Alpenpässe und Anchovis

02.01.2020

geschrieben von Tim Moore
erschienen im Covadonga-Verlag

Als der Brite Tim Moore dieses Buch schrieb, gab es den Begriff des Bikepackings noch nicht. Es wurde mit dem „Rad gereist“, so wie auch Moore es tat bei seinem Selbstversuch. Der Brite hatte sich vorgenommen, die Tour de France des Jahres 2000 selbst nach- beziehungsweise vorzufahren. Es war sein aberwitziger Neujahrsvorsatz für das Millenniumsjahr. Da er jedoch kein echter Jedermann war, wie wir ihn heute kennen, wird allein schon der Kauf von Rad und Equipment sowie sein Training zu einem großen Abenteuer.

Abenteuer, das zieht sich auf wunderbare Weise von der ersten bis zur letzten Seite durch „Alpenpässe und Anchovis“. Ob es die Suche nach der richtigen Route ist, die ASO gab ihm natürlich nicht das Roadbook; ob es das Wetter ist, „von dem es jede Menge gibt“ oder die Suche nach einer geeigneten Unterkunft, die ihn jeden Tag aufs Neue vor Herausforderungen stellt. Nicht zu vergessen die Kämpfe mit sich und den ihn mit dem Rad überholenden französischen Alltagsradlern, die ihn immer wieder aufs Neue demütigen.

Als Reiseradler auf Spuren der Tour de France

Obwohl oder gerade weil er zumeist nur Start- und Zielort der Etappen kennt, wird Moores Trip eine vergnügliche Reise durch die Grande Nation. Er spielt mit den Charakteren und Besonderheiten unseres Nachbarlandes wie: „Die Frau am Schalter hatte auf mein Eintreten reagiert, als sei sie seit 1974 dort eingesperrt gewesen, und so war sie auch gekleidet.“
Mit spitzer Feder beschreibt er aber nicht nur die skurrilen Situationen , die ein radelnder Brite in Frankreich erlebt, sondern nimmt sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Schippe: „Als ich das Dorf auf dem Gipfel erreichte, sah ich aus wie Bernard Hinault, der einen Betonmischer gebiert.“

Bei allen Widrigkeiten nimmt er diese Radreise mit Humor – zumindest in der Retrospektive, so dass sie auch 20 Jahre später noch Menschen dazu animiert, es ihm gleichzutun. Auch wenn das Material besser, die Hotels komfortabler und die Streckenplanung einfacher geworden ist, ein Abenteuer bleibt es für Radtouristiker – Verzeihung – Bikepacker noch immer.
Moore, Anti- oder Alltagsheld? Die Antwort liegt ganz vor dem geistigen Auge des Lesers.

Ebenfalls lesenswert ist Tim Moores Buch „Gironimo! Ein Mann, ein Rad und die härteste Italien-Rundfahrt aller Zeiten“. Hier fuhr der Brite den Giro d’Italia 1914 nach, den damals gerade einmal acht Radrennfahrer beendeten. Moore wollte ebenso leiden und versuchte, wo möglich, auch bei der Ausrüstung auf damals verwendetes Material wie Holzfelgen zurückzugreifen.

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