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Matsch & More: Wintertraining für Rennradfahrer im Gelände

Matsch & More: Wintertraining Für Rennradfahrer Im Gelände

Rennradfahrer verlegen ihr Wintertraining immer häufiger ins Gelände. Von welchen Transfereffekten Du bei Fahrten mit Cyclocrosser, Gravelbike oder Mountainbike profitierst, erfährst Du hier.

Radwechsel einmal ganz anders! Statt auf schmalen Slicks fahren immer mehr Rennradfahrer in der kühlen Jahreszeit auf grobstollige Reifen ab. Auch Profis wie Team Katusha Alpecin-Fahrer Nils Politt gehen dann und wann mal fremd und rasen kreuz und quer über Wiesen und durch Wälder. „Das Fahren im Gelände setzt ganz andere Reize als das Fahren auf der Straße“, sagt Robert Pawlowsky, Coach des Team Katusha Alpecin. Ganz egal übrigens, ob der Athlet auf dem Cyclocrosser, Gravelbike, Mountainbike oder Rennrad mit breiten Reifen unterwegs ist. Entscheidend sind das Geläuf und die Intensität.

Robert Pawlowsky schickt seine „Zöglinge“ auch gerade dann ins Gelände, wenn das Wetter zu schlecht ist, um auf der Straße zu trainieren. „Man fährt im Gelände aufgrund der Bodenbeschaffenheit und der grobstolligeren Reifen etwas langsamer als auf der Straße . Zudem wird man im Wald durch die Bäume vor eisigem Wind und Niederschlag geschützt. Durch die höhere Intensität kühlt der Sportler ebenfalls nicht so schnell aus“, so der Sportwissenschaftler über die Vorzüge des Geländetrainings.

Training im Gelände verbessert die Fahrtechnik auf der Straße

Natürlich kann man im Gelände auch locker kurbeln, aber so richtig Spaß macht das Ganze ja mit Zug auf der Kette. Also nach der Kurve kurz antreten, um wieder auf Geschwindigkeit zu kommen oder sich mit Tempo durch den Singletrail zu schlängeln. „Ganz automatisch und spielerisch trainiert der Athlet so ganz verschiedene Fähigkeiten durch die vielen Antritte. Bei Trage- und Laufpassagen werden viel mehr Muskeln in Armen, Beinen und Rumpf beansprucht als beim reinen Fahren auf der Straße. Auch der Balanceakt auf dem Rad beim Kurvenfahren und Springen erfordert hohe koordinative Fähigkeiten und verbessert enorm die Fahrtechnik“, sagt Pawlowsky, der am Olympiastützpunkt NRW Radsportler trainiert. „Im Gelände kommt es halt viel öfter vor, dass das Rad mal wegrutscht. Und ich ermutige auch meine Sportler dazu, etwas schneller um die Kurve zu fahren, damit sie in die Grenzbereiche hineinkommen. So verbessert sich ihr Handling. Der Transfereffekt zum Fahren auf der Straße ist riesig und die Verbesserung der Fahrtechnik gibt Athleten dann auch eine enorme Sicherheit“, so Pawlowsky.

Nils Politt trainiert im Winter auf dem Cyclocrosser

Hobbyfahrern empfiehlt Pawlowsky, sich für eine bis zwei Stunden im Gelände auszupowern. „Einerseits erhöht sich durch die hohen Intensitäten der Sauerstoffumsatz, was sich wiederum günstig auf das Bruttokriterium der Ausdauerleistungsfähigkeit, die maximale Sauerstoffaufnahme, auswirkt. Andererseits lassen sich durch die Antritte Schnellkraft sowie Kraftausdauer verbessern“, so Pawlowsky. Ein bestimmtes Intervallprogramm braucht dabei niemand verfolgen. „Fahrtspiele, bei denen mit den Geländegegebenheiten gespielt wird, eignen sich perfekt fürs Offroad-Training“, so Pawlowsky. Das kann beispielsweise bedeuten: kurze Anstiege im Spitzenbereich hochzuklettern, dann auf der Ebene mit dickem Gang knapp über der Schwelle das Tempo hochzuhalten und sich bergab zu erholen, dabei aber trotzdem pedalieren. Idealerweise vorher überlegen, was wie gefahren werden soll, nicht das mittendrin die Puste ausgeht. „Auch das Laufen bestimmter Passagen mit geschultertem Rad setzt neue ungewohnte Reize und hält zudem äußerst warm“, so Pawlowsky augenzwinkernd.

Politt fährt, wenn es die Zeit zulässt, auch Cyclocrossrennen. Zuletzt war der Kölner bei den nordrhein-westfälischen Landesmeisterschaften Ende November am Start. „Er fährt außer Konkurrenz und eigentlich nur aus dem Training heraus, aber es macht ihm riesigen Spaß“, sagt Pawlowsky, der solche Rennen auch Hobbyfahrern empfiehlt. Entweder, um das Training aufzulockern oder um ein Ziel zu haben, für das der Sportler trainiert. 30 bis 45 Minuten dauert solch ein Rennen in der Hobby- beziehungsweise Jedermannklasse, das von der Belastung einem Kriterium auf der Straße ähnelt.

Foto: Dieter Fleischer

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