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Rennrad fahren in der Gruppe – Windschatten optimal nutzen

Fahren im Feld – was bei den Profis so einfach aussieht, erfordert sehr viel Disziplin, Vertrauen, Umsicht und Training. Wenn Du als Hobbyradsportler bei einem Jedermann-Rennen oder Training in einer schnellen Gruppe mitfahren möchtest, um vom Windschatten zu profitieren, musst Du Dein Rad sicher beherrschen und einige ungeschriebene Gesetze befolgen. Alpecin Cycling erklärt welche.

Fahre vorne im Peloton und meide das Mittelfeld

Hast Du schon mal gesehen, wo die Favoriten auf den Toursieg im Feld fahren? In der zweiten oder dritten Reihe. Hier können sie den energiesparenden Windschatten nutzen und trotzdem jederzeit auf eine veränderte Rennsituation reagieren – zum Beispiel bei Gefahrenstellen oder Attacken. Weiter hinten lässt sich zwar oft ein bisschen mehr Energie sparen, dafür ist die Sturzgefahr viel höher. Durch die vielen Fahrer, die Rad an Rad rollen, sind Bremsweg und Ausweichmöglichkeit sehr beschränkt. Die Folge: Massensturz.

Warne Deine Mitstreiter vor Gefahren

Wenn Du vorne fährst, hast Du die Verantwortung für die nachfolgenden Fahrer. Du musst deshalb rechtzeitig vor möglichen Gefahren wie Schlaglöchern, großen Steinen, Verkehrsinseln oder parkenden Autos warnen. Im Idealfall machst Du das per Handzeichen – diese internationale Zeichensprache verstehen alle Rennradfahrer. Jeder der hinter Dir fährt, sollte das Zeichen nach hinten weitergeben. Zusätzlich kannst Du auch bei Gefahren noch rufen. Fährst Du ganz hinten im Feld, kannst Du die Fahrenden vor Dir per Zuruf warnen, wenn ein Auto zum Überholen ansetzt.

Übe im Training das Formationsfahren

Vom Windschatten in einer Gruppe profitieren und so auf eine hohe Reisegeschwindigkeit zu kommen, macht enorm Spaß. Doch dafür musst Du auch das Fahren in Formation beherrschen. Neben der klassischen Zweierreihe solltest Du die Technik des Windkantenfahrens und des belgischen Kreisels beherrschen. Anders als bei der klassischen Doppelreihe wechseln beim belgischen Kreisel die Fahrer an der Spitze ständig. Das Tempo ist hier viel höher und erfordert von den Fahrern auch ein gleichmäßiges Tempo. Achte daher immer darauf, die Geschwindigkeit zu halten. Beim Fahren auf der Windkante fährst Du versetzt zum Vordermann, so dass Du seitlich von seinem Windschatten profitierst. Allerdings sind die Teilnehmer einer solchen Gruppe durch die Breite der Straße limitiert.

Bremse der Situation angemessen und nie ruckartig

Der Sicherheitsabstand zum Hintermann beträgt beim Fahren im Feld meist nur wenige Zentimeter. Bremse daher nie voll, sondern versuche dosiert zu verzögern beziehungsweise vor etwaigen Hindernissen geschmeidig auszuweichen. Zu Deiner eigenen Sicherheit solltest Du nie voll die Vorderradbremse ziehen, sonst gehst Du selbst bei geringen Geschwindigkeiten voll über den Lenker. Teste idealerweise auf einem abgesperrten Parkplatz das Bremsverhalten Deines Rades.

Trainiere das Essen und Trinken sowie das Umdrehen auf dem Rad

Wer nach der Trinkflasche oder dem Riegel in der Trikottasche greift oder sich umdreht, verlässt oft die Fahrlinie und weicht unbewusst zur Seite aus. Um das zu verhindern, solltest Du das alles vorher schon üben, damit es geradezu blind – gerade bei der Flasche – funktioniert. Wenn Du Dich beim Fahren in der Gruppe umdrehen willst, dann kannst Du Dich mit der Hand auf der Schulter Deines Nebenmannes abstützen. Aber Vorsicht: Dein Begleiter muss selbst schon ein geübter Rennradfahrer sein.

Ziehe Deine Fahrlinie sauber durch die Kurve

Eine schlechte Kurventechnik ist häufig Ursache für Unfälle bei Jedermann-Rennen. Die Fahrer halten nicht die eingeschlagene Linie ein und lassen sich durch die Fliehkraft nach außen treiben. Auch ein zu starkes Einlenken zum Scheitelpunkt der Kurve hin, sorgt für Gefahr. Hier wird plötzlich auf der Linie eines anderen Mitstreiters gefahren und ihm so der Weg zugemacht. Versuche deshalb immer, Herr über Dein Rad zu sein und eventuell mit leichtem „Nachdrücken“ die Kurve sauber zu fahren. Am besten übst Du das, wenn Du allein fährst – versuche aber bewusst im Renntempo die Kurven anzusteuern.

Zeige an, wenn Du aus dem Sattel gehst

Tückisch wird es, wenn Du für Deine Hintermänner überraschend aus dem Sattel gehst, beispielsweise beim Anstieg oder wenn Du Dich kurz aufrichten willst. Denn dann „schiebst“ Du nämlich Dein Rennrad nach hinten, da der Zug auf die Kette nachlässt und Dich der größer gewordene Luftwiderstand bremst; die Gefahr eines Auffahrunfalls ist riesig. Mach es deshalb wie die Profis: Bevor diese in den Wiegetritt wechseln, spreizen Sie bei beiden Händen die Finger ab, um das Manöver ihren Mitstreitern anzuzeigen. 

Beteilige Dich bei Rennen an der Führungsarbeit

Lutscher –kein Radfahrer wird gerne so tituliert, also tue auch etwas dafür und gehe in die Führung. Falls Du zu platt bist, zeige guten Willen, halte einfach nur kurz Deine Nase in den Wind und verabschiede Dich dann wieder. Das ist immer noch besser als nur am Hinterrad zu „lutschen“.

Lasse in Schwächephasen lieber abreißen

Die meisten Stürze passieren im Training und Rennen, wenn die Fahrer keine Energie mehr haben und unaufmerksam sind. Wenn Du also überkreuzt guckst und merkst wie Deine Kräfte massiv schwinden, lasse lieber abreißen, erhol Dich kurz beim langsameren Fahren und schließe Dich der nächsten Gruppe an, die von hinten kommt. Oder fahre in Deinem Rhythmus das Rennen oder Training zu Ende. Sicherheit geht vor.

Fotos: Alpecin Cycling/Henning Angerer

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