Münsterland Giro: Mit cleverem Training im Alter Jedermann-Radrennen erfolgreich finishen

19.10.2018

Münsterland Giro: Mit 50+ erfolgreich beim 125km Jedermannrennen.

Von wegen in die Jahre gekommen. Erwin Lammenett fährt dem Alter einfach davon und zeigt dass Sportler jenseits der 50 noch gute Leistungen erzielen können. Hier sein Rennbericht vom Münsterland Giro 2018.

Im Rahmen des Münsterland Giro nahm ich auf Einladung von Alpecin-Cycling am Jedermannrennen über 125 Kilometer teil. Ich war gespannt, ob ich diese Herausforderung mit meinen über 50 Jahren und nach 15 Jahren Wettkampf-Abstinenz noch schaffen würde. Eines vorweg: Es hat irre Spaß gemacht und ist auch für etwas ältere Fahrer noch gut zu schaffen und ein echtes Erlebnis.

Das eigentliche Rennen glich für mich einer Achterbahnfahrt. Zunächst ging meine angedachte Renntaktik überhaupt nicht auf. Nach 30 Kilometer war ich der Verzweiflung nahe, weil ich ein wenig überzogen hatte. Doch dann konnte ich mich wieder erholen und die restlichen 90 Kilometer bei gutem Wetter genießen. So konnte ich am Ende des Tages doch noch ein persönliches Happy End für mich verbuchen. Ich hatte ein tolles Radrennen erlebt, mit vielen netten Leuten, auf einem nagelneuen Leih-Rad von Canyon, mit dem ich gut zurechtkam und am Ende gab es sogar noch ein leckeres Bierchen am Alpecin-Camper im Zielbereich. Doch jetzt der Reihe nach.

Vom Triathlet zum Jedermann-Radrennfahrer

Radrennen war nie meine eigentliche Domäne. Vor 15 Jahren hatte ich aus Spaß einmal an zwei Radrennen teilgenommen, weil ein Freund mich damals unbedingt mitnehmen wollte. Damals fand ich Radrennen gefährlich und wenig herausfordernd, denn zwischen 2000 und 2005 war ich als aktiver Triathlet auf der Langdistanz unterwegs. Im Grunde ist es also nicht falsch, wenn ich schreibe, dass ich von Radrennen eigentlich keine Ahnung habe. Aber auch mit 54 Jahren ist es nicht zu spät, etwas dazuzulernen und Neues zu entdecken. So kam es, dass ich kurz nach 9 Uhr  im Startblock A des Jedermann-Rennens über 125 Kilometer beim Münsterland Giro stand; gemeinsam mit etlichen Fahrern des Alpecin Jedermann-Radteams. Heute weiß ich, dass ich mich vielleicht besser in den Startblock B gestellt hätte. Denn als der Startschuss fiel, sprinteten alle Fahrer meines Startblocks los und schlugen ein Höllentempo an. In meiner Unkenntnis hatte ich eine Art Warmfahren erwartet. Dieses entfiel aber gänzlich. Nach jedem Kreisverkehr und jeder 90-Grad-Kehre wurde das Tempo angezogen, um wieder auf eine Reisegeschwindigkeit von über 40 km/h zu kommen. Rechts und links war es bisweilen sehr eng und für meinen Geschmack auch etwas gefährlich. Darum ließ ich mich zurückfallen. Meine Idee war, am Ende des Feldes im Windschatten möglichst kräfteschonend mitzufahren. Und so fand ich mich nach fünf Minuten mit vier anderen Fahrern am Ende des Feldes.

Später habe ich dann erfahren, dass es nicht unbedingt optimal ist, ganz am Ende des Feldes zu fahren, wenn man möglichst viel Windschatten erhalten möchte. Das war wohl mein erster renntaktischer Fehler. Der zweite folgte auf dem Fuße. Einer der vier Fahrer, mit denen ich am Feldende unterwegs war, stürzte. Ich bremste kurz ab, um ihn zu fragen, ob alles okay wäre oder ich helfen muss. Er rief mir zu: „Alles gut, fahr weiter“. Das Ganze dauerte höchstens fünf bis zehn  Sekunden. Dieser kurze Augenblick reichte aber aus, um den Anschluss zu verlieren. Die nächsten vier Kilometer waren die Hölle. Ich versuchte, mich an den Pulk heranzukämpfen. Ein aussichtsloses Unterfangen, da ich heute weiß: Das Peloton bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von über 40 km/h und entfernte sich immer weiter von mir. Geistig sah ich mich schon, die letzten 110 Kilometer alleine dem Pulk hinterherzuhecheln. Was ich in meinem Frust aber vollkommen vergessen, dass hinter mir irgendwo noch 1000 weitere Fahrer waren – und tatsächlich zog nach weiteren zehn Kilometern ein großes Fahrerfeld an mir vorbei, an das ich mich dankend einreihte. Diesmal machte ich nicht den Fehler, mich ans Ende des Pulks zu hängen, sondern fuhr mittendrin. Ich musste mich jetzt zuerst einmal erholen. Denn die Aufregungen und das irre Anfangstempo sowie der Versuch, an die erste Gruppe heranzufahren, hatten mich viel Energie gekostet.

Gute Leistungen bei Jedermann-Radrennen sind keine Frage des Alters, sondern des Trainings

Nach einer halben Stunde war mein Organismus wieder in einem Normalmodus – fast. Nicht ganz, denn an den wenigen Anstiegen musste ich Fahrer an mir vorbeiziehen lassen. Da ich ausschließlich in der Eifel trainiere, wo es sehr bergig ist, hatte ich eher damit gerechnet, dass ich bei Anstiegen Plätze gutmachen würde. Doch genau das Gegenteil war der Fall. Das war wohl der Tribut für die Turbulenzen auf den ersten 30 Kilometern. Vielleicht waren es auch meine fünf Kilo Übergewicht. Aber Gott sei Dank gibt es beim Münsterland Giro keine echten Berge.

Bis auf zwei weitere Unfälle, in die ich Gott sei Dank nicht verwickelt war, verliefen die weiteren 90 Kilometer vergleichsweise unspektakulär. Bei immer besser werdendem Wetter rollte ich mit dem Pulk bis ins Ziel und war am Ende überglücklich über einen wirklich gelungenen Saisonabschluss. Danke an das Alpecin-Cycling-Team für die Einladung und diesen spektakulären und wirklich schönen Tag mit einem tollen Happy End. Danke auch an die Canyon. für das geliehene Rennrads. Ich war sehr positiv überrascht, wie gut ich mit einem geliehenen Rad diese Herausforderung meistern konnte. Ich bin spontan und sehr gut mit dem Rad zurechtgekommen.

Foto:: Münsterland-Giro/ Peter Lessmann

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