Niederbayrische Rennrad-Tour mit Start und Ziel in Regensburg Anna Nusser

Local Loops
01.09.2020

Anna Nussser ist in Regensburg geboren und aufgewachsen. Anfangs war ihre Liebe zum Velo gar nicht so groß, da sie als Kind mit ihren Eltern Ferien auf dem Donauradwanderweg machte. „Wir sind in für heutigen Verhältnissen kurzen Tagesetappen nach Wien gefahren. Aber immer schön gegen den Wind. Ich habe geflucht und geschimpft“, erinnert sich sie sich heute lachend an die (Tor)Tour von damals. Aufs Rennrad gekommen ist sie dann so richtig erst während ihres Medizinstudiums. Seitdem lässt sie aber kaum eine Gelegenheit aus, Druck aufs Pedal zu geben. Entweder bei Rennen oder Tagestouren– die können dann auch schon mal 300 Kilometer lang sein. In der Saison 2020 hat sie den Sprung ins Jedermann-Team von Alpecin geschafft.

„Wer Regensburg kennt, weiß, wie wunderschön die Stadt und das Umland ist und wie schwer es ist, eine Tour zu erstellen, welche die vielen Sehenswürdigkeiten und schönsten Strecken der Umgebung kombiniert. Wer Regensburg nicht kennt, soll mit dieser Tour einen kleinen Eindruck vom westlichen Umland von Regensburg bekommen und sollte die obligatorische Stadtsightseeingtour besser noch zu Fuß als mit dem Rad anhängen.

Ich empfehle, sich in den kleinen Gässchen der Altstadt zu verlieren, am Fuße des Doms ein Eis oder zu Abend zu essen, den Sonnenuntergang auf der Steinernen Brücke oder vom Donauufer aus mit Blick auf ebendieses Regensburger Wahrzeichen zu genießen und später den Tag mit einem Gläschen Wein am Bismarckplatz ausklingen zu lassen.

Meine Lieblingstour beginnt am Schloss Prüfening, einer ehemaligen Abtei der Benediktiner, gegründet im Jahre 1109 vom Bamberger Bischof Otto I. Die dazugehörige Kirche St. Georg wurde 10 Jahre später geweiht. Direkt anliegend ist ein großes Erdbeerfeld zum Selberpflücken und ein kleiner Verkaufstand. Wer eine letzte Stärkung braucht, schnabuliert hier noch eine Schale süßer Früchte, bevor es losgeht.

An den Flüssen um Regensburg gibt es eine Vielzahl von kleinen Fähren, oft sind sie fakultativ, manchmal aber auch die einzige Lösung, um an einer Stelle den Fluss zu überqueren und nicht einen kilometerlangen Umweg auf sich nehmen zu müssen. So besteht gleich am Anfang der Reise die Option, ob man lieber die Eisenbahnbrücke über die Donau, oder die Fähre nimmt. Beides hat seinen Charme.

 

 

Schon bald beginnt der erste Anstieg der doch recht höhenmeterlastigen Tour. Getrennt durch eine Leitplanke von der Straße führt ein schöner Radweg in einer gleichmäßigen Steigung vorbei am Walderlebniszentrum – ein Mekka für Mountainbiker – hoch hinauf nach Eilsbrunn. Hier wechsele ich auf die Straße und düse hinunter, vorbei am ältesten Wirtshaus der Welt, dessen Biergarten mit schattigen Kastanienbäumen zum Verweilen einlädt und biege unten an der schwarzen Laaber angekommen nach rechts ab Richtung Schönhofen. Durch die Bäume hinter der schwarzen Laaber sehe ich die die vielen Kletterer, die sich an den Felswänden des Klettereldorados rund um Schönhofen versuchen.

Die Straße schlängelt sich weiter an der schwarzen Laaber entlang nach Eichhofen und schon wieder lädt ein tolles Gasthaus mit Biergarten zum Verweilen ein. In Deuerling angekommen, wartet der nächste Anstieg. Der Kirchberg ist insbesondere am Anfang eher steil mit Steigungswerten von 8 bis 15 Prozent, aber nach ca. 500 Metern ist dieser Spuk vorbei und die Auffahrt verläuft wellig, stetig steigend zum Paintner Forst. Von dort geht es dann durch den Forst über eine gut asphaltierte kurvige Straße durch den duftenden Wald hinab nach Kelheim. Im Kreisverkehr nehme ich die erste Ausfahrt nach rechts und fahr kurz auf der Hauptstraße, bis ich links abbiege über die „blaue Brücke“.

 

 

Erwartungsvoll zucken bei mir an dieser Stelle meine Muskeln, ich muss mich anstrengen den Impuls zu unterdrücken mit Vollkaracho über die Brücke zu donnern, mich in die Kurven zu legen und Richtung Innenstadt zu rasen. Warum?

Kelheim verbinde ich persönlich immer mit dem 24-Stunden-Rennen, das normalerweise Mitte Juli stattfindet. Diese blaue Brücke ist der Endspurt der 16,4 Kilometer langen und mit 170 Höhenmetern garnierten Rennrunde. Nicht selten heben hier die Hinterreifen der Fahrer unter Applaus der Zuschauer ab und die Teilnehmer jagen aufgeheizt von der Stimmung der anfeuerten Zuschauer mit letzter Energie Richtung Ziel.

Ich halte mich aber zurück, fahre gemütlich über die Brücke, blicke nach oben und sehe schon mein nächstes Ziel über mir thronen: Die Befreiungshalle, gebaut von König Ludwig I. von Bayern als ein Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege.

 

 

Auf der Kelheimer „Rennstrecke“ geht es zwei Serpentinen – eine davon wunderschön aus dem Felsen geschlagen – hinauf. Die Steigung ist angenehm und wenn man weiß, wie sehr einem hier sonst immer die Beine brennen, noch viel angenehmer. Von der Rennstrecke zweige ich links ab und mache einen Abstecher ganz hinauf zur Befreiungshalle. Von hier lasse ich meine Blicke über das Altmühltal schweifen, bevor ich wieder zurück auf die Rennstrecke fahre. Es geht kurz hinab, eine Kurve nach links, eine Kurve nach rechts und dann… oh. Hilfe. Egal wie oft ich diese Runde nun schon gefahren bin, an dieser Stelle muss ich immer kurz schlucken. Vor mir türmt sich ein unangenehm aussehender Anstieg auf.

„Col de Stausacker“ wird er scherzhaft von der Radlergemeinde des 24-Stunden-Rennens genannt und der Hügel hat es wirklich in sich. Die Beine sind im Rennen kaputt von den vorangegangenen Steigungen und der Col de Stausacker zieht sich wie Kaugummi. Aber die Stimmung im Rennen hier ist grandios. Die Menschenmenge und die Musik schieben einem förmlich den Berg hinauf. Aber auch heute bezwingen ich den Hügel – wer meine Strecke exakt nachfährt sogar zweimal!

Zugegeben, meine Routenplanung wirkt hier ein wenig verwirrend – warum diese extra Schleife? Die Erklärung ist recht simpel, nach Stausacker hinunter führen zwei Straßen, eine davon ist hervorragend asphaltiert und in der prallen Sonne und die andere verläuft auf unebenem, schlaglöcherreichen Asphalt meist schattig durch Wald. Wer damit kein Problem hat, kann sich die paar Meter und Höhenmeter sparen und vorsichtig über die alte Straße hinunter nach Stausacker fahren, die anderen düsen – wenn der Verkehr es zulässt – mit über 70 km/h (don’t judge!) hinab und fahren die zusätzliche Schleife.

 

 

Hatte ich erwähnt, dass es an den Flüssen rund um Regensburg viele Fähren gibt und manche davon die einzige Möglichkeit sind, keinen Umweg zu machen? Das hier ist so eine Stelle. Ein Schild kündigt schon die Fähre an und ein Fährmann fragt geschäftig, ob man auch noch ‚nüber’ will. Zwei Euro kostet eine Überfahrt mit dieser Seilwindenfähre.

Wer das Kloster Weltenburg und das Naturschutzgebiet herum nicht kennt, sollte übersetzen und sich ein wenig umsehen. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den im Februar 2020 als Nationales Naturmonument ausgewiesenen „Donaudurchbruch“, einer Engstelle des Donautals. Wer will kann auch gerne dem Ruf des Weltenburger Biergartens folgen. Das Weltenburger Barock Dunkel ist weltberühmt und als Radler gemischt eine willkommene Erfrischung auf einer längeren Ausfahrt.

 

 

Zurück mit der Fähre in Stausacker fahre ich nun die alte Straße hinauf, und dann noch einmal den legendären Col de Stausacker hoch, bevor man sich in Rennmanier die Abfahrt hinunterstürzen darf. Vorsicht ist geboten in der Kurve, im Rennen ist hier die Kreuzung für den Autoverkehr gesperrt und vorsorglich Strohballen ausgelegt, doch heute muss ich mich selbstverständlich an die STVO halten und beim Abbiegen doppelt aufpassen.

Unten angekommen, geht es am Radweg weiter Richtung Essing. Die Beine schone ich ein wenig und bewundere lieber mit leichtem Tritt die wunderbare alte Holzbrücke im Marktkern, blicke zu den Steinwänden oberhalb der Häuser auf oder bestaune eine der längsten Holzbrücken Europas, den sogenannten „Tatzelwurm“. Warum ich hier locker fahre? Kurz später folgt der knackige Anstieg zur Burg Prunn.

Die Steigungswerte erreichen 20 Prozent und keuchend wird sich jeder bei der Erstbefahrung fragen, wie toll denn die Aussicht sein muss, um so eine Wand und die damit verbundenen Strapazen auf sich zu nehmen. Noch ein bisschen fieser wird es, wer rechts abbiegt und einige Höhenmeter wieder hinunterfahren muss, um zu jener Burg zu kommen – aber man wird nicht enttäuscht. Die pittoreske Holzbrücke, die mächtige Burg und der Blick hinunter in das Altmühltal sind so grandios, dass ich mich sich gar nicht satt sehen kann. Außerdem lädt ein Café-Restaurant zum Verweilen ein.

 

 

Weiter geht es wellig dahin auf wenig befahrenen Straßen zurück Richtung Paintner Forst. Und wieder duftet es herrlich nach Waldboden und ehe ich mich versehe, bin ich in Viehhausen und es geht zügig bergab. Diese Abfahrt macht so viel Spaß, dass ich schon mehrmals das Abbiegen verpasst habe und dann zusätzlich Höhenmeter klettern durfte. Die letzten Höhenmeter Richtung Saxberg/Bergmatting wollen erklommen werden, bevor es steil hinab ins Donautal und dann flach dahin am Fluss nach Hause geht. Die Sonne glitzert im Wasser und ein letztes Mal lädt ein großer Biergarten „zur Walba“ zum Ausruhen ein. Wer nun noch Kraft hat, kann die letzten 5 Kilometer im Zeitfahrmodus nach Regensburg ballern, ale anderen fahren gemütlich zwischen Fluss und Felswand verwunschen verschnörkelt gemütlich zurück zum Schloss Prüfening.

P.S. Die zu Beginn der Tour erwähnten Erdbeeren gibt es bis 18 Uhr :-)“

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