektische Aktivität in letzter Sekunde überhaupt nicht. Aus der Stadt heraus geleitete uns Ian und ein altes Feuerwehrauto aus den 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, fuhren wir in die epischsten Landschaften, die man erleben kann, und Worte können diesem Anblick und Gefühl kaum gerecht werden. Die Bäume strahlten in den Farben des Indian Summers, der Geruch des Herbstes hing in der Luft. Das einzige Geräusch, das diese Idylle durchdrang, war das Knirschen von Gummi auf einer Mischung aus Kies, Holzstöcken und Blättern.
Auf den folgenden 50 Meilen durchlebte ich einen wahren Gefühlsrausch; ich plauderte und lachte mit anderen Fahrern, ich genoss die schnellen Abfahrten, ich fluchte und war außer Atem, als ich die Anstiege erklomm, einen nach dem anderen. 11 Prozent, 12 Prozent, 15 Prozent, 17 Prozent, 12 Prozent, 11 Prozent, 16 Prozent und 10 Prozent. Als die Fahrt zu Ende jedoch zu Ende ging und die kurvenreichen Schotterstraßen, die ich befahren hatte, mich zurück nach Peacham führten und ich die kleine weiße Kirche sah, wünschte ich mir, dass es eine dritte 25-Meilen-Schleife geben würde. Meine Beine dachten zwar insgeheim, ich sei verrückt, aber mein Kopf wollte den Tag und diese Fahrt noch viel länger genießen. Aber diese Emotionen gingen nicht verloren, denn die After-Ride-Party war fast so gut wie der Fondo selbst. Mit Live-Musik, erstklassigem Essen – wir hatten die Wahl zwischen Pizza oder einem der besten jamaikanischen Gerichte – und Bier wurden wir verwöhnt!

Als dieser Tag endgültig zu Ende ging, wurde mir klar, dass der Peacham Fall Fondo etwas ganz Besonderes ist. Es war wirklich einer dieser Tage, nach denen wir uns alle sehnen; einer dieser Tage, der uns daran erinnern lässt, warum wir diesen Sport so sehr lieben.

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Fotos: Ansel Dickey

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