Klassikertraining zwischen München und dem Starnberger See Falk Nier

Local Loops
25.08.2020

„Der Münchner Süden mit dem oberbayerischen Alpenvorland ist ein Traumrevier für Rennradfahrer. Bei aller Lebensqualität, die die Isarmetropole bietet, nutzt man als Rennradler dennoch gerne jede Gelegenheit, der Stadt zu entfliehen. Im bayerischen Oberland erstreckt sich zwischen München und den Alpen ein wahres Touren-Eldorado. Die Zungen der eiszeitlichen Gletscher hinterließen hier eine sanft gewellte Landschaft, überzogen mit einem eng gestrickten Netz an Nebenstraßen.

Anders als die engen, inneralpinen Täler bietet das Alpenvorland schier unendliche Möglichkeiten, verschiedene Strecken miteinander zu verbinden. Unter Berücksichtigung des gewünschten Schwierigkeitsgrades kann man sich eine Route nach Geschmack stricken: von der sanft-gewellten Genussrunde bis hin zur herausfordernden Kletterpartie mit steilen Rampen.

 

 

Da ich selber ein riesengroßer Fan der Klassiker in Flandern bin, entscheide ich mich oft im Frühjahr dazu, eine mehrstündige Grundlagenfahrt abwechslungsreich mit einigen EB’s an kurzen, giftigen Anstiegen zu verbinden. Von den Steigungsgraden können es die Flanken der Täler von Isar und Loisach locker mit den flämischen Helligen aufnehmen. Lediglich die Kopfsteinpflaster fehlen.

Wir starten in der Innenstadt auf der Reichenbachbrücke an den Isarauen. Der Isarradweg bringt uns stressfrei zum Tierpark Hellabrunn. Am Zoo wartet der erste „Muntermacher“ mit dem Harlachinger Berg. Eine 200 Meter lange im Durchschnitt 10 Prozent steile Rampe lässt unsere Beine richtig warm werden. Nach zwei Ampeln kommen wir in die Nord-Einfahrt zum Perlacher Forst, dem Haupttreffpunkt der Münchner Rennradszene. Denn die „Radl-Autobahn Münchens“ ist ein fünf Kilometer langer, kerzengerader geteerter Waldradweg, der einen autofrei aus der Stadt auf das Land bringt.

 

 

Bei Kilometer 25 sausen wir das erste Mal abwärts ins Isartal und überqueren den alpinen Fluss mit seinen beeindruckenden Kiesbänken. Von weiten erkennt man schon die Benediktinerabtei des Kloster Schäftlarn. Der Beginn des ersten Anstiegs unserer Tour, der Schäftlarner Berg. Die Münchener Rennradszene ist eine eher leistungsorientierte, die gerne auf Sportevents hintrainiert und ordentlich Tempo machen kann, wenn sie unterwegs ist. Und der Schäftlarner Berg ist gerade im Winter der „Roller-Berg“ der Münchner für intensive Intervalle.

Auf dem knapp zwei Kilometer langen Anstieg (5 Prozent im Durchschnitt) kommen durch die Serpentinen erste „Berggefühle“ auf. Bei der Bayern-Rundfahrt 2014 auf der 3. Etappe befand sich hier eine Bergwertung der zweiten Kategorie. Heute sind die Bestzeiten auf Strava fast eine Minute schneller als damals von Geraint Thomas & Co. Kein Wunder, denn der Schäftlarner Berg wurde in einer nicht rennentscheidenden Situation locker rollend vom Peloton passiert.
Nach dem ersten schweißtreibenden Abschnitt unserer Tour bleibt es wellig auf dem Höhenrücken zwischen Starnberger See und Isartal.

 

 

Geringer Verkehr auf den kleinen Straßen machen weite Blicke auf die Alpen in der Ferne möglich. Vom Wendelstein bis zur Zugspitze reicht das atemraubende Panorama. Doch es wird wieder Zeit ins Isartal nach Wolfratshausen abzufahren, denn das nächste Bergintervall wartet auf mich. Der „Col de Bolzwang“ (Km 48) gehört zu den Geheimtipps unter den kurzen Anstiegen im Alpenvorland. Die Einfahrt in Achmühle ist ziemlich versteckt. Doch hat man den 1,8 Kilometer langen Berg (8 Prozent im Durchschnitt) erst einmal erklommen, wird man oben mit einem grandiosen Ausblick auf die Alpen belohnt. Mein Wattmesser zeigt das erste Mal Spitzen deutlich über 400 Watt an. Abschnitte bis zu 13 Prozent zwingen mich in den Wiegetritt. In der Abfahrt schnaufe ich durch, doch ich denke schon ein mein nächstes Hindernis.

Bei KM 62 steht der Eurasburger Schloßberg auf dem Programm. Für mich persönlich ein Anstieg, den ich absolut „hasse“. Zwar nur 900 Meter lang, ist er mit seinen 13% im Durchschnitt egal ob im Winter oder in Bestform im Sommer eine echte Herausforderung für mich. Insbesondere die 300 Meter lange,18 Prozent gleichbleibend steile Gerade am Anfang zermürbt mich. Mit meinen 84 Kilo, einer 36/28 Übersetzung zeigt mein Wattmesser konstant um die 475 Watt an. Oben „keuchend“ angekommen, entscheide ich mich für die erste Gelpause, natürlich mit Blick zu den Gipfeln der bayerischen Alpen.

 

 

Es geht weiter auf dem gut ausgebauten Radweg durch das Loisachtal Richtung Süden. Die nächsten 35 Kilometer sind weitgehend flach und mein Tempo bleibt im Grundlagenbereich. Die Alpen rücken immer näher und die Blicke auf das Werdenfelser Land samt der Zugspitze lassen die Zeit stillstehen. In Iffelsdorf drehe ich wieder nach Norden.

Mein nächstes Zwischenziel: das Ufer vom Starnberger See, das „Meer“ der Münchner. Denn nach einigen, harten Intervallen habe ich mir ein wenig aktive Erholung verdient. Denn das ist was die Vielseitigkeit des bayerischen Alpenvorlands auf dem Rennrad für mich besonders macht. Gerade noch steile Rampen im intensiven Bereich mit stetigen Ausblicken zu den Alpen absolviert, freue ich mich jetzt auf das „Flanieren“ mit dem Rennrad auf der zehn Kilometer langen Seeuferstraße. (Kleiner Tipp: auf der gesamten Seeuferstraße sollte man etwas umsichtig und vorausschauend fahren. Sie ist zwar nur für Anliegerautos freigegeben, aber insbesondere an Wochenenden und in der Ferienzeit herrscht hier starker Fahrradtourenfahrerverkehr und die Zugänge zu den Strandbädern führen über die Straße!)

 

 

In Ambach halte ich immer auf dem großen Schiffanlegesteg an. Von hier aus hat man einen Postkarten-Blick über den gesamten See. Danach entscheide im mich für eine Café- und Kuchenpause im idyllischen Biergarten des Gasthaus „Zum Fischmeister“ (liegt direkt am Steg). Natürlich mit Ausblick auf den See. Wer sich größer stärken möchte, sollte unbedingt die frischen Fischgerichte wie zum Beispiel die „Hechtnockerl“ nach regionaler Art probieren.

Weiter führt mich die Uferstraße im gemäßigten Tempo entlang des Sees. Ich überhole das ein oder andere Segelboot. In Leonie angekommen, wartet die letzte, ultimative Prüfung auf mich: die „Mauer von Leonie“ (Schroppweg, KM109). Zum Glück ist diese steile 300 Meter lange Rampe für den Autoverkehr gesperrt, denn bei einer Durchschnittssteigung von 17 Prozent mit Spitzen von 25 Prozent besteht schon fast bergauf „Umkippgefahr“. Doch der „Zwetschgendatschi“ von der Kuchenpause scheint Wunder zu wirken. Ich fühle mich deutlich besser als am Eurasburger Schloßberg und sehr schnell gewinne ich an Höhe über den See. Der Wattmesser zeigt teilweise 550 Watt an!

 

 

Nun heißt es noch 30 Kilometer nach München rollen. Leider nicht ganz flach. Bis zum Stadtrand wartet noch der ein oder andere Hügel auf mich. Einmal Pullach (erster Ortsteil von München) erreicht, führt mich die Strecke teils auf dem Radweg der stillgelegten Isartalbahn wieder entlang des Flusses weites gehend autofrei durch die Stadt zurück zum Startpunkt Reichenbachbrücke.

Am Ziel-/Startort angekommen, empfehle ich jedem noch einen Besuch im bikedress/Monaco Velo Club (50 Meter entfernt). Mein Freund Heiko Wild hat vor zehn Jahren den ersten Concept Store Deutschland‘s für Rennradfahrer gegründet. Dort findest Du das „Who is Who“ der Rennradbekleidungslabels sowie ein Angebot traumhaft schöner Rennmaschinen und Gravelbikes. Es ist zudem die Heimat der Münchner Rennradfahrer. Heiko hat den Store vor drei Jahren um ein echtes Radsportcafé im italienischen Stil erweitert. Bei leckerem Espresso triffst Du dort auf Gleichgesinnte. Ein Besuch lohnt sich! Monaco Velo Club – weil München im Italienischen „Monaco di Baviera“ heißt!“

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